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“Now she’s killing her!”

Howdy, y’all!

Thomas, wie war der gestrige Abend?

Gute Frage, Thomas, ich erzähle es mir gern: Es war ein popkultureller Fiebertraum.

Das begann schon auf dem Weg zum Feierabendbier. Da begegnete mir ein kleiner Roboter (nein, nicht autonom, sein Fernsteuerer ging hinter ihm). Mit einem Mal rennt das Teil auf der Straße, ein Bierbike (ja, Bierbikes sind leider a thing hier) steckt im Stau. Der Roboter dreht sein Handgelenk – und zeigt der Frauentruppe auf dem Bike beide Mittelfinger. Dann geht er weiter und beleidigt jeden durch, der sich ihm in den Weg stellt. Mehr sehen Sie unter Rizzbot. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

https://youtu.be/MBAJFa1gqEI?si=iCHmx_Pc52Qc5Tp3 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Bei Konferenzen wie der re:publica oder der SXSW ist mein Rat immer Programmpunkte zu besuchen, die Einblick in vollkommen andere Welten ermöglichen. Und das folgte nach dem Bier.

Erstmals in Austin gastierte Tokyo Joshi Pro Wrestling (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) aus Japan: Frauen-Wrestling mit J-Pop-Gesangseinlagen. Und wenn Du jetzt sagt: “Das klingt schräg”, dann ahnst Du nicht, wie schräg es wirklich ist, weshalb wir unten nochmal drüber reden werden.

Foto: Richard Gutjahr

Genau in den letzten Kampf dann eine Push-Meldung von der SXSW-App: “Lainey Wilson now on stage @Stubb’s”.

Mein Puls ging hoch. Wilson ist der weibliche Superstar des Country. Auf der SXSW feierte ihr Film “Keepin’ Country Cool” (bei Netflix ab 22. April) Premiere und ich hatte so gehofft, dass sie Konzert geben würde. Doch dem schien nicht so, klar, Wilson spielt sonst Stadien.

Und nun: Überraschungskonzert.

Autoschlüssel gegriffen, ab nach Downtown, einen Parkplatz gefunden, wo es sonst nie einen gibt – und dann 70 Minuten von genau jener Musik, die man mit einem Bier in der Hand unter einem wolkenlosen texanischen Himmel hören sollte.

Foto: Richard Gutjahr

Das war noch nicht alles. Es war ohnehin ein langer Abend geplant, denn die Music Embassy, die Präsenz der britischen Musikförderung und seit Jahren der sicherste Anlaufpunkt für spannende Musik, wurde abgeschlossen von Meek.

Die hatte mit jüngst mit “Fabulous” ihren Durchbruch und hat in UK Vergleich mit der frühen Lady Gaga erzeugt. Nicht ganz falsch: Meek ist ein Diversity-Gesamtkunstwerk mit klugen, bösen Texten, einer mächtigen Bühenpräsenz und einem verdauungsfördernd starken Bass.

Cosplay-Wrestling, geschmeidiger Country, Pop-Zukunft – alles an einem Abend.

Austin, ey.

Warum Du heute bis zum Ende lesen solltest:

  • Weil Du von wissenschaftlichen Warnungen vor KI liest.

  • Weil Du erfährst, wie sich um Data Center ein wirtschaftliches Ökosystem bildet.

  • Weil Du hautnah erfährst, wie leistungsfähig elektrische Geländewagen sein können.

Der Preis der KI-Nutzung

Gleich zweimal begegnete mir gestern Nataliya Kosmyna vom MIT Media Lab. Sie ist die Autorin einer Studie, die vor einiger Zeit die Medienrunde machte. Sie wies nach, dass Studierende, die ein Essay mit ChatGPT geschrieben haben, sich kaum noch an das erinnern konnten, was sie (oder besser die KI) da verfasst hatten und fühlten auch wenig Verantwortung mit dem Ergebnis – hier gibt es mehr dazu (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

In einer Session über die Folgen von Generativer KI auf Verbraucherverhalten hielt sie, wie manche andere Wissenschaftler hier, ein Plädoyer für Langeweile. Chatbots sorgten dafür, dass wir langweilige Tätigkeiten abgeben. Das sorge aber dafür, dass wir nicht mehr an sie gewöhnt seien: “KI sorgt dafür, dass man nicht mehr in der Lage ist, langweilige Sachen zu durchblicken.” Und deshalb nehme man den Output jener KI als gegeben.

