Moin,
trotz wilder Zeiten ist der Welthandel mit weißen Flaggen noch immer nicht zusammengebrochen. Das macht doch Hoffnung. Mir geht es trotzdem wie euch: Ich könnte kotzen, jeden Tag, mehrfach. Nachts rasen die Gedanken, wie wir unsere Köpfe weiter tapfer aus diesem riesigen Haufen Scheiße strecken können, und oft schäme ich mich dafür, dass wir es so weit haben kommen lassen.
Trotzdem glaube ich noch an den Menschen an sich. Die Arschlochigkeit dieser Welt wird nicht von „den Menschen“ gesteuert, sondern von einer sehr kleinen, kaum regulierten Minderheit: scheißreichen, skrupellosen Männern, die über zu viel Macht verfügen.
Macht mich wütend. Damit der Wochenendrebellen Newsletter nicht nur meine Wut kanalisiert gibt es aber auch “Good News” und wir haben einen Platz geschaffen, wo wir einfach mal zehn Jahre zurückblicken, sowie auch einen Weg der algorithmsunabhängigen Terminkommunikation für Veranstaltungen und, was war es noch gleich? Ah, Aufklärung.
Jason muss sich noch mehr (WTF?!) um sein Studium kümmern und daher wurde ich beauftragt mich verstärkt um Wochenendrebellen Aufgaben zu kümmern, die längst in seiner Hand lagen. Aufklärung war auf jeden Fall dabei. Deswegen gibt es in diesem Newsletter auch Aufklärung. Aber wo wir schon bei WTF sind. Fangen wir da doch erst einmal an.
WTF

Sozialpolitik aus dem Schredderraum
Der Paritätische hat ein internes Arbeitspapier geleakt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), in dem Bund, Länder und Kommunen durchdeklinieren, wie man bei Kindern, Jugendlichen und Menschen mit Behinderung spart indem man ihnen konkret Leistungen und Rechte streicht.
Die Arbeitsgruppe ist beauftragt, bis zum Sommer dieses Jahres unter dem geschmeidigen Mantel der Ressourceneffizienz und angeblich zur Entlastung der Kommunen Maßnahmen zu liefern. Und auch wenn ich keine Ahnung habe, unter welchem Drogeneinfluss eine solche Arbeitsgruppe zu derart kruden Ideen gezwungen wird: Folgende Maßnahmen hat die Arbeitsgruppe als Vorschlag erarbeitet.
individueller Rechtsanspruch auf Schulbegleitung weg - Kinder mit Behinderung sollen bitteschön wieder „funktionieren“ oder zuhause bleiben.
Nachbetreuung aus der Jugendhilfe streichen -
junge Erwachsene werden exakt an einer der sensibelsten Stelle aus dem System gekickt.
Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende kappen -
die, die sowieso alles alleine stemmen, sollen noch stärker bluten.
Wunsch‑ und Wahlrecht von Menschen mit Behinderung einschränken - statt der notwendigen Richtung zu mehr Selbstbestimmung wieder: „Du nimmst, was du kriegst, und sei dankbar.“
Das ist kein Konsolidierungskurs, das ist auch nicht Unfähigkeit, die dieser Regierung oft nachgesagt wird, das ist ein geplanter Kahlschlag bei denen, die am wenigsten Lobby haben und steht frontal gegen das, was wir in UN‑Kinder‑ und Behindertenrechtskonvention feierlich unterschrieben haben und das was richtig und wichtig ist. Nichts was diese Regierung tut, tut Sie aus Gründen der Unfähigkeit.
Inklusion darf nicht noch mehr zum Akt der Gnade werden. Inklusion darf auch nicht länger ein Betteln um die Umsetzung von Rechten sein, die Menschen ohnehin innehaben.
Es macht mich fassungslos, dass eine ohnehin überlastete Generation mit Corona‑Narben und Klimakrisenlast schon wieder bereit sein muss, Opfer zu bringen. Zuerst Kinder und ihre Familien, denen Schulassistenz und Übergänge aus der Jugendhilfe entzogen werden, und zugleich behinderte Menschen jeden Alters, denen man Schritt für Schritt die Unterstützung kürzt, die ihnen ein würdiges Leben sichern soll.
Und was ist das eigentlich, bei allem globalem Clusterfuck, für eine grundsätzlich völlig beschissene Idee von Politik nur Ideen und Ansätze zu verfolgen, wo man die nächsten Opferbereiten findet?
Dass verantwortliche, klar denkende Menschen ernsthaft diskutieren, ausgerechnet bei Kinder‑ und Eingliederungshilfe zu kürzen, ist wie ein politischer Offenbarungseid.
Und lautete der Auftrag nicht “effizienter Ressourceneinsatz”? Wir brauchen sicherlich kein Dobrindt-DOGE (OMG), aber das sich im gesamten System zahlreiche Ressourcen durch Doppeldokumentation, Zuständigkeitsübergaben und fehlende standardisierte, digitale Verfahren selbst fressen dürfte doch offensichtlich genug sein um auch als Entscheidungsträger dort mal mit mutigen Ideen mehr zu arbeiten, mehr zu leisten, auch mal Opfer bringen.
Je mehr wir sind, desto schwerer wird es, das still durchzuziehen.
Jetzt Petition mitzeichnen!
Keine Kürzungen der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung vom 27.02.2026
https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2026/_02/_27/Petition_195716.html (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Good News

