
Liebe Leser:innen,
in meiner Kindheit war Erntedank ein riesiges Ding. Auch jetzt noch mag ich die Stimmung nach dem nun endgültig vergangenen Sommer, die Möglichkeit aufmerksam zu schauen, was das Jahr bisher so gebracht hat, bevor die Tage stetig dunkler werden. Sich mit den letzten Sonnenstrahlen genau dafür zu stärken und bindfädelnden Regentagen mit einem Gefühl der Dankbarkeit zu begegnen — nicht zuletzt für die Konzentration, die sie eben auch schenken können. Das liegt mir mehr als die (emotionalen) Bilanzen zum Jahresende, die dann ja meist vor Zuckerguss glänzen.
Und auch wenn ein Gefühl des Nichthinterherkommens immer bleibt, mag ich die Saisonalität, die der Literaturbetrieb mit seinen neuen Verlagsprogrammen im Frühjahr und Herbst vorgibt. Und dass dieser Literaturherbst viel Grund zur Dankbarkeit schenkt, wird ja seit Wochen beim Blick in die Vorschauen der Verlage deutlich. Es war (zumindest an der Qualität und Vielfalt der Veröffentlichungen gemessen) ein gutes Jahr für die Literatur!
Ein Buch aus diesen Vorschauen ist gerade erschienen und wie ich finde, sehr berechtigt in aller Munde, Seelen und Hirnen. Wenn es nach mir geht, darf das auch noch lange so bleiben, denn Ozan Zakariya Keskinkılıç hat mit Hundesohn (Abre numa nova janela) einen wirklich hervorragend gelungenen und in seiner Feinheit und Klugheit ganz außergewöhnlichen Debütroman vorgelegt, der auf ebenso poetische wie wuchtige Weise erzählt. Ich freue mich sehr, dass ich ihn hier auch offiziell als Unterstützung dieses Newsletters vom Suhrkamp Verlag präsentieren darf. Ein Loblied darauf hätte ich ohnehin gesungen.
Was — wie immer völlig unabhängig davon — mein blauschwarzberlin-Kollege Ludwig Lohmann kürzlich in Folge 76 unseres Podcasts dazu gesagt hat, hört ihr am besten selbst, überall wo es Podcasts gibt oder gern auch hier:
https://www.youtube.com/watch?v=kpFjEX7DdPE (Abre numa nova janela)Ich habe mich in der Septemberfolge dem faszinierenden Debüt von Anna Maschik, dem ausgezeichneten Sachbuch-Comic von Ulli Lust und dem neuen Roman von Antonia Baum gewidmet.
Im Oktober freue ich mich unter anderem besonders auf diese Bücher:

Am 13.10. erscheint Wachskind (Abre numa nova janela) von Olga Rain, aus dem Dänischen übersetzt von Alexander Sitzmann.
Am 14.10. erscheint Pathemata. Die Geschichte meines Mundes (Abre numa nova janela) von Maggie Nelson in der Übersetzung von Cornelius Reiber.
Am 16.10. erscheint Zwei, drei blaue Augen (Abre numa nova janela) von Victor Schefé.
Am 30.10. erscheint Maggie (Abre numa nova janela)von Katie Yee, übersetzt hat den Roman Jasmin Humburg.
Im September gab es auch endlich wieder einmal eine #Freitagsstunde auf Instagram (Abre numa nova janela). Also ein Format, in dem ich einen Livestream starte und mich dann thematisch vor allem von den Kommentaren der Zuschauenden leiten lasse. Ich glaube, bei aller Danlbarkeit, treiben viele von uns gerade ähnliche Sorgen um. Ich habe ein paar Bücher empfohlen, die mir Lichter sind, wenn alles zu düster scheint, um es auszuhalten.
Im Nachklang dazu — und inspiriert von klugen Menschen — habe ich danach begonnen, mal zurückzuschauen. Die Freitagsstunden und Gespräche zu Büchern, die als Livestream auf Instagram eigentlich wegen der Lockdowns begonnen haben, gibt es nun schon seit fünf Jahren. Und zum Glück ist ein Ende nicht in Sicht. Um diese Gespräche nicht in den Kellergewölben von Instagram vermuffen zu lassen und sie vor allem auch denen zugänglich zu machen, die dort keinen Account (mehr) haben, lade ich gerade täglich ein Gespräch mit Autor:innen, Übersetzer:innen, Lektor:innen oder anderen Personen des Literaturbetriebs hoch, die dort seither stattgefunden haben. Ich arbeite mich chronologisch in die Gegenwart. Und künftig werden dann alle Instalives nachträglich auch dort zu finden sein — und so viel mehr Schönes, aber dazu dann mehr.
