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Auf der Suche nach Schneeglöckchen

Halò ihr Lieben!

Unter all den ambitionierten, mehr oder weniger realistischen und herausfordernden Neujahrsvorsätzen gibt es einen, der uns wohl alle eint und den wir meist gar nicht bewusst formulieren: durch den Januar und damit durch die dunkle Zeit kommen.

Kaum öffne ich Instagram, begegnen mir Posts, in denen sich über den 46. Januar beklagt und auf das baldige Ende des Winters gehofft wird. Treffe ich Nachbarn auf der Straße, finden die, dass es nun wirklich genug sei mit dem Schnee.

Und dann bin da ich, für die das alles gar nicht so schlimm ist und überrascht ist, dass der erste Monat des neuen Jahres schon vorbei ist.

Doch das war nicht immer so.

Über das Schreiben meines Debütromans »Brewing Tension«, der in Schottland angesiedelt ist, bin ich über die dortige Kultur und Lebensweise ziemlich tief in die gälischen Traditionen eingetaucht. Denn in einer Landschaft, die alles andere als menschenfreundlich ist und in der die Winter bisweilen sehr hart sein können, haben die Menschen ihre ganz eigenen Wege gefunden, mit Kälte und anhaltender Dunkelheit umzugehen.

Eigentlich sollte dieser Artikel am 1. Februar erscheinen, zu Imbolc, dem gälischen Fest, das den Mittelpunkt der Zeit zwischen Wintersonnenwende und Frühjahrs-Tag-und-Nacht-Gleiche bedeutet (dazu später noch mehr). Aber wie es das Leben so an sich hat, kam es mir auch hier dazwischen und ich hatte privat wie beruflich so viel um die Ohren, dass ich mich auf das absolut Nötigste beschränken musste. Und irgendwie passt das besonders gut zur Magie dieser Zeit.

Denn Imbolc ist nicht einfach ein Datum im Kalender, das zelebriert wird, bevor wir alle wieder zur Tagesordnung übergehen. Imbolc markiert vielmehr einen Übergang, eine Schwelle, einen Zeitraum. Genau wie auch die Natur nicht von einem Tag auf den anderen ihr Kleid wechselt, müssen auch wir nicht von einem Tag auf den anderen neue Menschen sein. Wir dürfen mit der Zeit wachsen, wir müssen nicht von null auf gleich perfekt sein. Und: Wir dürfen Fehler machen, Rückschläge verarbeiten, Pause-Tage einlegen. Wie oft bin ich selbst an meinem All-or-nothing-mindset gescheitert, vor allem beim Schreiben. Jedes Mal, wenn ich eine selbstgesteckte Deadline nicht erreicht habe, habe ich das Projekt auf unbestimmte Zeit vertagt, anstatt es zu einem späteren Zeitpunkt zu Ende zu schreiben.

Seit ich mich mit gälischen Traditionen und der Geschichte der Britischen Inseln beschäftige, bin ich ein wenig sanfter mit mir selbst geworden und auch ein bisschen gelassener. Ich war schon immer ein naturverbundener Mensch und während meiner Recherchen habe ich mich wieder daran erinnert. Back to the roots, sozusagen – nicht nur im übertragenen Sinn. Und seit ich mir außerdem erlaube, langsamer zu sein und nicht im tiefsten Winter Höchstleistungen von mir selbst zu erwarten, sondern zu Überwintern, mich der Natur zu fügen, fühle ich mich mehr wie ich selbst als jemals zuvor. Ich verlange nicht mehr von mir selbst, all die Dinge zu tun, während die Natur um mich herum noch schläft, sondern nehme mir die Zeit, die ich brauche. Und deshalb erscheint dieser Newsletter eben erst in der Monatsmitte.

Was genau bedeutet »Imbolc« also?

Das gälische »i mbolc« bedeutet übersetzt »im Bauch« und bezieht sich auf die Lammungszeit der Schafe und ist ein Zeichen dafür, dass das Leben von Neuem beginnt. Der 1. Februar ist in gälisch geprägten Regionen wie Schottland, Irland und der Isle of Man auch als Saint Brigid’s Day bekannt.

