Über zehn verschiedene Spinnenarten leben auf Balkonien. Vielleicht sollte ich von meinen achtbeinigen Dauergästen Miete verlangen.
Nicht jeder mag Spinnen, das ist klar. Die kleinen Krabbler stört das jedoch nicht. Unbeeindruckt erobern sie Gärten und Balkone und kommen dort in erstaunlicher Vielfalt vor. In diesem Artikel stelle ich einige unserer heimischen Spinnenarten vor, darunter auch einen krabbelnden Minikürbis 🎃.

Sie sitzen an der Badezimmerwand oder lauern auf einer Treppenstufe: Spinnen lösen bei uns Menschen vielerlei Gefühle aus. Mir ging es früher nicht anders. Noch vor wenigen Jahren machte ich einen großen Bogen um die Achtbeiner und mied so manche öffentliche Toilette, wenn dort ein langbeiniges Krabbeltier in der Ecke saß. Das änderte sich, als Thekla auf meinem Balkon einzog. Groß, schwarz, acht lange Beine, beeindruckend. Über drei Jahre war sie ein Dauergast, quasi meine eigene Haus- und Balkonspinne.
Wie alle Spaltenkreuzspinnen war sie recht ortstreu, bevorzugte eine kleine Lücke in der Wandverkleidung und kam erst in der Dämmerung heraus. Was mir als Erstes auffiel: Im Grunde hatte Thekla mehr Angst vor mir, als ich vor ihr. Sobald sich ein Finger oder mein Fotoapparat näherte, zog sie sich gleich wieder in ihre Nische zurück und ward so schnell nicht mehr gesehen.
Kreuzspinnen auf Jagd
Kein Wunder, denn Thekla gehörte zu den Lauerjägerinnen. Nicht mutig, aber geduldig. Aktive Futtersuche war nicht ihre Methode, sie wartete lieber, bis sich ein Insekt in ihrem Radnetz verfing. Wenn es dann am Signalfaden zuckte, entwickelte sie ein Tempo, das man von ihr nicht erwartet hätte, krabbelte schnell zu ihrer Beute und wickelte diese in ihren Seidenfaden ein. Auf dem Speiseplan standen vor allem Fliegen. Spaltenkreuzspinnen fressen aber auch Schmetterlinge, Wespen, Hummeln und Blattläuse (Abre numa nova janela) (Quelle: 1).

Was Thekla noch so besonders machte? Sie konnte – wie alle Spaltenkreuzspinnen – ihren eh schon flachen Hinterleib noch weiter zusammenziehen, wodurch sie in wirklich alle Spalten und unter lose Borkenstücke passt. Die dazu nötigen Muskeln endeten an zwei kleinen, punktförmigen Vertiefungen auf ihrem Hinterleib.
In Mitteleuropa leben ungefähr zehn Kreuzspinnenarten, am bekanntesten ist wohl die Gartenkreuzspinne. Sie ist deutlich heller gefärbt als Thekla und das Kreuz auf dem Rücken ist besser zu sehen. Außerdem sitzt sie eher auf einer Blüte, Bäumen oder Sträuchern und versteckt sich nicht.
