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So ein Schisma passiert nicht alle Tage

Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!

So ein Schisma – eine Kirchenspaltung – passiert nicht alle Tage. Deshalb möchte ich heute in der Einleitung ein wenig ausholen, ich hoffe, du verzeihst mir. Gestern bzw. heute kommt es also zum offiziellen Bruch der katholischen Kirche mit der erzkonservativen Gemeinschaft der Pius-Brüder. 1970 gründete der französische Erzbischof Marcel Lefebvre als Reaktion auf das Zweite Vatikanische Konzil die Priesterbruderschaft St. Pius X. Sie lehnt maßgebliche Kirchenreformen des Konzils wie eine umfassende Religionsfreiheit, die Ökumene und den nicht-lateinischen Gottesdienst zum Kirchenvolk hin bis heute ab. Ihr Gründer hatte sogar Verbindungen zur französischen extremen Rechten, immer wieder schürte die Gemeinschaft antijüdische Ressentiments. 

Bereits 1988 kam es durch Lefebvre zu einer vom Vatikan nicht genehmigten Bischofsweihe, einem schismatischen Akt. Der Gründer und alle Beteiligten wurden daraufhin von der Kirche exkommuniziert, also ausgeschlossen. Unter Papst Johannes Paul II. kam es zu Annäherungsversuchen, der deutsche Papst Benedikt XVI. hob die Exkommunikationen der vier Bischöfe 2009 sogar auf – und holte sich dafür massive Kritik ein, bei einem der „Begnadigten“ handelte es sich um einen Holocaustleugner. Und was ist jetzt wieder passiert?

Gestern wurden trotz Warnungen durch Papst Leo XIV. neuerlich vier Pius-Brüder als Bischöfe geweiht, das gilt als einer der höchsten Verstöße gegen das katholische Kirchenrecht. Und die Weltgemeinschaft konnte per YouTube-Livestream (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) zusehen. Heute wurde in einer Aussendung des Vatikans die Exkommunikation der beteiligten alten und neuen Bischöfe bestätigt – aber die Folgen sind laut einer Vatikan-Aussendung noch weitreichender: „Die Geistlichen, die der Priesterbruderschaft St. Pius X. angehören, befinden sich im Schisma und sind daher als Schismatiker anzusehen“. Alle, die formell Teil der Bruderschaft sind, gelten damit als exkommuniziert. Die Sakramente, die von den über weltweit über 700 Pius-Priestern gespendet werden, sind nicht gültig. „Zum österreichischen Distrikt der Priesterbruderschaft St. Pius X. gehören derzeit 20 Priester, 3 Brüder und 3 Oblatinnen“, heißt es auf der Webseite der Bruderschaft. Der österreichische Distrikt umfasst neben Österreich mehrere Länder der ehemaligen Donaumonarchie (lol). 

Es ist ein schwerer Schlag für den religiösen Fundamentalismus und ein weiteres Zeichen, dass sich Papst Leo entgegen globaler Tendenzen als durchaus progressiv und offen positioniert. Von der Bruderschaft hieß es gestern bei der Bischofsweihe quasi in Trump-Manier: „Wir sind der Ansicht, dass alle Strafen und Zensuren, die gegen dieses Vorgehen verhängt würden, keinerlei Gültigkeit haben.“

Außerdem geht es im Newsletter heute um den Ukraine-Krieg, Herrn Benko und Bargeld in Schweden.

Schwere russische Angriffe auf die Ukraine, Putin in der Krise

In der Nacht auf heute kam es zu einer heftigen russischen Angriffswelle auf die Ukraine. Allein in Kyjiw meldeten die Behörden 13 Tote und mindestens 86 Verletzte, wie der Standard im Liveticker berichtet. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas fordert nach den jüngsten russischen Angriffen neue Sanktionen. Laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sollen auch in der Nacht auf Freitag schwere Angriffe folgen. 

Die Denkfabrik Center for Strategic and International Studies (CSIS) aus Washington geht einem neuen Bericht zufolge seit Kriegsbeginn von insgesamt über zwei Millionen Soldat*innen aus, die getötet, verletzt oder vermisst gemeldet worden sind. Allein Russland soll davon rund 1,4 Millionen Soldat*innen verloren haben. 

Zudem machen Putin Geländeverluste in der Ukraine und ein großer Treibstoffmangel, der seinen Anfang auf der besetzten Halbinsel Krim nahm, schwer zu schaffen. Der Krieg sei laut einem Bericht des ORF (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) nun auch für die einfache Bevölkerung in Russland zu spüren, die Wirtschaft leide nach über vier Jahren Krieg und den weitreichenden Sanktionen beträchtlich. 

Benko erstmals rechtskräftig verurteilt 

Der OGH hat heute kurzen Prozess gemacht und den Immobilieninvestor René Benko erstmals rechtskräftig verurteilt.  

