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LLMs und was sie recht gut können: interpretieren

Ich beziehungsweise mein Hinterkopf, während ich an einem Laptop schreibe. Und links davon die Aufschrift: "Was LLMs gut können: interpretieren What???"

What??? Das fragen sich wahrscheinlich einige beim Lesen der Überschrift.

LLMs (Large Language Models) können Texte gut interpretieren?

Wie komme ich denn darauf?

Unter anderem durch ein Zufallsexperiment.

Es trug sich nämlich zu, dass ich etwas, das ich zuvor kopiert hatte, in die Google-Suche eingefügt habe. Statt das, was ich tatsächlich einfügen wollte, aber anscheinend, anders als gedacht, nicht kopiert hatte.

Bin ich die Einzige, der das immer mal wieder passiert?

Dadurch also fügte ich eine Notiz in die Suchmaske ein, die eigentlich für Sunset sehen und sterben (Abre numa nova janela) gedacht war, den Thriller, an dem ich gerade arbeite.

Hier die Notiz:

Lexis Verhalten: zuerst aufgrund des Schocks echt, dann angepasst beziehungsweise schauspielerisch, während sie unbewusst versucht, zu erraten, welches Verhalten Lita von ihr erwartet.

Und das hat die KI von Google auf meine ungewollte Suchanfrage geantwortet:

Hier ist eine Aufschlüsselung dieses Verhaltensmusters:

Phase 1: Der Schock (Echtheit): Aufgrund eines unerwarteten oder traumatischen Ereignisses fällt die "soziale Maske". Die Reaktion ist roh, ehrlich und instinktiv. Lexi zeigt ihre tatsächlichen Gefühle (Angst, Trauer, Schock), ohne Filter.

Phase 2: Anpassung/Schauspielerei: Nach dem ersten Schock setzt das Bewusstsein wieder ein. Lexi realisiert die Situation (und die Anwesenheit von Lita) und beginnt, ihr Verhalten zu kontrollieren, um es der Situation anzupassen. Die Gefühle werden kontrolliert, abgeschwächt oder sogar verstellt, um "passender" zu wirken.

Phase 3: Unbewusstes Erraten/Anpassung (People-Pleasing): Lexi versucht, Litas Erwartungshaltung zu lesen. Dies geschieht oft unbewusst, um Sicherheit zu gewinnen oder Konflikte zu vermeiden. Sie agiert nicht mehr aus sich selbst heraus, sondern spiegelt das, was sie glaubt, dass Lita von ihr sehen möchte (anonyme Quelle deutet auf das Streben nach Validierung hin).

Dieses Muster deutet auf eine hohe Sensibilität für das soziale Umfeld und ein ausgeprägtes Bedürfnis hin, in den Augen anderer (hier Lita) "richtig" zu handeln, selbst auf Kosten der eigenen Authentizität.

Diese Analyse fand ich erstaunlich hellsichtig. Vor allem, weil es weitgehend dem entspricht, was ich mir bei meiner Notiz gedacht hatte. Gut gefällt mir etwa die Formulierung “eine hohe Sensibilität für das soziale Umfeld”. Weil die beteffende Person (Lexi) insgesamt über eine große Sensibilität verfügt, was ihr in ihrem Beruf hilft.

Wobei „schauspielerisch“ in meiner Notiz sich allerdings darauf bezieht, dass Lexi tatsächlich eine Schauspielerin ist, was die KI nicht ahnen kann, und zwar eine recht junge, die seit ihrer Kindheit von ihrer Mutter und anderen darauf gedrillt wurde, keine eigene Persönlichkeit zu entwickeln, sondern es anderen in jeder Hinsicht recht zu machen, um in ihrem Beruf Erfolg zu haben.

Mir ist schon klar, dass das LLM nur wiedergibt, was ich aufgeschrieben hatte, aber das hat es doch recht gut formuliert. Die Einteilung in drei Phasen trifft es jedoch nicht. Keine KI ist perfekt ¯\_(ツ)_/¯

Wer meinen vorigen Post (Abre numa nova janela) gelesen hat, weiß, dass ich mich nicht darauf verlasse, dass eine KI jedes Mal dasselbe Ergebnis ausspuckt.

Also kopierte ich die besagte Notiz über Lexi und ihr Verhalten erneut in Google und bekam daraufhin diese Antwort:

Übersicht mit KI [Das steht da immer. Ich habe es oben nur weggelassen.]

