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Aber fangen wir zunächst mit meiner Reise in die Schweiz vorverganger Woche an. Das muss so sein, immerhin ist die Schweiz nur wegen mir hübsch. Doch, so schien es mir. Die Schweiz wollte, dass ich eines Tages komme und von ihren stolzen Bergen erzähle, ihren Kühen auf der Weide, dem Zürisee -Oh Schönheit!, mit seinen Schiffen und Schwänen. Jedenfalls kann ich mir das gute Wetter nicht anders erklären, schließlich waren Regen und dicke Wolken angesagt.
Ich heiße mich also in Zürich nach einer aufregenden Nacht im Zug willkomen. (Deutschland hat Slowenien im Viertelfinale der Basketball-EM mit 99:91 geschlagen) In der Bahnhofshalle mache ich mit mir ab, ich würde die Geldsache dieses Mal nicht an mich heranlasse. Beim letzten Mal blieb ich nur für eine Nacht und besuchte kurz vor meiner Abfahrt Ingeborg Bachmanns ehemaliges Wohnhaus in der Feldeggstraße. Es ist schlimm teuer, so ist das hier. Es wird nicht besser, darüber weiß ich was, eher schlechter, wenn man das mit jeden Schritt an einer Leine hinter sich herzieht. Also nimm mein Geld, Zürich! Zürich hat gesagt: Gerne! Das macht dann 27 Euro für dein Mittagessen.
»Lichtungen« von Iris Wolff
In dem Buch »Lichtungen« von Iris Wolff, welches ich auf Höhe Basel beginne zu lesen, kommt Lev zum ersten Mal in Zürich an. Er ist ein Beobachter, deswegen entgehen ihm nicht die vielen Trams, die kreuz und quer durch die Stadt fahren, man weiß nicht wohin. Er hat eine Postkarte von seiner Kinderliebe Kato bekommen auf der steht: »Wann kommst du?« Selten habe ich ein so schön stilles Buch gelesen.

Anmerkung der Redaktion: »Lichtungen« (Abre numa nova janela) von Iris Wolff, erschienen bei Klett-Cotta für 24 Euro. Auch erhältlich als Taschenbuch und E-Book.
Tipps für Zürich
Probiert den Nachtzug aus! In Berlin startet der Zug am HBF gegen 21 Uhr und kommt morgens um 9 Uhr an. Zur Übernachtung empfehle ich für Frauen das Josephins Guesthouse (Abre numa nova janela), was nicht nur ein Hotel ist, sondern auch Frauen in Not zur Verfügung steht und gleichzeitig eine Unterkunft für arbeitende Frauen für einen längeren Aufenthalt bietet.
Außerdem: Gasthaus 210 (Abre numa nova janela) gleichzeitig ein 24H-Späti!
Ich empfehle die Gegend um Josefstrasse, wo mich so wohl gefühlt habe, dort ich dachte, ja, hier könnte ich bleiben. Nur mein Verstand würde das verbieten!
Essen: Thali House - Indisches Restaurant Langstrasse 213, 8005 Zürich, Switzerland (Abre numa nova janela)
Laden mit Japanischer Papeterie: Asandri Studio Josefstrasse 45, 8005 Zürich (Abre numa nova janela)
Natürlich muss man durch die kleinen Gassen parallel zur Bahnhofsstraße laufen, vorbei am James Joyce Corner und irgendwo rauskommen, wo der Zürisee anfängt. Entlang findet man Badehäuser, die laut meiner lieben Kollegin Renata, die immerhin zehn Jahre in Zürich gelebt hat, weshalb ich auch Zürisee und nicht Zürichsee sage, das beste an der ganzen Stadt sei. Das werden mir noch zwei weitere Zürcher bestätigen, also brauchen wir hier, wenn auch ungetestet, nicht bescheiden werden! Abends traf ich die von mir so verehrte Eva Rottmann/ @eva.rottmann (Abre numa nova janela), meine nächste Nachbarin, in ihrer Wohnung auf ein Glas Wein bis wir müde wurden. Auf dem Nachhauseweg, wieder über eine Brücke und schönen Lichtern, wehte ein Hauch von Neid in meiner ostberliner Brust.
Wie hätte ich mich also nicht die Stadt verlieben können? Mein Verstand wartet geduldig, bis auch dieser Newsletter geschrieben und abgeschickt ist.
Verlosung
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»Mythos Nationalgericht« von Alberto Grandi
Im Zug nach Bad Ragaz sitzt neben mir ein älterer Herr, außerordentlich gut gekleidet, in einem rosafarbenden Pullover, wahrscheinlich aus Kaschmir, mit einem Buch in der Hand »La cucina italiana non esiste«. Ich musste mehrmals hinschauen und reimte mir mit NON zusammen, es könne sich nur um eine Provokation handeln. Aber nein, Alberto Grandi räumt wirklich mit einigen Mythen rund um die italienische Küche auf. Etwa, dass die italienische Küche vor allem erst Beachtung mit ihren Emigranten in den USA in den 70er Jahren fand. Lupenreines Marketing, meint Grandi, führte zu der Annahme, dass die Italiener ihre Nudeln schon über Jahrhunderte weg essen, was, so sagt er, sei früher nämlich nur den adligen Italienern vorbehalten gewesen. So erfährt man also, was eben doch durchaus sehr italienisch ist und überhaupt, was Küche eben mit übertriebenen Nationalstolz zu tun haben könnte. In Italien ist dieses Buch umstritten, was es umso interessanter macht.

