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Vom Fallen und vom Fortbestehen

Eine kleine Moritat über Schmerz, Chronizität und die Kunst, dennoch weiterzugehen

Es geschieht nicht spektakulär.

Kein dramatischer Sturz, kein filmreifer Moment, in dem die Welt innehält und sich alles in Zeitlupe vollzieht. Nein – es ist banaler. Fast beleidigend banal. Ein falscher Tritt, ein Moment der Unachtsamkeit, ein Körper, der nicht mehr ganz mitspielt, wie er es einst tat.

Und dann: der Aufprall.

Nicht laut. Nicht heldenhaft.

Aber von einer Eindringlichkeit, die sich augenblicklich exponiert – im Atem, im Zucken, im scharfen, kaum verhandelbaren Schmerz, der sich wie ein ungebetener Gast zwischen die Rippen legt.

Eine Rippe gebrochen.

Ein Satz, so kurz wie nüchtern. Und doch trägt er ein ganzes Universum an Implikationen in sich. Denn wer je versucht hat, mit einer gebrochenen Rippe zu existieren – nicht einmal zu leben, sondern schlicht zu existieren –, weiß um die perfide Qualität dieses Schmerzes. Er ist nicht punktuell. Er ist allgegenwärtig.

Jeder Atemzug ein leiser Protest.

Jedes Lachen ein kalkuliertes Risiko.

Jede Drehung im Bett eine kleine, private Tragödie.

Und als wäre dies nicht bereits hinreichend, tritt die Chronizität hinzu – jene stille, beharrliche Begleiterin, die sich weigert, den Körper je ganz freizugeben.

Chronisch krank zu sein bedeutet nicht nur, Symptome zu haben. Es bedeutet, in einer permanenten Verhandlung mit dem eigenen Organismus zu stehen. Eine Verhandlung ohne klare Vertragsbedingungen, ohne garantierte Ruhezeiten, ohne finale Einigung.

Der Sturz – er ist dann nicht einfach ein Unfall.

Er ist ein Einschnitt in ein ohnehin fragiles Gleichgewicht.

Mein inneres Wiesel?

Konsterniert. Empört. Aufgebracht bis in die feinsten Fasern seines nervösen Seins. Es insistiert, hadert, faucht gegen die Ungerechtigkeit an, als ließe sich das Schicksal durch schiere Empörung zur Ordnung rufen. Es zählt minutiös auf, was ohnehin schon zu viel ist – und nun das auch noch?

Die Wasserbüffelin hingegen…

Sie hebt langsam den Blick. Kaut bedächtig weiter. Atmet.

Ein leises, beinahe stoisches Schulterzucken durchzieht ihre massige Gelassenheit.

„Es ist, wie es ist“, scheint sie zu sagen – nicht resignativ, sondern von einer eigentümlichen, fast würdevollen Akzeptanz getragen.

Zwischen diesen beiden Polen bewege ich mich.

Zwischen Aufbegehren und Annahme.

Zwischen Schmerz und erstaunlicher, beinahe widerspenstiger Lebenszugewandtheit.

Denn so sehr der Körper gerade insistiert, so sehr er Aufmerksamkeit einfordert, so sehr er Grenzen markiert, die nicht ignoriert werden können – so wenig ist dies das Ende einer Geschichte.

Es ist ein Kapitel.

Ein unbequemes, schmerzhaftes, unerquicklich ehrliches Kapitel.

Eines, das mich zwingt, langsamer zu werden. Genauer hinzusehen. Mich selbst nicht als funktionierende Einheit zu betrachten, sondern als vulnerables, reagierendes, lebendiges System, das nicht immer gehorcht –

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