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Steppen wir in den Samt des Morgens

Howdy, y’all!

Ich bin ein verdammter Pawlowscher Hund.

Sie wissen schon, Pawlow, das war dieser Verhaltenspsychologe, der dafür sorgte, dass Hunde schon sabberten, wenn sie eine Klingel hörten, obwohl da kein Futter war, dass sie zum Sabbern hätte bringen könnte.

So ist das bei mir am ersten Tag der SXSW. Noch vor 7 Uhr laufe ich eine Runde um den Ladybird Lake, jenen aufgestauten Teil des Colorado-Rivers, natürlich im Trikot des SC Preußen Münster. Und der erste Song ist immer „Think about it“ von Stevie Nicks. Denn er beginnt mit den Worten „Step into the velvet of the morning…“

Heute Morgen um 7.20 Uhr am Ladybird Lake.

Es reicht schon, wenn ich die Tür unseres Airbnb hinter mir schließe, Stevies raue Stimme in meinem Ohr, dass die Glückshormone schießen, mein Puls hochgeht – FUCK, YEAH! ES IST SXSW!

Wie so ein Pawlowscher Hund halt…

Warum Du heute bis zum Ende lesen solltest:

  • Weil Du einen Medienkompetenz-Tip bekommst

  • Weil Du etwas über die deutsche Community in Texas erfährst

  • Weil ich Dir meinen ersten, von Abo-Gebühren gekauften Smoothie zeige.

Jene Laufstrecke ist in den vergangenen Jahren immer zugänglicher geworden. Früher war es eine ruppige Erdpiste, heute ist ein großer Teil ausgebaut mit Stegen und Holzbohlen.

Heute morgen aber fragte ich mich: Ist Austin fertig gebaut? Denn auch das gehört zur Laufrunde: Immobilien-Watching. Wo sind neue Hochhäuser entstanden, wo künden Kräne von den nächsten Bauprojekten? 2014 war die Bezeichnung „Skyline“ für die Silhouette Austins eine Beleidigung des Begriffs Skyline. Jetzt kommen jedes Jahr zwei, drei neue Hochbauprojekte hinzu.

Und heute? Zum ersten Mal nach mehr als 10 Jahren sah ich keinen einzigen Baukran mehr.

Wer sich Städte erläuft, lernt sie anders kennen und so ist es auch hier. Fitness ist ein großes Thema, junge Herren beschränken ihre Laufsportbekleidung gern auf die untere Hälfte des Körpers, alle paar Minuten gleitet ein Ruderboot vorbei. Manchmal huscht ein graues Eichhörnchen über den Weg, aus den Bäumen schreien Stare, die es schwarmweise gibt – idyllisch sein kann Austin auch ganz gut.

Mein Einkehrschwung führte mich zum ersten Mal ins Juiceland. Weshalb ein Dank raus geht an die zahlenden Abonnenten hier, die mir heute einen Big 5-O mit 50 mg Protein ermöglichten.

Damit auch verbunden nochmal der Hinweis: Ab übermorgen wirst Du diesen Newsletter nur in Gänze lesen können, wenn Du mir einen Saft kaufst. Und, versprochen, Du musst nur einmal zahlen!

Don’t trust the top trend

Mit Babyschritten beginnt die SXSW in diesen Momenten. Trotzdem könnte es passieren, dass Du in deutschen Medien schon so was liest wie „Die wichtigsten Trends aus Austin“.

Wer für sich reklamiert, selbige Top-Dinger rauszufiltern, verfügt über ein Selbstbewusstsein, dass die Grenze zum Krankhaften überschreitet – oder er will Dich über den Tisch ziehen.

Denn aus tausenden (keine Übertreibung) Programmpunkten, die von „Can media survive AI“ über „How Música Mexicana is reshaping global music“ bis „The future of stadium racing“ reichen, eine allgemeingültige Wertung zu erarbeiten, ist schlicht nicht möglich. Jede Auswahl muss subjektiv bleiben, schließlich schafft niemand mehr als 5 Sessions am Tag.

Leider gerät die SXSW aber oft in eine Gemengelage aus Medienfolklore und Zeitverschiebung. Journalisten, die nach Austin reisen, müssen die Ausgaben rechtfertigen. Im Redaktionskalender steht dann, dass sie ab (im diesjährige Fall) 12. März in Texas sind – also sollen Texte sprudeln. Und so denkt sich irgendwer am Planungsdesk die Idee aus, einen Artikel über die „Wichtigsten Trends des ersten Tages der SXSW“ einzuplanen.

Hinzu kommt: Journalisten neigen dazu, die Auftritte der großen Speaker-Namen zu besuchen. Große Speaker aber sind in allen PR-Wassern getauft und liefern selten Neues. Wer wirklich Trends erspüren will, muss zu Programmpunkten gehen, in denen Wissenschaftler renommierter Unis oder die Gründer dynamischer Startups sitzen.

Solltest Dir also solch in den kommenden Tagen ein solcher Artikel begegnen – lies ihn mit einem „grain of salt“, wie man in Texas sagt. 

