
Vorweg
Übermorgen ist erst mal wieder Schluss mit Animal Crossing New Horizons in echt und ich reise zurück nach Deutschland. Mein gesprochenes Italienisch ist immer noch scheiße, weil ich mich meist vorm Reden gedrückt habe. Immerhin kann ich unendlich viele Vokabeln. Es war wieder wundervoll hier und ich freue mich jetzt auf Berlin, weil meine Kinder und viele Freund*innen da sind. Und Laser. Ich freue mich auch aufs Verlegen. Es wäre einfacher und egodienlicher, nur noch zu schreiben, aber ich möchte auch der Verantwortung gerecht werden, anderen dabei helfen zu können, Autor*innen zu werden und zu bleiben. Zum Neubeginn bald mehr im Verlags-Newsletter.
Anderes Thema: Ich bin noch nicht ganz schlüssig, wie ich die Mindestens-eines-Listen mit dem Newsletter hier verbinde. Mark Zuckerberg aka Instagram soll sie ja nicht mehr bekommen. Gebt bitte mal Feedback, welche Variante ihr am besten findet:
jeden Tag (sofern ich Zeit habe) eine Mail mit neuer Tagesliste
sieben Mindestens-eines-Kacheln am Schluss des Newsletters
sieben Links zu Mindestens-eines-Kacheln im Newsletter
Hier eine Kachel für morgen:

