
unveröffentlichter Entwurf für Kapitel Modest Is Hottest in Feucht & Fromm - Die schmutzigen Geheimnisse der Purity Culture <3nicht im buch enthalten<3
“Ich persönlich finde es ist nicht abzustreiten, dass sich Menschen ganz unabhängig vom Geschlecht als soziale Wesen auf bestimmte Weisen kleiden, um unter anderem anderen Menschen zu gefallen. Attraktiv zu wirken – auch sexuell - ist unabhängig vom Geschlecht ein wichtiges Kriterium bei der Wahl von Kleidungsstücken. Zugehörigkeit und Bestätigung sind oft Hauptmotivatoren. Eine Person aus meinem Familienumfeld wurde in meiner Kindheit nicht müde, diesen Kalenderspruch von sich zu geben: „Gäbe es auf der Welt keine Männer, dann gäbe es nur kugelrunde zufriedene Frauen.“ Natürlich pflegen und kleiden wir uns auch für uns selbst. Zu 50% vielleicht. Und zu 50% für unsere Umwelt. * Und wir wollen oft auch nicht nur gut ankommen, sondern in einer Masse von Menschen auffallen, um uns nicht bedeutungslos zu fühlen – vor allem dem Geschlecht oder den Geschlechtern gegenüber, zu dem bzw. denen wir uns hingezogen fühlen. Ich finde es unaufrichtig, wenn jemand behauptet, eine Frau, die ein enges Kleid anhat, sei ein Problem, dass man selbst aber ein 100-Euro-Parfüm von Hugo Boss trägt, habe nichts damit zu tun, dass man attracten oder fuckable wirken will. Es sind die gleichen Motivatoren. Wer etwas anderes behauptet heuchelt zumindest ein bisschen. Positives Feedback vom eigenen Umfeld ist ein soziales Grundbedürfnis. Das ist weder schlecht noch gut. Es ist biologisch vorprogrammiert, da wir soziale Wesen sind. Wenn Frauen ihre Weiblichkeit verstecken müssen, weil diese zu zeigen bereits als Sünde ausgelegt wird, was ist dann mit Männern in Tanktops, mit der Ausbeulung in Hosen von Männern, die ihr Geschlechtsteil so lasziv abzeichnen und mit T-Shirts, die den männlichen Torso erahnen lassen? Das wäre in einem solchen Kosmos übergriffig, wenn er konsequent wäre und Frauen nicht benachteiligt behandeln würde. Aufgrund meiner religiösen Prägung habe ich früher freizügig gekleidete Frauen eher verurteilt und weniger respektiert. Heute habe ich verstanden, dass es nicht um das Äußere eines Menschen geht, sondern um den Charakter, die Werte und Gemeinsamkeiten und dass der Ausdruck einer Person in Kleidung individuell ist. Zum Glück kann ich heute einer Frau exakt den gleichen Respekt entgegenbringen, die nichts als einen Sport-BH und eine Short trägt, bei der beide Pobacken raushängen, wie einer Frau, die komplett von Kopf bis Fuß bedeckt in einem oversize-Hoodie und einer langen Hose vor mir steht. Alles andere ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte. Wann immer es nicht um den Menschen geht, sondern das Äußere ist das oberflächlich. Heute kann ich sogar denken „Yes grllll, was für 1 snack“ wenn eine Frau ein Outfit an hat, das viel zeigt und ich ihr von ganzem Herzen gönne, sich 🔥🔥 zu fühlen. Das konnte ich früher nicht so gut. Ich dachte vielleicht innerlich auch, dass ich sie schön finde, aber hätte trotzdem die vielen judgy Gedanken und Meinungen dabei im Kopf gehabt. Da Jesus zentrale Lehre ist, dass jedes Menschenleben gleich viel wert ist, finde ich merkwürdig, dass ein solches Konzept wie Modesty sich gerade in christlichen Kreisen etablieren konnte. Ich würde mich freuen, wenn wir uns alle darin üben könnten, Menschen nicht auf ihr Äußeres zu reduzieren, was die Modesty-Liga der Purity Culture zur Olympischen Disziplin erklärt hat.
Jede Frau soll das anziehen, womit sie sich bequem, wohl und wenn sie will auch schön fühlt. Ebenso alle Menschen anderer Geschlechter. Wenn ein Mann sich in High Heels powerful fühlt oder sich mit Ohrringen und Perlenketten verzieren möchte, warum sollte das für mich ein Problem sein? Genauso wie wir historisch sehen, dass immer kürzere Hosen, Röcke und Kleider gesellschaftlich akzeptabel wurden und Kleidungsangewohnheiten als unproblematisch erklärt wurden, die vorher große Empörung hervorgerufen haben, so wird die Entwicklung in viele mögliche Richtungen weiter gehen und das ist normal. Ganz ehrlich: Angenommen wir tragen eines Tages noch eine Schnur um die Hüfte, wie es bei den Männern einiger Urvölker im Amazonas üblich ist – I couldn’t care less. Wenn das für meine Gemeinschaft so üblich geworden ist, dann ist es für alle normal. Für mich zeigt sich an diesem Punkt eine überflüssige Tradition christlicher bzw. religiöser Körperfeindlichkeit. Eine Frau im Bikini löst nicht automatisch eine Erektion in jungen Männern aus, die in der westlichen Welt aufgewachsen sind, während der gleiche Anblick junge Männer aus bspw. muslimischen Kulturen, die diesen Anblick aus ihrem Alltag bisher nicht kannten erstmal stark sexuell reizen kann. Ich wünsche mir ein Land, in dem ich als Frau in Winterjacke oder splitterfasernackt umherlaufen kann, ohne dass Männer das Gefühl haben, das kommentieren oder mich abwerten zu ‚müssen‘, mich anfassen oder glauben belästigen zu ‚dürfen‘. Ein Land, in dem eine Frau besoffen, nackt und alleine nachts herumlaufen kann, wo immer sie will und sicher dabei ist. Auf wundersame Weise ist es an bestimmten Bereichen der Isar in München normal, dass Männer, Frauen, Familien und Greise sich mitten in München am Seeufer sonnen, so wie Gott sie schuf: Nackt. Ist das unchristlich? Ist es unchristlich in die Sauna zu gehen? Lange Zeit dachte ich: Ganz klar ja. Heute, obwohl ich mir bei eigener Nacktheit aufgrund meiner Erziehung nach wie vor schwertue zu ertragen, finde ich die Sauna-Kultur und die Nackerten an der Isar nicht mehr dämonisch, sondern eigentlich natürlicher als uns alle anderen.
Dogmatisch betrachtet wäre mir an dieser Stelle wichtig daran zu erinnern, dass wir als menschliche Wesen wortwörtlich zur Nacktheit berufen sind: In Genesis, der Schöpfungsgeschichte 3,7 steht:
25 Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und schämten sich nicht.
1. Mose 2,25 LUT 2017
Unangenehm patriarchale Wortwahl – Der Mensch und seine Frau. Aber wir wissen wie’s gemeint ist. Und alles, was G*tt erschaffen hat, bewertet er laut der biblischen Überlieferung als gut.
Somit auch den Menschen einer schamlosen Nacktheit.
Facts.”
Aus dem Entwurf für Feucht & Fromm - Die schmutzigen Geheimnisse der Purity Culture *Unveröffentlicht*
*Die Angaben sind grob fahrlässig geschätzt.