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PositHIVe Gegenmacht aufbauen: HIV, AIDS und die Rückkehr der dunklen Zeiten

Zwei rosa Winkel auf schwarzem Grund. Links steht darunter action = life, rechts steht darunter "silence = death".

05/03/2026

Liebe Leute,

heute geht es um Alles

Es geht um Leben und Tod, um Faschismus und antifaschistische Gegenmacht, um Kollaps und SoliPreppen. Es geht darum, dass die Rechten uns HIV-Positiven die Medikamente wegnehmen, weil sie nie aufgehört haben, zu hoffen, dass wir elendiglich krepieren, wie damals in den 80ern. Es geht darum, ob und wie wir Positiven uns dagegen wehren können, wie wir uns solidarisch und kämpferisch auf eine Situation vorbereiten können, in der das, was in den USA heute schon passiert, was im südlichen Afrika mit verheerenden Konsequenzen seit den globalen “Entwicklungshilfe”-Kürzungen des vergangenen Jahres passiert, auch hierzulande eintritt.

Es geht mir in diesem Text um nicht mehr und nicht weniger, als einen Strategievorschlag für eine neue Positivenbewegung zu formulieren. Ich bin mir sicher, dass das auch ein bisschen anmaßend wirken wird, vor allem auf diejenigen, die schon länger in diesem Politikfeld arbeiten. Aber... nunja, we're running out of time.



USA: Viele Positive erhalten keine Medikamente mehr”

Das war die Headline, die mir vorgestern Abend so sehr die Laune verdarb, dass ich seitdem im politischen Sinne an fast nichts anderes mehr denken kann. Ich zitiere mal ausführlicher: (Opens in a new window)

In den USA zeichnet sich eine ernste Gefahr für die Versorgung von Menschen mit HIV ab, weil staatliche Behörden und Gesundheitsprogramme die Unterstützung für Medikamente und Behandlungsprogramme stark einschränken. Derzeit kürzen rund die Hälfte der 50 US-Bundesstaaten Förderprogramme, mit denen antiretrovirale Medikamente finanziert werden. Zehntausende sozial schwächere HIV-Positive könnten damit ihre Medikamente verlieren – und können sich eine Eigenfinanzierung nicht leisten.

Für nicht Krankenversicherte können empfohlene Behandlungskosten pro Jahr im US-Gesundheitssystem allerdings 30.000 bis 40.000 Euro betragen – hinzu kommen Kosten für Arztbesuche, Labortests oder Begleittherapien. Aids-Organisationen warnen daher, dass damit viele Menschen von der Behandlung abgeschnitten werden. Dies würde zu weiteren Kosten führen: Die Viruslast bei nicht behandelten Positiven würde innerhalb weniger Wochen ansteigen, was zu einer Schwächung des Immunsystems und weiteren Erkrankungen führen könne. Außerdem können, das zeigt die Erfahrung, schon relativ kleine Versorgungslücken der Neuinfektionen messbar erhöhen.”

Es tritt also gerade das ein, wovor ich seit geraumer Zeit warne, wovor ich, genauer gesagt, seit geraumer Zeit eine Heidenangst habe: wir HIV-Positiven stehen mittlerweile direkt im Fadenkreuz der rechten Offensive, die Rechten nehmen uns die Medikamente weg, die wir ganz dringend zum Überleben brauchen.

Natürlich könnte man meinen, es ginge hier um objektive “Sparzwänge”, aber das wäre halt Quatsch: ein Land, das sich einen “war of choice” im Iran und allerlei giveaways an Milliardäre leisten kann, entscheidet sich, bei vor allem armen, bei vor allem queeren, bei vor allem people of color zu sparen, wir sind da kein zufälliges Ziel eines allgemeinen Sparzwangs. HIV-positive Menschen in den USA werden gerade, wie seit letztem Jahr auch HIV-positive Menschen im südlichen Afrika, Opfer rechten Hasses, rechter Verachtung “anderer” Lebensmodelle, Opfer des rechten Wunsches, uns Perverse Gotteslästerer*innen leiden und sterben zu sehen (hier ein Text (Opens in a new window), in dem ich kurz auf die Geschichte der HIV-/AIDS-Krise eingehe).



Wie dort, so bald auch hier?