Lexis Verhalten beschreibt einen psychologischen Prozess der Anpassung an ein traumatisches Ereignis[nein] oder eine angespannte Beziehung (Lita)[nein]. Zunächst ist die Reaktion echt und schockbedingt

. Später wird das Verhalten schauspielerisch bzw. angepasst, getrieben von dem unbewussten Versuch, die Erwartungshaltung des Gegenübers zu erraten. 

Hier ist eine strukturierte Analyse dieses Verhaltens:

· Phase 1: Echte Schockreaktion: Die anfängliche Reaktion ist authentisch, oft ein direktes Ergebnis von traumatischen Erlebnissen (z. B. "unloved, unwanted, unappreciated, and lonely")[nein]. Es ist die unverfälschte Emotion.

· Phase 2: Anpassung/Schauspiel: Um mit der Situation umzugehen, beginnt ein Prozess der Anpassung (Adaptation). Lexi beginnt, ihr Verhalten zu steuern, um "angepasst" oder schauspielerisch zu wirken.

· Phase 3: Unbewusstes Erraten: Diese Anpassung ist oft unbewusst und resultiert aus dem Versuch, Litas Erwartungen zu erfüllen.

· Psychodynamik: Die Situation spiegelt ein Machtgefüge wider, bei dem Lexi ihre eigenen Bedürfnisse zugunsten einer "angepassten" Rolle aufgibt. 

 

Dieser Wechsel zwischen Authentizität und Schauspiel ist eine Coping-Strategie, um in einer als unsicher empfundenen Beziehung zu überleben.[nein]

Meine Kommentare in []. Diese Analyse klingt wieder gut, geht aber stärker an der tatsächlichen Situation vorbei als die erste.

Ich glaube, das ist der wichtigste Fallstrick bei LLMs: Sie klingen gut, also ehrlich, kompetent, faktenbasiert, empathisch. Doch wenn man sich anschaut, was sie sagen, geht es oft an den Tatsachen vorbei.

Wer dieses Blog/diesen Newsletter liest, hat inzwischen bemerkt, dass ich gerne mit KI experimentiere, um herauzufinden, wobei sie mir helfen kann (als Diktierhilfe und beim Vertonen eines Hörbuchs zum Beispiel).

Nachdem mein voriger Thriller Mission Molokai (Abre numa nova janela) fertig war, habe ich mit NotebookLM (Abre numa nova janela) herumgespielt. Diese KI fand ich interessant, weil sie speziell Texte auswertet, die man dafür hochlädt. Zum Beispiel ein Buchmanuskript.

Erstens hoffte ich, dass sie mir beim Erstellen von „Serienbibeln“ helfen kann. Die Cori-Stein-Thriller (Abre numa nova janela) umfassen zurzeit sieben Bände, die Leo-Rivenhall-Reihe (Abre numa nova janela) drei (Mission Molokai (Abre numa nova janela) ist der dritte) und beide spielen in derselben Welt mit denselben Personen. Da wird es schwierig, sich alle Figuren und deren Eigenschaften zu merken oder auch alle Ereignisse.

Zweitens hoffte ich, dass sie mir Ideen für die Werbung liefern könnte. Mir etwa Themen und Tropes der Geschichte nennen kann, Vorschläge machen, welche Zitate sich für die Werbung anbieten, oder auch Autoren und Bücher auflisten, die mit meinen Thrillern vergleichbar sind.

Hier, was ich mir anschließend unter anderem über meine Erfahrungen notiert habe:

Das LLM fantasiert: Alle Zitate und Teaser zuerst prüfen!!! Bei einer Bitte um Passagen ohne den Zusatz „wörtlich zitieren“, fantasierte Notebook teilweise.

Lösung? Guter Prompt(?) für NotebookLM, um Fantasieren zu vermeiden: Kannst du bitte die Passagen wörtlich zitieren, …?

Fazit/Erfahrungen mit Mission Molokai:

Die Wiedergabe der Handlung (auch was einzelne Personen wann getan haben, Zeitachse) sind nicht wirklich zuverlässig und gut.

Die Interpretationen (Themes, Wesen der Personen, was macht das Buch aus …) sind oft auffallend zutreffend.

Wenn es um Verleichs(Comp)-Titel geht: NotebookLM ist gut, wenn der Prompt geeignet ist.

