Ein Verlagshaus lädt ein. Die AfD zahlt. Neonazis feiern. Und niemand schaut hin.
von Stefan Hünl

Die Veranstaltung
Am 2. Mai 2026 versammeln sich rund 200 Personen in einem Kulturhof im thüringischen Kosma, einem Ortsteil von Altenburg. Der Veranstaltungsort ist einschlägig bekannt. Björn Höcke hat hier bereits 2016 gesprochen. Einladender ist diesmal der neurechte »Jungeuropa (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)« Verlag, eines der zentralen Vernetzungsprojekte der sogenannten »Neuen Rechten (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)« im deutschsprachigen Raum. Auf dem Programm stehen Vorträge, Podiumsdiskussionen und, so bewerben es die Veranstalter vorab in ihrem Podcast, ein Milieu-Treffen.
"Hier trifft sich der Fußball-Hooligan mit dem Künstler, der flexible Realpolitiker mit dem Vorfeld-Ideologen."
Das klingt nach einer Selbstbeschreibung.
Es ist eine Drohung.
Wer kommt?
AfD-Bundestagsabgeordnete, Europaabgeordnete, Mitglieder der Jugendorganisation »Generation Deutschland (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)«. Aber auch: Kader der Identitären Bewegung, Neonazi-Hooligans, Personen aus dem Unterstützerumfeld des rechtsterroristischen NSU, Akteure der »Hammerskins (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)« und des Kampfsportnetzwerks »Knockout 51 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)«.
André Kapke (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) ist da, bekannt als NSU-Unterstützer. Marco Klingner (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), rechtskräftig verurteilt als Mitglied einer kriminellen Vereinigung, übernimmt den Einlass-Security-Dienst.
Dieser Zusammensetzung begegnet die Polizei mit Abwesenheit. Stundenlang, trotz wochenlanger öffentlicher Bewerbung der Veranstaltung, ist kein Beamter in Sicht.
Das Interessante an diesem Treffen ist nicht die Anwesenheit von Neonazis. Das ist in Thüringen seit Jahren Normalzustand.
Interessant ist die Offenheit.

An einer Dankestafel stehen, in Großbuchstaben:
“EHRENMÄNNER.”
Darunter die Namen von fünf Politikern, die das Treffen nach CORRECTIV-Recherchen finanziell unterstützt haben: Tomasz Froelich (MdEP), Torben Braga (MdB), Robert Teske (MdB), Fabian Jank und Jean-Pascal Hohm (beide MdL Brandenburg). Ebenfalls genannt: die ESN-Fraktion (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) im Europaparlament, die sich, wie andere EU-Fraktionen, aus Haushaltsmitteln finanziert.

