Gofigramm

Gemeinsam mit Freund*innen aus Fulda beschäftige ich mich regelmäßig mit Ausschnitten aus der Bibel. Wir treffen uns einmal im Monat, um gemeinsam zu beten, diese Texte zu lesen und darüber nachzudenken, welche Relevanz sie für unseren Alltag haben könnten. (Diese Treffen nehmen wir übrigens auf und veröffentlichen sie als Podcast. Du kannst sie hier finden, zusammen mit Texten und Gebeten, die wir dafür entwickelt haben. (Abre numa nova janela))
Bei meinen Vorbereitungen auf das gestrige Treffen, bin ich auf die bekannte Stelle gestoßen, in der Jesus vom Weltgericht spricht (Matthäus 25). Dieser Abschnitt stellt ein Ereignis in der Zukunft vor, bei dem jemand, der als der Menschensohn bezeichnet wird, zu Gericht sitzt über die Menschheit und die Taten jedes Einzelnen beurteilt. Für die beurteilten Menschen stellt sich eine entscheidende Frage: Dürfen sie an einer utopischen, friedlichen Zukunft teilhaben? Das Kriterium dafür ist, ob sie gewisse Dinge getan haben oder nicht. Diese Taten sind so banal, dass sich die Beurteilten selbst nicht mehr daran erinnern können.
Die Menschen sollten
dem Hungrigen zu essen geben
dem Durstigen zu trinken geben
den Fremden aufnehmen
den Nackten bekleiden
den Kranken besuchen
dem Gefangenen Gesellschaft leisten
Es handelt sich also nicht um komplizierte Dogmen, die man wissen, glauben, an die man sich halten sollte, es handelt sich nicht um herausfordernde religiöse Übungen, wie Askese, Selbstaufgabe, das Studium heiliger Texte oder Ähnliches. Stattdessen sind es naheliegende Dinge, die man aus reiner Menschlichkeit tut. Oder eben nicht.
Mich fasziniert an dieser Vision, dass die Handlungen von allen getan werden können, unabhängig von den wirtschaftlichen Möglichkeiten, den religiösen Überzeugungen und anderen Lebensbedingungen. Und dann gibt es noch einen besonderen Clou.
Der Menschensohn lässt deshalb diese Taten das entscheidende Kriterium sein, weil er selbst, der Richter, in jedem notleidenden Menschen anwesend ist. Jeder Mensch in Not personifiziert den Menschensohn. Das heißt, dass jede notlindernde, gute Tat eine Tat an ihm ist. Das hebt jede Hierarchie auf, sowohl, was die Stellung einzelner angeht (niemand ist weniger wert als jeder andere Mensch auch), als auch, was die Relevanz von Taten angeht (jede gute Tat ist eine Heldentat).
Mich bewegt das deshalb, weil im politischen Diskurs der Ton rau geworden ist. Nacheinander und immer schnellerer Folge werden einzelne Gesellschaftsgruppen zu Problemen erklärt, und zwar genau die, von denen Jesus redet: erst die Migrant*innen, dann die Bürgergeldempfänger*innen, dann die Kranken, die nicht genug arbeiten. Jedes Mal, wenn eine dieser Gruppen als Problem identifiziert wird, wird dem Rest der Gesellschaft erklärt, dass es ihm besser gehen wird, wenn man sich erst einmal um diese Problemgruppe gekümmert hat. Bei genauerem Hinsehen stellt sich dann heraus, dass das Problem übertrieben worden ist und auch der gesellschaftliche Nutzen, der aus den Maßnahmen folgen sollte.
Mich bewegt die Vision, die Jesus entwirft, aber auch deshalb, weil in diesen Tagen Leute, die seinen Namen im Mund führen, ihm zu Ehren Lieder singen und ganze Bibelpassagen auswendig kennen, es feiern, dass in einem fernen Land jenseits des großen Teiches alte Menschen, Schwangere und auch Kinder von Agenten aus ihren Häusern und Autos gezerrt, auf den Schulwegen abgefangen, sogar aus den Kliniken geholt, eingesperrt und auch ermordet werden. In den allermeisten Fällen ohne juristische Grundlage. Es gibt Jesus-Fans, die sich darüber freuen und um Schutz und Segen für die maskierten Männer und Frauen beten, die diese Ungerechtigkeiten verüben. Ich vermute, dass Matthäus 25 nicht zu ihren Lieblingsbibelstellen gehört.
Ob man nun religiös ist oder nicht, ich glaube, es ist möglich, den Worten von Jesus zuzustimmen, weil die Geschichte belegt, dass sie wahr sind: Eine Menschheit, die sich den Schwächsten zuwendet, hat Zukunft. Eine Menschheit, die das nicht tut, hat sie nicht.
Ich wünsche Dir eine tolle Woche. Bis nächsten Montag!
Dein Gofi
Danke für Dein Interesse! Ich bin Gofi, Künstler, lebe in Marburg und engagiere mich für den Erhalt von Kunst, Kreativität, Gemeinschaft und einer menschenfreundlichen Spiritualität. Das GOFIZINE veröffentliche ich bewusst kostenlos für alle, weil ich möchte, dass jede/r Zugang zu guten Inhalten hat, unabhängig von Einkommen und finanziellen Möglichkeiten. Wenn Du mir bei meiner Arbeit helfen möchtest, bin ich Dir sehr dankbar.
Podcast
Übers Segnen, Fluchen und den Mord an Renée Good
Was beutet Segen eigentlich?

