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Rollstuhl – hätte ich es verhindern können?

Diese Frage habe ich mir selbst gestellt. Immer wieder. Besonders am Anfang meiner Reise mit dem Rollstuhl. Du vielleicht auch?

Wenn der Körper plötzlich nicht mehr mitspielt, beginnt oft ein innerer Dialog. Ein Gedankenkarussell: Habe ich zu viel gearbeitet? Zu wenig auf Warnzeichen gehört? Zu lange funktioniert, obwohl es nicht mehr ging? Hätte ich früher eine Diagnose bekommen können? Eine andere Behandlung wählen sollen? Irgendeine Entscheidung treffen müssen, die alles hätte anders verlaufen lassen?

Die ehrliche Antwort darauf ist: Ich weiß es nicht. Vielleicht. Vielleicht nicht.

Was ich jedoch mit Gewissheit sagen kann: Es ist zutiefst menschlich, verstehen zu wollen. Wir suchen nach Ursachen, nach Erklärung, nach einem Stück Kontrolle über das Unkontrollierbare.

Doch mit der Zeit habe ich erkannt: Dieses ständige Grübeln führt nicht zu mehr Klarheit…sondern zu innerer Erschöpfung. Es bindet Energie an ein "Was wäre wenn", das keinen Nährboden für neue Wege bietet. Es hält fest an einer früheren Version des eigenen Lebens und nährt die Illusion, man könne durch korrektes Verhalten jedes Schicksal verhindern.

Dabei ist der Grat zwischen gesunder Selbstverantwortung und ungesundem Selbstvorwurf oft verdammt schmal.

Heute lebe ich mit dem Rollstuhl …nicht, weil ich versagt hätte. Sondern, weil mein Körper krank wurde. Mein Immunsystem hat sich ,wie es bei Autoimmunerkrankungen geschieht, geirrt. Einmal. Und dieser Irrtum hat bleibende Spuren hinterlassen.

Irgendwann wurde klar: Mein Weg führt nicht zurück. Er führt weiter. Anders weiter.

Seitdem stelle ich mir nicht mehr die Frage, ob ich es hätte verhindern können. Ich frage mich: Was mache ich daraus? Wie will ich heute leben? Wie gehe ich mit Barrieren um…den sichtbaren, baulichen ebenso wie den inneren, in der Regel unsichtbaren?

Ich kann wählen, ob ich in der Opferrolle bleibe oder mich bewusst als Gestalterin meines neuen Alltags begreife. Ich kann mich darauf konzentrieren, was möglich ist …statt mich von dem lähmen zu lassen, was nicht mehr geht.

Ich kann zeigen, dass ein Leben im Rollstuhl nicht automatisch ein Rückschritt ist. Es ist nicht nur Ende, sondern ein neuer Anfang. Anders, ja. Anspruchsvoll, ohne Zweifel. Aber auch voller Chancen, neuer Blickwinkel, ungeahnter Tiefe.

Und ich darf ehrlich sagen: Ich bin nicht trotz des Rollstuhls stark geworden. Der Rollstuhl hat etwas in mir hervorgeholt, das wahrscheinlich immer schon da war…wahrscheinlich eher leise, nicht so offensichtlich.

Ich habe gelernt: Selbstbestimmung bedeutet nicht, alles im Griff zu haben. Sondern sich selbst nicht aufzugeben….auch dann nicht, wenn das Leben plötzlich eine neue Route vorgibt.

Natürlich gibt es auch heute Momente von Trauer. Von Wut. Das gehört dazu. Aber sie definieren mich nicht. Genauso wenig wie das Hilfsmittel, auf dem ich sitze.

Hätte ich es verhindern können? Vielleicht. Vielleicht nicht. Ist eh Vergangenheit .

Ich kann heute gestalten. Wachsen. Mich zeigen. Und anderen Mut machen, ihren eigenen Weg zu finden…ob zu Fuß, mit Krücken oder auf Rädern.

Denn entscheidend ist nicht, wie wir uns fortbewegen. Sondern dass wir es tun. Mit Haltung. Mit Herz. Und mit dem Wissen: Da geht noch was.

Kommt Dir das bekannt vor?

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