Es gibt auch gute Nachrichten. Glaubt einem ja immer niemand. Hier sind sie. Die guten Nachrichten der letzten Wochen.
Erneuerbare Energien machen inzwischen fast die Hälfte der weltweiten Kraftwerkskapazität aus, 2025 kam der größte Zubau aller Zeiten hinzu. Das verschiebt die globale Energielandschaft schneller als prognostiziert. Grüße an Fossil-Kati gehen raus.
https://earth.org/this-week-in-climate-news-april-2026-week-1/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Großbritannien legt sein bislang größtes Förderprogramm zur Rettung bedrohter Arten auf; die bisherigen Programme haben bereits über 1.000 Arten stabilisiert und mindestens 35 Arten vor dem nationalen Aussterben bewahrt.
https://www.gov.uk/government/news/largest-ever-government-investment-in-threatened-species-recovery (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Das Umweltbundesamt meldet: Deutschlands Treibhausgasemissionen sind 2025 weiter gesunken, insgesamt nun 48 Prozent unter dem Niveau von 1990. Das 65‑Prozent‑Ziel bis 2030 gilt weiterhin als erreichbar. Damit das klappt, müssen die Emissionen ab 2026 allerdings im Schnitt um 42 Millionen Tonnen pro Jahr fallen, also viel schneller als bisher.
https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/treibhausgasdaten-zeigen-klimaschutz-braucht-neuen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Der Europäische Gerichtshof entschied, dass das ungarische LGBTQ-Gesetz gegen die EU-Grundrechtecharta verstößt, da es diskriminierend wirkt, sexuelle Minderheiten stigmatisiert und grundlegende Rechte wie Gleichbehandlung und Menschenwürde verletzt.
https://www.dw.com/de/ungarn-europaeischer-gerichtshof-eugh-kippt-lgbtq-gesetz-eu-luxemburg-menschenrechte/a-76878001 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Termine

