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Von der Black Week in den Advent – mit Höchstgeschwindigkeit in die Besinnung?

Jeden Mittwoch schicke ich dir einen Impuls für mehr Rhythmus im Leben. Heute: Dem Konsumwahn entrinnen.

Grafik zeigt Symbole von Advent und Black Friday.
KI-generiert mit ChatGPT
🎼

Auf allen Kanälen schallen uns zurzeit die Botschaften entgegen: „Ihr aktuelles BLACK FRIDAY Angebot ist da!, „Black-Deals Handytarife so günstig wie nie“, „Exklusive Black-Friday-Vorteile: Sichern Sie sich jetzt 75 Prozent Rabatt!“, „Bis zu 50 Prozent sparen, nur für kurze Zeit. Schnellsein lohnt sich, denn die Deals sind limitiert.“

Der „Brauch“ des Black Friday komme aus den USA, hörte ich in dieser Woche in einem Beitrag auf Deutschlandradio Kultur. „Brauch“?

„Ein Brauch ist eine innerhalb einer Gemeinschaft entstandene, regelmäßig wiederkehrende, soziale Handlung von Menschen in festen, stark ritualisierten Formen. Bräuche sind Ausdruck der Tradition. Sie dienen ihrer Erhaltung und Weitergabe sowie dem inneren Zusammenhalt der Gruppe“, lese ich bei Wikipedia (Abre numa nova janela).

Der Brauch als Ausdruck der Tradition. So weit sind wir nun also schon: „Black Friday“, inzwischen zur „Black Week“ ausgewachsen, ist wohl eher ein Ausdruck unserer Konsumtradition. Schnell müssen wir sein, um uns die supergünstigen Angebote zu schnappen. Wir sind ja nicht blöd und lassen uns das nicht entgehen. Schnellsein lohnt sich. Wer schnell ist und sein Schnäppchen gemacht hat, fühlt sich glücklich in der Gemeinschaft der Schnäppchenjäger und -jägerinnen.

Also nicht lange überlegen, „Brauche ich das wirklich, brauche ich es jetzt?“ und „Ist es wirklich günstig?“, sondern schnell zuschlagen, online oder auch mal wieder inmitten all der anderen Konsumfreudigen in einem echten Laden.

Verkaufsstart des Weihnachtsgeschäfts

„Black Friday“ wird in den USA der Freitag nach Thanksgiving genannt. Thanksgiving ist ein Feiertag und fällt traditionell in jedem Jahr auf den vierten Donnerstag im November. Viele Menschen haben am Freitag danach frei, Kinder müssen nicht in die Schule. Daher ist der „Black Friday“ zumeist der Verkaufsstart in das Weihnachtsgeschäft.

In Deutschland gibt es den „Black Friday“ im größeren Stil seit gut 12 Jahren. Er „hat auch in Deutschland Kultstatus erreicht und ist fester Teil im Kalender“, zitiert die (Abre numa nova janela) Wirtschaftswoche den Hirnforscher und Konsumpsychologen Hans Georg Häusel: „Der Mensch ist ein Herdentier und orientiert sich an anderen.“ Die Wirtschaftswoche nennt auch die prognostizierten Umsatzzahlen rund um die Aktionstage: Der deutsche Einzelhandel rechne mit rund 5,8 Milliarden Euro – knapp zwei Prozent weniger als 2024.

Die „Black Week“ als Konsumbeschleuniger kurz vor Jahresende steht so ganz im Gegensatz zur uralten Tradition des „Advent“. Man mag zum christlichen Glauben an die Geburt Jesu (Weihnachten) und die Vorbereitung auf „die Ankunft des Herrn“ (Advent) stehen, wie man möchte, aber die winterliche Vegetationsruhe und das zu Ende gehende Jahr rufen doch geradezu nach etwas Abkehr von all dem Trubel, nach Gemütlichkeit, Kerzenlicht, Liedersingen und ruhigem Genuss in kleiner Runde.

Ursprünge des Advents

Ursprünglich, ab etwa dem 4. Jahrhundert, war die Adventszeit eine Fastenzeit. Durch Verzicht versuchten sich Gläubige, auf das Wesentliche zu besinnen und auszurichten. Die Tradition des Adventskranzes ist noch keine 200 Jahre alt: Der Theologe und Sozialarbeiter Johann Hinrich Wichern (Abre numa nova janela) (1808 bis 1881) gründete das Raue Haus in Hamburg. Dort fanden Kinder aus schwierigen Lebensverhältnissen Zuflucht. Deren Ungeduld in der Vorweihnachtszeit begegnete Wichern mit dem ersten Adventskranz: einem Wagenrad, auf dem er 20 kleine und vier große Kerzen anbrachte und auf dem Weg zur „Bescherung“ jeden Tag eine mehr davon entzündete.

Ein Adventskranz mit 20 roten und 4 weißen Kerzen. Einige von ihnen sind schon angesteckt. (Abre numa nova janela)
© Roman Eisele / CC BY-SA 4.0

Dieses erste Modell war also quasi eine Mischung aus dem heute üblichen Adventskranz mit seinen vier Kerzen und dem Adventskalender mit den 24 Türchen. Letztere gibt es als Bildervariante seit etwa 1908 (hinter jedem Türchen ein Bild) und als Schokoausgabe nach dem Zweiten Weltkrieg ab 1958. Den bescheidenen Anfängen steht die Fülle an heutigen Adventskalendern und Aktionen entgegen. Denn was mit der „Black Week“ beginnt, soll, wenn es nach den Interessen von Herstellerfirmen und Einzelhandel geht, natürlich bis zum Jahresende in einer Art Countdown weitergehen: Schneller und mehr und immer mehr.

„Der Adventskalender ist ein Abzählspiel, jede zweite Website zählt die Sekunden bis Black Friday und bald beginnt der Zeitdruck mit den Paketen, die noch bis zum 24.12. beim Beschenkten ankommen sollen“, schreibt der Journalist Nils Minkmar in seinem Newsletter „Der siebte Tag“ (Abre numa nova janela). Er beschreibt die übliche Beschleunigungsspirale, in die wir gerade in der Vorweihnachtszeit schnell geraten können.

Wer immer nur Gas gibt und nicht auch einmal langsamer geht, denkt und handelt, ein Licht nach dem anderen anzündet, verpasst etwas Entscheidendes:

Die Kostbarkeit der Zeit

Gehe deshalb sorgsam mit der Zeit um

und sieh zu, wie du sie verwendest;

denn nichts ist kostbarer als die Zeit.

In einem einzigen Augenblick,

so kurz er auch ist, kann man den Himmel gewinnen und verlieren.

Es hat einen tieferen Sinn,

dass die Zeit kostbar ist,

denn Gott, der sie gibt,

verteilt niemals zwei Augenblicke auf einmal,

sondern einen nach dem anderen.

Und dies tut Er, weil Er die Ordnung

und den natürlichen Lauf Seiner Schöpfung

nicht umstoßen will.

Denn die Zeit ist für den Menschen geschaffen

und nicht der Mensch für die Zeit.

(Wolke des Nichtwissens (Abre numa nova janela), zitiert von Marion Küstenmacher in „Aufbruch ins Licht“, Kösel-Verlag 2023)

Text: Dr. Ulrike Gebhardt

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Tópico Spiritualität + Rhythmus

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