Es ist schlechter als Perplexity (das ich auch ausprobiert habe) in Bezug auf Kategorien, Keywords und Hashtags.

Ich habe auch darüber hinaus mehrfach mit LLMs (ChatGPT, NotebookLM) experimentiert.

Mein Fazit: Sie funktionieren schlecht bei Fakten aus meinen Büchern, z. B. Informationen über die verschiedenen Personen oder Zusammenfassungen der Handlung (sie erfinden manches). Vielleicht bin ich bei diesen Punkten auch besonders pingelig, weil Fehler sich schlimmer auswirken, als wenn die KI ein nicht ganz passendes Thema vorschlägt, das sie angeblich in der Geschichte entdeckt hat.

Beim Erstellen einer Serienbibel muss ich mich darauf verlassen können, dass alles stimmt. Denn wenn ich jeden Punkt überprüfen muss, macht das so viel Arbeit, dass ich die Serienbibel auch gleich ganz selbst erstellen kann. (Was ich mangels Zeit und Lust wohl bleiben lassen werde.)

Auch in Bezug auf Kreativität und Logik beim Geschichtenerzählen war ich nicht überzeugt. Wobei ich dazu vor einiger Zeit nur wenige, kurze Tests durchgeführt habe, weil ich kein Interesse daran habe, LLMs so zu verwenden. Die Handlung meiner Thriller denke ich mir lieber selber aus. Komplexe Geschichten auf der Basis gründlicher Recherche entwickeln – das kann ich besser als jede KI, davon bin ich fest überzeugt. Außerdem macht es mir Spaß. Warum sollte ich das also eine KI tun lassen? Selbst wenn sie es eines fernen Tages könnte.

Aber die fertigen Geschichten auswerten, Tropes und Themen darin finden, die ich für die Werbung zu dem jeweiligen Buch verwenden kann, und allgemeiner: die Bedeutung in einer Geschichte oder, wie am Anfang beschrieben, einer Passage aufspüren: Dafür eignen sich LLMs offenbar einigermaßen gut.

Was mich, ehrlich gesagt, verblüfft.

Wobei die KI nur ein Ideengeber sein kann. Nur ich kann entscheiden, ob etwas in meinem Buch tatsächlich ein wichtiges Thema ist oder ob meine Thriller sich mit denen bestimmter Autoren vergleichen lassen, die die KI mir nennt. Vielleicht eignet sich beispielsweise NotebookLM oder Claude (das ich noch nicht getestet habe) auch dafür, knackige Zitate in meinem Thriller zu finden, wenn man richtig promptet. Das muss ich noch mal ausprobieren.

Wie viel ich von dem, was das LLM mir über mein nächstes Werk verrät (Themen, Tropes, Zitate, Hashtags, Kategorien, Vergleichstitel usw.), verwenden werde?

Wir werden sehen.

Für Mission Molokai (Abre numa nova janela) habe ich übrigens mit der KI von Canva (Abre numa nova janela)im letzten Jahr einen kurzen Buch-Trailer produziert. Hier auf Instagram (Abre numa nova janela) könnt ihr ihn sehen. Im Querformat sieht er etwas besser aus, aber ich weiß nicht, wie ich das Video hier hochladen kann.

Ihr habt es vielleicht inzwischen bemerkt: Ich bin wissbegierig und lerne gerne Neues. Daher meine Experimente mit KIs. Und manche Anwendungen finde ich auch nützlich: Texte diktieren oder Hörbücher produzieren zum Beispiel.

Leider kann ich allerdings im Hinblick auf die Werbung für meine Bücher nicht die rechte Begeisterung aufbringen. Deshalb ja meine Tests, ob KI mir dabei helfen kann.

Aber selbst mit deren Unterstützung habe ich eher wenig Lust auf ausgefeilte Werbekampagnen mit tollen Bildern und ausgefeilten Texten. Zumal ich nicht mal sicher bin, ob ich dadurch mehr Bücher verkaufen würde.

Lieber schreibe ich das nächste Buch. Oder meinetwegen auch einen Post bei Steady ;-)

Ich bin jetzt von meinem ursprünglichen Thema ziemlich abgeschweift. Sorry :-(

Aber vielleicht interessiert euch ja ein Blick hinter die Kulissen, um zu erfahren, was heutzutage alles zum Dasein einer (verlagsunabhängigen) Autorin dazu gehört oder gehören kann. Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen.

Tópico KI

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