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Ach. Der Abend der Fleischberge.

Der promissorische Höhepunkt einer kulinarischen Odyssee durch Prag.

Was tut man also an einem Tag, der sich bereits morgens wie ein sakrales Versprechen anfühlt?

Man zelebriert Askese.

Man frühstückt mit jener heroischen Zurückhaltung, mit der andere Menschen Fasten brechen. Man nippt am Kaffee, als sei er lediglich ein logistisches Mittel zum Zweck. Man verweigert sich Bäckereien mit einer Disziplin, die fast schon an stoische Philosophie grenzt. Und während andere arglos durch Museen schlendern oder Cafés frequentieren, oszilliert das eigene Denken ausschließlich um eine Frage:

Wie viel Haxe verträgt ein kultivierter Mensch?

Das innere Wiesel insistiert bereits um elf Uhr auf „kleinen Probebissen“ zur Vorbereitung.

Die Büffelin hingegen hält assertorisch dagegen: „Strategische Kalorienplanung ist kein Affekt, sondern Konzept.“

Also wird reduziert.

Mittag? Symbolisch.

Nachmittag? Eine kontrollierte Leere.

Und plötzlich friert man. Natürlich friert man. Der Körper ist empört. Er konfabuliert Gefahr, wo lediglich kulinarische Ambition vorliegt.

Man wird leicht divenhaft.

Minimal knatschig.

Man betrachtet Mitreisende, die sorglos Kuchen essen, mit jener Mischung aus Verachtung und Neid, die nur temporäre Selbstkasteiung erzeugt.

Aber – und hier beginnt der dramatische Spannungsbogen – diese selbstgewählte Entbehrung ist kein Mangel. Sie ist Vorbereitung. Ein Bouchoir der Vorfreude. Eine konzentrierte Erwartung, die sich exponiert im Magenraum manifestiert.

Denn wenn dann der Abend kommt.

Wenn der Teller aufgesetzt wird.

Wenn sich dieses Monument aus knuspriger Schwarte und saftigem Fleisch vor einem erhebt –

dann weiß man:

Der Tag war kein Hungern.

Er war Dramaturgie.

Und während das Wiesel ekstatisch applaudiert und die Büffelin anerkennend nickt, begreift man eine simple Wahrheit: Manchmal lohnt es sich, überbordend auf etwas hinzuarbeiten. Manchmal ist Genuss kein Zufall, sondern eine bewusst komponierte Entscheidung.

Und ich frage mich nun ernsthaft:

Wird sie den Mythos erfüllen – oder ihn noch übertreffen?

Und dann – dieser Moment, der fast schon anthropologische Qualität besitzt.

Der Kellner – professionell, routiniert, vermutlich Zeuge zahlloser gescheiterter Ambitionen – blickt uns an und fragt mit jener feinen Ironie, die nur Servicepersonal in traditionsreichen Prager Lokalen beherrscht:

„Eine Haxe für zwei Personen?“

Ich verneine.

Nicht impulsiv. Nicht trotzig.

Sondern mit der ruhigen Assertorik einer Frau, die weiß, worauf sie sich einlässt.

Eine pro Person.

Und ja – ich wurde von der Seite begutachtet. Dieses kurze, taxierende Messen. Ein Blick, der zwischen Skepsis und stiller Vorhersage oszillierte. Vermutlich dachte er: Noch so eine Idealistin.

Das Wiesel in mir hingegen überbordete vor Empörung.

„Als ob wir uns eine Haxe teilen!“

Es rollte mit imaginären Augen, es konfabulierte bereits Siegesreden. Die Büffelin blieb sachlich, kalkulierend – Proteindichte, Volumen, Kausubstanz.

Bestellt war bestellt.

Und dann kam sie.

Kein Teller – ein Monument.

Knusprige Schwarte, die beim leisesten Druck splitterte wie ein kulinarisches Versprechen. Darunter dieses saftige, zarte Fleisch, das sich widerstandslos löste. Dazu Coleslaw – frisch, kühl, mit jener säuerlichen Präzision, die das Fett nicht negiert, sondern kultiviert kontrastiert.

Was soll ich sagen.

Ich habe sie geschafft.

Nicht hastig. Nicht gierig.

Sondern in einer fast meditativen Konzentration.

Habe ich gekämpft? Vielleicht.

Hätte ich zu Hause nach einem Viertel aufgehört? Möglicherweise.

Habe ich dennoch alles verputzt? Ja.

Und tut mir jetzt der Bauch weh? Definitiv.

Der menschliche Körper ist erstaunlich ehrlich. Er insistiert auf Grenzen, selbst wenn die Seele noch applaudiert.

Ich sitze also nun hier, leicht bewegungsunwillig,

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