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Tomomi Themann und Emilia Maier über Begegnungen, Freundschaft und ein Geschenk für‘s Schauspiel

Wir treffen Emilia und Tomomi in Berlin.
Die beiden haben gerade die Kinotour für ihren neuesten Film Die Schule der magischen Tiere 4 hinter sich und den haben erneut über 2 Millionen Menschen angesehen. Heute ist Emilia bei Tomomi zu Besuch – eine gute Gelegenheit für ein Interview über ihre Freundschaft und die gemeinsame Dreherfahrung. Während wir am Paul-Lincke-Ufer entlang spazieren, führt uns der Weg zu einem Restaurant mit dem Namen lütt. Leider ist es geschlossen oder vielleicht auch zum Glück, denn wir dürfen uns trotzdem setzen und haben den Außenbereich ausnahmsweise ganz für uns. Danke @luett.berlin (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Interview Florian Saeling Fotos Max Saeling

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Ihr habt gerade die Kinopremieren für Die Schule der magischen Tiere 4 hinter euch. Wie geht‘s euch jetzt?
EMILIA: Ich bin sehr platt, aber auch positiv platt. Es waren viele Eindrücke und sehr viele Menschen. Wir sind alle sehr dankbar gewesen, auch nochmal zusammen so eine Zeit verbringen zu dürfen und zu sehen, wie viel Arbeit und Kraft und Liebe wir in das Projekt gesteckt haben und dass sich die Leute darüber freuen. Das ist natürlich total schön, aber auch sehr anstrengend.


TOMOMI: Ja, das stimmt. Für mich ist es auch das erste Mal, dass ich ein Projekt habe, in dem man direkt viel Feedback bekommt und das ist einfach schön zu sehen, dass das, was wir monatelang in diesem tollen Team, mit dem tollen Cast kreiert haben, sich jetzt Leute anschauen und uns solche Nachrichten schicken wie: „Dieser Film hat mir gerade voll Mut gemacht“ Also, ich bin jetzt auch erschöpft, aber positiv erschöpft.


Ihr kanntet euch vorher noch nicht und habt euch beim Filmdreh kennengelernt, oder?
EMILIA: Ja, aber es fühlt sich an, als würden wir den halben Lebensweg miteinander verbracht haben.


TOMOMI: Wir haben so viel telefoniert, sehen uns jetzt so häufig und wir reden einfach so tief, dass man vergisst, dass man sich vor einem Jahr beim Casting das erste Mal gesehen hat.


Wann habt ihr gemerkt, dass ihr nicht nur Kolleginnen seid, sondern sich auch eine Freundschaft entwickelt?
EMILIA: Man merkt schnell, ob man auf einer Wellenlänge ist und das war auf alle Fälle so. Ich glaube, das war in Braunlage während des Drehs, weil man sich dabei gegenseitig den Rücken stärkt, weil man durch dick und dünn geht, die Hochs und Tiefs miterlebt und sich dadurch sehr extrem kennenlernt. Da baut man einfach schon so ein Vertrauen auf. Wir waren auch ganz oft im See baden und durch so kleine Sachen merkt man:

Es ist einfach schön, dass wir zusammen durch diese intensive Zeit gehen.


TOMOMI: Also, ich finde, man hat schon im ersten Moment gemerkt, dass man sich auf jeden Fall verstehen kann. Und ich glaube, auch durch diese intensiven Szenen zwischen Miri und Ida haben wir einfach gemerkt: Man kann sich gegenseitig so auffangen in solchen Momenten.



Was habt ihr voneinander gelernt über Vertrauen und Gemeinschaft?
EMILIA: Es gibt vieles, wofür ich dich bewundere: Vor allem, dass du sehr mutig, loyal und verantwortungsbewusst bist.

Ich durfte von dir lernen, wie man viele Dinge unter einen Hut kriegt und trotzdem so unfassbar loyal ist.