Die nächste abwiegelnde Reaktion, sowohl von positiven wie von negativen Gesprächspartner*innen, ist dann meist der Hinweis, dass das ja in den USA geschehen würde, dass Alles dort ganz anders sei, dass ich mir hier in Deutschland keine Sorgen zu machen bräuchte – aber wer seit 2015 auch nur ein klein bisschen die US-amerikanische Politik verfolgt hat, wird ziemlich schnell erkennen, dass die durchgeknallten Dinge, die dort passieren, ung. fünf bis acht Jahre später dann auch hier ankommen. Natürlich sehen diese politischen Moves dann nicht genau so aus, wie dort, sie werden “hybridisiert”, d.h., an die lokalen Gegebenheiten angepasst – zum Beispiel ist es aufgrund des dt. Krankenversicherungsmodells ziemlich schwierig, ärmeren Menschen einfach die HIV-Medikamente zu streichen, aber das bedeutet nur, dass wir uns die Frage stellen müssen, auf welchem Weg der Angriff auf unsere Medikamente, sprich, aus unsere Körper und unser Überleben, denn nun wahrscheinlich laufen wird.

Zuerst dachte ich, angesichts immer mehr in Mode kommenden öffentlich-schamfreien Rassismus der moral shithole society Deutschlands, dass der Angriff sich Geflüchtete als sein erstes weil einfachstes Ziel aussuchen würde, aber Menschen mit mehr Erfahrung im HIV-und-AIDS-Politikfeld haben mir versichert, dass das nicht wirklich einfach wäre, weil: sobald Menschen in Deutschland Schutzstatus haben, unterliegen sie nunmal bestimmten rechtlichen Schutzbestimmungen, die nicht ganz einfach abzuräumen sind.

Stellt Euch diese Überlegungen ein bisschen so vor, als würdet Ihr ein Politikfeld “von oben” betrachten, als wäre es eine Landkarte, die vor Euch liegt: auf der einen Seite der Karte seht ihr uns und unsere Verteidigungslinien; auf der anderen die der Gegenseite, und dazwischen die Topographie des politischen Feldes – Gesetze und Institutionen sind in dem Bild Flüsse, Straßen oder Bergzüge, die gegnerische Bewegungen entweder erschweren oder erleichtern, die uns die Verteidigung oder gar eine Gegenoffensive ermöglichen könnten. Ich starrte eine ganze Zeitlang auf diese imaginierte Karte, fragte mich: “wo wird der Angriff erfolgen?” Bis mir klar wurde: es wird mit der PREP anfangen...



It will begin (with the PREP)

Wie vor drei Wochen aufgeschrieben (Opens in a new window)gehe ich davon aus, dass die rechte Offensive im strategischen Sinne relativ rational vorgeht, sie testet unsere Linien aus, greift jede “Randgruppe” an, die sie finden kann, achtet genau darauf, vor welchen wir die Reihen schließen, und bei welchen wir ungefähr so wegschauen, wie die meisten meiner Klassenkamerad*innen wegschauten, als ich in der Unter- und Mittelstufe gebullied wurde: unter anderem deswegen greifen sie derzeit so hart unser trans Geschwister an, weil ein erheblicher Teil der Mitte ziemlich deutlich signalisiert hat, dass sie diese ganze “trans”-Geschichte auch irgendwie dubious und verwirrend finden, und überhaupt, diese ganze Pronomenverwirrung...

Und wenn dann mal ein Angriff gut läuft, wird diese Angriffslinie auf- und ausgebaut, weshalb wir davon ausgehen können, dass auf ihr weitere Angriffe geplant und durchgeführt werden. Wir sind also im erweiterten Sinne bei geschlechtlichen und sexuellen “Minderheiten” als attraktives Ziel der rechten Offensive, und obwohl HIV/AIDS natürlich KEIN grundsätzlich queeres Thema ist – Headline aus dem UK (Opens in a new window): “More straight than gay people are being diagnosed with HIV for first time in a decade” - ist es im politisch allmächtigen symbolischen Sinne ein queeres Thema: wenn wir über HIV/AIDS und andere sexuell übertragbare Krankheiten sprechen, sprechen wir fast nie über materielle, medizinische Realitäten, wir sprechen stattdessen von Schuld und Scham und Sünde und Vergebung oder halt eben ewige Verdammnis. An AIDS zu sterben ist der ultimative Beweis der eigenen Sündhaftigkeit, sowohl im historischen schwulen Gedächtnis, als auch, vor allem, bei den Rechten, bei der Arschlochgesellschaft. Ein Blick zurück in die 80er (Opens in a new window):

