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Wie kommuniziert man gut?

Mikas Gedanken über Kommunikation

Als ich noch in einer dieser Beziehungen war, die man vor sich und anderen rechtfertigen muss, sagte ich oft, wir hätten ein “Kommunikationsproblem”. Das Wort “Kommunikationsproblem” ist dabei nicht nur komplett vage, sondern auch absolut grundlegend. Es benennt keine Handelnden und folglich trägt auch keine der beiden Parteien die Verantwortung. Vor allem nicht man selbst. Ich war jedenfalls (trotz aller Unsicherheit) davon überzeugt, dass es nicht an mir liegen konnte, dass wir uns immer missverstanden (sprich: er mich immer missverstand). Das Problem war seine Kommunikation, aber so darf man das natürlich nicht sagen, wenn man gut kommuniziert, weil das keine Ich-Botschaft wäre.

Wenn ich rückblickend aufdrösel, was ich meinte, wenn ich “Kommunikationsproblem” sagte, dann bestand das Problem vor allem darin, dass er sich mir gegenüber immer wieder respektlos verhielt und ich mich nicht traute, mich zu wehren. Wenn ich mich dann doch dazu durchrang, hatte ich die kleineren und größeren Vorfälle schon so lange mit mir herumgetragen, dass ich einfach nicht in der Lage war, den Vorwurf aus meiner Stimme zu verbannen. Jede noch so kleine Situation war immer über das große Ganze, und je öfter ich die Erfahrung machte, dass ich mit meiner “Kommunikation” die Probleme zu verschlimmern schien, desto mehr versuchte ich zu deckeln, auszuhalten und wegzulächeln. Das war eine gute Strategie, stärkte nachhaltig unsere Bindung und machte mich sehr zufrieden. Scherz. In Mias Lieblingszitat ihres Lieblingsprofessors von der Uni heißt es ja “In jedem guten Gespräch geht es am Ende um alles”. Vielleicht kann man einschränkend sagen: Wenn man einen Konflikt über Mülltrennung hat, ist es auch okay, wenn es einfach nur um Mülltrennung geht und nicht um Trennung.

Aber wie kommt man da raus?

Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir “Kommunikation” sagen, wenn wir eigentlich “Sprechen” meinen. Wir legen den Fokus auf den*die Sender*in und darauf, sich gut auszudrücken. Die Idee ist, dass man gut kommuniziert, wenn man in der Lage ist, Emotionen in logische Sinnzusammenhänge zu bringen. Möglichst hat man also recht. Das Problem ist nur: Wir vergessen dabei den anderen Teil, der genauso wichtig - wenn nicht gar wichtiger - ist: das Zuhören.

Wenn zwei Menschen miteinander reden, muss jede*r von beiden auch zwei Menschen zuhören: dem Gegenüber und sich selbst. Anderen zuzuhören hat nicht nur mit Aufmerksamkeit zu tun, sondern auch mit Haltung. Wenn mein Freund zu mir sagt: “Irgendwie wurde die Situation plötzlich stressig”, dann kann ich denken:

“Moment mal, aber da kam ich doch gerade an, das heißt, dass ich ihn stresse. Das heißt, dass er mich nicht dahaben wollte. Mein Partner sollte meine Gesellschaft aber immer wertschätzen. Weiß er etwa nicht, was er an mir hat? Offenbar nicht und das hat er mir ja gerade eben bewiesen. Was hat diese Beziehung eigentlich noch für einen Sinn, da fehlt uns ja komplett das Fundament.”

Oder ich denke: “Och.”

Meistens ist es irgendwo dazwischen.

Ersteres ist sehr anstrengend und verhindert, dass man Raum geben, nachfragen und neugierig sein kann. Ich kann nicht richtig zuhören, wenn ich mich sofort frage, was das Gesagte jetzt eigentlich mit mir zu tun hat. Um diesen Reflex abzulegen, muss man sich aber selbst zuhören. Was denkt man eigentlich? Was hat man für Sorgen und Ängste, die losgehen, wenn die andere Person etwas sagt. Welches Verhalten kann ich tolerieren, welches kann ich akzeptieren und welche Konsequenzen ziehe ich, wenn ich feststelle, dass das alles für mich so nicht mehr geht?

Für mich ist das die größte Hürde, wenn ich mir selber zuhören will. Ich habe Angst, dass ich Konsequenzen ziehen muss, wenn ich mir Bedürfnisse eingestehe. Ich habe Angst, dass ich selbst handeln muss, dass ich meine passive, leidende und aufopfernde Position aufgeben muss. Ich habe Angst zu verletzen und meine eigene Verletzung zu fühlen.

In dieser Beziehung, die ich vor mir und anderen rechtfertigen musste, hörte ich mir selbst nicht zu. Wenn ich es getan hätte, wäre ich vielleicht eher auf den Gedanken gekommen, dass ich die Beziehung so nicht führen wollte. Insbesondere hätte ich mich nicht fragen müssen, wieso sich immer wieder dieser Vorwurf in meine Stimme schlich, wenn ich doch so schön in Ich-Botschaften sprach. Am Ende geht es mal wieder um das, worum es immer geht: Den eigenen Anteil an einer Situation anzuerkennen, Gefühle zu fühlen und handlungsfähig zu werden. Es geht also - wie in jedem guten Gespräch - um alles.

Tópico Bi-Weekly

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