Wir werden im Jahr 2026 sehr wenig unterwegs sein. Jason ist durch sein Studium vollends ausgelastet und auch ich kann über Mangel an Arbeit nicht klagen. Für 2027 ist aber vielleicht eine etwas ausführlichere Lesereise geplant.
Hier die Termine für dieses Jahr.
04.05.2026 · 18:30–21:00 · Kirchzarten, Bürgersaal Talvogtei
Inklusive “interaktive Lesung” mit den „Wochenendrebellen“:
Wir lesen aus „Chaos auf Augenhöhe“, erzählen von Fußball, Reisen, Autismus und unserer besonderen Vater‑Sohn‑Beziehung –anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen.
Eintritt frei, Veranstaltung barrierefrei, mit Gebärdensprachdolmetschung. Plätze reservieren: Jetzt Platz reservieren → (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Breisgau Kinotour “Wochenendrebellen”
05.05.2026 · 17:00 · Bad Krozingen, JOKI‑Kino
Kinotour „Die Wochenendrebellen“ mit anschließendem Filmgespräch mit Jason und Mirco – anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen, barrierefrei, mit Untertiteln und Audiodeskription.
05.05.2026 · 19:00 · Müllheim, Central‑Theater
Zweite Station der Kinotour: Film „Die Wochenendrebellen“ plus Gespräch mit den echten Wochenendrebellen über Autismus, Familie und Inklusion.
06.05.2026 · 19:00 · Titisee‑Neustadt, Krone‑Theater
Abschluss der Kinotour im Krone‑Theater, ebenfalls mit Jason und Mirco vor Ort, barrierefreiem Zugang, Untertiteln und Hörunterstützung.
15.06.2026 · 20:00–22:00 · Reutlingen, Foyer KSK
„Wir Wochenendrebellen – Familie, Fußball & Autismus“: Jason und Mirco von Juterczenka sind beim 136. „Menschen & Themen“-Zeitgespräch zu Gast, erzählen von Stadiontour, Autismus, Inklusion und davon, wie aus einem Familienprojekt ein gesellschaftliches Gespräch über Teilhabe wurde.
Tickets und Infos: Tickets und Infos → (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
13.07.2026 · 19:00 · Essen, Uhlenkrug
Interaktive Lesung mit Jason und Mirco ausgerichtet von der Gleichstellungsstelle der Stadt Essen und dem ETB Schwarz-Weiss Essen. Infos folgen.
Wir blicken zurück

Am 12.04.2016 haben Jason und ich eine ganze Radiorebell‑Folge über „Liebe und Autismus“ aufgezeichnet. Ich war bestens ausgestattet mit ziemlich viel Sorge im Bauch, Jason mit einer erstaunlich nüchternen Liebesliste, die es dann als Easteregg tasächlich auch noch in den Wochenendrebellen Film geschafft hat. Wenn du hören willst, wie wir uns damals vorsichtig an das Thema rangetastet haben, findest du die Folge hier:
https://youtu.be/SAKp15DmNoQ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Nachgefragt: Masking

Masking bedeutet, dass Autist*innen ihre natürlichen Verhaltensweisen verstecken und sich anpassen, damit sie „unauffälliger“ wirken und weniger anecken. Wir beobachten andere und kopieren deren Mimik, Gestik oder Gesprächsregeln, obwohl das sehr viel Kraft kostet. Von außen wirkt das oft so, als sei „alles normal“, innerlich führt es aber häufig zu Stress, Überforderung und langfristig zu Erschöpfung oder Burnout.
Empfehlungen

Mats Schönauer macht mit Topfvollgold (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) seit Jahren beeindruckende Aufklärungsarbeit gegen Desinformation und Hetze in Medien und sozialen Netzwerken. Seine Recherchen sind gründlich, verständlich aufbereitet und helfen, Schlagzeilen kritisch zu hinterfragen. Wer wissen will, wie medialer Bullshit funktioniert – und wie man ihn erkennt –, sollte ihm unbedingt folgen und seine Arbeit unterstützen.
https://youtu.be/1R7lBw7-OxI?si=MLYwBzA8x4Tc44M9 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Wenn dir diese Mischung aus WTF, Good News und Wochenendrebellen‑Alltag etwas gibt, dann hilfst du uns am meisten, indem du den Newsletter teilst. Und ja: Es wäre ziemlich beruhigend, wenigstens einen Kanal zu haben, über den wir euch noch erreichen, falls uns irgendwann jemand die Social‑Media‑Stecker zieht. Bis demnächst.
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