“Die meisten der Opfer der mysteriösen Krankheit waren MSM ('men who have sex with men') und/oder African Americans. Also Schwuchteln und Schwarze. Die mehrheitsgesellschaftliche Reaktion ließ sich ungefähr so zusammenfassen: 'Alles gut und schön, aber ist eh egal, weil jetzt verreckt ihr alle.' Schwule Communities erinnern sich nicht nur an die Zeit, in der man auf mehr Beerdigungen als Partys ging, sondern auch an die Häme, den befriedigten Blick der Normalos als wir vor ihren Augen dahinsiechten. Ausgemergelte Symbole der Strafe Gottes für unsere Sünden!”

Und wieder zurück in die Gegenwart: wenn die Rechten (leider richtigerweise) geschlechtliche und sexuelle Minderheiten für besonders attraktive Ziele halten, stellt sich die Frage, wo der nächste Angriff kommen wird. Die Antwort darauf ist, wie gesagt, die PREP. PREP ist ein HIV-Medikament (Truvada), das auch als Prophylaxe fungiert: viele in der Schwulenszene sexuell aktive MSM nehmen die PREP, und sind so vor einer Ansteckung mit HIV geschützt. Die PREP ist mittlerweile ein “normaler” Teil schwuler Sexualität geworden, und sie ist im gesellschaftlichen Sinne ziemlich rational: sie rettet Leben, und spart Geld (weil eine lebenslange HIV-Infektion teurer ist, als eine zeitlich begrenzte PREP-Nutzung).

Und hier seht Ihr hoffentlich schon die Angriffslinie: dass die Kassen (dank Jens Spahn of all people) in Deutschland die PREP finanzieren, ließe sich von Rechts ganz leicht als “gesellschaftliche Finanzierung eines perversen Lebensstils” darstellen, und schon wären wir bei einem Szenario a la USA: mit angeblichen Sparzwängen begründeten, aber eigentlich auf Hass basierenden Kürzungen werden Zehntausende von der PREP ausgeschlossen, Infektionszahlen würden steigen, vermutlich gäbe es dann auch weniger kostenlose Testangebote, und schon könnten wir in den Zentren schwuler Kultur in Deutschland wieder Menschen an AIDS sterben, die dunklen Zeiten könnten zurückkehren.

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Chto Delat? Was tun (wir PositHIVen jetzt)?

Ihr wisst, dass ich gerade von “der Mitte” nicht besonders viel erwarte, zumindest nicht, dass sie “uns” (verschiedene marginalisierte Gruppen) adäquat verteidigen wird – während ich diesen Text schreibe, sehe ich in irgendeinem “sozialen Medium” eine Kachel, auf der Luisa Neubauer (Opens in a new window) mit den schönen Worten zitiert wird, sie wünsche sich, dass 2026 die Menschen mehr “den Vögeln zuhören, den Wind in den Bäumen”, und mir wird ein bisschen schlecht – und dass meine Strategien derzeit auf den Aufbau autonomer (mit kleinem “a”, also nicht unbedingt Autonom) Handlungsfähigkeit in Katastrophensituationen hinauslaufen. Also stellt sich nun die Frage: wie reagieren wir PositHIVen auf die derzeitige politische Situation, wie reagieren wir auf das politisch gewollte Sterben im südlichen Afrika, wie auf die Entwicklungen in den USA, wie bereiten wir uns auf einen kommenden Angriff auf die PREP vor?

