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Gaza: Das wissenschaftliche Fundament von Propaganda

Mitarbeiter der UN und des Roten Halbmondes bereiten den Transport von Verwundeten nach Ägypten vor. Chan Yunis, 15.04.2026

Aus gegebenem Anlass habe ich das Bedürfnis, einmal spontan loszuwerden, dass es eine (pseudo-) wissenschaftliche Propaganda zum Gazakrieg gibt.

Deren Auswirkung in der Breite noch nicht verstanden wird. Die aber Legitimationsgrundlage für Organisationen, Medien und Politik ist, das Vorgehen der IDF zu kritisieren, die Palästinenser in ein Opfernarrativ zu stellen und Propaganda zu unterstützen.

Das ist mir aus meiner vorherigen Tätigkeit gut bekannt, weshalb ich da wohl etwas sensibler bin.
„Der hat ja vorher was mit E-Zigaretten gemacht…“ Ja, richtig, nix zu schämen. Ich war nämlich kein Influencer, sondern habe mich mit Politik und Medien befasst und u.a. Studien auseinandergenommen. Die dann plötzlich als Broschüre bei einer Gesetzesübung im Bundestag gelandet sind und von den Politikern nicht mehr geprüft wurden.

Die allermeisten Menschen gestehen Studien eine Autorität zu. Weil sie nicht verstehen, wie der Wissenschaftszirkus läuft. Studien sind eben nicht der Weisheit letzter Schluss, sondern sie durchlaufen Filter (bestenfalls ein Peer Review durch andere Wissenschaftler) und sind manchmal nur Grundlagenforschung, aus deren Ergebnisse sich nichts unmittelbar ableiten lässt. Manche Studien sind gar keine Studien, sondern irgendwelche „Papers“ oder so etwas wie „Leserzuschriften“ in Fachmagazinen. Und überraschend häufig „biased“.

Immer häufiger begegnen mir Leute aus Social Media, die vermeintlich wissenschaftlich diskutieren. Oder so tun. Oder es versuchen. Und in einem Gish Gallop und nach Brandolinis Gesetz (Bullshit-Asymmetrie-Prinzip) hauen sie dann so viele Quellen raus, dass man kaum noch hinterherkommt.
Glück für mich, dass ich mir auch in meinem jetzigen Bereich sehr viele Studien und Papers ziehe und durchlese. 90% davon veröffentliche ich gar nicht erst. Weil es entweder niemanden interessiert, oder weil es eh immer der gleiche Unfug ist.

Solche Debatten laufen immer gleich:
„Guck hier [Link1]“
Ich so: „Quelle der Zahlen Online Erhebung“
„Dann guck hier [Link2]“
Ich so: „Quelle der Zahlen Hamas“
„Dann guck halt hier [Link3]“
Ich so: „Das ist nur ein Leserbrief, keine Studie.“
„Boah, dann guck halt hier [Link4]“
Ich so: „Kenne ich, längst widerlegt, hat er so nicht gesagt.“

Und irgendwann kommt dann: „Ja was akzeptierst du dann überhaupt?“

Zunächst akzeptiere ich alles. Nur das, was drinsteht, ist oft nicht das, was drübersteht. Und so gut wie nie das, was daraus gemacht wird.

Beispiel (ohne es jetzt nochmal rauszusuchen): Die UN veröffentlicht ein Paper und behauptet in der Überschrift, dass 70% aller im Gazastreifen Getöteten Frauen und Kinder seien. Auf Social Media wird daraus: „Israel tötet absichtlich Frauen und Kinder.“
Ich gucke rein und sehe in einer Fußnote (!) im Fließtext, dass aufgrund der Kampfhandlungen nur die Gefallenen erfasst wurden, die Außerhalb von Kampfhandlungen getötet wurden.
Das bedeutet, dass die Zahl an sich vielleicht (!) richtig ist. Aber das sie eben nichts darüber sagt, welche Menschen insgesamt getötet wurden.
Denn wenn im Gazastreifen 50% Minderjährige sind und der Rest etwa 50/50 zwischen Frauen und Männern aufgeteilt ist, ist völlig logisch, dass außerhalb von Kampfhandlungen etwa 70% (eigentlich eher 75%) Frauen und Kinder getötet werden. Weil das ja zufällig und somit entsprechend der Normalverteilung ist.
Die Aussage, die dann daraus gemacht wird, ist also schlicht falsch.

