Kürzlich habe ich erfahren, dass eine bekannte feministische Aktionskünstler:innen Valie Export (1940-2026) gestorben ist. Sie soll mal geschrieben haben “Die Kunst muss schreien, damit sie gehört wird. Die von Künstlerinnen insbesondere.”
Ich verstehe, was sie meint, trotzdem zeigt das doch, dass Künstlerinnen sich besonders anstrengen müssen, um gehört und gesehen zu werden. Das macht mich traurig. Um etwas Positives daraus zu machen, habe ich (zwar zufällig, aber passend) das Zitat umgestaltet: “Die Kunst muss schreiben, damit sie gesehen wird”
Das ist auch der Grund, warum ich mich jeden Monat dran setze und über meine Arbeit schreibe – ich möchte, dass sie sichtbarer wird. Ohne schreien zu müssen, denn ich bin schon sehr sehr müde und es würde mich auf Dauer zerstören …
1. Kreativworkshop auf St.Pauli

Der erste Kreativworkshop in 2026 war ein Geburtstagsgeschenk einer Freundin von mir für ihre Tochter. Das Besondere war auch, dass ich meine zweite Schulpraktikantin in diesem Jahr dabei hatte. Sophie hat den Workshop mit vorbereitet und natürlich auch mitgemacht.
Vier Stunden Stille und Flow – das haben die Teilnehmenden zu schätzen gewusst und gut genutzt. Hier sind die Ergebnisse :)
Weitere offenen Termine und Infos findest Du auf meiner Website (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).
2. Portraitparty
Stillsitzen und Menschen zeichnen – das ist eine Party nach meinem Geschmack ;)
Als ich in dem Newsletter der hamburger Urban Sketchers von der anstehenden Portraitparty erfahren habe, war ich innerlich sofort dabei. Ich hatte Glück, dass das Datum an den Abend fiel, an dem mein Kind sowieso nicht bei mir war. So konnte ich mir viel Zeit für die Reise nach Niendorf und das Zeichnen nehmen.
Es haben sich ca 12 Menschen zum Portraitzeichen im Restaurant The Village versammelt. Der Ort war wie geschaffen dafür. Wir hatten eine eigene Nische mit einem großen Tisch und sogar Spülbecken zum Pinselabwaschen und Wasserholen.
Dafür habe ich eigens ein Leporello ausgesucht und schon vorher die Hintergrundfarben angelegt. So konnte ich mich auf das Zeichnen konzentrieren und musste nicht viel über Farben nachdenken.
3. Zeichnen und Kickern
– das geht offensichtlich! Hätte ich selbst nicht gedacht. Bei dem alljährlichen Kickertournier der Firma Silpion war ich schon früher als Besucherin dabei und habe dort gezeichnet.
Dieses Jahr habe ich mir selbst einen dreifachen Job auferlegt: als Mutter, Mitspielerin und Zeichnerin. Und es ging erstaunlich gut!
4. Same Same but different
Das ist das Motto der Galerie SameSame in Eidelstädt. Ich habe ein wenig schlechtes Gewissen, weil ich den letzten Newsletter auslassen musste und Dich deswegen nicht einladen konnte.
Dabei war das Thema so wichtig für mich: “Der feine Strich”. Es ging um feine Zeichnungen, die nicht schreien, sondern Prozesse sichtbar machen, ja zum Eintauchen einladen oder das Denken widerspiegeln.
Vier Positionen hat René Scheer – der Betreiber und Gründer der Galerie – zusammengeführt. Vier Künstler:innen, die unterschiedlich sind und trotzdem eins gemeinsam haben: die Zeichnung.
Hendrike Kaiser, Johannes Koch, Sebastian Unterreiner und Julia Zeichenkind.
Die Vernissage hat die hamburger Künstlerin und Kunsthistorikerin Larissa Scheckenbach mit einer kleinen Reise zur Geschichte der Zeichnung eröffnet und einige interessante Infos zu den einzelnen Künstler:innen verraten.
Passend dazu habe ich ein neues Bild fertig gestellt, das ich hier mit Dir teilen möchte:
Bald wird dieses Bild in einem Café am Fischmarkt hängen, aber dazu später :)
5. Come on boys
Am Vatertag denkt man doch an betrunkene, lärmende Männergruppen, die mit einem Bollerwagen voller Bierflaschen umherziehen, laut sind und tierisch nerven.
Bollerwagen mit Bier und Lautstärke gab es an diesem Vatertag auf dem Heiligengeistfeld auch. Und mit Sicherheit haben sie jemanden genervt. Denn es ging um Selbstreflexion und Selbstkritik. Aber man sah auch Kinder, Queere Menschen und Mütter.
Einige Männer aus Hamburg haben sich entschieden, diesen Tag zu nutzen, um auf Gewalt an Frauen, Queeren Menschen und Ungleichheit aufmerksam zu machen.
Ich hätte mich gern darüber gefreut, leider war ich etwas traurig, dass mein Sohn das nicht mitbekommt und weder sein Vater noch mein Freund unter diesen Männern zugegen waren, die so reflektiert und … ist mir zu emotional das Thema …
Ich empfand aber auch Dankbarkeit. Es tat gut von Männern zu hören, was sie für die Gesellschaft und für mich als Mutter und Künstlerin besser machen können. Dass es menschen gibt, die die Ungerechtigkeit sehen und benennen können, auch und gerade wenn sie selbst nicht betroffen sind. Und dass ich nicht alleine bin mit meinen Gedanken.
Ankündigungen
Der Juni ist bereits gefüllt mit Veranstaltungen, die mir Freude bereiten und auf die ich stolz bin. Ohne zu schreien habe ich es doch geschafft, dass andere Menschen mich im Blick haben und immer wieder für Veranstaltungen anfragen. Das macht mir Hoffnung auf bessere Zeiten und darauf, dass ich einen wichtigen Beitrag für unser aller Zusammenleben leiste.
🌞 14.6.2026 – 14:00 Uhr – Lesung “Verbotene Gefühle in Zeiten des Kriegs” während der Ausstellung “Familia” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Oksana Yuschko im Rahmen der 9. Triennale der Photographie Hamburg 2026. Anmeldung erforderlich. Link:
https://2026.phototriennale.de/kalender/verbotene-gefuehle-in-zeiten-des-krieges/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)🌞 11.6.2026 – 17 - 21 Uhr – Im Café “Special Connection” am Fischmarkt zeige ich meine aktuelle Bilderserie, die dort zunächst für zwei Monate hängen bleibt. Die Vernissage findet am 11.6. von 17 bis 21 Uhr statt. Getränke und Snacks können im Café erworben werden. Es ist sehr schön dort und ich freue mich, wenn Du kommst :)
🌞 15.6.-15.7.2026 – Open-Air-Ausstellung – 20 Jahre Leben und Zeichnen auf St.Pauli
Spielbudenplatz (Bühnenseite)
Vernissage: 17. Juni, ab 18 Uhr
Mit meinen Reportage-Illustrationen habe ich ein einzigartiges Archiv von gezeichneten Dokumenten von St.Pauli erschaffen. Momentaufnahmen von Zeitzeug:innen, Kneipenabenden, lokalen Projekten, Veranstaltungen und markanten Ereignissen können in der Open-Air-Ausstellung am Spielbudenplatz besichtigt werden. Am 17. Juni ab 18 Uhr bin ich selbst vor Ort und stelle meine Arbeit vor.
Tschüss
Julia Zeichenkind