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Wir sind zurück aus der Sommerpause!

Hallo liebe Supporter:innen!

Wir sind zurück aus der Sommerpause und haben schon viele tolle Folgen in der Pipeline. Danke für eure Sprachnachrichten und Mails! 💕 

Mika: Die Macht guter Komplimente

Ich habe eine neue Hyperfixierung, die seit zwei Wochen meine Gedanken fesselt: In jeder freien Minute übe ich Schach. Ich probiere Eröffnungen und Taktik, ärgere mich, wenn ich Gefahren nicht sehe und will unbedingt gut spielen. Als ich neulich mit einem erfahrenen Spieler im Café saß und ich ohne seine Hilfe einen überraschenden Zug spielte und die Verblüffung in seinem Gesicht sehen konnte, breitete sich etwas in mir aus, was ich nur als kindliches Glück beschreiben kann. Es war keine richtige Partie (er hätte mich einfach platt gemacht), wir gingen immer Mal Positionen durch, ich erklärte ihm meine Ideen und er gab mir Tipps. Trotzdem: Am Ende - wir einigten uns auf Remi - sagte er, er fände es schockierend, wie gut ich nach so kurzer Zeit geworden bin.

Noch am Tag danach denke ich über den ein oder anderen Zug nach und bin so stolz, dass ich diesen Satz in meinem Kopf immer wieder wiederhole. Kein anderes Kompliment hat das in letzter Zeit in mir ausgelöst. Das letzte Mal war zu Beginn meiner Nüchternheit, als eine Kollegin zu mir sagte: Du siehst in letzter Zeit so gut aus - irgendwie so frisch. Und auch wenn ich nicht mehr weiß, was ich dazu sagte, ich weiß noch wie es sich anfühlte: Warm und kribbelnd, als hätte jemand sanft mein Kreuz aufgerichtet.

Seit geraumer Zeit höre ich ähnliche Sätze häufiger, aber sie fühlen sich nicht mehr so an, wie der Satz meiner Kollegin damals. Denn im letzten Jahr habe ich gut 20 Kilo abgenommen, was unweigerlich dazu führt, dass Menschen das bemerken, kommentieren und manchmal auch beneiden. Selbst jetzt, obwohl es gar nicht darum gehen soll, will ich mich erklären: Nein, ich habe keine Essstörung. Ja, ich bin komplett im Normalbereich. Und Jein: Der Prozess hat positive Ursachen, aber eben auch negative (dass ich zum Beispiel wieder mit dem Rauchen angefangen habe), er ist komplex und im Gegensatz zur Nüchternheit nicht der ungetrübte Ausdruck einer lebensverändernden Revolution der Selbstliebe. Ich höre den Satz unabhängig davon, ob ich schlecht geschlafen habe oder gestresst bin, ob ich PMS habe oder mich völlig ausgelaugt fühle. Er bezieht sich schlicht darauf, dass sich mein Körper einer Norm angeglichen hat. Im Gegensatz zur frühen Nüchternheit stehe ich nicht vor dem Spiegel und bewundere das Leben, das hinter meinen Augen zurückgekehrt ist. Ich denke nicht: Oh hi, Mika, da bist du ja wieder. Schön dich zu sehen. Ich frage mich nicht, ob andere das auch sehen können. Es ist einfach mein Körper und mein Gesicht, was völlig in Ordnung ist, aber eben auch nicht das 8. Weltwunder.

Seit der Schachpartie im Café habe ich immer wieder darüber nachgedacht, wieso sich gerade dieses Kompliment so warm angefühlt hat. Einerseits sind Komplimente natürlich nur dann wirklich gut, wenn sie sich auf etwas beziehen, was der Person selbst viel bedeutet. Andererseits gibt es viele Sachen, neben Nüchternheit und Schach, die mir viel bedeuten, aber nur wenige Komplimente, die solche Gefühle auslösen. Es muss also noch eine andere, eine magische Zutat geben. Ich habe viel darüber nachgegrübelt und festgestellt: Beide Situationen waren für mich von Unsicherheit geprägt: Ich wusste, dass Nüchternsein gut war, aber ich fragte mich auch, ob dieser Prozess nur in meinem Kopf stattfand. Konnte man ihn sehen? Fand er Ausdruck, irgendwo da draußen in der Welt? War das, was ich gerade erlebte, real? Das Kompliment meiner Kollegin war eine Rückversicherung, dass mein Inneres nach Außen strahlte. Meine Unsicherheit im Schach liegt dagegen ein bisschen verbuddelt: Denn ich weiß, dass ich schlau bin. Doch es gibt eine Art der Intelligenz, die ich immer bewundert, aber nie für mich beanspruchen würde: Analytischs Denken, vorausschauendes Handeln, taktisches Überlegen. Das erscheint mir immer noch als eine Kunst, zu der ich schlicht nicht in der Lage bin. Aber, vielleicht ja doch?

Ich glaube, ein gutes Kompliment ist deshalb nicht nur spezifisch und bezieht sich auf etwas, das uns wichtig ist, sondern hat auch die Macht, sanft einen Glaubenssatz in Frage zu stellen, den wir schon lange mit uns herumtragen. Es gibt Rückversicherung an Stellen, wo wir unsicher sind und kann blinde Flecken ausleuchten. Es richtet uns auf und gibt Mut, Dinge für uns zu beanspruchen, von denen wir nie gedacht hätten, dass wir sie haben dürfen.

Also: Gebt mehr Komplimente und ich gehe jetzt Schachspielen.

Monatskarten legen mit Mia

Ich bin schon seit einer Woche fies erkältet und muss trotzdem arbeiten, weil Deadline ist Deadline und das ist anstrengend und macht mir schrecklich schlechte Laune. Ich habe also nichts erlebt und keine Idee für eine klugen und erbaulichen Newsletter Text gehabt.