TOMOMI: Ich möchte auch eine ehrliche Antwort geben. Ich war schon von der ersten Sekunde an ziemlich beeindruckt. Generell von euch allen, aber besonders von dir, weil ich gemerkt habe, wie viel Druck hinter so einem Projekt steht, unter dem man performen muss – und dabei trotzdem zu versuchen, sensibel und empathisch zu sein, finde ich ultra schwer. Das hast du einfach immer gut hinbekommen. Du hast immer irgendwie ein offenes Ohr für jeden und immer mitbekommen, wenn es jemandem nicht gut ging.

Es gab echt manchmal Situationen, in denen ich gedacht habe: Okay, das ist mir jetzt zu viel. Und Emilia war wirklich immer die Erste, die dann zu mir gekommen ist und gefragt hat: Geht‘s dir gut? Ist irgendwas?


Dann dachte ich mir so: Krass, wie kannst du in diesem riesigen Konstrukt, in dem jeder irgendetwas möchte und jeder eine Erwartung hat, noch ein Ohr und ein Auge für mich haben? Das kann ich mir wirklich von dir abgucken, diese Sensibilität und sich den Raum dafür zu nehmen. Das finde ich schön.


Was würdet ihr sagen, was ist das größte Geschenk an einer Filmfreundschaft und was ist die größte Herausforderung? EMILIA: Herausfordernd ist manchmal, am Set im richtigen Moment wieder auf das Professionelle umzuschalten, um unseren Job zu machen. Wobei ich finde, dass wir das gut hinbekommen haben und es ist auch schön, dass man unsere privaten Freundschaften richtig gut mit in die Szenen nehmen kann.

Das ist für’s Schauspiel ein Geschenk, weil man diesen Zusammenhalt auch sehr im Film spürt.



Magie entsteht immer dann, wenn alle auf eine Art und Weise in die gleiche Richtung träumen. Das finde ich schön an solchen Freundschaften. Man teilt sehr viel und hat diese sehr besondere Erfahrung zusammen erlebt.


TOMOMI: Das ist ein verbindender Punkt, der für immer bleibt. Wir haben dieses Projekt zusammen gedreht, gemeinsame Erlebnisse und einen Film, der uns verbindet. Das ist etwas, das eine Freundschaft sehr stabil macht. Und eine große Herausforderung sind diese Kontraste, weil man eine super intensive Zeit zusammen verbringt, in der man sich jeden Tag sieht und auf ein Level kommt, auf dem man emotional tief sprechen kann.

Dann kommen wir alle nach Hause und können uns nicht mehr so intensiv hören wie vorher. Jeder hat einen anderen Rhythmus im Alltag. Da nicht das Gefühl zu bekommen, dass die Freundschaft auf einmal nicht mehr wichtig ist oder die Angst, dass man sich gegenseitig verliert – das finde ich herausfordernd. Ich wurde gut darauf vorbereitet, dass man danach in ein Loch fällt und die Leute vermisst, die man beim Drehen um sich hatte.

Trotzdem war es anspruchsvoll für mich zu wissen: Die Leute sehe ich erstmal für die nächsten Wochen nicht – und zwar nicht, weil sie mich nicht mehr mögen, sondern weil einfach jeder in sein Leben zurückgeht.


EMILIA: Meine Mama hat früher immer gesagt:

»Das Leben ist wie Schwimmen im Meer. Manchmal kommen Fische dazu und manchmal schwimmen sie weg. Immer im richtigen Moment.«


Das ist schon sehr faszinierend. Auf einmal hat uns das Leben so zusammengebracht, dass wir jetzt diese Freundschaft fühlen dürfen, wofür ich sehr dankbar bin – gerade auch mit all den anderen. Wir haben uns im richtigen Moment getroffen und dann ist die Filmreihe auch irgendwann mal vorbei. Trotzdem existieren wir alle noch weiter in diesem Meer, in diesem Leben.


TOMOMI: Das stimmt. Auch, wenn die Leute vielleicht gerade physisch nicht da sind, sind sie trotzdem irgendwie da.


Mit welchem Gefühl seid ihr aus dem letzten Dreh gegangen?
EMILIA: Ganz ehrlich bin ich mit einem großen Rucksack voller Erschöpfung, voller Freude, voller Melancholie und teilweise auch Frust über gewisse Dinge gegangen. Es hatte etwas unfassbar Erleichterndes, aber auch etwas unfassbar Trauriges.