Etwas Altes: Versuch, etwas zu ändern
Wenn man keine Neigung zum Machtergreifen und zum Anführen hat, möchte man für gewöhnlich nicht in die Politik. Deshalb sind auch nur relativ wenige Menschen parteipolitisch tätig, mit denen ich befreundet bin oder sein möchte. Dafür sind sehr viele Politiker*innen komplette Arschgeigen. Das ist ein echtes Problem, denn es wäre schon gut, wenn mehr gute Menschen Politik machen würden, weil die dann vermutlich auch besser ausfallen würde.
Gleichzeitig bin ich der Überzeugung, dass genau jetzt die Zeit für radikale Politik ist: Superreiche besteuern, Konzerne entmachten, Privatisiertes wieder verstaatlichen, nein, ehrlich gesagt, glaube ich, dass nur ein globaler Neuanfang es für mehr als das 1 % Arschlochmenschen noch rumreißen kann: die partizipative Demokratie einer Weltgemeinschaft auf Basis der Menschenrechte. (Ich gehe davon aus, dass Menschen, die Menschenrechte wirklich leben, auch ihren Umgang mit anderen Lebewesen ethisch überzeugender gestalten.) Klingt vielleicht utopisch, weil ihr derzeit nur AfD-, CDU/CSU- und Springer-Gegröle hört, ist aber vernünftiger als die gesamte aktuelle Realität.
Deshalb bitte ich euch, von heute an die »mitmenschliche Revolution« als Vorstellungsrealität zu entwickeln. Versucht, bei allem was ihr tut, in deren Sinne zu handeln. Ich will euch nicht vorsagen oder gar -schreiben, was das genau heißt, denn ich glaube, das ergibt sich ganz von selbst. Handelt als Mitmenschen, für alle, nicht nur für Mitglieder eurer Familie, eures Landes, eurer sozialen Gruppe, eurer Religion. Handelt dabei um die Unverbesserlichen herum. Die fallen dann eh vor Schreck in Ohnmacht, weil sie keine Macht mehr über euch haben, so wie der Dude in The Yellow Wallpaper (Abre numa nova janela). Einfach drüberkriechen über den igoranten Creep. – Diese Denkfigur hat mir schon sehr, sehr oft geholfen. – Oder do it 2025: innere Pferdeenergie mobilisieren und springen. Hüh!
Now why should that man have fainted? But he did, and right across my path by the wall, so that I had to creep over him every time!
Was soll das ganze Kulturgedöns, wenn Menschen es nicht mehr für möglich halten, jemals ohne Krieg und Gewalt zu leben.
Wenn erst mal alle außer den ohnmächtigen Machtcreeps mitentscheiden – vernünftige Digitalisierung macht’s möglich UND IST MÖGLICH –, ist Macht kein Thema mehr.
Nein, ich bin nicht naiv, ich bin vernünftig und ein Mitmensch.
Etwas Neues: Okaye weiße cis Ü40-Männer, die ins Verstehen kommen
Ich habe sie immer im Augenwinkel gesehen oder gespürt, dass sie noch irgendwie da sind, diese cis Männer, meist weiß, die ich irgendwann vor zehn bis dreißig Jahren im Studium, beim Ausgehen oder bei der Arbeit kennengelernt und als kluge, interessante, menschlich okaye Typen abgespeichert hatte. Früher hatte oder hätte ich nächtelang mit ihnen diskutiert und sie hätten mich ziemlich oft ausreden lassen, vermutlich sogar die, die nicht auch noch zusätzlich einen Crush auf mich hatten.
Für ein paar Jahre waren sie dann fast alle spurlos verschwunden und ich konnte mir auf Basis meiner sonstigen Erfahrungen in der Zeit ausrechnen, dass ich ihnen irgendwie »zu radikal«, »zu woke«, »zu feministisch« geworden war. Ein ähnliches Phänomen gab es auch mit Freundinnen, die mir, so unterstelle ich es ihnen zumindest, übertriebenen Männerhass oder uncooles Spaßbremsentum unterstellten. Mein Eindruck war hier wie dort, dass sie und ich uns durch meinen intensiven Kontakt mit intersektionalen Feminist*innen, viele davon BIPoC und/oder queer, ein bisschen fremd geworden waren. Manchmal fühlte es sich für mich so an, als würde mein bloßer Anblick als Vorwurf an andere gelesen, woker sein zu müssen. War nicht schön, aber auch nicht richtig schlimm. Zu offenen Konfrontationen ist es nie gekommen. Wie fast immer also kein Vergleich mit dem, was jede BIPoC, jede queer gelesene Person jeden Tag durchmacht.
Gerade ändert sich mein intellektuelles und soziales Leben in Sachen Nähe und Ferne erneut spürbar. Viele intersektionale Feminist*innen (ich) begreifen, dass sie viel zu wenig radikal waren, weil es die ganze Zeit gar nicht ums Verstehen von richtig und falsch, gut und böse ging. Gleichzeitig checken die vormals von ihnen genervten, im Grunde auch okayen Menschen, dass die Nervensägen vielleicht doch nicht so falsch lagen. Wiederannäherung ist möglich und geschieht. Gut so.
Wenn ich mich damals nicht in den okayen Menschen getäuscht habe, können sie auch gar nicht jetzt in letzter Sekunde nach deutlich Rechts abdrehen, sondern gestehen sich den Irrtum ein. Es ist eine schöne Vorstellung, dass unterschiedliche Wege nun vielleicht wieder zusammenführen, zumal ja die ganz großen Enttäuschungen für alle außer den Fuck-all-Trollen nicht aufhören.
Es ist gesellschaftlich enorm viel Heilung notwendig und je mehr Menschen sich wieder auf einen Dialog und ein Miteinander einlassen, desto besser. Ich habe an anderer Stelle bereits überlegt, wie das Problem zu lösen ist, dass manche Menschen, die jeweils keinen Faschismus wollen, gerade überhaupt nicht miteinander können. Meine Hoffnung ist, dass diese über gemeinsame andere Menschen allmählich wieder Verbindung zu einander aufbauen können, also nicht über aktive Vermittlung, sondern indem sie voneinander entfernterer Teil einer Gruppe sind, die in die gleiche Richtung blickt. Menschen können auch nur nebeneinander gehen, wenn sie nicht miteinander gehen wollen.
Gestern war ich (immer noch in Italien) mit meinem Mann zu Besuch bei dem Schreiner, der unseren Küchenschrank gebaut hat. Er hat erwachsene Kinder, ist getrennt und lebt heute allein und anscheinend ziemlich zufrieden mit 14 Katzen in einem Tal am anderen Ende der Insel. Obwohl ich gestern unfassbar grotte Italienisch gesprochen habe und er nur Italienisch kann, verstanden wir uns. Er beschreibt sich als linke Person, die für sich persönlich, er ist 62, in der aktuellen Lage keinen Sinn mehr in Aktivismus sieht und hat beschlossen, ab jetzt möglichst wenig weiteren Schaden in der Welt anzurichten. Er hat seine Steuernummer abgegeben, weil er mit der Meloni-Regierung nichts zu schaffen haben will, baut sein eigenes Gemüse an, trinkt Wasser aus dem Brunnen und verdient das trotzdem notwendige bisschen Geld mit seinem Handwerk. Das ist natürlich nicht ganz konsequent, aber es ist auch weit entfernt von so einer privilegierten Hippieaussteigerscheiße mit geerbtem Geld. Unser neuer Bekannter mit Freundespotenzial tut schon jetzt das, was mehr und mehr okaye Boomer- (nicht zu verwechseln mit Okay Boomern) und GenX-Männer in meinem Umfeld im Begriff sind zu machen: verstehen, dass sie absolut von keinem Menschen auf diese zu- und aufdringliche Erklärbär-Weise gebraucht werden, sich einen ruhigen Platz und ein gutes, bescheidene(re)s Leben suchen und damit quasi automatisch Platz im Berufsleben und in der Öffentlichkeit machen für andere, Platz, den sie sonst safe bis zu ihrem letzten Atemzug blockiert hätten. Analog bedeutet dies für weiße cis Frauen dieser Generationen, also auch für mich, offenen Auges ebenfalls etwas zur Seite zu treten, damit es wirklich vielfältiger wird. – Veränderung ist on, an vor ein paar Jahren noch unvorstellbarer Stelle, auch wenn die Bösen und ihre Clickbait-Performanz gerade umfassend den Blick darauf verstellen.
Etwas Geborgtes: Ein Zitat
Alle Werkzeuge sind, wenn man sie auf faschistische Weise nutzt, dem Faschismus zuträglich.
(aus: Michela Murgia, Faschist werden. Eine Anleitung) (Abre numa nova janela)
Und umgekehrt, Wink mit dem Zaunpfahl, liebe Leitmedienmacher*innen.
Etwas Unheimliches: aus umgekehrter Richtung
Wusstet ihr, das Liz Hurley Goth war?

Präraffaelitische Girls erklären
ja mittlerweile in eigenem Newsletter (Abre numa nova janela) (neue Folge vermutlich morgen), deshalb noch ein neues Privatmeme: die Selbstgestrickten. In diesem geht es darum, wie ich mir die »gute alte Zeit« der Konservativen vorstelle.





(Ich glaube, mir fallen noch sehr viele Selbstgestrickt-Memes ein.)
Ciao miao, Maus sieht sich. Seid lieb, nur nicht zu Nazis.
XOXO,
FrauFrohmann
Teilt gern diese Folge. Empfehlt bitte den Newsletter. Schließt nach Neigung und Vermögen Bezahlabos ab oder kündigt sie nicht. – Mein freischwebendes Frohmann-Publishing, das sich inhaltlich viel rausnimmt und keine armen Menschen ausschließt, funktioniert leider nicht ohne Geld, weil ich ein Mensch bin und Kapitalismus ist.