Die meistgewählte Frage in der Umfrage im WhatsApp Channel (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) war tatsächlich:
„Wer schreibt hier eigentlich?“
Das hat mich überrascht – und gefreut. Nach fast 500 Texten möchten viele offenbar mehr über den erfahren, der sie schreibt.
 Manche Leser kennen mich persönlich, vielleicht ist trotzdem das eine oder andere Interessante dabei. Eine Kurzfassung steht tatsächlich bereits im Autorenporträt des Buchs „THOW Neue Psalme – Band 2 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)“. Deshalb beginne ich auch damit:
Alexander Endl, geboren in Mittelfranken, lebt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung in Frankfurt am Main. Der gelernte Jurist arbeitet heute als Projektmanager im Bereich der digitalen Unternehmenskommunikation und blickt auf eine langjährige Erfahrung als freier Journalist im Nebenberuf zurück. Seit Jahrzehnten tief in kirchlicher und freikirchlicher Arbeit verwurzelt – als Prediger und Lobpreisleiter zuletzt in der evangelischen Freikirche Ichthys Frankfurt-Nied – versteht er Glauben heute vor allem als einen Weg, den niemand stellvertretend gehen kann und der dennoch gemeinsam gegangen wird.
Wenn ich den Text lese und an eure Frage denke, möchte ich euch mehr als diese Fakten oder einen geschliffenen Lebenslauf schreiben. Nicht über THOW – das kann ich an anderer Stelle tun –, sondern über mich. Ich will euch ein Stück mitnehmen, damit ihr wisst, was mich zu dem machte, der ich bin, und dazu brachte, was ich tue und schreibe.
Aufgewachsen bin ich evangelisch, aber auch ein bisschen katholisch. Die Familie meines Vaters war evangelisch, die meiner Mutter katholisch. In einem Dorf in Mittelfranken an der Grenze zu Oberfranken mit dem Wallfahrtsort Heroldsbach und seiner Marien-Kultstätte war das durchaus ein Thema. Ich wurde evangelisch getauft, konfirmiert und war im örtlichen VCP-Pfadfinderstamm aktiv – vom Sippling bis zum Stammeshäuptling.
So hatte ich immer einen Bezug zu Kirche und Glauben und glaubte auch irgendwie an Gott. Wirklich verstanden habe ich den Glauben aber nicht. Gott war mir viel zu groß – und zugleich die Antworten, die mir die Kirche gab, nicht groß genug.
Als Teenager hatte ich dann eine seltsame Begegnung. Ich erwachte und hatte eine Stimme in meinem Kopf. Sie sagte mir etwas, klar und deutlich. Wenn ich heute darĂĽber nachdenke, begann damit meine Suche nach Gott erst so richtig.
Merkwürdige Dinge geschahen. Bücher wie „Rolltreppe abwärts“ stellten mir existenzielle Fragen. „Jesus unser Schicksal“ zog mich in seinen Bann. Ein singender Pastor ließ mich ratlos zurück. Und mittendrin ich: zu jung eingeschult, herumgeschubst, pummelig und ohne jedes Selbstvertrauen. Ich wünschte mir jeden einzelnen Tag meines Lebens, anders zu sein. Aber ich konnte es nicht. Und so blieb ich ratlos und tief in mir verzweifelt.
An einem Abend im Oktober 1986 gingen wir zu einem Gospel-Abend in die evangelische Kirche in Hemhofen. Ein amerikanischer Prediger sprach und traf mich mitten ins Herz. Ich habe keine Ahnung mehr, was er gesagt hat. Aber ich wusste, dass er die Antwort hatte, die ich so sehr suchte.
Knapp vier Monate später legte ich mein Leben bewusst und ohne viel Pathos in die Hände von Jesus Christus. Danach hat sich alles geändert. Nicht äußerlich, sondern innerlich. Ich war nicht verbessert, nicht optimiert, sondern ein neuer Mensch. Ich werde das nie vergessen – auch nicht wo ich herkam und was mich veränderte.
Die ersten Tage und Wochen waren intensiv. Ich habe ausgerĂĽmpelt, mich von Dingen getrennt, die mir nicht guttaten, alte Schulden beglichen, gestohlene Dinge zurĂĽckgebracht und mich entschuldigt. Das kostete Ăśberwindung, brachte aber auch Freiheit.
Später erlebten wir als drei junge Menschen in einer Kirchenkrypta etwas, das in der Apostelgeschichte Geistestaufe genannt wird. Wir hatten alle keine Ahnung, was da geschah, aber danach wussten wir es. Die Erfahrung war so intensiv, dass Menschen auf uns zukamen und fragten, was da gerade geschehen sei, obwohl sie gar nicht selbst direkt mit dabei waren.