Brigid wird teils als Göttin, teils als Heilige referenziert. 1969 wurde sie von Papst Paul VI. allerdings aus dem Kalender der Heiligen gestrichen, weil es angeblich zu wenig Beweise gab, dass sie wirklich gelebt hat. Oder vielleicht auch einfach: weil sie eine Frau war. Über Saint Patrick gibt es nämlich noch weniger historisch verbürgtes Wissen. Und der wurde nicht aus dem Kalender gestrichen.

Gerade lese ich übrigens ein wunderbares Buch über Brigid, geschrieben von Kim Curran. Es erzählt die Lebensgeschichte von Brigid und beleuchtet ihre beiden Seiten: Saint Brigid ist nämlich nicht nur eine Heilige, sie ist auch eine heidnische Göttin. Wie so oft sind Feste wie Imbolc eine Vermischung der Traditionen von Christentum, Heidentum und Wicca-Glauben.

Imbolc ist in der landwirtschaftlichen Tradition auch ein Tag, um das Wetter der nächsten Wochen und Monate vorherzusagen. Am 1. Februar, so heißt es, sammelt die Cailleach, die Herrscherin des Winters, ihr Feuerholz. Wenn es an diesem Tag also strahlend sonnig ist, bedeutet das, dass die Cailleach viel Holz sammeln kann und der Winter noch lange fortdauern wird. Ist es aber grau und verhangen und vielleicht sogar regnerisch, schläft die Cailleach – und der Winter wird sich bald seinem Ende zuneigen.

Um Imbolc zu feiern, gibt es zahlreiche Rituale, die nicht unbedingt an den Beginn des Februars gebunden sind, sondern die wir auch jetzt noch ausüben können. Da Brigid auch als die Göttin von Herd und Feuer bekannt ist, habe ich beispielsweise in der letzten Woche meinem Ofen eine Grundreinigung verpasst und übe mich derzeit im Brotbacken.

Zudem lädt diese Zeit ein, nach draußen zu gehen und nach den ersten Anzeichen des nahenden Frühlings zu suchen. Die ersten Schneeglöckchen schieben auch bereits ihre Köpfe aus dem Boden und auch ein paar Krokusse habe ich schon entdeckt. Und: Auch die Vögel singen wieder. Erst gestern habe ich abends trotz der Kälte meine Balkontür geöffnet, um dem sanften Gesang einer Amsel zu lauschen.

Ich bin selbst erstaunt, wie viel dieser minimal verschobene Fokus für mich bewirkt hat. Wie viel weniger ich ins Außen schaue (obwohl ich ja strenggenommen genau das tue, wenn ich die Natur beobachte) und wie viel mehr ich bei mir selbst bin. Und witzigerweise auch: wie sehr ich es genieße, mich einfachen häuslichen Tätigkeiten wie dem Schrubben meines Ofens zu widmen. Denn während meine liebste Beschäftigung, das Schreiben, vor allem im Kopf stattfindet, bietet die Arbeit mit den Händen eine willkommene Abwechslung.

Am Mittwoch (18.02.) kann ich auf Instagram endlich das Cover meines Debütromans mit euch teilen und ab dann wird es auch hier in diesem Newsletter verstärkt um Themen aus meiner Sapphic Romance gehen. Doch hin und wieder möchte ich auch diesen ruhigeren Themen Raum geben. Und das aus dem gleichen Grund, aus dem ich auch diese Steady-Seite erstellt habe: Weil mir echter Mehrwert so viel wichtiger ist, als die Schnelllebigkeit der sozialen Medien.

Ich bin kein Mensch für laute Social-Media-Posts und snackable Content – doch für die Sichtbarkeit von »Brewing Tension« werde ich wohl eine Weile gegen meine Natur arbeiten. Weil ich möchte, dass diese Geschichte, die so lange in mir gereift ist, auch möglichst viele Menschen erreicht. Dennoch fühle ich mich im Austausch mit einzelnen Personen viel, viel wohler, und genau deshalb bin ich auch so froh, dass sich hier bereits ein kleiner, heimeliger Kreis lieber Menschen versammelt hat <3 Während Social Media für mich ein Marktplatz ist, ist das hier für mich der gemütliche, abseits gelegene Pub, in dem wir uns treffen, um einander Geschichten zu erzählen, uns aufzuwärmen und Energie zu tanken.

Ich freue mich so sehr, dass ihr hierhergefunden habt!

Cheers

Stevie x

Tópico Very British Isles-y!

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