Die bisher wahrscheinliche Antwort ist: “wir” reagieren gar nicht darauf, denn es gibt “uns” gar nicht im Sinne einer politisch handlungsfähigen kollektiven Identität. Wir Positiven wissen kaum voneinander, weil wir nicht offen über unseren Infektionsstatus sprechen, aus historisch guten Gründen, die uns jetzt aber in den Arsch beißen. Natürlich wollten HIV-Positive sich nicht outen, unter anderem, weil bei uns selbst und in der breiteren Gesellschaft immer noch sehr viele Vorurteile und judgement über HIV besteht, weil wir uns immer noch schuldig fühlen, und von außen immer noch als Gefallene/Perverse/in irgendeiner Form Schuldige gesehen werden. Weitere Gründe: zum Beispiel das Arbeitsrecht, wo in vielen Jobs, die physische Fitness voraussetzen, volltherapierte und deswegen praktisch vollkommen gesunde HIV-Positive plötzlich als “krank” und “nicht voll arbeitsfähig” eingestuft werden, was natürlich eine Form von Diskriminierung ist, die nicht mehr den medizinischen Realitäten entspricht. Dann gibt es da die Angst, auf offiziellen “Listen” zu landen, wie sie damals in den 80er und 90er Jahren u.a. aus der Union heraus gefordert wurden. Daher löste die Elektronische Patient*innenakte unter Positiven auch ziemlich kontroverse Diskussionen und große Sorge aus.

Ich könnte jetzt noch hunderte Gründe aufzählen, warum HIV-Positive sich nur selten und wenn ja meist nur in ihrem allerengsten Kreis outen, but you get the idea. Daraus entsteht aber ein enormes politisches Problem, denn was nicht sprechen kann, kann sich auch nicht organisieren. Eine Community, die sich gegenseitig nicht erkennen kann, ist keine Community für sich, im Sinne einer selbst-bewusst handelnden politischen Entität/Gruppe. Aber eine kollektive Community-Identität ist notwendig, ist Grundbedingung politischen Handelns, ohne queere Outings hätte es keine queere Bewegung geben können, und vielleicht erinnern sich manche hier noch an die “wir haben abgetrieben! (Opens in a new window)” aus den frühen 70er Jahren erinnern, in der prominente Frauen, die abgetrieben hatten, ihre Privilegien ausnutzten, um so den Wunsch nach körperlicher Selbstbestimmung für Frauen politisch sprechbar zu machen, obwohl sie sich damit durchaus erheblichen politischen und persönlichen Risiken aussetzten.

D.h.: es kann keine neue Positivenbewegung geben, keine positive Gegenmacht, wenn wir uns nicht als Community wahrnehmen, wenn wir einander nicht gegenseitig erkennen können, wie das derzeit der Fall ist. Wer politische Macht aufbauen will, um einen mit großer Wahrscheinlichkeit kommenden Angriff auf unsere Medikamente abwehren können, und/oder danach noch in der Lage sein will, unsere Medikamente auf anderen, auf autonomen Wegen zu organisieren, kommt am kollektiven Outing als Positive nicht vorbei.


Massenselbstouting der Positiven?

Ich bin mir völlig bewusst, dass das sehr nach einer Analyse klingt, die ich aus einer höchst privilegierten Position artikuliere, und dass sich als HIV-Positiv outen sowohl megascary, als auch potenziell gefährlich ist. Aber erstens ist mir klar, dass an so einem Selbstouting vor allem die privilegierteren und rechtlich abgesicherteren Mitglieder unserer Community teilnehmen würden, und halte es auch für unsere verdammte Pflicht und Aufgabe, unsere Privilegien im Sinne der Interessen unserer gesamten Community zu nutzen. Zweitens ist es nunmal so, dass politische Praxis, der Kampf marginalisierter Gruppen um ihr Überleben, und die antifaschistisch-solidarische Praxis der Mitte (die es mit Sicherheit auch in Teilen geben wird) in einer sich faschisierenden Zukunft zunehmende Risiken mit sich bringen wird. Wenn wir uns immer nur für den sicheren, den risikoarmen Weg entscheiden, werden wir sie Schritt für Schritt zu einer Duckmäuser- und Mitläufergesellschaft (Opens in a new window). Drittens, angesichts der Angst, “auf Listen zu landen”: wer in Deutschland positiv ist, steht schon auf Listen, und zwar über unsere Krankenkassen. Wer den Staat kontrolliert, würde auch Zugang zu diesen Informationen haben, also... ist dieses Ei schon zerbrochen.