Über viele Begegnungen bin ich sehr, sehr dankbar. Das letzte Jahr war auch eines, in dem ich am meisten gelernt habe in meinem Leben. Weil man aus extremen Erlebnissen immer sehr viel mitnimmt. Und ich glaube, jetzt nach den Premieren kann ich den Rucksack absetzen und spüre mehr Ruhe und Glücklichkeit, weil es alles in meinem Kopf auch zu einem schönen Ende kommt.


TOMOMI: Ich liebe deine Metaphern! Immer, wenn ich ein Problem habe, rufe ich Emilia an und sie sagt mir so eine Metapher. Nach den Premieren haben wir auch zusammen auf dem Boden gesessen und ich sagte: „Ich habe so ein bisschen Respekt davor, was jetzt passiert und wie das mit uns allen weitergeht“. Da hast du mir dann auch von den Fischen erzählt.


Was wünscht ihr euch jeweils für den weiteren Weg?
TOMOMI: Ich wünsche mir, dass ich immer versuche, mutig zu sein. Ich wünsche mir, dass ich die Dinge mache, von denen ich weiß, dass sie mir wichtig sind und dass ich auch immer versuche, mich meinen Ängsten zu stellen.


EMILIA: Letztendlich will ich, dass mich die Leute, die mir selber am Herzen liegen, positiv in Erinnerung haben. Ich wünsche mir das Vertrauen darauf, dass alles so kommt, wie es soll und dass es einen Grund gibt, warum bestimmte Sachen passieren und andere nicht.

An der Stelle bedanken wir uns bei Tomomi für so ein schönes und besonderes Gespräch. Dann verabschieden wir uns von ihr. Mit Emilia bleiben wir noch einen Moment sitzen – ein guter Zeitpunkt, um mit ihr darüber zu sprechen, wie sie ihren Weg seit ihrem Interview in der Mentling Ausgabe #1 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) weitergegangen ist.



Wir haben dich vor dreieinhalb Jahren besucht. Damals gab es erst einen Film Die Schule der magischen Tiere. Jetzt gibt es vier und es ist seitdem echt viel passiert. Was würdest du sagen, was hat sich am stärksten für dich verändert?
Mich haben ganz, ganz viele Erfahrungen sehr geprägt und ich habe unfassbar viel gelernt. Wenn ich heute durch Berlin laufe und mir mein kleines Ich neben mir auf dem Zebrastreifen vorstelle, dann fällt mir einiges auf, was ich damals noch nicht wusste und wo ich vielleicht vorsichtiger oder mutiger hätte sein können. Das ist der größte Unterschied:

Ich trage jetzt so ein riesiges Fotoalbum in mir, das sich immer mehr füllt und in dem ich immer mutiger und selbstbewusster werde.




Gab es eine Situation, in der du besonders viel über dich gelernt hast?
Ja, vor allem in den Grenzerfahrungen zwischen extrem hohem Pensum und den extremen Stillen danach war es für mich sehr herausfordernd. Dabei habe ich gelernt, danach zu schauen: Was tut mir gut? Was tut mir gerade nicht gut? Wie kommuniziere ich das? Auch das ist etwas, das ich gelernt habe: Dass ich in stressigen Episoden, wenn ich mich nicht fair behandelt fühle oder andere nicht fair behandelt werden, meine Grenzen klar kommuniziere. Darauf bin ich am stolzesten jetzt nach dieser ganzen Zeit.


Das ist stark, dass du das geschafft hast! Wovor möchtest du dich jetzt nach den Grenzerfahrungen auf deinem weiteren Weg schützen?
Was total wichtig ist und was ich auch jedem ans Herz lege: Von Yvette Dankou, unserer Coachin in den ersten drei Teilen, habe ich gelernt, dass man ein inneres Kind hat und in dem Moment, in dem man ein Bedürfnis von jemand anderem über das Bedürfnis des eigenen inneren Kindes stellt, verletzt man das und schenkt dem weniger Aufmerksamkeit oder Liebe.