Wie oft wünschen sich Menschen gegenseitig zu Geburtstagen, Hochzeiten oder anderen Anlässen Gottes Segen, ohne groß weiter darüber nachzudenken, was das konkret bedeuten soll?
Jay, Marco und Gofi schauen in die biblischen Texte, in denen etwas über Segen erzählt wird. In Geschichten, in denen Segen gestohlen wird, wo sprechende Esel eine Rolle spielen, wo jemand um die Erweiterung seines Gebiets bittet und wo jemand anderes gesegnet wird, um ein Segen für andere zu sein. Ist Segen gleichzusetzen mit Wohlstand, Reichtum, Macht und Erfolg? Wie funktioniert das eigentlich, wenn Jesus nahelegt, die zu segnen, die einen verfluchen?
Ein Gespräch über ICE, Renée Good, imperialistische Machtfantasien und die Suche nach dem Segen im Hier und Jetzt.
https://hossa-talk.de/275-uebers-segnen-fluchen-und-den-mord-an-renee-good/ (Abre numa nova janela)
Du hast das GOFIZINE noch gar nicht abonniert? Dann klicke doch bitte mal auf den Button.
News
Griechenlandreise: Bald Anmeldeschluss

Der Anmeldeschluss für die Griechenlandreise rückt näher. Anfang Februar fällt der Hammer. Falls Du zu den Kurzentschlossenen zählst, die darauf Lust hätten, sich mit mir gemeinsam auf die Spuren zu begeben, dann melde Dich doch mal an.
Ich würde mich sehr darüber freuen, obwohl ich nichts daran verdiene. Denn dieser Paulus interessiert mich sehr. Er lebte zu einer Zeit, in der sich umwälzende Veränderungen bereits abzeichneten. Davon ging er ganz fest aus, dass noch zu seinen Lebzeiten Ereignisse stattfinden würden, die die ganze Welt erschüttern würden. Angetrieben von seinem Glauben an Jesus, brach er deshalb in die Welt auf, um Gemeinschaften zu gründen, die sich darauf vorbereiten und die Lehre von Jesus in ihr gemeinschaftliches Leben implementieren sollten.
Unsere Reise wird uns an die Orte führen, an denen Paulus europäischen Boden betrat.
Einen Einblick in das Programm hältst Du hier: Programm_Die_Griechenlandreise (Abre numa nova janela)
Mehr Informationen zu Chavaja – Bildungs- und Begegnungsreisen erfahrt Ihr hier: https://www.chavaja.de/ (Abre numa nova janela)
Sei bei der HossaCon dabei!
Die Hossa-Community kommt zusammen. Dieses Mal aber nicht regional begrenzt, sondern es sind ALLE herzlich eingeladen. Sei mit dabei, wenn wir uns zum ersten Mal in unserer Geschichte zu einem großen Hossa Get Together versammeln.
Wir wollen Euch sehen, Euch in den Arm nehmen, mit Euch reden und diskutieren, gemeinsam nachdenken, am Lagerfeuer sitzen, Gottesdienst feiern, Kunst genießen und voneinander lernen.
Die HOSSA CON findet statt vom 27.-29. März 2026 in der EC Tagungsstätte Altenau. Was genau Dich an diesem Wochenende erwarten wird, erfährst Du von uns in den nächsten Wochen.
Save the date. Wir freuen uns auf Dich!
Du kannst Dich direkt auf der Seite der EC Tagungsstätte anmelden.
https://www.ec-altenau.de/veranstaltungen/veranstaltungen-details/veranstaltungen_3 (Abre numa nova janela)Ab 25 Jahre: 199 €
14-25 Jahre: 169 €
6-13 Jahre: 99 €
1-5 Jahre: 69 €
Unter 1 Jahr: frei
Übernachtung im Mehrbettzimmer
Vollverpflegung in Buffetform
Teilnahme an allen Veranstaltungen
Kurtaxe
Bettwäsche bitte selbst mitbringen, kann vor Ort gegen Gebühr geliehen werden
Danke für Dein Interesse! Wenn Du mir bei meiner Arbeit helfen möchtest, kannst Du das zum Beispiel hier.