Die Vorgeschichte: René Benko wurde vergangenen Oktober erstinstanzlich vom Landesgericht Innsbruck wegen betrügerischer Krida zu 24 Monaten unbedingter Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Unternehmer vorgeworfen, vor seiner Insolvenz sein Vermögen bewusst geschmälert und dadurch seine Gläubiger geschädigt zu haben. Im einen Fall handelte es sich um eine Mietvorauszahlung in der Höhe von 360.000 Euro und im anderen um ein Geldgeschenk an seine Mutter in der Höhe von 300.000 Euro. Bei der Miete wurde Benko vom Landesgericht freigesprochen, dagegen hatte die Staatsanwaltschaft Berufung angemeldet, bei der Schenkung wurde Benko zu zwei Jahren Haft verurteilt, dagegen hatte er Berufung angemeldet. 

Mit beidem hat sich der OGH heute beschäftigt. Für die Schenkung an seine Mutter wurde das Urteil gegen Benko nun bestätigt und er gilt in diesem Fall als rechtskräftig verurteilt. Der Freispruch wegen der Mietvorauszahlung wurde vom OGH aufgehoben, es sei durch die Vorauszahlung zu einer Vermögensschmälerung gekommen, das Erstgericht muss nun nochmals verhandeln, wodurch hierbei weiterhin die Unschuldsvermutung gilt. Das Strafmaß von zwei Jahren unbedingter Haft könnte sich demnach auch nochmal verändern und ist nicht rechtskräftig. Weitere Verfahren gegen Benko sind im Laufen.

Schweden will Bargeld noch eine Chance geben

Wer mit Bargeld bezahlen will, hat in Deutschland und vereinzelt auch in Österreich inzwischen mancherorts ein Problem: Es gibt Geschäfte und Gastronomiebetriebe, die es schlicht nicht mehr annehmen. So sieht es in Schweden schon länger aus. In Sachen bargeldloses Bezahlen war das skandinavische Land der Vorreiter, heißt es bei ntv (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Doch jetzt tritt die schwedische Regierung auf die Bremse: Lebensmittelgeschäfte und Apotheken müssen seit Monatsbeginn per Gesetz wieder Bargeld annehmen. Außerdem rät die schwedische Zivilschutzbehörde dazu, umgerechnet etwa 90 Euro für den Krisenfall in bar zu Hause liegen zu haben.

Es geht einerseits um Sicherheit (2021 legte ein Cyberangriff Hunderte Supermarktfilialen in Schweden lahm – und damit auch das digitale Bezahlen), andererseits aber auch um Inklusion. „Es gibt viele Menschen, die Probleme mit dem digitalen Bezahlen haben, etwa Menschen mit einer Behinderung und ältere Menschen“, zitiert die Tagesschau (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) die schwedische Initiative zum Erhalt von Bargeld. Unklar ist laut ntv allerdings, was genau bei einem Verstoß passiert. Einige Läden kündigten schon an, sich nicht an die neue Regel zu halten. (Luzia Geier)

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Lidl-Filiale auf Grundstück von ehemaligem KZ

Angeblich zehn Millionen Euro Gewinn – erzielt mit einem Grundstück, auf dem einst ein Frauen-Konzentrationslagers stand. Der Bürgermeister einer niederösterreichischen Gemeinde verkaufte das Areal mit erheblichem Profit. Nun soll dort eine Filiale eines Discounters entstehen, schreibt der Falter.

https://www.falter.at/zeitung/20260630/lidl-lohnt-sich (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Wann Ratgeber dein Leben schlechter machen

Ratgeber sollen Orientierung bieten und uns helfen, wenn wir nicht weiterwissen. Doof nur, wenn wir uns dadurch wie Maschinen behandeln.

https://krautreporter.de/sinn-und-konsum/6440-wann-ratgeber-dein-leben-schlechter-machen#lesen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Entdecke die dunkle Seite in dir!

Schon vor einigen Jahren haben sich drei deutsche Psychologen zusammengetan und den sogenannten D-Faktor entwickelt. Es handelt sich dabei um einen Wert, der die dunklen und bösen Persönlichkeitsmerkmale eines Menschen auf Basis einen Selbsteinschätzungstests zusammenfasst und vergleichbar macht – den sogenannten Dark Factor.

Er meint, die „allgemeine Tendenz, den eigenen individuellen Nutzen zu maximieren – wobei Unnutzen für andere ignoriert, hingenommen oder böswillig provoziert wird –, begleitet von Überzeugungen, die als Rechtfertigungen dienen.“ Mit einem Online-Test sammeln die Forscher*innen immer noch wissenschaftliche Erkenntnisse über die dunkle Seite in uns. Probier’s doch selbst aus! 

https://darkfactor.org/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Verfolgt nach dem Match Vatikan vs. Piusbrüder gespannt das Match Österreich vs. Spanien:

Emil

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