Rettung in letzter Sekunde

Eine unglaubliche Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft ist in den letzten Tagen über mich hinweggerollt. Menschen standen mir bei, haben mich angefeuert und mir nicht zuletzt Geld gespendet. Ich bin fassungslos. Sprachlos. Vollkommen überwältigt.
Worte können nicht ausdrücken, wie dankbar ich für Eure und Ihre Großzügigkeit bin. Mehr als einmal saß ich in den letzten Tagen mit runtergeklapptem Kiefer und feuchten Augen vor meinem Paypal-Account. Konnte die Zahlen, die ich sah, einfach nicht glauben. War für mehrere Tage in einer Art Schockzustand, weil ich damit nicht gerechnet hatte, als ich den letzten Text schrieb. Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass nicht ein kleiner Teil von mir darauf gehofft hat, aber damit gerechnet habe ich nicht.
Ich kann meine Miete vorerst zahlen und meine Schulden ein wenig reduzieren. Ich bin versucht, einfach alle Schulden auf einen Schlag zurückzuzahlen, aber weil ich ehrlicherweise nicht sagen kann, wie lange das Geld vorhalten muss, bis ich wieder regelmäßige Einkünfte habe, zahle ich lieber nur einen Teil zurück.
Ich konnte überdies letzte Woche eine Rechnung für mein neues Projekt stellen, und in diesem Augenblick erreicht mich die Nachricht, dass der Vorschuss, den ich für “Female Choice” erhalten habe, endlich “abverkauft” ist. Das heißt, dass ich ab sofort “neues” Geld mit den Buchverkäufen verdiene. Weil die Veröffentlichung des Buches schon so lange her ist, sind das keine riesigen Beträge und sie werden mir auch nur jährlich ausgezahlt, aber ich habe gelernt, jede Form regelmäßigen Einkommens zu schätzen.
Überdies habe ich alle letzte Woche noch anstehenden Termine abgesagt und mir selbst Ruhe verordnet. Mein eigener Hilferuf hat mir das Ausmaß meiner Erschöpfung klargemacht. Nichtstun als aktiver Punkt auf der To-Do-Liste, lol. Das fiel mir nicht leicht, weil mein Gehirn immer noch in diesem panikartigen Aktionismus-Modus ist und ständig dies und das machen wollte und DRINGEND!!einself
Mein hyperindependentes Ich hat mich außerdem eine Weile dafür verhöhnt, dass ich Hilfe von anderen angenommen habe. Hat mir eingeflüstert, dass ich durch meinen Hilferuf sicher den Respekt von Menschen verloren habe, die für mich wichtig sind. Wollte bei jeder eingehenden Zahlung schreien “Das kann ich nicht annehmen! Ich zahl’s zurück!” Die Scham über den Text und meinen Zusammenbruch stellte sich zuverlässig ein.
Aber ich bin ja stets strebend bemüht, eigene schädliche Muster zu überwinden, und so habe ich die letzten Tage auch dafür genutzt, die Scham wegzuatmen und mein hyperindependentes Ich davon abzuhalten, mich “armselig” zu nennen.
Ich habe immer noch nicht ganz realisiert, dass ich mich für den Moment ein wenig entspannen darf. Aufhören kann, Dinge hektisch anzugehen, und mir statt dessen Zeit und Ruhe gönnen kann, sie ordentlich zu machen.
Ohne Euch wäre das nicht möglich. Danke. Von ganzem Herzen.
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