Es öffnet sich hier ab sofort für alle die mögen jeden Tag ein Türchen.Und es gibt so viel Schönes (wieder) zu entdecken. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr auch hier dabei seid:
https://www.youtube.com/@MariaChristinaPiwowarski (Abre numa nova janela)Im Oktober freue ich mich auf diese Gespräche:

Zur aktuellen Ausstellung im Minsk Museum in Potsdam (Abre numa nova janela) geht die Lesereihe weiter, die dort seit Anfang des Jahres die gezeigte Kunst begleitet. Am 17.10. spreche ich dann mit Florentine Anders über Die Allee (Abre numa nova janela).
Zu den 30. Schweriner Literaturtagen (Abre numa nova janela) treffe ich am 22.10. Heike Geißler und spreche mit ihr über ihre letzten beiden Bücher Arbeiten (Abre numa nova janela)und Verzweiflungen (Abre numa nova janela).
Und den nächsten Instagram-Livestream gibt es am 29.10. um 20 Uhr. Dann spreche ich mit Dory Manor und Moshe Sakal über ihren Verlag Altneuland und mit der Übersetzerin Lucia Engelbrecht über ihre Arbeit an Wir waren die Zukunft (Abre numa nova janela) von Yael Neeman.
@mariaslesekreis (Abre numa nova janela)auf Instagram macht nach den letzten drei Büchern im Oktober Pause. Wer für Runde 34 gleich von Beginn an dabei sein will: Am 1.11. poste ich dort in den Stories drei Taschenbücher zur Auswahl, dann stimmen wir für eine gemeinsame November-Lektüre ab.
Auf Steady gibt es von mir je nach Paket bis zu drei Artikel im Monat für euch. Das sind mal Buchemfehlungen abseits aller anderen Kanäle, mal Überlegungen zum Literaturbetrieb oder auch Persönlicheres (oft auch als Audiodatei eingesprochen).
Dort sind seit dem letzten Newsletter folgende Texte für Mitglieder erschienen:
Am 9. September ging es um Stabhochsprünge im Zementkorsett, über Magie in nur wenigen Sätzen, über Blurbs. (Abre numa nova janela)
Am 15. September gab es wieder drei Bücher zur Monatsmitte (Abre numa nova janela).
Und am 23. September schreib ich zu etwas, worüber auch ich eigentlich ungern spreche: Geld. man könnte es einen Einblick in meine finanzielle Biographie (Abre numa nova janela) nennen.
Ich freue mich, wenn ihr euch dort mal umsehen und mit mir sein wollt.
An dieser Stelle lesen wir uns wieder am 2.11.
Auf ein gutes Lesen
Eure Maria
PS: Ich kann mir denken, dass ihr ihn längst kennt, aber falls ihr in diesem Jahr nur einmal ins Kino kommt, seht euch In die Sonne schauen von Mascha Schilinski an. Dieser Film hat etwas mit mir gemacht, was eigentlich nur Büchern gelingt: Ich kann nicht aufhören, darüber nachzudenken. Dieser Film ist in Bild und Klang, in jeder einzelnen Sequenz durch die Jahrzehnte, absolut herausragend komponiert. Von den Schauspieler:innen bis zur Requisite war ich tief beeindruckt. Die Intensität des Schweigens, das sich durch die Genrationen um Frauenleben legt, wird beklemmend deutlich. Aber diese Düsternis, dass es wirklich keinen Ausweg daraus zu geben scheint, macht mich gelinde gesagt fertig. Hätte es eine Romanvorlage gegeben, ich hätte sofort von vorn zu lesen begonnen. Ob ich mir den Film noch einmal zutraue, weiß ich hingegen nicht. Und doch ist er so, so wichtig (Aber keine Sorge, es ist ein inneres Schauern, der Film hat bei aller erzählten und oft eben auch nur angedeuteten Härte, an keiner Stelle nötig Brutalität um ihrer selbst willen zu zeigen.)