Unter den Gästen war auch Jens Winter (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), als Referent und Buchautor auf der Bühne, im Alltag Redakteur bei Nius (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), dem Kampagnenportal von Julian Reichelt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Winters Karriere ist dabei kein Ausnahmefall, sondern eine Blaupause. Vom antideutschen Berliner Linken-Milieu, über Stationen bei taz und Jungle World, direkt in Reichelts Reich. Die Rechten wissen ganz genau:
Solche Leute muss man nicht umdrehen. Nur abholen. (junge Welt)
Was Winter in Altenburg verkörpert, ist mehr als eine Personalie. Nius übernimmt in diesem Ökosystem eine präzise Funktion. Was auf dem Jungeuropa-Treffen als Neonazi-Vernetzung stattfindet, übersetzt Reichelts Plattform ins Bürgerliche. Geschmeidiger, reichweitenstärker, salonfähiger.
Die extreme Rechte braucht keinen einheitlichen Aufmarsch. Sie braucht eine Arbeitsteilung. Und ein Medium, das die Schnittstelle bedient.
Auf Anfrage von CORRECTIV lehnt Teske (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) jede Distanzierung ab und erklärt, er sehe keinen Grund, Abstand zu nehmen. Sein Kollege Braga (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) antwortet:
"Was Philip Stein (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) betrifft, nach den Kriterien, nach denen auch Ihr Haus ihn als Rechtsextremisten einordnet, dürfte ich in derselben Rubrik landen. Warum seine organisatorische Beteiligung mich also veranlassen sollte, Distanz zu nehmen, erschließt sich mir nicht."
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Man muss diese Sätze zweimal lesen.
Dann ein drittes Mal.
Ein Bundestagsabgeordneter der AfD beschreibt sich selbst als Rechtsextremisten, und betrachtet das als Argument gegen eine Distanzierung.
Das ist kein Ausrutscher.
Das ist ein Programm.
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Teske selbst liefert die präziseste Zusammenfassung dessen, was in Altenburg verhandelt wurde:
“Von Ausschussarbeit bis APO ist alles von Belang, was unsere Ideen nach vorne bringt.”
Das Rechercheportal Jena-SHK übersetzt das nüchtern:
Die AfD übernimmt die legale Flanke, Parlamentsmandate, Steuergelder, institutionelle Präsenz. Während sie für die gewalttätige Arbeit auf der Straße auf die militante Neonazi-Szene vertrauen kann.
Das ist keine Verschwörungstheorie. Das ist Arbeitsteilung. Also Struktur. Und sie funktioniert, weil sie niemanden mehr überrascht.
Genau das ist das eigentliche Problem. Die Enthüllungen dieser Vernetzung schaden der AfD nicht mehr, weil ein Teil ihrer Wählerschaft die Partei deshalb wählt. Und der andere Teil schaut weg, weil er sich an das Wegschauen gewöhnt hat.
Was bleibt, ist die Frage, die Katharina König-Preuss (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), Linke-Abgeordnete und selbst vor Ort, so formuliert:
Mit welcher Selbstverständlichkeit können sich Akteure der militanten extremen Rechten vernetzen, ohne konsequentes Vorgehen der Behörden, ohne politische Konsequenzen, ohne gesellschaftlichen Widerspruch?
Die Antwort ist unbequem:
Weil wir es zulassen.
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Demokratie braucht keine Zuschauer, sondern eine Immunabwehr!
Hast Du auch das Gefühl, dass wir in einer Ära der ständigen politischen Diskursverschiebung leben?
In der Kulturkämpfe uns spalten und ein Mangel an legislativer Konsequenz das demokratische Immunsystem zunehmend schwächt?
Lobbyismus, Rechtsextremismus, der Aufstieg der "Erb-Aristokratie" und die omnipräsenten Interessen des Kapital
— Diese Strukturen haben nur einen Zweck: Die gerechte und notwendige Umverteilung von "oben nach unten" zu verhindern!
Macht Euch nichts vor: Die Kaste der asozialen Oligarchen entfesselt eher das "vierte Reich" bevor sie einen Cent Vermögenssteuer zahlt oder ihre Deutungshoheit aufgibt.
Beides ist notwendig!
Beides wird geschehen!
Ihre Angst davor treibt sie an!
Ob AfD, MAGA, Kreml oder (zunehmend auch) die Union — Der #Senfkuchen schaut genau da hin, wo andere wegschauen. Fakten und Analysen gegen Hetze und politische Skrupellosigkeit. Denn Demokratie lebt davon, dass Fehlverhalten sanktioniert wird. Nicht nur durch Institutionen, sondern vor allem durch informierte Bürger:innen wie Dich.
Bleib kritisch. Bleib informiert. Setz ein Zeichen.
CORRECTIV (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) (08.05.2026), Belltower News (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) (12.05.2026), nd-aktuell (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) (12.05.2026), Rechercheportal Jena-SHK (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) (11.05.2026), Die Linke Thüringen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) (04.05.2026)
https://steady.page/de/senfkuchen/posts/50d8a6c5-6efb-40c7-b27d-eca0b5901873?utm_campaign=steady_sharing_button (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
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