Anmerkung der Redaktion: »Mythos Nationalgericht- Die erfunden Traditionen der italienischen Küche« (Abre numa nova janela) von Alberto Grandi, erschienen bei Harper Collins für 22 Euro; übersetzt von Andrea Kunstmann
In Bad Ragaz wurde ich also zu einem Kurzgeschichtenfestival von Alon Renner/ @alon_renner (Abre numa nova janela) für Die Rahmenhandlung (Abre numa nova janela)eingeladen. Deutschland spielt am Nachmittag im Halbfinale gegen Finnland 98:86 und ich treffe wenig später in einer Bar auf die fabelhafte Ronja von Rönne/@sudelheft (Abre numa nova janela), die ich seit Jahren nicht gesehen habe. Entsprechend ist die Freude groß. Auch über ihren netten Freund Florian, der Elvis Presley liebt. Ein schönes Selfie von uns Dreien gab es dazu bereits. Anschließend gehe ich in die katholische Kirche mit einem Quittenbaum an der Mauer, lese über meinen Wohnwagen vor, der Text beginnt mit »Wenigstens hat er nicht mit einer anderen geschlafen«, was ich nicht direkt von der Kanzel brülle, aber auch nicht weit von den Stufen des Jesuskreuzes. Nochmal später umarme ich Katja Lewina/@katja_lewina (Abre numa nova janela), die ich im klassischsten Sinne bewundere. Es ist also auch ein Wochenende der Wiedersehensfreude, sicherlich heilig, mit ein bisschen Klassenfahrtscharme.



(Foto in der Kirche und mit Katja Lewina: Oskar Moyano (Abre numa nova janela))
Nachricht von einer Leserin vom 07. September
Liebe Judith,
In Bad Ragaz gibt es ein Thermalbad, dessen Besuch sich lohnen soll.
Und man kann in die Taminaschlucht wandern, auch empfehlenswert!
Viel Spaß bei den Eidgenossen!
Gruss K.
In der empfohlenen Therme (Abre numa nova janela), mit diesem weichen und 36,5 Grad warmen Wasser lassen wir es uns gut gehen. So übrigens auch der Slogan über den Trinkbrunnen: »36,5 Grad, weil es dir gut tut.« Ich würde behaupten, die Therme/die Quelle ist das, was Bad Ragaz berühmt macht. Am Ende des Tages habe ich so viel Quellwasser gesoffen, es war als hätte meine Krankenkasse höchstpersönlich in mir gesteckt, Thomas Mann hätte mir sicher auf die Schulter geklopft. Und Rainer Maria Rilke, darüber weiß ich nur wenig, der laut dem Internet wohl einst auf Einladung von Fürstin Marie von Thurn folgte. »Hiersein ist herrlich« schrieb er, was auch auf einer Plakette in der Taminaschlucht steht. Da, wo die Quelle mal von Jägern entdeckt wurde, die ich unbedingt vor meiner Abreise noch sehen wollte.


Die Tage in der Schweiz umschlossen mein Herz, ich bedanke mich für die Einladung! Als ich in Berlin aus dem Flieger stieg, die letzten drei Spielminuten fehlten mir, war Deutschland, in einem wahnsinnig guten Spiel gegen die Türkei, am Ende der Sieger und Europameister.
Ich wünsche einen schönen Start in die Woche! Viel Glück beim Gewinnspiel!
Eure Judith Poznan