Der Weg nach vorne für uns Positive muss also einen gewissen Mut beinhalten, und er muss verstehen, dass es um viel mehr geht, als “nur” um uns Positive: es geht im Selbstouting der Positiven, wie ich es mir ausmale, um einen Move im gesellschaftlichen Kampf gegen den Faschismus. Von einer Community, die sich nicht kennt, die nicht sprechen kann, und deswegen von unseren potenziellen Allies übersehen werden, und von unseren Gegner*innen straflos angegriffen werden kann, zu einer Community, die den Kampf der Positiven zu einem Leuchtturmprojekt solidarischen Antifaschismus macht.

Ich schlage ein Massenselbstouting von HIV-Positiven vor, und damit meine ich nicht 50-100 Leute, sondern mindestens Tausend, gerne Tausende, in dem wir nicht nur sagen “wir sind positiv” (weil: who would really care? Be honest, you probably wouldn't), sondern in dem wir sagen, “weil wir positiv sind, sind wir antifaschistisch. Wenn Ihr Rechten auch nur einer Person die Medis oder die PREP wegnehmen wollt, bekommt ihr es mit uns allen zu tun, und glaubt uns, von uns gibt es viele, viel mehr, als ihr denkt, und wir sind nicht machtlos.” Die Hoffnung wäre hier eine doppelte: zuerst würde dieser Akt der Artikulation unserer Wahrheit uns selbst als Gruppe, als Community erst erschaffen, zweitens würde die Aussage “wir relativ Privilegiertieren versprechen, zusammen mit allen in unserer Community uns selbst UND ANDERE zu verteidigen”. Ich stelle mir vor, wie ein derartiges Statement mutigen, risikobereiten Antifaschismus eine Inspiration für die gesellschaftliche Mitte wäre, deren Antifaschismus allzu oft ziemlich allgemein bleibt und “maximal eine Demo pro Quartal” bedeutet.

Durch so ein Massenselbstouting könnten wir uns in einem Schritt zu einem Faktor in der Debatte machen, an eine der stärkeren politischen Produktivkräfte in Deutschland andocken (den Wunsch, sich sichtbar gegen rechts zu positionieren), und so anfangen, die Strukturen aufzubauen, die es uns ermöglichen könnten, die kommende Angriffe besser abzuwehren oder zumindest zu überstehen.



Schlussgedanken

Ich weiß, das ist alles noch ziemlich unausgegoren, aber verzeiht mir: neben Buch II, einer möglichen englischen Übersetzung meines ersten Buches und der Orga des enorm komplexen Zukunftstrainingslagers (Opens in a new window) ist die strategische Arbeit an der Positivenbewegung bisher ein bisschen zu kurz gekommen, aber ich gelobe Besserung, dieser Text soll ein Anfang sein.

Der letzte Punkt, den ich hier machen will, verbindet all das hier gesagte zurück mit der Agenda des solidarischen Preppens. Ich betone immer wieder, dass SoliPreppen von Beziehungen handelt, dass Beziehungsaufbau der Kern und der Anfang solidarischer Kollapspolitik ist. Und Beziehungen brauchen Kommunikation, ich kann keine Beziehung führen, wenn ich keine Gegenüber habe. Wer Macht aufbauen will, muss zuerst Beziehungen aufbauen, und wir Positiven können erst dann Beziehungen miteinander aufbauen, wenn wir einander auch erkennen können. Ohne queere Outings hätte es keine queeren Bewegungen gegeben, und wenn Freddie Mercury nicht offengelegt hätte, dass er an AIDS stirbt, hätte die Stille noch länger angehalten, wären noch mehr gestorben, ohne je zugeben zu können, warum.

Einer der wichtigsten Slogans der ikonischen Act Up! AIDS-justice-Bewegung war: “silence = death”. Ich dachte immer, der handelte von der Stille “Der Anderen”, “Der Mitte”. Jetzt glaube ich, dass er vor allem von unserer eigenen Stille handelt: silence = death. Wenn wir nicht sprechen, sprechen Andere über und für uns. Wir müssen die Stille durchbrechen, unsere eigene kollektive Stille. Ich weiß, das wäre ein Wagnis. Aber ohne Outing keine Macht. It's our choice.

Mit offen hiv-positiven Grüßen,

Euer Tadzio

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