Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!
Es ist kaum zu glauben, aber noch nie ist die Erdölförderung so stark eingebrochen wie nach den Angriffen auf den Iran im März. Und der darauffolgende Preisanstieg war ebenfalls so massiv wie noch nie. Das zeigt der monatliche Bericht zu den Ölmärkten (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) der Internationalen Energieagentur (IEA). Bei keiner vorangegangenen Energiekrise sei demnach ein stärkerer Rückgang verzeichnet worden und parallel dazu kein derart hoher prozentualer Anstieg des Ölpreises in so kurzer Zeit, berichtet Golem (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).
Dafür werden Photovoltaikanlagen und Solarstrom immer attraktiver. 2025 hat laut IEA Solarstrom den größten Anteil am Anstieg in der globalen Energieversorgung ausgemacht. Golem schreibt dazu: Photovoltaik erzeugte im letzten Jahr zusätzlich 600 Terawattstunden an Energie, was dem gesamten deutschen Strombedarf in einem Jahr entspricht.
Zumindest teilweise gute Nachrichten gibt es auch für Anti-Diskriminierungsstelle ZARA. Das Medienministerium und das Familienministerium (beide SPÖ-geführt) haben gestern angekündigt, zumindest für dieses Jahr mit jeweils 150.000 Euro die fehlende Finanzierung für ZARA auszugleichen. Nach dem von Familienministerin Claudia Bauer (ÖVP) angeleiteten Förderstopp für die Organisation, die etwa wichtige Beratungsleistungen bei Hass im Netz und Rassismus anbietet, kam es zu einem medialen Aufschrei.

Außerdem geht es heute um die Nationalratssitzung, den Iran-Konflikt und die Vorgänge bei der Stiftungsratsitzung am Küniglberg.

Nationalrat beschließt Fortsetzung des Wohnschirms, Plastikabgabe kommt nicht
Der Nationalrat beschließt heute die Fortsetzung des sogenannten Wohnschirms. Jährlich soll es bis 2029 28 Millionen Euro für finanziell benachteiligte Haushalte geben, um Obdachlosigkeit zu verhindern. Mietzinsrückstände werden übernommen bzw. Wohnungswechsel organisiert. Außerdem ging es in der ersten „Aktuellen Stunde“ um den ORF, der Standard hat die Debatte (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)zusammengefasst. Danach beschäftigte sich der Nationalrat in einer „Aktuellen Europastunde“ mit dem Machtwechsel in Ungarn.
Beschlossen werden soll außerdem die Möglichkeit, Public Viewing anlässlich von Groß-Events künftig sechs Wochen lang durchzuführen, statt den bisherigen vier. Und wie gestern bekannt wurde, wird die Regierung doch keine Sonderabgabe auf Plastik einführen, um die ab 1. Juli geltende Mehrwertsteuersenkung auf bestimmte Lebensmittel gegenzufinanzieren.

Iran-Konflikt: Angriffe auf Schiffe und EU-Gipfel
Im Krieg zwischen den USA, Israel und Iran läuft die Waffenruhe jetzt zwar vorerst weiter, wirklich stabil wirkt sie aber nicht. Nach britischen Angaben (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) wurden in der Straße von Hormus gestern mindestens drei Containerschiffe beschossen, iranische Medien berichteten zudem (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), zwei Frachter seien an die iranische Küste eskortiert worden. Das Weiße Haus spielte die Angriffe herunter und sprach nicht von einem Verstoß gegen die Waffenruhe. Über einen Youtube-Livestream (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) der Nachrichtenagentur Reuters kann man den Schiffsverkehr in der Meerenge beobachten.
Der ORF (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) berichtet unterdessen von möglichen „Rissen“ im iranischen Regime. Es sei demnach unklar, wer in Teheran die Macht hält und letztendlich die Entscheidungen trifft. Das US-Kriegsministerium hat zudem aus bisher unklaren Gründen den bisherigen Marine-Staatssekretär entlassen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).
Im Libanon drang Präsident Joseph Aoun gestern ebenfalls auf eine Verlängerung der dortigen Waffenruhe (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) mit Israel, während zugleich neue Angriffe gemeldet wurden. Dabei kam die libanesische Journalistin Amal Chalil ums Leben, laut libanesischen Angaben (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) bei einem israelischen Luftangriff im Süden des Landes.
Die Spitzen der EU treffen sich heute zu einem informellen Gipfel auf Zypern. Auch dort stehen der Iran und die Energiekrise im Mittelpunkt. Eingeladen sind auch Vertreter aus dem Libanon, Syrien, Jordanien, Ägypten sowie den Golfstaaten. (mit Material von Johanna Hänsel)