Wer sich ein Urteil darüber erlauben will, wie die IDF vorgehen oder ob ein Genozid stattfindet, muss zwangsläufig wissen, wie das Verhältnis zwischen getöteten Kombattanten und Zivilisten ist. Nicht weil ich das so sage. Sondern weil es schlichte Logik ist.
Denn das Kriegsvölkerrecht sagt nicht „Du darfst keine Zivilisten töten“. Sondern es sagt „Das Verhältnis zwischen Kombattanten und Zivilisten darf nicht übermäßig sein und das Töten muss einen militärischen Zweck haben“.

Wenn Russland eine Rakete auf ein Militärinstitut feuert, ist das nun einmal typisch für jeden Krieg. Auch, wenn dabei Zivilisten sterben. Jagt Russland aber Drohnen in Wohnhäuser und ballistische Raketen in Shopping Malls, ist das Staatsterror, der keinen militärischen Sinn hat.
In einem dicht besiedelten Gebiet wie dem Gazastreifen, in dem sich Kombattanten nachgewiesen (!) in Wohnhäusern und Tunneln unter Krankenhäusern verstecken, ist das eben nicht so einfach.

Deshalb muss eine vermeintliche oder echte wissenschaftliche Studie dazu die Zahlen bringen, die für die Unterscheidung rein logisch und zwingend notwendig sind. Und das ist vor allem – aber nicht ausschließlich – das Verhältnis von getöteten Zivilisten zu Kombattanten.

Die Hamas – ebenso wie der Libanon – unterlässt es aber ganz bewusst, diese Zahlen zu veröffentlichen. Sehr sicher erheben sie diese Zahlen nicht einmal.
Und ich unterstelle, sie tun das bewusst nicht. Um dieser scheinbar wissenschaftlich fundierten Kritik bzw. Propaganda den Weg zu bereiten.

Und da braucht auch niemand ankommen „Israel lässt ja keine Journalisten rein“.
Auch Journalisten vor Ort könnten diese Zahlen nicht erheben. Das müssten genau die tun, von denen die Zahlen kommen. Und das ist und bleibt die Hamas. In deren Datenbanken gibt es keine Spalte für „Militär“ oder „Zivilist“.
Auch die Zahlen der UN kommen von der Hamas. Die UN hat keine Leute im Gazastreifen, die solche Zahlen erheben. Sie haben im UNRWA höchstens ein paar Palästinenser, die auf der Lohnliste stehen.

Und da braucht auch niemand ankommen „Aber da ist ja alles kaputtgebombt“. Denn zunächst sind ca. 70% der Gebäude zerstört oder beschädigt. Beschädigt! Zum zweiten sagt das nichts darüber aus, warum und wie sie zerstört wurden. Denn wenn Tunnel gesprengt werden, gehen auch Häuser kaputt. Und wenn Kombattanten sich in Schulen oder Universitäten verstecken – die eh keinen Schutzstatus per se haben – werden auch die selbstverständlich bekämpft. Abschmierende eigene Raketen, Booby Traps… auch Palästinenser machen palästinensische Häuser kaputt.

Was seit zwei Jahren läuft ist eine (pseudo-) wissenschaftliche Basisarbeit, um Propaganda einen intellektuellen, akademischen und zuverlässigen Anschein zu geben.
Es ist für mich nicht mehr erschreckend, wie viele Menschen darauf hereinfallen, die es eigentlich besser wissen müssten. Aber es ist bemerkenswert bis erschütternd, wie viele bereit sind, für Emotionen, Meinungen und Wertvorstellungen Empirie über Bord zu werfen.

https://steady.page/de/u-m/posts/9bb61748-82f1-41a0-9622-1f25459a2eb1 (Abre numa nova janela)
Tópico Medien und Politik

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