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#101 Neu denken

(Abre numa nova janela)

Es ist Donnerstag. Du liest die ”Post aus Dachau”, den wöchentlichen Kultur-Newsletter von Stadtführung mit Matthias (Abre numa nova janela) für Dachau und München.

Als Gästeführer weiß ich was los ist. Und was sich lohnt.

Für Alle, die ihre Stadt genauso lieben, wie Du und ich.

Diese Woche wird intensiv. Dachau stellt sich endlich seinen Straßennamen, eine Kunstausstellung lädt zum Träumen ein – und eine Hörperformance, die unter die Haut geht.

Servus,

dieser Debatte ging man lange aus dem Weg.

Vor der Kommunalwahl sagte mir ein Dachauer Stadtrat darauf angesprochen: “Matthias, dieses heiße Eisen fasst vor der Wahl keiner mehr an. Und es wird auch nicht das erste sein, womit wir uns nach der Wahl befassen.”

Doch jetzt scheint der Zeitpunkt gekommen. In Dachau geht es um die Frage nach den Straßennamen, deren Würdenträger*innen heute in einem anderen Licht stehen. Die Auseinandersetzung ist auf jeden Fall in der Stadtgesellschaft spürbar angekommen. Die Fakten liegen seit langem auf dem Tisch, die Erwartungen auch. Was bisher fehlt, ist die Entscheidung. Insbesondere ein Name steht dabei besonders im Fokus: Ludwig Thoma.

Lange Zeit hatte man immer wieder auf ein Signal aus München gewartet. Ein gewisser Dieter Reiter verhinderte dort 2021 die Umbenennung der Ludwig-Thoma-Straße mit dem internen Machtwort:

„So lange ich OB bin, passiert das nicht“

Dabei fiel das Urteil der beauftragten Expertenkommission deutlich aus. Doch seit ein paar Wochen ist Dieter Reiter als OB in München selbst Geschichte.

Es geht dabei um weit mehr als Schilder im Stadtbild. Straßennamen sind öffentliche Ehrungen – und damit immer auch Aussagen darüber, wen eine Stadt sichtbar würdigt und wessen Geschichte sie im Alltag miterzählt. Genau hier wird es in Dachau kompliziert: Zwischen 20 und 30 Namen stehen im Raum, verbunden mit Biografien, die von „zeittypischer Verstrickung“ bis hin zu aktiver Beteiligung und Hetze reichen.

Die Diskussion, die jetzt im Stadtrat auf die Tagesordnung soll, ist deshalb überfällig. Sie ist hochaktuell. Sie berührt die Frage, wie Erinnerungskultur im Jahr 2026 aussieht – gerade an einem Ort wie Dachau, der wie kaum ein anderer für die Auseinandersetzung mit seiner Vergangenheit steht. Und sie stellt die Politik vor eine Aufgabe, die man nicht mehr länger vertagen kann.

„Das Schlimmste ist, nichts zu tun!“ -
Peter Heller, Sprecher des Runden Tisch gegen Rassismus

Gleichzeitig ist klar: einfache Lösungen gibt es nicht. Umbenennen oder erklären? Bewahren oder korrigieren? Zwischen diesen Polen bewegt sich eine Debatte, die Konflikte mit sich bringen wird – und genau deshalb geführt werden muss.

Mehr dazu – und vor allem ein genauerer Blick auf konkrete Fälle, Zusammenhänge und historische Linien – liest Du in meinem Beitrag „Wenn Ehre in Schieflage gerät” (exklusiv für Mitglieder).

Schön, dass du auch diese Woche wieder mit dabei bist – und bleibst.

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#Heute schon geträumt?

Im Wasserturm geben sich dieses Jahr Künstler*innen die Klinke in die Hand. Die nächste Ausstellung passt dabei perfekt zur Jahreszeit – vor allem, weil sie ein Gefühl verstärkt, das ohnehin schon in der Luft liegt. Herbert Laubs „Heute schon geträumt?“ lädt dazu ein, während draußen der Frühsommer Dachau in warmes Licht taucht, in Bildwelten einzutauchen, die irgendwo zwischen Traum, Erinnerung und leiser Irritation schweben.

Laub, Jahrgang 1949, kommt nicht aus der klassischen Kunstbiografie. Sein Weg führte ihn über Mode, Bankwesen und Industrie – und vielleicht ist es gerade dieser Umweg, der seinem Werk eine besondere Unabhängigkeit verleiht. Die Malerei hat ihn nie ganz losgelassen, doch erst im Ruhestand hat er sie konsequent in den Mittelpunkt gerückt. Seitdem entstehen Bilder, die sich bewusst von der Realität lösen.

Herbert Laub: Portrait

Der Einfluss von Dalí und Magritte ist kein Geheimnis – und auch kein Zitat, sondern eher eine Haltung: die Freiheit, Wirklichkeit neu zu denken. Laubs Figuren und Landschaften folgen keiner Logik im klassischen Sinne, sondern einer inneren. Dinge stehen plötzlich nebeneinander, die sich im Alltag nie begegnen würden. Perspektiven verschieben sich, Räume öffnen sich ins Unerwartete. Es sind Bilder, die nicht erklären wollen, sondern anbieten – zum Schauen, zum Assoziieren, zum Weiterträumen.

Der Dachauer Wasserturm schafft dafür wieder den perfekten Rahmen: Dort verstärkt sich dieses Gefühl von Entrücktheit. Man steigt hinauf – und ist plötzlich ein Stück weiter weg vom Alltag als noch kurz zuvor.

