Liebe Wein-Freund:in,
Du liest den WeinLetter #116. Heute gibt’s: wohl einen der besten Weißweine der Welt. Auf jeden Fall: den besten Silvaner der Welt! Ja, ja, der WeinLetter übertreibt mal wieder maßlos? Nein. Zur Einordnung drei Sätze: Ich liebe Silvaner. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) Als Hohenloher-Franke ist mir diese fränkische Rebsorte nun mal sehr nahe. Ich verteidige Silvaner gerne gegen Riesling. Ich halte Silvaner mittlerweile für eine qualitativ so hochwertig ausgebaute Rebsorte, die im Weißwein-Bereich ganz klar in die Riesling-Phalanx vorgestoßen, gleichwohl aber immer noch unterschätzt ist. Und: Ich schätze die Weine des Weinguts Luckert. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) Und halte es für eines der Top-Ten-Weißwein-Weingüter Deutschlands. Drei klare Sätze, jederzeit überprüfbar. Kommen wir also zum: „Creutz“. Ich hatte den Ausnahme-Silvaner des Weinguts Luckert im Keller, Jahrgang 2016, zehn Jahre also. Und nach zehn Jahren fragte ich mich: Kann das der beste Silvaner der Welt sein? Ich karaffierte. Ich probierte. Zwei Tage lang. +++ Viel Spaß mit der Antwort! Und jetzt empfehlt (und shared) diesen WeinLetter bitte. Oder verschenkt den WeinLetter an Eure Besten!
Frohe Ostern! Aber vor allem: Trinkt friedlich!
Euer Thilo

Ein Wein aus 150 Jahre alten Silvaner-Rebstöcken: Weingut Zehnthof Luckert, Silvaner, “Creutz”, 2016 FOTO: WEINLETTER
Die 10 wichtigsten Fragen & Antworten zum Ausnahme-Silvaner „Creutz“
von Thilo Knott
Es ist ein Icon-Wein. „Icon-Wein hört sich hochgegriffen an“, sagt Philipp Luckert im Gespräch mit dem WeinLetter, „aber der ‚Creutz‘ wird schon sehr mit uns verknüpft“. Der „Creutz“ ist zur Marke geworden. Er ist die Spitze des Silvaner-Portfolios, das das Weingut Zehnthof Luckert in Sulzfeld am Main in Franken erzeugt. Das Weingut wird geführt von den Brüdern Ulrich und Wolfgang Luckert sowie von Philipp, Wolfgangs Sohn. Im Mittelpunkt steht: Silvaner. Das Weingut leuchtet diese Rebsorte regelrecht aus. Ist der „Creutz“ dann tatsächlich der beste Silvaner der Welt? Hier gibt es die wichtigsten Fragen und Antworten zum „Creutz“:
1. Warum heißt der Silvaner „Creutz“ überhaupt „Creutz“?
Der „Creutz“ stammt aus einer winzigen historischen Einzellage in Sulzfeld am Main, Franken. Die Parzelle liegt am südlichsten Teil des Sonnenbergs in einem alten Gewann namens „Creutz“. „Creutz“ ist der altertümliche Name für Kreuz. Die kleine Parzelle inmitten von Sulzfeld am Main liegt in der Nähe des Friedhofs und der heutigen Kreuzkapelle. Daher kommt der Name.
2. Was hat es mit der Lage des Silvaners „Creutz“ vom Weingut Zehnthof Luckert auf sich?
Bei der Lage „Creutz“ handelt es sich um eine der letzten nahezu reinsortigen, wurzelechten Silvaner-Parzellen. Die Rebstöcke wurden in den 1870er Jahren gepflanzt. Wurzelecht heißt dabei: Es handelt sich um ungepfropfte Reben auf eigenem Wurzelstock. Nach der Reblauskatastrophe wurden fast alle europäischen Reben auf amerikanische Unterlagsreben gepfropft. Die Reblaus-Katastrophe wird auf Mitte der 1870er datiert. Wurzelechte, produktive Bestände aus jener Zeit sind heute deshalb extrem selten. Das macht den „Creutz“ zu einem Signature-Wein.
Sie haben 150 Jahre auf der Wurzel: Die Silvaner-Rebstöcke der Parzelle “Creutz” in Sulzfeld am Main FOTO: WEINGUT ZEHNTHOF LUCKERT
3. Wie kam das Weingut Zehnthof Luckert an den „Creutz“?
Die Parzelle war lange unsichtbar. Die Fläche liegt mitten im Ort und war zeitweise kaum als Weinberg zu erkennen. Ein befreundeter Eigentümer der Fläche wunderte sich, dass im Frühjahr immer wieder Triebe „von unten“ austrieben. Ulrich Luckert identifizierte sie als wurzelechte Silvaner aus dem 19. Jahrhundert. Er sagte über die Parzelle einmal: „Oberirdisch war nichts zu sehen. Die Rebstöcke wirken jetzt immer noch dünn und jung, aber da spielt sich alles im Boden ab.“ Denn: „Aus der Knolle treibt der Stock immer wieder aus.“
2009 fingen die Luckerts mit der behutsamen Rekultivierung an. Der erste Fülljahrgang aus der rekultivierten Parzelle wurde 2012 auf die Flasche gebracht. Seitdem gilt der „Creutz“ als Ikone des fränkischen Silvaners. Die Beeren sind dabei noch kleiner als sonstige Bestände des Weinguts, die Trauben hängen nicht homogen am Rebstock.
4. Welchen Stellenwert hat der „Creutz“ für das Weingut Zehnthof Luckert?
Das Weingut Luckert erzeugt eines der aufregendsten Silvaner-Portfolios. Einerseits bildet es die klassischen Silvaner der Klassifikationen Gutswein, Ortswein, Erste Lage und Große Lage („Maustal“) eines Mitglieds im Verband der Prädikatsweingüter (VDP) ab. Darüber hinaus kultiviert es auch Blaue und Rote Silvaner. „Wir wollen die Rebsorte abbilden, aber auch die Herkunft – und das gelingt dem Silvaner am besten“, sagt Philipp Luckert. Der „Creutz“ sei in kürzester Zeit zu einer „Brand“ geworden. Den „Maustal“, mit dem das Weingut vor allem in Verbindung gebracht wurde, gibt es seit 1999. Zunächst mit drei Sternen ***, später nach dem VDP-Beitritt dann als Großes Gewächs. Das war 2012. In dem Jahr also, in dem der „Creutz“ erstmals abgefüllt wurde.
5. Wie viele Flaschen gibt es vom „Creutz“ pro Jahrgang?
500 bis 600 Flaschen trägt die Parzelle. Zum Vergleich: Das Große Gewächs „Maustal“ liegt bei 4.000 Flaschen im Schnitt.
6. Wie viel kostet der „Creutz“ ab Hof?
Der „Creutz“ kostet 170 Euro ab Hof. „Wir wollen diese enorme Qualität ganz selbstbewusst bepreisen“, den ‚Creutz‘ wie einen „Solitär“ behandeln, sagt Philipp Luckert. Einerseits. Er solle andererseits aber kein „Hype-Wein“ oder ein „Spekulationsobjekt“ werden, der dann ewig im Keller liege und nicht getrunken werde. Es ist ein Liebhaber-Projekt für Wein-Liebhaber, die die extreme Qualität schätzen – und trinken. Die Wertsteigerung im Sinne einer Anerkennung lässt sich auch an der Preisentwicklung festmachen. Als 2012 der erste „Creutz“ verkauft wurde, lag er bei 50 Euro, der „Maustal“ damals bei 30 Euro. Das sind 340 Prozent beim „Creutz“, beim „Maustal mit seinen heute 60 Euro gerade mal 200 Prozent.

