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Weltfrieden

Welt und Frieden teilen im Russischen (meiner Muttersprache) das gleiche Wort: Мир [mir]. Ich finde es spannend … und ein Bisschen beschämend, dass ich bisher nicht wusste, dass der Titel des berühmten Buchs von Dostojewski „Krieg und Frieden“ ein Übersetzungsfehler gewesen ist, und eigentlich „Krieg und Welt“ heißen müsste. Wusstest Du das?

1. Im Krieg über den Frieden nachdenken

Gleich am 1. November startete mein zweiter großer Reportagejob in diesem Jahr: zeichnerisch-künstlerische Dokumentation eines Zukunftslabors. Das Friedensinstitut in Hamburg (IFSH (Abre numa nova janela)) hat das Labor ins Leben gerufen.

Eingeladen wurden ukrainisch- , deutsch- und russischsprechenden Personen mit Migrationshintergrund und/oder Bezug zum Angriffskrieg in der Ukraine.

An zwei Tagen wurde untersucht, was Frieden bedeutet. Ist Frieden möglich und wie kommen wir dahin? Eine wichtige Erkenntnis ist gewesen: Es gibt keine eigenständige Definition von Frieden. Ist das wirklich “nur” die Abwesenheit vom Krieg?

Es ist so abgelaufen: Drei Gruppen in drei Sprachen haben mit zuvor gesammelten und ausgewählten Abschnitten aus Interviews zum Thema Frieden gearbeitet. Sie haben sie sortiert, aussortiert und nach Realitätsgehalt geordnet. Zum Schluss hatte jede Gruppe ihre eigene Sammlung an Aussagen, die in einer bestimmten Reihenfolge vorgelesen wurde. Es entstand ein kleines Stück Dokumentarisches Theater.

Nana Grinstein (Film- und Drehbuchautorin aus Moskau) und Nataliia Reznichenko (Journalistin und Künstlerin aus Kyjiw) haben das Labor konzipiert und geleitet. Die beiden Frauen erklärten, was Dokumentarisches Theater bedeutet: ein künstlerisch aufgearbeitetes Stück aus real existierenden Dokumenten, wie Zeitzeugenberichte, Reportagen, Gerichtsunterlagen, Briefen usw. Mehr findest Du auf der Wikipedia-Seite – Link unten.

Für das Jahr 2026 ist eine Lesung zu dem Thema geplant und eine Website, die das Labor mit meinen Zeichnungen dokumentiert.

2. Füße in die Elbe stecken …

– So heißt das Motto für ein anderes künstlerisch-soziales Experiment, das mir sehr am Herzen liegt. Dort geht es um Teilhabe und Mitplanung eines Stücks der Elbpromenade in Hamburg.

Das Park-Fiction-Komitee hat dazu eine Präsentation der seit Jahren in diversen Veranstaltungen (hier habe ich von einer berichtet (Abre numa nova janela)) gesammelten Entwürfe und Ideen für die Nutzung des Betonstreifens unterhalb des Park Fiction veranstaltet. Im Eventraum des GWG St.Pauli (Kölibri) haben mehrere Architekturbüros ihre Entwürfe vorgestellt, die sich alle an den zuvor gesammelten Ideen aus der Nachbarschaft orientierten. Ich bin schon sehr gespannt, wie das am Ende aussehen wird.

3. “Verbotene Gefühle” in Wien und Straßburg

Unser Projekt „Verbotene Gefühle in Zeiten des Krieges“ (Abre numa nova janela) ist im November unerwartet auf Tournee gegangen.

In Wien wurden wir im Rahmen eines Antikriegsfestivals “Lubimowka” eingeladen. In einem wunderschönen Café mit eigener Bühne haben wir den ersten Teil unseres Stücks gelesen und mit dem Publikum diskutiert. Mich selbst und unsere Truppe auf der Bühne konnte ich leider nicht zeichnen :), aber andere schon.

“Frauen im Dunkeln” gehört zu einem Diptychon aus zwei Perspektiven: “Frauen im Dunkeln” und “Männer am helligten Tag” von Iryna Serebriakova und Masha Denisova (Kyjiw/Warschau). Es ist ein feministisches Stück. Bei “Frauen im Dunkeln” geht es um Erfahrungen von Frauen im Kriegsgebiet in der Ukraine, die bei aller Härte bewusst humorvoll geschrieben sind. Beim zweiten Teil – “Männer am helligten Tag” – konnte ich leider nicht bleiben, es war mir emotional zu hart …

In Straßburg wurden unsere Texte ins Französische übersetzt und im Vierklang der Sprachen (Ukrainisch, Deutsch, Russisch und Französisch) auf die Bühne gebracht. Es war sehr schön, die Interpretation der „Verbotenen Gefühle“ in einer anderen Sprache und mit einer anderen Inszenierung zu sehen. Die Veranstaltung war ausverkauft, es war sehr voll und am Ende sind die Leute zum Applaus aufgestanden — ein unbeschreibliches Gefühl.

