
Herzlich willkommen bei UNBOXING TRANS. Dem Podcast Projekt, bei dem einzelne trans* Themen bis ins Detail ausgepackt werden. In jeder Folge bringen Kathleen und Julia jeweils Themen oder Objekte mit trans* Bezug mit, ohne dass das Gegenüber vorher davon weiß, diese unboxen wir dann :-)
In dieser Folge wird es sehr persönlich. Wie sind wir groß geworden, welche Werte und Rollenselbstverständlichkeiten wurden uns eingeimpft, wovon haben wir uns befreit? Wir sprechen über den Tod, das Erinnern und den Widerstand und über Vorsorge und Selbstbestimmung. Und darüber, wie wir heile durch die Weihnachtszeit kommen können. Beim Anruf aus der Vergangenheit lernen wir die intergeschlechtliche Frau und KZ-Überlebende Adele Haas kennen. Und dann gibt's die volle Dröhnung Kulturtipps: Das Album "I am a Bird now" von Anohni, den Dokumentarfilm "The Death and Life of Marsha P. Johnson" und das Musical "Hedwig and the angry inch" Wie sonst auch gibt's die Community-Frage und am Ende der Folge den Blumenstrauß für Allyship, der nach New York geht. Das Angstkatzenhäschen hat diesmal mit der Weltklimakonferenz zu tun. Aber hört selbst. Viel Spaß dabei!
Unser Steady Newsletter fasst alles zusammen und liefert ergänzende Informationen und weiterführende Links zu den Inhalten, die im Podcast angesprochen haben.
Da wir das alles in unserer Freizeit recherchieren und organisieren, würden wir uns sehr freuen, wenn ihr uns unterstützen wollt:
Das kann hier mit einem kleinen Beitrag bei Steady sein, indem ihr Mitglied werdet
Wenn ihr bei Spotify (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), Apple (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) oder Podigee (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) den Podcast abonniert
oder einfach unsere Inhalte teilt.
Vielen Dank und viel Spaß.
LG Kathleen und Julia
Inhaltlicher Überblick
(00:02:05) Unboxing by Julia: Sozialisation – Geschlechterrollen und Identität
(00:29:50) Anruf aus der Vergangenheit: Adele Haas
(00:36:02) Community Teil
(00:38:29) Unboxing by Kathleen: Trans Day of Remembrance
(00:54:20) Kulturempfehlungen
(01:01:23) Angstkatzenhäschen & Goldener Blumenstrauß
Unboxing by Julia - Sozialisation
Jeder Mensch macht eine Sozialisation durch.
Es ist eine Persönlichkeitsentwicklung bei dem Menschen durch bewusste und unbewusste Lernprozesse geprägt werden
Vereinfacht gesagt beschreibt die Sozialisation den Lernprozess zwischen dem Menschen und der Gesellschaft. Dabei herrscht eine wechselseitige Beziehung. Der Mensch als das Individuum wird durch die Gesellschaft geprägt und prägt diese aber auch gleichzeitig durch sein handeln mit.
Es gibt mehrere Phasen und Instanzen der Sozialisation:
Phasen:
Primär = als Baby mit Familie /Grundlagen und Fundamente Rolle wird festgelegt
Sekundär = Einfluss aus den Instanzen der Primären Phase sinken (Eltern) und es bilden kommen neue Instanzen hinzu (Kita,andere Kinder, Schule, etc..)
Tertiär = Gruppenzugehörigkeit Beruf / Freundeskreis
Quartiär = hohes Alter hat Erwartungen an Gesellschaft und umgekehrt
Auf der folgenden Webseite inkl. Video wird die Sozialisation sehr gut erklärt.
https://www.erzieherkanal.de/sozialisation (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Eine der größten Bedeutungen für die Sozialisation haben verschiedene Gruppenspezifika, wie z.B. geschlechtsspezifische Sozialisation.
Dort werden die Rollen auch mit bestimmten Erwartungen verbunden. In verschiedenen Experimenten hat man untersucht wie wir automatisch versuchen diese Erwartungen zu erfüllen. Neutral sind wir dabei fast nie und kategorisieren häufig anhand unserer Sozialisation.
