liebe Koapier-Community!
Mit dieser doppelt freudigen Nachricht begrüße ich dich zu einem neuen Kapitel Kopieren kapieren.
Chris Müller in ein Online-Journalist gegenwärtigster Prägung. Er macht Video-Essays, die ich beeindruckend finde - ästhetisch, erzählerisch und inhaltlich. Eines der erste Videos, das mir in die Timeline gespült wurde, referenziert den britischen Kulturwissenschaftler und Blogger Mark Fisher (Abre numa nova janela). Von ihm stammt nicht nur der berühmte Ausspruch es sei leichter, sich das Ende der Welt vorzustellen als das Ende des Kapitalismus, Mark Fisher hat auch den Titel “The Weird and The Eerie” geprägt.
Diesen wiederum hat sich Thomas Köck für ein Theaterstück (Abre numa nova janela) ausgeliehen - das mich in meinem Denken sehr beeinflusst hat (Abre numa nova janela). Aus dem Stück ist nicht nur ein Kapitel in dem KI-Buch (Abre numa nova janela) entstanden, das ich mit Franz Himpsel geschrieben habe. Köck hat aus dem Stück auch eine Band geformt: The Weird and The Eerie haben gerade ein Album veröffentlicht, das sie im Herbst auf der Bühne der Kammerspiele aufführen (Abre numa nova janela).
Wenn dir das selbstsam und unheimlich vorkommt, dann liegt das daran, dass ich ausgehend von Chris Müllers Lieblingscover diese Woche sehr frei assoziiert habe.
Genau das habe ich auch gemeinsam mit Max Westphal (Abre numa nova janela) für den Kölner Radiosender 674fm (Abre numa nova janela) gemacht. Dort läuft morgen Donnerstag um 16 Uhr seine Sendung Lettered Sheets, die ich unbedingt empfehlen will. Max betreibt dazu auch einen tollen Instagram-Account (Abre numa nova janela), in dem er Setlists von Konzerten zeigt - ich teile auch eine, die Leser:innen dieses Newsletters vielleicht schon aus Folge drei (Abre numa nova janela) kennen (jedenfalls den Song).
(Abre numa nova janela)Um jetzt aber endlich zu Chris’ Cover-Version zu kommen, vervollständige ich noch schnell den Radio-Einstieg: Ich war diese Woche im Deutschlandfunk zu Gast (Abre numa nova janela) und durfte meine Meinung zum Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche (Abre numa nova janela) sagen: “Es ist ein schönes Beispiel für Symbolpolitik.”
Unheimlich viel Spaß bei der Lektüre!
Dirk
P.S.: Ganz am Ende dieser Folge gibt es übrigens eine musikalische Kopie auf bzw. vor der Bühne - dieses Mal mit Plastikglatzen in London.
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Eddie Vedder “Save it for later (Abre numa nova janela)” im Original von The Beat (Abre numa nova janela), vorgestellt von Chris Müller (Abre numa nova janela), der investigative Videos zu Macht, gesellschaftlichem und politischem Wandel macht. Er nennt sich selbst “Video-Journalist und Journalismus-Creator” ist - und ist z.B. auf Instagram (Abre numa nova janela), Tiktok (Abre numa nova janela) und Youtube (Abre numa nova janela) aktiv.
Dieses Cover wurde mir serviert. Und zwar in “The Bear”, Staffel 3, Folge 2. Die Serie über ein Restaurant in Chicago, die man entweder sofort lieben lernt oder nach zehn Minuten abschaltet, weil sie eine gut getroffene Stress-Simulation ist. Diese Folge beginnt aber anders: Hände falten Teig. Ein Händler röstet Kaffeebohnen. Blumen werden gesteckt. Böden gesaugt. Dampf über Töpfen. Darüber eine warme Stimme (Abre numa nova janela):
sooner or later your legs give way, you hit the ground.
Die Montage hat mich, wahrscheinlich, weil hier meine großen Leidenschaften übereinanderliegen: Kochen, Musik und die dritte ist in irgendeiner Form ja mein Beruf: das genaue Beobachten und Einordnen wollen.
Die Stimme stammt von Eddie Vedder, der (who would’ve thought) den Song als Cover singt. Das Original stammt von The Beat, einer britischen Ska-Band. Und als hätte man geahnt, dass ich irgendwann über diese Klammer schreiben würde, spielt die Serie die OG-Version fünf Folgen später selbst. Zuerst die Kopie, dann die Vorlage.
Und dann fällt mir auf: Mit den Menschen in dieser Sequenz geht es uns doch meistens genauso. Die Bäckerin, der Händler, der Fahrer. Man kennt sie nur noch als Kopien. Als Fortschrittsbalken in der Lieferapp. Als "So-und-so ist auf dem Weg zu dir“, als Snack im Regal.
Das Original, den Menschen dahinter, sehe ich nie. Braucht es wirklich eine Streamingserie, um ihn mir zu zeigen? Offenbar ja: abends auf dem Sofa, auf dem Second Screen, wo die Bestellapp weiter offen ist. Man kennt nur die Kopie, und wenn uns jemand das Original vorspielt, sind wir gerührt.
Ich liebe diese Montage. Und gleichzeitig ist sie mir nicht ganz geheuer. Das Original aus den 80ern klingt wie eine Warnung: Irgendwann geben die Beine nach. Die Version aus The Bear warnt nicht mehr. Sie erinnert sich. Und vielleicht ist das die freundlichste Aufgabe einer Kopie: uns zu erinnern, dass es das Original auch noch irgendwo gibt. Man muss nur hingehen.
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(E8) Das Original zu suchen, ist in digitalen Ökosysteme eine komplizierte Aufgabe. Wer sich auf diesen Weg begeben möchte, sollte bei der Kopie beginnen (Folge 13 (Abre numa nova janela)) und bereit sein, den Dualismus von echt und unecht zu überwinden (Folge 15 (Abre numa nova janela)). Denn um das Original zu finden, sollten wir vor allem nach Originalität suchen (Folge 24 (Abre numa nova janela)) und die gibt es nicht in schwarz-weiß, die wird skaliert gemessen (Folge 16 (Abre numa nova janela)).
Mit diesem Wissen ausgestattet, lässt sich vielleicht sogar das finden, was Walter Benjamin als Aura im Original zu finden meinte. Ich glaube aber, dass diese Aura nicht im Werk alleine liegt, sie entsteht erst in der Nutzung, im Kontext des Werkes. Am Beispiel von Memes könnte man zum Beispiel behaupten, die Aura das Originals hat einen zeitlichen Kontext (hier das These “Die Sekunden-Aura von Memes” nachlesen (Abre numa nova janela)), sie kann aber auch in räumlichen oder sozialen Zusammenhängen zu finden sein.
Auf der Suche nach dem Original nehme ich mir deshalb eine neue kopierkompetente Suchrichtung vor: Ich suche Aura nicht mehr im Original, sondern in dessen Kontext!

… kannst du hier in der Übersicht (Abre numa nova janela)nachlesen und nachhören.
Was mich diese Woche beschäftigt hat?
In London gab es eine musikalische Bühnen-Kopie: Fans des US-Rappers Pittbull imitierten dessen Friseur. Der Spiegel (Abre numa nova janela) schreibt:
Bei einem Konzert des US-Musikers im Londoner Hyde Park trugen am Freitag insgesamt 21.141 der rund 70.000 Besucher Latexglatzen. Mit dunklen Pilotensonnenbrillen, angeklebten Ziegenbärtchen und Anzügen schlüpften viele komplett in den Look des Sängers.