Einer Künstlerin kann man keine Grenzen setzen (Nicola Constantin).
Wir setzen unsere Reihe über vergessene Künstlerinnen fort, die zu ihrer Zeit große Erfolge erzielten, aber nicht immer in die Kunstgeschichte eingegangen sind. Hier geht's um drei Frauen aus derselben Generation, die ihre Karriere in Paris gestartet haben und dann erfolgreich in ihre jeweiligen Länder zurückgekehrt sind.
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Liebe Kunstfreundin, lieber Kunstfreund,
Ende des 19. Jahrhunderts stieg die Zahl der Künstlerinnen deutlich an. Dafür gab es mehrere Gründe: gesellschaftliche Veränderungen, die mehr Frauen den Zugang zum kulturellen Leben ermöglichten, moderne Kunstbewegungen wie der Impressionismus, der sich mehr auf Alltägliches als auf Historisches konzentrierte, sowie Netzwerke, die Künstlerinnen schufen, um sich gegenseitig zu unterstützen.
Für die Künstlerinnen, die ich dir heute vorstelle, war die Stadt Paris von entscheidender Bedeutung, denn sie war das Zentrum der Kunst und ein Magnet für internationale Kunstschaffende. Alle drei konnten sich an den privaten Akademien ausbilden lassen, die ab 1880 entstanden.
Sie gehören alle derselben Generation an und haben sich auf das Genre der Porträtmalerei spezialisiert. Sie richteten ihren Blick aber auch auf sich selbst und betonen in ihren Selbstporträts ihre Identität als professionelle Malerinnen, obwohl sie sich in einem von Männern dominierten Beruf bewegten.
Lilla Cabot Perry
(Abre numa nova janela)Die US-Amerikanerin Lilla Cabot Perry (1848–1933) zog im Alter von fast 40 Jahren nach Paris, um an den Akademien Colarossi und Julian Malerei zu studieren. Zuvor hatte sie ein gutes Leben in Boston geführt, war verheiratet und hatte zwei Kinder im Teenageralter. Das hielt sie jedoch nicht davon ab, zu reisen und sich der Kunst zu widmen.
Perry interessierte sich für Monets Werk. Nachdem sie ihn persönlich kennengelernt hatte, verbrachte sie mit ihrer Familie neun Sommer in einem Haus neben dem des Malers in Giverny und pflegte eine enge Freundschaft mit ihm. Er war nicht ihr Lehrer, aber sie respektierten sich gegenseitig. Als Perry nach Boston zurückkehrte, hatte sie bereits im Salon de Paris ausgestellt und sich mit ihren Werken einen guten Ruf erarbeitet.
Sie porträtierte Intellektuelle, Schriftsteller und Mitglieder der High Society Neuenglands und konnte ihre Familie mit ihrer Arbeit gut versorgen. Perry stellte häufig aus und eine ihrer wichtigsten Ausstellungen war die in Chicago im Jahr 1893.
Hier siehst du sie in ihrem Arbeitskittel, wie sie sich in Rosatönen gemalt hat. Sie ist mitten in der Arbeit und hält ihre Palette in der linken Hand. Auch wenn du die Leinwand, auf der sie gerade malt, nicht sehen kannst, zeigt sie dir im Hintergrund ein anderes ihrer Bilder, das dem Impressionismus zugeordnet werden kann. Mit diesem einfachen Mittel schafft sie es, den Raum hinter ihr zu öffnen.