Danach begann ich Gitarre zu lernen – Akkord für Akkord. Ich lernte Christen innerhalb und außerhalb der Landeskirche kennen, diskutierte viel, las viel und hörte viel. Das hatte ich vorher auch schon getan. Jetzt aber verstand ich die Fragen. Ich begann diesen Glauben zu verstehen – und wollte mehr. Tiefer.
Wer nach mir und meinem Glauben fragt, sollte das alles wissen.
Danach ging es weiter, doch vierzig Jahre Glaubensweg lassen sich nicht einfach zusammenfassen. Und ich könnte viel erzählen: von meiner Zeit als junger Lobpreisleiter in den wilden freikirchlichen Jahren der 90er im Schatten von Bonnke und den Jesus Freaks.
Ich blieb mir eigentlich immer treu. Ich sah mir viel an, aber folgte keinem Trend und keinem Menschen, wenn ich etwas nicht selbst durchdrungen und wirklich verstanden hatte. So halte ich es bis heute und es macht es nicht immer einfach mit mir.
Ich habe für mich erkannt: Der Glaube hält jede Frage aus. Deine und meine. Und Gott ist um keine Antwort verlegen. Manchmal muss man nur warten können.
Wahrscheinlich macht das THOW bis heute am meisten aus: Das sind alles keine Antworten, keine Weisheiten, das sind meine Fragen an Gott, die ich stelle. Und ich habe viele.
Natürlich war das Leben nicht nur geradeaus und immer höher. Auch mein Glaubensleben nicht. Nach meinem Umzug nach Frankfurt dachte ich, ich käme auch ohne Gemeinde gut aus. Als Berufseinsteiger und später junger Vater hatte ich ohnehin kaum Zeit. Ich hörte über die Jahre unzählige Predigten. Und bemerkte dabei nicht, dass ich innerlich verdurstete.
Als ich kurz davor war zu kollabieren, sprach Gott wieder, deutlich. Ich habe es gehört und bin gefolgt. Eine wilde Geschichte voller kleiner Hinweise und Begegnungen, die nach außen wie Zufälle wirkten – mit dem kleinen, aber wichtigen Unterschied: Ich wusste davon, bevor sie geschahen.
So saĂź ich rund zwanzig Jahre nach meinem letzten Gemeindedienst in der letzten Reihe einer Gemeinde in Frankfurt-Nied und hatte viel mit Gott zu bereden. Und er hatte mir viel zu sagen. Vor allem aber hatte er in mir viel zu heilen.
Auch danach ging es weiter. Aus dem Besucher in der letzten Reihe wurde auf wundersame Weise erst Finanzrat, dann Gemeinderat und schließlich auch noch Lobpreisleiter. Wenn mich jemand als Jugendlichen gekannt hätte, wäre das vermutlich auf keiner Liste möglicher Lebenswege gestanden. Gitarre habe ich nie richtig gelernt, sondern mir Lied für Lied selbst beigebracht. Und dass ich einmal eine Gemeinde im Lobpreis leiten würde, in der Jahre zuvor Arne Kopfermann Verantwortung getragen hatte, hätte ich selbst lange für einen schlechten Witz gehalten.
Aber vielleicht ist das etwas, das ich über die Jahre gelernt habe und was mir Mut gibt: Gott fragt erstaunlich selten nach Lebenslauf, Begabung oder Selbstvertrauen. Er fragt eher nach Bereitschaft. Vieles, was mein Leben bis hier nun geprägt hat, hätte weder man mir noch ich mir selbst zugetraut.
Und so begann THOW. Nicht, weil ich Autor werden wollte. Nicht, weil ich ein Buch schreiben wollte. Sondern weil ich den Eindruck hatte, dass Gott mir gesagt hat, ich solle einfach nur zuhören und mir dafür Zeit nehmen. Erst einmal die Woche im Musikabend, später morgens eine halbe Stunde nach dem Aufwachen. Und dann kam der Tag, an dem ich begann zu schreiben, was ich hörte. Aus einzelnen Texten wurde eine tägliche Gewohnheit. Aus einer Gewohnheit ein ganzes Werk — und wer weiß, wo das noch endet.
Zu Ende ist nun aber mein Newsletter. Mein Grund ist Jesus, mein PrĂĽfstein das Wort der Bibel, meine Sprache sind Psalme.
Im vergangenen Jahr hat mich eine Diagnose daran erinnert, wie schnell ein hartes Ende näher rücken kann. Ernst genug, um mein Leben infrage zu stellen. Und damit auch den eigenen Glauben. Aber Christus hat mich durchgetragen — und ich war dankbar, dass mein Glaube auf diesem Felsen gebaut wurde. Er hat mich tiefer geführt: in Abhängigkeit, Vertrauen — und noch mehr Fragen.
Ich glaube, er hat noch etwas mit mir vor. Solange das so ist, werde ich weiter hören, weiter schreiben und weiter glauben.
Euer Alexander