Skip to main content

Es sind nur Socken!!!

Es beginnt, wie so vieles im Leben, mit einem kaum bemerkten Detail – einem leisen Regelbruch im Gefüge des Alltäglichen. Zwei Socken. Zwei Farben. Zwei kleine, textile Dissidenten, die sich weigern, in ästhetischer Konformität zu marschieren.

Und plötzlich: ein Aufruhr.

Man staunt beinahe mit ethnologischer Neugier, welch bemerkenswerte Energie manche Menschen aufzubringen vermögen, wenn es um die vermeintliche Ordnung von Dingen geht, die – bei nüchterner Betrachtung – nicht einmal das Licht der Welt erblicken, verborgen in Schuhen, diskret, fast schon demütig. Und doch wird daraus ein Tribunal: Fragen nach Reife, nach Geschmack, nach sozialer Angemessenheit. Ein kleiner Stoffkonflikt, der zur Charakteranalyse hochstilisiert wird.

Wie unerquicklich.

Denn in Wahrheit liegt in diesen zwei ungleichen Socken etwas zutiefst Souveränes. Kein schriller Protest, kein demonstrativer Exzess – vielmehr eine stille, fast elegante Form der Selbstermächtigung. Ein leises „Ich darf das“, das keiner Legitimation bedarf. Kein Applaus, keine Zustimmung, nicht einmal Verständnis.

Es ist, wenn man so will, eine Form alltäglicher Autonomie.

Und wie unerquicklich wirkt dagegen jene Haltung, die im Außen regulieren möchte, was im Innersten längst entschieden ist. Als sei Individualität ein Regelwerk, das man ab einem gewissen Alter bitteschön einzuhalten habe. Als gäbe es eine unsichtbare Instanz, die irgendwann urteilt: „Ab hier nur noch gedeckte Farben. Und bitte paarweise.“

Verzeihung – aber nein.

Vielleicht ist es gerade dieses kleine, scheinbar banale Detail, das uns daran erinnert, dass Freiheit selten in großen Gesten beginnt. Sie beginnt im Kleinen. Im Unauffälligen. Im augenzwinkernden Bruch mit Erwartungen, die nie unsere eigenen waren.

Zwei unterschiedliche Socken sind meistens kein modischer Fehltritt.

Sie sind ein leises, aber insistierendes Plädoyer für Selbstbestimmung.

Und wenn jemand darin Geltungsdrang erkennen möchte – nun, dann sei auch das gestattet. Jeder interpretiert schließlich im Rahmen seiner eigenen Begrenzungen.

Ich hingegen?

Trage sie einfach.

Nicht aus Trotz.

Nicht aus Provokation.

Sondern aus jener stillen Gewissheit heraus, dass ich niemanden um Erlaubnis bitten muss – nicht einmal für die unscheinbarsten Entscheidungen meines Alltags : die Farbe meiner Socken.

Und

0 comments

Would you like to be the first to write a comment?
Become a member of Frau_Kruemelkuchen, Diana - hört! Oder doch nicht? - and start the conversation.
Become a member