Ein Signature-Wein aus Franken, mit einer Feinheit in Perfektion: der Silvaner “Creutz” des Weinguts Zehnthof Luckert FOTO: WEINLETTER
7. Wie schmeckt jetzt der Silvaner „Creutz“ des Weinguts Zehnthof Luckert?
Der Untergrund besteht aus Muschelkalk mit lokal leichter Lössauflage – das prägt die salzige Mineralität, die Spannung und Präzision des Weins. Es ist der filigranste Silvaner, den ich bis dato getrunken habe. Eine enorme Länge. Er hat die kühlen Kräuternoten, Apfeltöne eines Silvaners, bildet die Rebsorte also auch ab. Aber verglichen mit dem „Maustal“ ist er völlig anders.
Philipp Luckert sagt: „Der ‚Creutz‘ ist weniger muskulös und kraftvoll, weniger breitschulterig wie der ‚Maustal‘. Er hat mehr Spiel, mehr Feinheit, mehr Eleganz.“ Der „Maustal“, den ich hier im WeinLetter auch schon besprochen habe, steht für die Burgundisierung der Silvaner des Weinguts. Die malolaktische Gärung bewirkt, dass der Silvaner eine buttrige, cremige Seite bekommt in Ergänzung zur Mineralik. Er wird: burgundischer. Der „Creutz“ dagegen ist auf der mineralischen, puristischen Seite – aber in Perfektion.
8. Wie lange halten die 150 Jahre alten Rebstöcke noch durch?
„Weinbautechnisch kein Problem“, sagt Philipp Luckert, „die Rebstöcke können ihre Außergewöhnlichkeit noch länger behalten. Sie haben ja auch schon 150 Jahre lang gehalten“. Aber: „Der ‚Maustal‘ gehört uns, der ‚Creutz‘ dagegen ist nur gepachtet.“ Das heißt: Hört die Pacht auf, hört der „Creutz“ auf.

“Er hat mehr Spiel, mehr Feinheit, mehr Eleganz“: Philipp Luckert vom Weingut Zehnthof Luckert FOTO: WEINLETTER
9. Ist die Qualität des „Creutz“ dann im Zweifel erhaltbar bzw. nachahmbar?
Der „Creutz“ ist für die Luckerts tatsächlich auch ein „Forschungsfeld“, wie das Philipp Luckert nennt. Die Frage lautet für ihn: „Ist die Qualität reproduzierbar?“ Denn diese uralten Rebstöcke mit ihrem hohen Alter, 1870er Anbau, besitzen „eine andere Rebengenetik“. Sie experimentieren mit der Veredelung in jüngeren Weinbergen.
10. Jetzt aber: Ist der „Creutz“ der beste Silvaner der Welt?
Ja. Er ist an Filigranität kaum zu überbieten. Von daher ist es für mich der beste Silvaner der Welt.
Du willst den WeinLetter und Qualitätsjournalismus auch finanziell unterstützen? Darüber würde ich mich sehr freuen! Dann werde hier zahlendes Mitglied: