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Was du dich schon immer über den Iran gefragt hast

Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!

Es ist unpackbar planlos. Aktuell spitzen sich die Spannungen im Nahen Osten weiter zu: Der Iran weist Verhandlungsangebote aus Washington zurück. Außenminister Abbas Araktschi erklärt, es gebe „keinen Grund“, mit den USA zu sprechen – nachdem diese gemeinsam mit Israel Angriffe gestartet hätten. US-Präsident Donald Trump behauptet dagegen, Teheran wolle ein Abkommen.

Parallel wächst der Druck auf Europas Regierungen. Trump will Unterstützung. Die EU-Außenminister beraten über eine mögliche Marinemission in der strategisch wichtigen Straße von Hormus – einer der wichtigsten Routen für den globalen Ölhandel. 

Derweil droht Trump der NATO mit einer „sehr schlechten Zukunft“, falls die Verbündeten den USA im Iran-Konflikt nicht beistehen. Zur Frage, welche Unterstützung nötig sei, um die Straße von Hormus zu sichern, antwortete er knapp: „Was auch immer nötig ist.“ Heute in der Früh hat die israelische Armee eine „begrenzte“ Bodenoffensive im Süden des Libanon begonnen. 

Themenwechsel: In Innsbruck gab es einen Femizid. Eine Frau wurde von ihrem Ehemann ermordet.  Am Vortag hatte sie Anzeige erstattet, nachdem er ihr gegenüber gewalttätig geworden war. Ein Betretungs- und Annäherungsverbot trat daraufhin in Kraft. Als Reaktion auf den fünften Femizid in diesem Jahr wird der Vorstoß der Frauenministerin Eva Maria Holzleitner und Justizministerin Anna Sporrer zur Einführung einer elektronischen Fußfessel für Gefährder diskutiert. Wenn Betretungs- und Annäherungsverbote ausgesprochen werden, müssten diese auch wirksam kontrolliert werden können, so die Argumentation. Klingt nach einem Plan.

Sonst geht es um Ungarn, Ermittlungen gegen einen Musiker und die Oscars.

Stresstest für Ungarns Demokratie

Ungarn – und vor allem sein langjähriger Regierungschef Viktor Orbán – gilt vielen extrem rechten Parteien weltweit als Vorbild: ein politisches Modell, das zeigt, wie sich Macht sichern und Institutionen im eigenen Sinne umbauen lassen. Es scheint möglich, dass das System am 12. April abgewählt wird. Trotz Unterstützung von Donald Trump

Gestern wurde der Wahlkampf zur Machtdemonstration: Zehntausende Anhänger von Orbán und seinem Herausforderer Péter Magyar versammelten sich in Budapest.

Magyar brachte am Heldenplatz mehr als 100.000 Menschen zusammen und rief dazu auf, Orbáns Regierung bei der Parlamentswahl abzuwählen. Ungarn müsse wieder freier, europäischer und weniger korrupt werden. Orbán konterte vor dem Parlament vor einer ähnlich großen Menge. Er stellte Magyar als „Marionette Brüssels und Kiews“ dar und präsentierte sich erneut als Garant für „Frieden und Sicherheit“.

Magyar arbeitete jahrelang im Staatsapparat und war mit der Justizministerin verheiratet. Nach einem Begnadigungsskandal 2024 brach er mit Orbán und beschuldigte die Regierung öffentlich der Korruption. Politisch steht Magyar Orbán näher, als vielen Oppositionswählern lieb ist: konservativ, migrationskritisch, skeptisch gegenüber Waffen für die Ukraine. Doch im Gegensatz zum Premier reist er durchs Land, spricht über Inflation, kaputte Krankenhäuser und blockierte EU-Milliarden.

Orbán reagiert mit harter Kampagne: Propagandaplakate, KI-Videos, persönliche Angriffe. Unterstützung kommt auch aus dem Ausland – Lob von Donald Trump und Rückendeckung aus Moskau. Auch wurde ein Sextape veröffentlicht, das Magyar und seine ehemalige Freundin zeigt.  

Trotzdem bröckelt Orbáns Vorsprung. Wirtschaftsflaute und Korruptionsvorwürfe wirken stärker als die Angriffe.

Die Wahl wird damit zum Stresstest für Ungarns Demokratie: Wahlkreise sind zugunsten von Fidesz zugeschnitten, Institutionen mit Loyalisten besetzt. Selbst ein Sieg der Opposition garantiert noch keinen Machtwechsel, schreibt die Zeit (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

Ermittlungen gegen den österreichischen Musiker Christopher Seiler

Wie gestern bekannt wurde, gibt es Ermittlungen gegen den österreichischen Musiker Christopher Seiler. Der ORF (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) hat den Fall aufgeschrieben.  Die Staatsanwaltschaft Wien prüft eine Anzeige wegen Körperverletzung. Eine Frau wirft dem Sänger vor, sie nach einer Autofahrt in einer Wiener Seitengasse attackiert zu haben. Für Seiler gilt die Unschuldsvermutung.

Sein Management bestätigt die Ermittlungen und spricht von einem privaten Abend, der nun aufgeklärt werden müsse. Seiler selbst kündigte einen zwischenzeitlichen Rückzug an. Am Sonntagnachmittag veröffentlichte er ein Posting: „Ich bin bei Gott kein perfekter Mensch. So wie viele von uns kämpfe auch ich mit Dämonen“, schrieb der Musiker. Er sei so erzogen worden, „dass ich für meine Fehler gerade stehe und sämtliche Konsequenzen daraus auch trage“. Diese „gilt es jetzt zu eruieren und dafür auch einzustehen“.

Der 39-Jährige bildet mit Bernhard Speer das Erfolgsduo Seiler und Speer, zuletzt ausgezeichnet mit zwei Amadeus-Awards.

And the Oscar goes to …

Berühmte Menschen in schillernden Gewändern, ein roter Teppich und eine begehrte goldene Statue: In der deutschen Nacht wurden im kalifornischen Los Angeles wieder die Oscars verliehen. Für ein paar Stunden drehte sich alles um große Filme, Dankesreden und natürlich die Frage, wer am Ende eine der Trophäen mit nach Hause nehmen darf. Das RND (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) begleitete den Abend mit einem Liveblog (Tipp für Hartgesottene: Wer ein wenig scrollt, kann dort einen alten Morgenpost-Bekannten entdecken). Besonders spannend war wie immer das Rennen um den Preis für den besten Film. Hier lieferten sich „Sinners“ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) und „One Battle After Another“ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Am Ende durfte sich die Crew von „One Battle After Another“, inklusive Leonardo DiCaprio, über den wichtigsten Preis des Abends freuen.

Als beste Schauspielerin wurde Jessie Buckley („Hamnet“ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)) ausgezeichnet, als bester Schauspieler Michael B. Jordan („Sinners“). Der Oscar für den besten internationalen Film ging an das norwegische Familiendrama „Sentimental Value“ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Einen Überraschungssieg fuhr „Mr. Nobody Against Putin“ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) als bester Dokumentarfilm ein (steht schon seit geraumer Zeit auf meiner „Unbedingt noch gucken“-Liste). Einen Überblick über alle Gewinner*innen liefert unter anderem die New York Times (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Ganz ohne Politik blieb die Gala auch in diesem Jahr nicht: Als der spanische Schauspieler Javier Bardem, der einen Preis übergab, „Nein zum Krieg und Free Palestine“ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) sagte, gab es im Saal viel Applaus.

Übrigens: Offiziell heißen die Preise ja gar nicht Oscars, sondern Academy Awards. Seit 1939 ist die goldene Statue aber unter diesem Spitznamen bekannt. Woher der genau stammt, ist bis heute nicht ganz geklärt – der US-Radiosender NPR (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) hat die verschiedenen Theorien zusammengetragen. (Luzia Geier)

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Prozess gegen Johannes Peterlik 

Am morgigen Dienstag steht Johannes Peterlik vor Gericht. Dem Diplomaten werden Amtsmissbrauch und Geheimnisverrat vorgeworfen. Er soll einen streng geheimen Bericht der Organisation für das Verbot chemischer Waffen zum Nowitschok-Anschlag in Salisbury angefordert – und an den Verfassungsschützer Egisto Ott weitergegeben haben. Von dort soll das Dokument zum flüchtigen Wirecard-Manager Jan Marsalek gelangt sein. 

Marsalek prahlte 2018 damit, die Nowitschok-Formel zu besitzen. Ermittler vermuten, dass sie schließlich in Moskau landete. Peterlik bestreitet die Vorwürfe, es gilt die Unschuldsvermutung für alle Genannten. 

Der mutmaßliche Leak gilt als schwerer Imageschaden für Österreichs Dienste – in einer Zeit, als Innen- und Außenministerium unter FPÖ-Kontrolle standen. Der Falter hat den Fall aufgeschrieben:

https://newsletter.falter.at/nKoPgYKfrJPzUJ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Der Iran ist keine normale Diktatur und deshalb so schwer zu verändern

Wer hat Macht im Iran? Welche Folgen hat der Tod des geistlichen Führers? Gibt es eine ernstzunehmende Opposition? Darf ich es gut finden, wenn die Mullahs endlich verschwinden würden?

Das politische System ist tief in Institutionen, Sicherheitsapparaten und religiösen Machtstrukturen verankert. Für den Text wurden 130 Fragen ausgewertet, die uns die Krautreporter-Community gestellt hat.

https://krautreporter.de/politik-und-macht/6275-der-iran-ist-keine-normale-diktatur-und-deshalb-so-schwer-zu-verandern#lesen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Zum Tod von Jürgen Habermas

Er war einer der bekanntesten Philosophen der Nachkriegszeit – am Wochenende ist Jürgen Habermas im Alter von 96 Jahren gestorben. Als Vertreter der Frankfurter Schule hatte er großen intellektuellen Einfluss auf öffentliche Debatten über Demokratie, Politik und Vernunft. In den 1980er Jahren stand Habermas im Zentrum des sogenannten Historikerstreits über den Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands. Bis zuletzt blieb er eine moralische Stimme, heißt es in einem Nachruf des Deutschlandfunk Kultur (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) mit dem Titel „Ein Leben für den Diskurs“. Verlinkt sind dort auch Hintergründe zur Frankfurter Schule und längere Radiostücke über Habermas. ARTE würdigt Habermas mit diesem Film: 

https://www.arte.tv/de/videos/098622-000-A/habermas-philosoph-und-europaeer/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Schaut fast nur noch ARTE, hat sich gestern allerdings „Melania“ angesehen und ist verstört (was war das?):

Markus

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