Davor versuche ich mich zu schützen: Dass ich mich selber nicht aufgebe für Erwartungen, Druck und Forderungen von anderen.


Vor drei Jahren hattest du dich und deine private Welt auch noch mehr vor der Social Media Welt geschützt. Inzwischen hast du einen öffentlichen Account. Wie hast du deinen Umgang damit gefunden?
Ich habe jetzt ein Social Media Profil. Das habe ich mir letztens erst angeguckt und mir darüber Gedanken gemacht, weil es natürlich super schöne Zeiten zeigt. Es gab dazu auch ein ganz witziges Gespräch mit der Mama von einem Freund von mir, als ich völlig erschöpft vom Dreh gekommen bin und sie sagte: „Du hattest auch gerade die geilste Zeit deines Lebens“. Das fand ich so spannend. Das ist halt das, was man sieht.

Ich glaube, ich habe noch keinen guten Umgang damit gefunden. Ich benutze das mit dem Wissen, dass vieles von der schönsten Seite gezeigt und romantisiert wird.


Und ich merke, wie gut es mir tut, wenn zum Beispiel eine Woche im Surfcamp eine ganz tolle Zeit habe und ganz, ganz heilsame Menschen kennenlerne. Dort hat meine Handyladung für vier Tage gereicht, einfach, weil ich anstatt anzu- gucken, was andere Leute erleben, selber etwas erlebt habe. Ich glaube, dass man das natürlich benutzen kann und auch vieles jobmäßig darüber funktioniert. Aber man sollte sich darin nicht verlieren und kein falsches Bild von ganz vielem bekommen, sondern einfach selber in die Welt rausgehen und Dinge erleben.


Was ist für dich ein großer Wert?
Was ich eine sehr wertvolle Eigenschaft finde, ist das Gefühl von einem Anker zu geben oder so ein Heimatgefühl. Bei mir entsteht das immer, wenn ich mich wohlfühle, wenn ich mich nicht gejagt fühle und wenn ich mich verstanden fühle, ohne dass ich mich erklären muss. Ich schätze das sehr wert, wenn Menschen sehr sensibel sind und selbst auch die Momente wertschätzen, in denen man Zeit miteinander verbringt oder dass man in ein Café gehen kann und sich einfach so einen Cappuccino kaufen kann. Also, ich glaube, Wertschätzung ist für mich schon an sich ein großer Wert.


Voll schön gesagt! Was beschäftigt dich gerade? Gibt es ein bestimmtes Thema?
Ja, ich habe einen ganz tollen Film gesehen. Aftersun heißt der. Es geht um einen Vater und eine Tochter und deren sehr komplexe Beziehung. Darin gibt es ein Zitat „It‘s nice, that we share the same sky“ und das hat mich zum Überlegen gebracht. Wir sind alle auf dieser Welt zusammen. Wir sind letztendlich alle eigentlich dazu gemacht, miteinander zu arbeiten und das ist schon ein Thema, das mich sehr beschäftigt und auch sehr traurig macht: Zu sehen, wie viel Hass kursiert und wie viele Menschen eine Ignoranz gegenüber der Umwelt haben.

Ich finde, dass man so viel erreichen kann, wenn man einfach fair und respektvoll miteinander umgeht – gegenüber der Natur, gegenüber anderen Menschen und zwischen den Generationen.


Es ist so ein großes, komplexes Thema, aber das ist etwas, das ich mir total wünsche und was mir auch Angst macht.


Stell dir vor, wir treffen uns in drei Jahren wieder hier. Was würdest du mir dann gerne erzählen?
Ich würde gerne davon erzählen, dass ich etwas in Menschen bewegt habe, dass ich es geschafft habe, ein bisschen herumzureisen, neue Kulturen kennenzulernen und verrückte Abenteuer zu erleben. Ich würde gerne erzählen, dass ich mehr in meine Fähigkeiten vertraue und mir dadurch generell mehr vertraue.


Wie schön, ich freue mich drauf! Danke Emilia, dass wir so eine wertvolle Zeit hier miteinander geteilt haben!

I think it’s nice, that we share the same sky.

– Zitat von Sophie im Film Aftersun von Charlotte Wells

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