Übrigens, kann man alle Lesungen der “Lubimovka” auf Youtube nachverfolgen.

Zweite Lesung im KörberHaus Bergedorf

Am 10. Dezember findet eine Lesung des Zweiten Teils — “Verbotene Gefühle … der Krieg in mir”. Dort kann man eine Weiterentwicklug vom Denken und Fühlen der Menschen, die auf eine oder andere Weise vom Ukrainekrieg betroffen sind, beobachten.

10. Dezember 2025

KörberHaus Bergedorf (Abre numa nova janela)
Holzhude 1, 21029 Hamburg
Raum 102
19.00


Der Eintritt ist frei.

Übrigens, haben wir für das erste Stück “Verbotene Gefühle in Zeiten des Kriegs” den Literaturpreis Hamburg für die Kategorie Drama/Experimentelles erhalten! Die Preisverleihung findet am 8. Dezember im Literaturhaus in Hamburg statt. Ich werde berichten!

In Straßburg habe ich die Gelegenheit genutzt, um mich mit meinen französischen Freundinnen zu treffen und neue Pinsel zum Zeichnen mit dem Tablet auszuprobieren. Wie findest Du die Zeichnungen?

4. Katatonia im Gruenspan

Ihr Veranstaltungsplakat habe ich zufällig in St.Pauli entdeckt, von der Band schon lange nichts mehr gehört und sie fast vergessen.

Die 1991 gegründete Metalband aus Schweden hat mich mit ihrer schwermütigen, melodischen Musik und ihrem unregelmäßigen Rhythmus damals sehr berührt. Das tut sie immer noch.

Ich habe viel darüber nachgedacht, warum so traurige Musik, sich so schön anfühlt und keine Antwort gefunden. Aber sehr ähnlich fühlt es sich an, wenn ich meine Bilder zeichne. Nicht die Reportagen, sondern die langsamen, schwermütigen Bilder, die gerade im OBERFETT hängen …

Auf dieser Übersicht sind mehr Bilder, als aktuell im OBERFETT hängen. Es sind aber immerhin zwei von drei.

5. Letzte Tabula Rasa im OBERFETT

OBERFETT zieht um. Das war erstmal ein kleiner Schock. Die Galerie verlässt ihre gemütlichen Räume in der Billrothstraße 67. Allerdings hatte ich keine Zeit, um lange schockiert zu bleiben und habe statt dessen drei meiner Bilder für die letzte Ausstellung beigesteuert. Bis zum 21. Dezember kann man die Ausstellung besichtigen. Jeden Sonntag zwischen 12 und 16 Uhr (Link und weitere Infos unten).

Tschüss

Julia Zeichenkind

Linkliste

1. Im Krieg über den Frieden nachdenken:
https://www.ifsh.de/news-detail/zukunftslabor-die-welt-in-der-ich-leben-moechte (Abre numa nova janela)https://de.wikipedia.org/wiki/Dokumentarisches_Theater (Abre numa nova janela)
2. Füße in die Elbe stecken:
https://park-fiction.net/ (Abre numa nova janela)
3. “Verbotene Gefühle” in Wien und Straßburg:
https://www.esel.at/de/event/ljubimowka-echo-wien--031dccEhzUwo8B928JYpwO (Abre numa nova janela)https://www.youtube.com/watch?v=lkje5C_6m4c (Abre numa nova janela)https://lapokop.fr/agenda/echo-de-lioubimovka-strasbourg?utm_source=ig&utm_medium=social&utm_content=link_in_bio&fbclid=PAZXh0bgNhZW0CMTEAc3J0YwZhcHBfaWQMMjU2MjgxMDQwNTU4AAGnKRxSKDN4ue-euVp1QMlU2UQDOTu5f7JeqMYgEDoHUK4_1cI77CgKnUX7wNM_aem_SJbVYXLEWlvqn18ufjvPng (Abre numa nova janela)
5. Tabula Rasa im OBERFETT
https://oberfett.de/ (Abre numa nova janela)
Tópico Reportage-Illustration

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