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Geschmack

Was ist guter Geschmack und wie kriegt man ihn?

»Es ist nicht meine Aufgabe, Ihnen beizubringen, ein gutes Bild zu machen«, sagte meine Fotografie Professorin Wiebke Loeper (Queen!) im Grundkurs Fotografie im ersten Semester meines Kommunikationsdesign-Studiums, »Jeder kann ein gutes Bild machen. Sie sollen lernen, wie man ein gutes Bild erkennt.« 

Sie brachte damit auf den Punkt, was das Designstudium—und im Grunde jede kreative Ausbildung—ausmacht: Grafikerinnen, Modedesigner oder Autorinnen werden nicht in erster Linie darin ausgebildet oder dafür bezahlt, Bildbearbeitungssoftware zu benutzen, Kellerfalten zu nähen, oder eine fünf-Akt-Struktur zu konstruieren. Wir werden ausgebildet in gutem Geschmack. 

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(Diese Tatsache ist auch dafür verantwortlich, dass man in den ersten Jahren einer kreativen Karriere und darüber hinaus beim Schaffensprozess sehr leidet. Denn lange und hartnäckig ist der eigene Geschmack besser als die eigenen Fähigkeiten. Ich sehe, was gut ist, habe aber noch nicht die Fähigkeiten, es gut zu machen. Es ist frustrierend. Und hoffnungsvoll: Solange ich mich darüber ärgern kann, dass meine Texte nicht so gut sind wie die von Siri Hustvedt oder Zadie Smith, desto höher ist mein Entwicklungspotenzial.)

Seit meinem Studium finde ich die Idee von Geschmack endlos faszinierend. Dein Geschmack ist in allem, was du tust: Was du anziehst, wie du riechst, wie deine Wohnung aussieht, was du isst, wie du sprichst, wie du dich bewegst. Nicht alle haben Geschmack, aber alle glauben, dass sie ihn haben. Dein Geschmack sagt was über deine Klasse, deine Herkunft, deine Generation, deine Weltanschauung, deine Kultur und deine Beziehung zur Welt. Es ist eine Sprache, komplett mit eigener, komplexer Grammatik und ständig neu dazukommenden Vokabeln. Guter Geschmack ist unmöglich zu definieren—man kann sich immer nur einer Definition annähern. Sobald man glaubt, sie zu haben, fallen einem tausend Ausnahmen von der Regel ein. Geschmack ist unberechenbar, Geschmack ist etwas, das die KI (noch) nicht hat.

»Guter Geschmack ist der Nachhall fremden Privilegs.« — Dave Hickey

Tópico Essay

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