Deswegen mache ich es diesmal einfach anders und schaue nach vorne, statt zurück.

Es ist Anfang September und weil ich für jeden Monat drei Tarotkarten ziehe, verwandle ich das diesmal in einen kleinen Kartendeutungs-Workshop für euch.

Das Kartenlegen ist – ich werde nie müde, es zu betonen ­– eine wunderbares Meditationstool und Werkzeug, um seinen eigenen Gedanken auf die Schliche zu kommen. Man muss dafür kein Spiri sein und braucht auch sonst keine Vorkenntnisse. Nur ein Tarot Spiel und ein Deutungsbuch. Ich benutze die Karten von Aleister Crowley und Frieda Harris und halte die Bücher von Hajo Banzhaf für gute Begleiter.

Wie man Karten legt

Und so gehts: Ich mische die Karten, konzentriere mich dabei auf die Frage oder das Thema (September) und dann lege ich die Karten in einem schönen Fächer vor mich auf den Tisch. Mit der linken Hand ziehe ich nun die Karten (linke Hand, weil es symbolisch die Hand des Herzens ist, was ich eigentlich nur aus Gewohnheit noch mache, weil ich die Karten eigentlich schon immer visuell aussuche). Und das hier kriege ich:

VI / Die Liebenden

Die Karte stellt eine Hochzeit dar, zwischen schwarzem König und weißer Königin, steht also für die Vereinigung der Gegensätze. Es ist eine der 22 »großen Arkanen« des Tarot – diese Karten stehen für Wichtiges und Grundsätzliches und haben immer besonders viel Gewicht. 

Die Liebenden können tatsächlich für große Liebe stehen, für eine neue Beziehung oder die Weiterentwicklung einer alten (also Hochzeit), aber sie steht auch für zwei weitere Themen, nämlich erstens für Projektion – man erkennt in anderen sich selbst und idealisiert oder verteufelt sie deswegen. Zweitens wurde die Karte früher »Die Entscheidung« genannt – beschreibt also das Prinzip der Ehe als eine Entscheidung für eine Sache zugunsten derer alle anderen Optionen verschwinden

Wo immer diese Karte auftaucht, lautet der Rat: eine klare Entscheidung mit dem Herzen (nicht dem Kopf) treffen. Und dann nicht rumeiern.

Ass der Kelche

Eine Karte der Kleinen Arkanen, die erste im Element Wasser, das für Emotionen steht. Die 1 der Kelche ist das Ur-Gefühl, sozusagen Emotion pur: Liebe, Offenheit und Vertrauen ins Leben. Alles geht von alleine. Wir sind im Prinzip reine, fühlende Wesen, wie Babies, gerade auf die Welt gekommen mit nichts als Liebe im Herzen und einem überlebenswichtigen Vertrauen, dass schon alles klargeht, obwohl wir selbst null Macht haben. Der Rat der Karte: Mach dich locker, lass es fließen, mit geballten Fäusten kannst du kein Wasser schöpfen (sagte irgendein Zen-Typ).

Ritter der Scheiben

Das ist eine der 16 Hofkarten, die oft für Personen oder Wesensmerkmale stehen. Die Scheiben sind der Erde, also der materiellen Welt zugeordnet, stehen also für Konkretes (Geld, Besitz, Grund und Boden, Familie usw).

Der Ritter der Scheiben ist ein verantwortungsbewusster, hart arbeitender Pragmatiker, der gerade dabei ist, seine Ernte einzuholen. Er ist ausdauernd und man kann sich darauf verlassen, dass er die Arbeit erledigen wird. Er glaubt an handfeste, ewige Werte, Sicherheit, an Besitz. Er ist kein Träumer und kein Visionär. Er ist konservativ. Er tut, was getan werden muss. Er kümmert sich verantwortungsvoll um das, was er hat. 

Deutung

Die Monatskarten lese ich nicht als etwas, was passieren wird, sondern als die Kräfte, die wichtig werden und auf die ich im nächsten Monat verstärkt achten sollte. Sozusagen die Perspektive, aus der ich das bewerte, was mir passiert.

Eine wichtige Entscheidung steht an. Wenn ich unentschieden bin, sollte ich unbedingt auf meinen Bauch hören und nicht auf den Kopf, dass ich nicht halbherzig handeln darf, sondern entschieden und knallhart. Das Ass der Kelche zeigt, dass dann alle Energien frei und happy fließen. Es wird vielleicht sogar ein bisschen Love in the Air sein!

Durchdrehen, abheben oder mich in den Projektionen verlieren, vor der die Liebenden Karte warnt, werde ich deswegen aber glücklicherweise nicht – dafür sorgt der pragmatische Ritter, der nur das glaubt, was er sieht, der keine Mühen scheut und insgesamt weitgehend illusionsresistent ist.

Das Ass der Kelche ist sowas wie ein seliger Hippie, der sagt: All you need is Love! und der Ritter ist sowas wie ein CDU-naher Landwirt, der sagt: It’s a dirty job but someone’s gotta do it. Der Kontrast zwischen den beiden ist eine spitzenmäßige Kombo für die kreative Arbeit. Was die große Entscheidung der Liebenden sein wird, weiß ich noch nicht.

Aber, noch ein Tipp zum Schluss für diese Art von Deutung: Mit der Zeit entwickelt man ein Gefühl dafür, auf was sich die Karten beziehen könnten. Und dann liegt man damit meistens richtig.

Bis nächste Woche! 

💙

Mika + Mia

Tópico Bi-Weekly

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