Allister Hercus von der Markenberatung Stopp Studios fühlt das in sich selbst: “Ich habe von AI einen Vertrag ausarbeiten lassen. Ich musste mich richtig zwingen, ihn nochmal zu lesen.”

Doch es gibt Hoffnung. Sehr viele Menschen stünden dem GenAI-Hype kritisch gegenüber. “Die Menschen misstrauen KI. Alle reden davon, aber die Adoption ist vergleichsweise ein Witz”, sagte Ben Nilson Senior Vice President Brand Experience der Werbeagentur BBDO New York.

Panel zum Verbraucherverhalten und KI (von linkes), Ben Nilson Grace Kao (CMO Snap) Nataliya Kosmyne, Allister Hercus.

Auch da war Hercus an Bord: “Kürzlich war ich zum ersten Mal Angeln mit meinen Kindern. Ich habe ChatGPT gefragt, welches der beste Köder für den See ist, an dem wir waren. Es gab die Antwort und fragte mich anschließend: Möchtest du noch den besten Knoten lernen, um den Köder festzumachen? Clickbait-Shit! Ich rief: Fuck off, dont talk to me like that!”

In einer späteren Session forderte Kosmyna dazu auf, sich bewusst mit den Folgen des eigenen KI-Einsatzes zu beschäftigen: “Ein LLM ist nicht wie andere Tools. Man redet nicht mit seinem Auto darüber, wie man sich bei einem Date verhalten soll. Wir zahlen immer einen Preis, wenn wir ein digitales Instrument einsetzen. Aber wir müssen wissen, wie hoch der Preis ist. Eine jüngere Generation gewöhnt sich daran, alles mit Chatbots zu prüfen – das könnte viel kosten.”

Voodoo Magic

“Man nimmt hier aber auch ab, oder?”, fragte WG-Mitbewohnerin und SXSW-Newbie Catrin gestern, denn man laufe ja so viel herum.

Nun.

Das hängt natürlich davon ab, was man isst.

Leider habe ich einen Hang zu Voodoo Doughnuts (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Eigentlich mag ich keine Doughnuts – diese aber sind fluffig, die Füllung samtig, die Aromen nicht übertrieben künstlich, die Auswahl erschlagend. Mein Favorit: Ahorn-Sirup mit einer Scheibe Bacon drauf. Gestern war St. Patrick’s Day und so gab es einen grünen Doughnut mit Minzfüllung – spannend.

Die Kette aus Portland hat 26 Filialen quer durch die USA. Sollte jemand der Mitlesenden in Gastronomien investieren – Voodoo Doughnuts hätte ich gern in Düsseldorf. Obwohl, vielleicht doch nicht, man läuft ja nicht überall so viel wie hier in Austin.

Wrestling für das 21. Jahrhundert

Kommen wir auf diesen Digital-Zeitalter-Zirkus für Menschen mit einer Abhängigkeit von psychedelischen Pilzen zurück, der sich Tokyo Joshi Pro Wrestling nennt.

Seine Inszenierung ist klar als Inszenierung erkennbar und wirkt, als hätten sich ein paar Pubertiere das Ganze ausgedacht. Alles ist bodenständig, machmal gar auf eine sympathische Weise billig – abgesehen eben von dem, was die Kämpferinnen-Darstellerinnen abliefern (natürlich sind die Duelle abgesprochen).

