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FUTUR IMPERFEKT

LITERATUR-KRITIK (Abre numa nova janela)

Alte Häuser haben ihren Charme: Massive Wände, knarzende Dielen, oft kleine Fenster, die wenig Licht hineinlassen und es drinnen schön kuschelig machen. Also wenn es nicht durchzieht oder so richtig schlecht gedämmt ist. Dann nämlich kann ein altes Haus ziemlich viel Arbeit machen. 

Das nämlich ist der Fall in Véronique Bizots kurzer Geschichte Eine Zukunft. 2012 erschien das Buch erstmals in der Übersetzung von Tobias Scheffel und Claudia Steinitz und wurde 2023 bei Steidl Pocket erneut aufgelegt.

Tropfende Hähne

Einziger wesentlicher Akteur in diesem Buch von weniger als 120 Seiten ist Paul, Bauingenieur für Staudämme, und eines von sechs Kindern seiner Familie. Die Mutter ist vor unbestimmter Zeit bei einem Reitunfall ums Leben gekommen, der Vater hat sich vor einigen Jahren nach Malaysia verdünnisiert und ist vier Jahre später verstorben.

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Das Haus hat nun sein Zwillingsbruder Odd übernommen, denn die anderen Geschwister hatten kein Interesse an der Bude. Und auch Odd hat sich nun aus dem Staub gemacht, Paul nur einen Brief geschrieben, er solle die 300 Kilometer zum Haus fahren und nachsehen, ob der alte Wasserhahn wirklich abgedreht sei. Im Winter drohe sonst ein Wasserrohrbruch… Paul ist alles andere als willens, fährt aber schlussendlich doch und erlebt einen eher unwirklichen Ausflug in die Vergangenheit.

Against all Odd

Der Plot dieser Geschichte klingt simpel und nachvollziehbar, ist er auch. Wir haben teil an Pauls Gedankenwelt, den spärlichen Kontakten in der abgelegenen, winterlichen, französischen Einöde. Nein, dieses Leben ist keines, das sich Paul oder eine seiner einigermaßen wohlhabend verheirateten Schwestern erträumt haben – Odd musste es für sie führen.

Das alte Haus steht sinnbildlich für ein Leben, das sie alle nicht führen wollten, Odd nun auch nicht mehr. Der Fernseher läuft ohne Ton, die Heizung funktioniert nicht, der Kühlschrank ist leer – ok, letztes lässt sich recht einfach beheben, aber vieles andere ist komplizierter. So wie die Sprache in diesem Buch.

Schachtelsatz Techtelmechtel

Véronique Bizot wählt für ihre Geschichte sehr, sehr lange Sätze macht die Geschichte damit überaus komplex. Sie ziehen sich teils über eine halbe Seite, die durchaus in manchen Situationen direkte Rede ist nur spärlich gekennzeichnet. Das macht die Geschichte doch etwas schwieriger lesbar und erfordert hohe Aufmerksamkeit von den Leserinnen und Lesern.

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Für Paul ist dieser ungeplante Besuch die beschriebene Reise in die Vergangenheit. Die scheint nicht schlecht gewesen zu sein, aber auch alles andere als perfekt. Die Tristesse (Bonjour!), die das verschneite Haus in der verschneiten Umgebung verströmen lässt uns fast verzweifeln, denn eine Zukunft oder vielmehr Gegenwart jenseits dieses Lebens, das das von Paul hätte sein können, scheint allemal wünschenswert.

Paul hat es geschafft, dieser Vergangenheit zu entkommen. Er verdammt sie nicht, im Gegenteil. Er scheint nur froh, dass sie nicht seine Gegenwart oder gar Zukunft ist. Eine Zukunft ist also ein kurzer Roman, der zum Nachdenken anregt und die Gedanken schweifen lässt.

HMS

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Véronique Bizot: Eine Zukunft (Abre numa nova janela); Aus dem Französischen von Tobias Scheffel, Claudia Steinitz; August 2023; 128 Seiten; Taschenbuch; ISBN: 978-3-96999-203-6; Steidl Verlag; 14,00 €

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Tópico Belletristik & Literatur

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