Laub ist in der Region kein Unbekannter: Ausstellungen in der Ruckteschell-Villa, in Andechs oder in der kleinen Altstadtgalerie haben bereits gezeigt, dass seine Arbeiten einen Nerv treffen – vielleicht gerade, weil sie sich nicht aufdrängen. Sie laden ein.

Die Stärke dieser Ausstellung: Sie funktioniert nicht über den schnellen Effekt, sondern über das Verweilen. Über das genaue Hinsehen. Und über die Frage, die ihr Titel stellt.

Vielleicht ist jetzt ein ganz guter Moment, sie sich zu stellen.

Herbert Laub – „Heute schon geträumt?“
📍 Dachauer Wasserturm, Hofgartenweg
🗓 11. bis 21. Juni 2026
🕖 Vernissage: Donnerstag, 11. Juni, 19 Uhr
🕒 Öffnungszeiten: täglich 16–21 Uhr, sonntags 14–19 Uhr

kultur für alle

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Zuhören, wo es wehtut

Manchmal sind es nicht die großen Bühnen, die lange nachwirken, sondern die kleinen, beinahe unscheinbaren Orte. Der Habibi Kiosk wird an diesem Freitag genau zu so einem Ort – und verwandelt sich für zwei Tage in etwas Unerwartetes: ein intimes Café, ein Rückzugsraum, ein Resonanzkörper für eine Begegnung, die im Alltag so kaum stattfinden würde.

Die Künstlerin Nofar Sela arbeitet mit einem Medium, das oft unterschätzt wird: der Stimme. In „Almost There“ entsteht unter Kopfhörern eine Hörperformance, die nicht auf Distanz setzt, sondern diese gezielt überwindet. Was zunächst wie ein schlichtes Setting wirkt, entwickelt schnell eine eigene Sogwirkung – weil es nichts anderes braucht als Aufmerksamkeit.

(Abre numa nova janela)
Foto: Constanze Flamme

Im Zentrum steht eine zutiefst persönliche Perspektive: das Muttersein in Zeiten von Krieg und Konflikt. Doch Sela erzählt keine abstrakte Geschichte über „anderswo“. Sie holt diese Erfahrung nah heran, reduziert sie auf das, was bleibt, wenn politische Dimensionen in den Hintergrund treten müssen: Schutz, Fürsorge, Verletzlichkeit. Und die Frage, wie viel Unschuld sich bewahren lässt – bei Kindern und bei sich selbst.

Das Entscheidende passiert dabei nicht auf einer Bühne, sondern im Kopf der Zuhörenden. Die Performance verlangt keine Interpretation, sondern Präsenz. Wer sich darauf einlässt, wird Teil einer Begegnung, die weniger über Worte funktioniert als über das, was zwischen ihnen entsteht: Empathie.

Vielleicht ist genau das der eigentliche Kern dieser Arbeit – und auch ihre gesellschaftliche Relevanz. In einer Zeit, in der Konflikte oft abstrakt und weit entfernt erscheinen, schafft Sela einen Moment der direkten Verbindung. Kein Diskurs, kein Kommentar, keine Einordnung. Sondern Zuhören.

Dass dieser Ansatz ausgerechnet im Habibi Kiosk stattfindet, passt dabei erstaunlich gut. Der Ort steht wie kaum ein anderer für Austausch, Alltag und niederschwellige Begegnung – und wird hier temporär zu einem Raum verdichtet, in dem genau das intensiver spürbar wird.

Die Slots sind begrenzt, die Dauer überschaubar. Und vielleicht ist genau das die Einladung: sich bewusst Zeit zu nehmen. Für eine Erfahrung, die nicht laut ist, aber lange nachhallt.

Nofar Sela – „Almost There“
📍 Habibi Kiosk, München
🗓 Freitag, 12. Juni 2026
⏱ Dauer: ca. 45 Minuten (Slot-basiert)
🎧 Sprache: Englisch
🎟 Eintritt frei

📩 Anmeldung für Slots: yasmin.tal@kammerspiele.de (Abre numa nova janela) (Spontanbesuch mit Wartezeit möglich)

#mehrKultur

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Wie gesagt, dieses Jahr einfach mal #machen. Bist Du dabei?

Meine nächste offene Tour

Bild

(Bild KI-generiert)

Lust auf Schwabing – jenseits der Klischees? Bei dieser offenen Tour geht es durch ein Viertel, das bis heute von seiner Geschichte als Bohème‑Hotspot lebt: zwischen Jugendstil, Künstlergeschichte(n) und dem schwer greifbaren „Schwabing‑Gefühl“.

Vielleicht hast Du ja Zeit, mitzukommen – zum Entdecken, Erinnern und mit einem neuen Blick auf einen alten Stadtteil.

Fr, 12. Juni 2026 · 15 Uhr

#meins

Meine Website: https://stadtfuehrung-mit-matthias.de (Abre numa nova janela)
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Meine Soundcloud: https://soundcloud.com/dachau-tour (Abre numa nova janela)

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Die nächste «Post aus Dachau» erscheint am 18. Juni 2026 - wir sehen uns, in Dachau und München 👋

Freundliche Grüße aus dem ❤️ von Dachau,
Dein Matthias



Matthias Schüßler
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Mitglied im Bundesverband der Gästeführer in Deutschland e.V. (BVGD)
und Vorstandsmitglied des Dachauer Gästeführer e.V.

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Schön, dass Du dabei bist!

© 2024-2026 Matthias Schüßler
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Ludwig-Thoma-Str. 9 | 85221 Dachau | servus@dachau-tour.de (Abre numa nova janela) | 0179-70 580 64

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