Irgendwann wird durch die Halle gekämpft, oder besser geturnt. Da radelt eine Superheldin im beim Shein bestellten Kostüm durch die Gegend, ihre Gegnerin knockt sie aus, die und ihre Partnerin holen einen Möbelhund mit einem Pappaufbau hervor, dessen kindliche Bemalung es zu einem Auto machen soll und klemmt das Bein der Superheldin ein.

https://youtu.be/B_c497HV-24?si=mOLPJV8fX063xG-T (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Das alles gibt es seit 2012 und ist seit 2023 in den USA aktiv. Offensichtlich mit ein wenig Erfolg: Die Halle ist fast komplett gefüllt, etliche Zuschauer kennen Rufe und Rituale.

Und dieser Teil des Publikums faszinierte mich. Da waren etliche junge Frauen mit Cosplay-Anwandlungen, vor allem aber zwei männliche Anfangzwanziger in der Reihe hinter uns.

Sie kommentierten alles lautstark: “Oh, that hurts!", “Now she’s in pain!” Das gibt es auch beim klassischen Wrestling. In einem Punkt aber waren sie anders als die Fans der großen Wrestling-Ligen. Die brüllen ihren Lieblingen gern Anweisungen zu wie “Kill him!”. Das fehlte bei jenen beiden. Sie kommentierten nur, sagten mehrfach “Now she’s killing her!” Ich glaube nicht, dass sie das realisierten. Doch es verändert die Idee des Wrestling. Jene im Ring sind nicht mehr der verlängerte Arm der Fans, was die Fans zu bluthungrigen Herren von Gladiatoren macht. Die Distanz ist größer und der gefühlte Respekt vor den Kämpferinnen steigt.

So bizarr Tokyo Joshi Pro Wrestling auch ist, es ist eine elegant auf eine neue Generation getrimmte Version eines eigentlich martialischen Spektakels – so eine Art wokes Wrestling.

Du hast Bock auf Trends und die Zukunft? Ich habe ein Buch drüber geschrieben. Klick doch mal auf dieses Banner:

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Auf die Downtown-Berge rollen wir

Wer noch immer glaubt, E-Autos seien lahme Krücken ohne echte Leistung, der sollte derzeit in Austin vorbeischauen. Zum zweiten Mal hat der E-Autohersteller Rivian mitten in der Stadt einen Geländeparcours aufgebaut, auf dem seine Modelle, ausschließlich SUV, Runden drehen – und jedermann kann mitfahren.

Vorgestern schrieb ich schon (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) über die Beziehung Rivians zu VW und was für ein interessanter Mensch Gründer RJ Scaringe ist. Nun bin ich noch ein wenig beeindruckter. Der Trip war kurz, aber beeindruckend. Denn die Neigung liegt bei bis zu 30 Grad, da hängt auch schon mal ein Rad in der Luft.

https://youtu.be/pNidjOA_PJI?si=MwZ533dEMHRWa_A1 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Nun ist ein SUV das letzte, was ich brauchen könnte – aber wenn ich etwas aus dieser Wagenklasse kaufen würde, wäre Rivian für mich die erste Wahl.

Das große OpenAI-Lästern

“Wenn einer zuckt wissen wir, dass er noch nicht innerlich tot ist”, sagt mein rechter Sitznachbar, ein IT’ler aus Austin. “Bin gespannt, ob sie noch was anderes machen, als rumschlugen”, meint die Professorin einer US-Uni zu meiner linken.

Etliche stimmen in die Lästereien ein, es ist eine merkwürdige Stimmung in den ersten Reihen vor dem einzigen Auftritt eines der großen Sprachmodelle in Austin.

Von links: Moderator Justin Haan, Kaylen Bushnell, Matthew Castle, (Head of Infrastructure Business Development), Peter Hoeschele

OpenAI brachte drei hochrangige Verantwortliche für den Bau von Data Center im Rahmen des Stargate Projektes nach Austin.

Was sie sagten – und ein Beispiel für das wirtschaftliche Ökosystem rund um den Datencenter-Boom in den USA – erfahren allerdings nur zahlende Mitglieder. Du musst auch nur einmal zahlen – versprochen!