Austin Today

Eine nach Austin reisende Abonnentin hat mich gebeten, auch ein paar Tips für den anstehenden Tag zu liefern. Als guter Dienstleister mache ich das gern. Hier also meine Planung für den ersten Tag in Austin:

  • „Leading the AI Future: How tot hink exponentially in a chaotic decade“

  • Keynote von Bestseller-Autorin Jennifer B. Wallace über das menschliche Bedürfnis nach Verbindung

  • Charmageddon – Designer Afshin Mehin über die zukünftigen Formen von Robotern

  • Shortchanged – Kantar berichtet über die Ausgabe-Entwicklungen bei Jugendlichen angesichts von immer weniger Geld

Danach wird es ins German Haus gehen, wo eine Session mit den angeblich heißesten KI-Startups Deutschlands stattfindet.

Final werde ich versuchen, ins Konzert von Lola Young („Messy“) zu huschen.

sxtalk

“Schnecken sind meine Bestseller”

Bei der Recherche nach neuen Restaurants in Austin poppte im vergangenen Jahr ein absurder Name bei mir auf: Texbrötchen (Abre numa nova janela). Hä? Bitte was?

Texbrötchen ist eine deutsche Bäckerei in Austin mit nur einem Bäcker, Geschäftsführer und Auslieferer: HL Fahnestock. Eigentlich machte der was mit Finanzen, doch verliebte er sich ins Backen. Und so entstehen nun Franzbrötchen, Schnecken, Apfelkuchen und Mischbrot in seinem Haus.

Ich bat ihn zum Interview für unseren Podcast Völlerei & Leberschmerz (Abre numa nova janela) und er lieferte gleich mal genug Backwaren für unseren gesamten SXSW-Besuch.

https://open.spotify.com/episode/3aM72odo69lvTAUDImZxHi?si=0HaNmEXdTeezXWkG2CTIJA (Abre numa nova janela)

Für Holy Smokes habe ich ihn diese Woche erzählen lassen, wie es um den German Spirit in Texas steht.

HL Fahnestock beim Besuch in unserer Airbnb-WG im März 2025

HL, wie kam es zu Texbrötchen?

Ich habe meine Bäckerei gestartet, weil die nächste deutsche Bäckerei 65 Kilometer entfernt ist. Ich bin umgeben von deutschem Essen und deutschen Backwaren aufgewachsen. Bei meinen Reisen nach Deutschland musste ich realisieren, dass das, was wir hier bekommen, amerkanisierte Versionen sind. Und ich wollte zurück zu den authentischen Aromen, die ich in Deutschland gefunden habe.

Was ist Dein Bestseller?

Es wird niemand überraschen, dass Schnecken mein Top-Produkt sind, gefolgt von Brezeln. Die Geschmäcker meiner Kunden wechseln sehr saisonal, Kuchen und Teilchen sind eher ein Frühjahrs- und Sommer-Ding, Brot verkauft sich stärker im Herbst und Winter.

Wie groß ist denn die deutsche Community hier in der Gegend?

Es gibt 45 bis 50 Millionen Amerikaner die behaupten, deutscher Abstammung zu sein, von denen sind zwei Millionen hier in Texas. Die deutsche Auswanderung hierher startete in den 1830ern und in den 1840ern wurde der “Verein zum Schutze deutscher Einwanderer in Texas” gegründet, der einen Zuzug erleichtern sollte. Er sorgte für eine Vervielfachung der deutschen Ansiedler. Texanisches Deutsch kann man heute noch von älteren Menschen in New Braunfels oder Fredericksburg hören. Wir haben sogar eine Texas-German Society (Abre numa nova janela), die sehr aktiv in Austin ist und hilft, die deutsche Kultur zu erhalten und jungen Menschen deutsch beizubringen. Und egal ob das Wurstfest in New Braunfels oder der Weihnachtsmarkt in Fredericksburg – überall gibt es kleine Stücke Deutschland in Texas.

An unser Interview musste ich gestern Abend denken, als wir den Eingang zu unserem Airbnb suchten. Auf der Veranda des Nachbarhauses saß ein junger Mann, als er uns Deutsch sprechen hörte, antwortete bemerkenswert akzentarm zurück – er habe deutsche Vorfahren und habe die Sprache auf der Highschool gelernt.

Und nun geht es so richtig los mit der SXSW – morgen gibt es die ersten Erkenntnisse aus Panels und Keynotes.

Later, y‘all!

Ich bin bekennend süchtig – nach den Smoothies der Austiner Kette Juiceland. Und deshalb bitte ich Dich um einen Deal: Du liest diesen Newsletter – und kaufst mir einmalig dafür eine Vitaminbombe.

Abgemacht?

Bereits eingeschlagen haben über 50 Menschen, gestern neu hinzugekommen sind Nicola, Johannes und Christoph – DANKE!

Du magst meinen Schreibstil und interessierst Dich für die Zukunft? Dann gefällt Dir vielleicht auch das Buch, das ich im vergangenen Herbst veröffentlicht habe. Mehr dazu erfährst Du nach dem Klick auf dieses Banner:

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