(Abre numa nova janela)Es war einmal eine Öffentlichkeitsarbeit, die Ideen hatte. Die wusste, wie man Menschen erreicht, wie man Geschichten findet, wie man eine Stadt lebendig macht. Sie wurde entlassen – viel zu viel des Guten, offenbar.
Seither ist die Timeline der Stadt vollgepflastert mit bunten, nervigen Videos. Als ob das alles wäre. Am schönsten findet man wohl den Bücherflohmarkt, der in mehreren Clips regelmäßig als das Event des Jahres präsentiert wird – ohne Seele, ohne Schmäh, dafür wie für eine Grundschulgruppe, der man dieselbe Info endlos wiederholen muss. Vielleicht in der Hoffnung, dass sie’s irgendwann kapiert.
Früher gab es Formate mit mehr Abwechslung und Ideenreichtum – heute gibt’s dafür bunte Clips im Dauerloop, die wirken wie Unterricht für eine Grundschulklasse: „Und noch mal alle zusammen – Bücherflohmarkt!“
Natürlich, Bücher sind toll. Aber es gibt doch bestimmt auch andere Themen, die für die Bürger:innen wichtig sind. Darum an dieser Stelle ein ernst gemeintes Lob an alle Stadtmitarbeiter:innen, die täglich im Hintergrund sinnvolle Arbeit leisten – ohne dass ihre Arbeit im Video landet, und ohne Applaus, aber dafür mit echter Wirkung. PS: Ich möchte ja auch mal etwas Positives schreiben, so wie es von einer treuen Leserin gewünscht wurde.
Und während sich der städtische Social-Media-Kanal im Dauerkreisverkehr um Bücherstapel dreht, fragt man sich: Gibt es in dieser Stadt wirklich keine wichtigeren Themen? Kein Bauprojekt, das klemmt? Keine Vereine, die Unterstützung brauchen? Keine Bürgerfragen, die beantwortet werden müssen?
Es gibt sie. Und es gibt Menschen, die jeden Tag echte Arbeit leisten: Straßen instand halten, Anträge bearbeiten, Probleme lösen – für uns alle. Sie stehen nicht vor der Kamera, sie produzieren keine bunten Videos. Und trotzdem – oder gerade deshalb – sind sie die wahren Leistungsträger dieser Stadt.
Doch von denen sieht man nichts. Keine Bilder, keine Storys. Stattdessen: Bücherflohmarkt, Woche für Woche. Der Zeigefinger auf dem Plakat mahnt stumm: „Bleib auf Kurs.“ Schade nur, dass der Kurs längst im Kreisverkehr endet.
Zum Schluss:
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Bis Sonntag - dann mit der Magie einer Wiese.
Ihre Erna Schippel
Norddeutsch, nüchtern – aber nie ganz ohne Hoffnung.
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