Studien haben zudem ergeben, dass bei Mädchen z.B. Schmerz weniger ernst genommen wird als bei Jungen. Und Jungen werden häufiger zu grobmotorischen Tätigkeiten ermutigt.
In einem Test einer Grundschule wurde einem Mädchen ein Fehler markiert, weil sie Mädchen die Eigenschaft “mutig” zuordnete. So werden wir bereits von klein auf sozialisiert und uns werden Eigenschaften zugeschrieben, die wir vielleicht anders sehen würden.
https://www.focus.de/familie/schule/aufschrei-im-netz-ethiktest-an-grundschule-maedchen-sind-mutig-als-falsch-bewertet_id_8371386.html (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Eine Mutter setzte sich im Anschluss dafür ein, dass solche Schulmaterialien “aus dem letzten Jahrhundert (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)” überarbeitet werden sollten.
Experimente zu Erwartungen bei Geschlechterrollen:
https://www.youtube.com/watch?v=nWu44AqF0iI (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)https://www.youtube.com/watch?v=nCYP9Nxw2s4 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Für trans* Personen sind diese Rollenzuweisungen eine besondere Herausforderung und häufig versucht man diese aufzubrechen. Heute gibt es gute Konzepte, um diesen Stereotypen zu begegnen.
https://rosa-hellblau-falle.de/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Konzept Doing Gender / Undoing Gender
Anruf aus der Vergangenheit
Jako Wende forscht aktivistisch zu trans* inter* und/oder gender nonconformen Personen im Nationalsozialismus und hat sichausführlich mit Adele Haas beschäftigt. Jako Wende konnte auch die Großnichte von Adele Haas treffen und so mehr über Adele Haas herausfinden.
Adele Haas war eine intergeschlechtliche Person, die einen offenen Umgang mit ihrer Intergeschlechtlichkeit pflegte. Sie wurde 1907 in Neuwied am Rhein geboren. Sie wünschte sich eine Veröffentlichung zu ihrem Leben, war jedoch aufgrund fehlender finanzieller Mittel verwehrt geblieben. Sie wurde in der NS-Zeit inhaftiert und regelrecht gequält und lächerlich gemacht. Sie litt sehr darunter, überlebte jedoch die NS-Zeit und stellte einen Antrag auf Entschädigung.
Weitere Infos zu Adele Haas’ Biografie sind hier zu finden:
https://zumfeindgemacht.de/fall/adele-haas/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Die Broschüre zu Adele Haas könnt ihr hier herunterladen: https://zumfeindgemacht.de/wp-content/uploads/2025/08/Zine-Adele-Haas-Digital-Download-ZumFeindGemacht.pdf (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Community Frage
Bei Instagram hat Julia einen Aufruf (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) gemacht und um Fragen aus der Community gebeten. Seitdem gehen auf unterschiedlichen Wegen Fragen bei Julia ein.
Diesmal bekamen wir zunächst ein Lob insbesondere für die Kategorie Anruf aus der Vergangenheit und in dem Zuge wurde gefragt:
“Welche trans*Person ist für dich das größte Vorbild, weil sie viel für die Community getan hat?”
In dem Zusammenhang wird häufig Masha P. Johnson genannt, aber Marsha P. Johnson (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) wird ja generell sehr häufig als DIE Ikone genannt, was ja auch berechtigt ist. Aber Julia hat bewusst eine andere Pionierin genommen, nämlich aus dem Bereich trans* Gesundheit: eine noch aktive trans* Frau namens Marci Bowers (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Sie ist eine Pionierin für geschlechtsangleichende Operationen. Sie wurde 1958 geboren und ist die erste trans* Frau, die selbst auch diese Operationen durchführte. Sie engagiert sich für die Rechte von trans* Menschen insbesondere im Bereich der Medizin und ist heute die Präsidentin der WPATH (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) (World Professional Association for Transgender Health) und war Vorstand von anderen großen trans* Organisationen wie z.B. Transgender Law Center.
https://transgenderlawcenter.org/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Unboxing by Kathleen
Per Email schickt Kathleen ein Objekt an Julia, welches sie dann unboxed. Diesmal war es eine Kerze, welche als Symbol für den Trans Day of Remembrance (TDoR) gilt.