ORF-Stiftungsratssitzung zu Thurnher-Bestellung, neuen Vorwürfen und Misstrauensvotum
Der Küniglberg kommt nicht aus den Schlagzeilen. Heute trifft sich der Stiftungsrat, um nach dem Rücktritt von Ex-Chef Roland Weissmann die interimistische Generaldirektorin Ingrid Thurnher zu bestellen. Der Standard berichtet mit einem Liveticker (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Auch der ORF (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) liefert einen Überblick.
Zuvor wird sich der Stiftungsrat aber noch mit neuen Vorwürfen beschäftigen müssen. Am Montag hat die Wochenzeitung Falter Chats zwischen Weissmann und einer ORF-Mitarbeiterin veröffentlicht, die das Ergebnis der ORF-internen Compliance-Untersuchung in Frage stellen. Die Gleichbehandlungsanwaltschaft (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) beurteilt die Untersuchungsergebnisse gestern zudem als „höchst fragwürdig“, denn es gäbe keine „rechtliche Grundlage“ dafür, dass die Compliance-Stelle entscheiden oder feststellen könne, ob „eine sexuelle Belästigung 'im rechtlichen Sinn' vorliegt“. Gestern publizierten dann der Standard (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) und die Dunkelkammer (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) auch noch massive Vorwürfe gegen den früheren ORF-Onlinechef und heutigen Stiftungsrat Thomas Prantner.
Auch andere Stiftungsräte stehen im Kreuzfeuer der Kritik. Bei den beiden Vorsitzenden Heinz Lederer und Gregor Schütze werden etwa Unvereinbarkeiten vermutet. Der FPÖ-nahe Stiftungsrat Peter Westenthaler zeigt immer wieder eine diffamierende und stark ablehnende Haltung gegenüber dem ORF und seinen Journalist*innen. Der ORF-Redakteursrat, also die gewählten Redaktionssprecherinnen und -sprecher aus allen Bereichen (Radio, TV, Online, Teletext und Landesstudios) hat diesen vier Stiftungsrats-Mitgliedern in einer Resolution erstmals das Misstrauen ausgesprochen. Auch darüber wird heut am Küniglberg debattiert werden.
Und zu guter Letzt könnte auch noch der Termin für die Bestellung der neuen ORF-Spitze ab 2027 verschoben werden, wie unter anderem das Ö1-Morgenjournal (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) heute berichtet. Die ÖVP-nahen Stiftungsräte haben einen Antrag eingebracht, die Wahl des*der Generaldirektor*in auf die reguläre Stiftungsratssitzung im Juni zu verschieben. Der Vorschlag dürfte eine Mehrheit finden, obwohl das nicht wirklich im Sinne der neuen EU-Medientransparenz-Richtlinie sei, wie auf Ö1 betont wird.

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Was macht Google in Kronsdorf?
Heute erfolgt der Spatenstich. In der 3500-Seelen-Gemeinde Kronsdorf in Niederösterreich entsteht das erste große Datenzentrum in Österreich. Die Dunkelkammer hat sich auf eine Spurensuche begeben: Warum ausgerechnet dort? Und woher soll die nötige Energie kommen?
https://dunkelkammer.simplecast.com/episodes/313-ein-gigantisches-google-datenzentrum-in-einer-kleinen-gemeinde-in-oberosterreich-und-viele-offene-fragen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Westliche Firmen sind noch in Russland – da, wo Russland Drohnen baut
In einer „Sonderwirtschaftszone“ stellt Russland seine Langstreckendrohnen her, mit denen es die Ukraine angreift. Direkt daneben: die Fabriken westlicher Firmen. Auch einer deutschen.
https://krautreporter.de/politik-und-macht/6353-westliche-firmen-sind-noch-in-russland-da-wo-russland-drohnen-baut?shared=00fc9047-d9b1-4858-86f3-04ccfb33d2ce&utm_campaign=mailchimp-campaign-1159&utm_medium=editorial&utm_source=mailchimp.com&utm_source=Krautreporter+Newsletter&utm_campaign=2888d310a0-die-bundesregierung-hat-ihre-wachstumsprognose-hal&utm_medium=email&utm_term=0_9ed711293a-2888d310a0-220119791#lesen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Im Aufzug ins All
Zum Schluss noch etwas für alle, die kurz aus der Nachrichtenlage aussteigen wollen – dieses kleine, ziemlich großartige Projekt von Neal.Fun. Man fährt darin – wortwörtlich – mit einem Aufzug ins All, inklusive Fahrstuhlmusik. Einfach scrollen, und schon geht es Meter für Meter nach oben: erst durch Wolken (mit und ohne Regen), dann vorbei an Flugzeugen, irgendwann an der Grenze zum Weltraum. Dabei sieht man, was sich mit der Höhe verändert – Temperatur, Atmosphäre, was überhaupt noch fliegen kann (Zeppeline, Dinosaurier, Partyballons …). Und man lernt ganz nebenbei, wann es sinnvoll wäre, einen Astronautenanzug auszupacken, wann der eigene Speichel zu kochen beginnt, bis wohin die Aschewolke aus Pompeji reichte – und dass man einen freien Fall aus 36 Kilometern Höhe offenbar überleben kann. Auf der Seite von Neal.Fun (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) gibt es übrigens noch jede Menge anderer Mini-Games. (Johanna Hänsel)
https://neal.fun/space-elevator/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Wundert sich, dass ausgerechnet Donald Trump die globale Energiewende vorantreibt:
Emil

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