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Über Worte, Wunden und das fragile Recht auf Teilhabe – Teil II

Zwischen Apothekenratgeber und Facharztbrief

Es ist keine Verbitterung, die hier spricht – allenfalls eine müde, fein temperierte Portion Sarkasmus.

Denn während das Ärzteteam eines chronisch Kranken die Gene seiner Patientin längst beim Vornamen kennt, erklärt die Nachbarin von nebenan mit missionarischem Eifer, sie habe da etwas gelesen.

Im Apothekenratgeber. Oder im Internet. Vielleicht auch auf dem Kassenzettel – wer will das schon so genau wissen.

Da wird zwischen Stromkasten und Wursttheke Diagnostik betrieben, zwischen Feierabendbier und Facebook-Gruppe Therapie empfohlen.

„Meine Tante hatte das auch – nimm einfach Kurkuma, das hilft immer!“

Man möchte sich bedanken für die Fürsorge, würde sie nicht so unverhohlen nach Besserwisserei duften.

Währenddessen sitzen Betroffene in Besprechungszimmern mit Fachärztinnen, Genetikern, Neurologinnen und Reha-Teams; sie hantieren mit Laborwerten, diskutieren molekulare Zusammenhänge und ringen um Therapieentscheidungen, die mehr wiegen als ein Ernährungsrat aus der Fernsehzeitschrift.

Ihre Befunde füllen ganze Ordner, ihre Arztbriefe lesen sich wie Fortsetzungsromane – detailreich, dramatisch, mit ungewollter Spannung.

Und draußen verkündet irgendjemand, ein „bisschen mehr Bewegung“ oder „positive Gedanken und hochdosiert Vitamin D" seien sicher die Lösung.

Manchmal, in solchen Momenten, wünsche ich mir ein Schild auf der Stirn:

„Vorsicht: komplexe Multimorbidität. Nicht zur Laienanalyse geeignet.“

Denn es ist schon bemerkenswert, wie viele Menschen ohne medizinische Ausbildung in ihrem zweiten Leben offenbar heimlich promoviert haben – in allen Bereichen der Medizin.

Vom Straßenrand aus werden Diagnosen gestellt, Therapien verordnet und Weltwissen verkündet, während die eigentlichen Betroffenen mühsam versuchen, ihre Tage zwischen Fatigue, Schmerzen und Funktionieren zu balancieren.

Die Ironie liegt auf der Hand:

Je weniger jemand weiß, desto größer die Bereitschaft, darüber zu dozieren.

Und so gleicht das Leben mit einer chronischen Erkrankung bisweilen einem endlosen Improvisationstheater – mit Laiendarstellerinnen, die Ratschläge geben, während die wirklichen Expertinnen längst auf der Bühne stehen: erschöpft, aber würdevoll.

Expertin in der eigenen Sache - und nun, nach diesem Fingerzeig auf all die anderen, muss ich es zugeben:

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