Der TDoR ist ein Tag des Gedenkens für die ermordeten Opfer von Transfeindlichkeit. Er vereint Erinnern und Widerstand.
Er ist auch ein Community-Tag, der die Widerstandskraft und den Zusammenhlt der tin* Community würdigt
Der TDoR startete 1999 in Boston und San Francisco mit dem Ziel auf die tödliche Gewalt gegen trans* Menschen aufmerksam zu machen. Mitinitiator*innen waren Jahaira DeAlto Balenciaga (Aktivistin, Ballroom-Performerin) trans* Frau of color. Sie wurde im Mai 2021 selbst Opfer eines Mordes.
Laut einem Monitoring Projekt von Transgender Europe trifft Gewalt gegen trans und nicht-binäre Personen überproportional viele Schwarze und people of color, v.a. trans* Frauen oder transfeminine Personen.
Zwischen dem 1. Oktober 2024 und dem 30. September 2025 wurden weltweit 281 Morde registriert. Seit Beginn des Projekts 2009 sind insgesamt 5322 Morde passiert
https://www.tgeu.org/trans-murder-monitoring/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)- In Deutschland hat sich Bedrohungslage aller queeren Communitys in den letzten Jahren ebenfalls deutlich verschlechtert. Laut BKA: 2024 = 2.917 queerfeindlich motivierte Straftaten im Vgl. zu 2022 ist das mehr als eine Verdoppelung (2022: 1.422 Fälle).
Wie sichtbar der Trans Day of Remembrance in der Öffentlichkeit ist, hängt vom Einsatz lokaler Gruppen oder engagierter Politiker*innen ab. Die Stadt Mainz hat in diesem Jahr erstmalig die Trans-Flagge gehisst (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Auch das Rathaus Berlin-Schöneberg hisste die Fahne (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).
Der Berliner Verein https://kulturtrauer.net/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) hat mit der Kiezkapelle in Neukölln während der Awareness Week die Ausstellung "Loss, Queer Mourning“ realisiert.
Dieser Verein bietet darüber hinaus queersensible Begleitung und Informationen zu Trauer(n) und Tod an.
Mehr Informationen - auch zu Workshops oder Leitfäden - findet ihr hier:
https://kulturtrauer.net/wer-wir-sind/schwerpunkte/diversitaetssensible-begleitung/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Medial kam der TDoR kaum vor. Zu dieser Unsichtbarkeit hat die taz einen Artikel veröffentlicht, in dem die Autorin Raweel Nasir (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) kritisiert, dass das öffentliche Interesse fehle.
Sie schreibt:
https://taz.de/Trans-Day-of-Rememberance/!6126513/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)„Die Medien interessieren sich mittlerweile nur noch für trans Themen, wenn Nazis aus transfeindlichen Motiven vom Selbstbestimmungsgesetz Gebrauch machen oder Polizeipräsidien ihre eigenen Leute verdächtigen.“
Die besinnliche Weihnachtszeit trifft viele Menschen, die einsam sind. Auch queere Menschen sind häufig von Einsamkeit betroffen. Um Weihnachten nicht alleine zu bleiben kann man sich an regionale Selbsthilfegruppen wenden, die häufig spezielle Angebote haben. Außerdem gibt es die Aktion von KeinerBleibtAllein.
https://keinerbleibtallein.net/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Kulturtipps
Theater-Tipp: “Hedwig and the angry inch”
Hedwig ist eine Rock’n’Roll Drag Queen, geboren in Ost-Berlin. Aufgrund „unglücklicher“ Umstände machte sie eine Geschlechtsangleichung.
Es war ursprünglich ein Musical am Broadway 1998, wurde 2001 verfilmt und es gab mehrere Theaterstücke dazu. Ab Januar 2026 ist das Stück wieder im Augsburger Staatstheater zu sehen.
https://staatstheater-augsburg.de/hedwig_and_the_angry_inch (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Musik-Tipp: "I am a Bird Now“ Album von Anohni (2005).
Das Albumcover zeigt das Foto „Candy Darling on her Deathbed” - die US-amerikanische Trans-Ikone, die Teil der Warhol-Clique war und über die The Velvet Underground z.B. den Song "Candy Says“ gemacht haben.
Anohnis Album (damals noch unter dem alten (Band)namen erschienen) wurde von der Presse gefeiert und u.a. mit dem Mercury Prize ausgezeichnet.
Ein*e Kritiker*in schrieb damals: "I'm completely overwhelmed by this record… This music grabs a hold of you and doesn't let go. It feels timeless and gorgeous and bigger than life. It may not be "soul" in the strict, music appreciation 101 sense, but it could make even the most jaded atheist approach a metaphysical regard. It is assured, searing and majestic SOUL to the utmost.”
https://anohni.ochre.store/release/388220-anohni-antony-and-the-johnsons-i-am-a-bird-now (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Ein Song aus dem Album heißt „Hope there’s someone“ und zeigt die Szene mit dem “Deathbed”
https://www.youtube.com/watch?v=LyMGEq82uL4 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Filmtipp: The Death and Life of Marsha P. Johnson.
Der Film porträtiert Marsha P. Johnson, eine afroamerikanische Trans*-Ikone und Aktivistin, die 1992 tot im Hudson River gefunden wurde. Als zentrale Figur der Stonewall-Rebellion 1969 kämpfte sie für die Rechte der LGBTQ+-Community. Zusammen mit Sylvia Rivera gründete sie 1970 die Organisation STAR (Street Transvestite Action Revolutionaries).
25 Jahre nach ihrem Tod versucht die Aktivistin Victoria Cruz, den unklaren Todesfall neu aufzurollen. Der Film zeigt Archivmaterial, Interviews mit Weggefährt*innen und beleuchtet Marshas Engagement für die Trans-Community – ein historisches Dokument, das auch die heutigen Kämpfe von Aktivistinnen verbindet.
https://www.youtube.com/watch?v=pADsuuPd79E (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Es gab im Nachgang Kritik an den Produktionsbedingungen des Dokumentarfilms. Es ging um Vorwürfe der Ausbeutung Schwarzer und queerer Arbeit durch eine weiße Kulturindustrien:
https://taz.de/Trans-Aktivisten-kritisieren-Netflix-Doku/!5453095/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Preise
Unser Angstkatzenhäschen verleihen wir an Personen oder Institutionen, die mit transfeindlichem Verhalten auffallen.
Auf der Weltklimakonferenz haben sich 6 Nationen geweigert die Definition von Geschlecht in den Publikationen anzuerkennen. Paraguay, Argentinien, Iran, Indonesien, Malaysia, Vatikan. Sie möchten in den Fußnoten ihre eigene Interpretation von Geschlecht durchsetzen und sorgen für eine Blockade imPublikationsprozess.
Unseren goldenen Blumenstrauß verleihen wir an Personen oder Institutionen, die sich besonders für trans*, intergeschlechtliche oder nicht-binäre Menschen einsetzen.
Zohran Mamdani ist der neue Bürgermeister von New York und stellt sich schützend vor die trans* Community. Er sagt:„Der Mann mit der größten Macht verfolgt die Schwächsten unserer Gesellschaft“ und er will “hunderte Anwält*innen engagieren um dem Trump Hass etwas entgegenzutreten.” New York soll eine Sanctuary City für trans* Personen werden. Hier das Youtube Video mit seinem Statement
Hinweise
Diesmal keine Korrekturen, o.ä. Wir werden immer besser :)
Credits
Konzept und Umsetzung: Kathleen und Julia
Musik: Moby
Produktion: heroess (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Steady: Julia
Ein besonderes Dankeschön geht diesmal an Jako Wende für den wichtigen Beitrag zum “Anruf aus der Vergangenheit”.
Wenn Dir dieser Beitrag gefallen hat, dann freuen wir uns, wenn du unseren Newsletter abonnieren würdest.
Du hast eine eigene Projektidee und möchtest du selber bei Steady publizieren? Dann melde dich über unseren Affiliate-Link an