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Der erste Pop-Up-Basketballplatz in Stuttgart

Beim Streetball Day auf dem neuen Pop-Up-Basketballcourt in Stuttgart-Ost ist um jeden Ball gekämpft worden. Foto: Jürgen Brand
Beim Streetball Day auf dem neuen Pop-Up-Basketballcourt in Stuttgart-Ost ist um jeden Ball gekämpft worden. Foto: Jürgen Brand

Die nach der Schließung des Cotta-Platzes heimatlos gewordenen Streetballer haben mitten im Stuttgarter Osten einen neuen Platz zum Zocken.

Von Jürgen Brand

300 Gelbe Karten an die Stadt geschickt, einen Verein gegründet, zuletzt fast täglich mit Ämtern und Bezirksvorsteher telefoniert - “Es war alles ein bisschen holprig”, beschreibt Theresa Illgner ihr jetzt fast drei Jahre andauerndes Engagement für einen frei zugänglichen Basketballplatz in der Stadt. Mit der Eröffnung des ersten Pop-Up-Basketballcourts in Stuttgart am Donnerstag mitten im Stuttgarter Osten hat sie ein erstes Zwischenziel erreicht. Die 36-Jährige sagt aber auch: “Das reicht mir noch lange nicht.”

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Der vom ersten Tag an beliebte Basketballcourt in der Nähe des Ostendplatzes ist das Ergebnis eines Vorgangs, den es gerade in Großstädten immer wieder gibt: Vor einigen Jahren hatte sich der Sportplatz der Cotta-Schule am Rand des Parks der Villa Berg zu einem beliebten Treffpunkt für Streetballer entwickelt. Sogar einige größere Turniere hatten sie dort organisiert. Dann rang die Stadt einem Investor die Villa Berg ab und trat dafür die Fläche des unmittelbar an den Sportplatz angegrenzenden Betriebshofs des Gartenamtes als Baugrund ab. Dort wurden Wohnungen gebaut, die Investoren wechselten zwischendurch. Im dafür erforderlichen Bebauungsplan wurden - warum auch immer - restriktive Vorgaben für das Bespielen des Cotta-Platzes festgeschrieben. Einige der neuen Anwohner fühlten sich von den außerschulischen Sportaktivitäten auf dem Platz gestört, bezogen sich auf den Bebauungsplan und sorgten so schließlich dafür, dass der Platz für die Streetballer geschlossen wurde.

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Die Streetballer waren plötzlich heimatlos, Theresa Illgner war eine von ihnen. Sie und andere - auch beispielsweise der Bezirksbeirat Stuttgart-Ost und einige Gemeinderäte - suchten nach Lösungen. Ein Ansatz war, einen Verein zu gründen, um auf dieser Basis den Cotta-Platz rechtlich gesichert nutzen zu dürfen. So entstand der Verein Basketball Cotta Community Stuttgart, der heute rund 70 Mitglieder hat, die Bildungswissenschaftlerin Illgner ist Vorsitzende. Im Bezirksbeirat Stuttgart-Ost warben sie für ihr Anliegen, machten aus den “5 Minuten für Bürgerinnen und Bürger” eine knappe Stunde, stießen auf offene Ohren. Aber vergebens, der Cotta-Platz blieb zu.

Die Initiator*innen des Basketball-Platzes beim Depot in Stuttgart-Ost hatten beim Streetball Day viel Spaß (von links): Theresa Illgner von der Basketball-Cotta-Community Stuttgart e.V., die Leiterin des Kinder- und Jugendhauses Ostend, Lea Holly, SPD-Gemeinderätin Lucia Schanbacher und der Bezirksvorsteher von Stuttgart-Ost, Armin Serwani. Foto: Jürgen Brand
Die Initiator*innen des Basketball-Platzes beim Depot in Stuttgart-Ost hatten beim Streetball Day viel Spaß (von links): Theresa Illgner von der Basketball-Cotta-Community Stuttgart e.V., die Leiterin des Kinder- und Jugendhauses Ostend, Lea Holly, SPD-Gemeinderätin Lucia Schanbacher und der Bezirksvorsteher von Stuttgart-Ost, Armin Serwani. Foto: Jürgen Brand

Die Stadtverwaltung, allen voran das Amt für Sport und Bewegung, suchte nach Ersatzflächen. Das weitgehend brachliegende EnBW-Areal an der Hackstraße wäre geeignet gewesen, aber Stadt und EnBW kamen nicht zusammen. Auch das der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) gehörende ehemalige Depot-Areal im Osten mit seinen großen Parkplatzflächen war geeignet, aber die SSB wollte die Fläche nicht hergeben. Mit vereinten Kräften von Sportamt, Theresa Illgner und ihrem Verein, Bezirksvorsteher Armin Serwani und dem Engagement von Stadträtin Lucia Schanbacher (SPD) gelang es dann doch, die SSB umzustimmen.

12 Teams haben an dem 3x3-Turnier zur offiziellen Einweihung des neuen Basketballplatzes teilgenommen. Foto: Jürgen Brand
12 Teams haben an dem 3x3-Turnier zur offiziellen Einweihung des neuen Basketballplatzes teilgenommen. Foto: Jürgen Brand

Der neue Stuttgarter Pop-Up-Basketballcourt wird auch in anderen Städten, die mit ähnlichen Problemen kämpfen, aufmerksam beobachtet. In Berlin beispielsweise hat die Gesellschaft für Sport und Jugendsozialarbeit gGmbH ein eigenes Streetball-Team gegründet, das mit mobilen Basketballkörben in der ganzen Stadt unterwegs ist. In Köln wurde 2022 (wie in Stuttgart) der 3x3 Cologne e.V. gegründet, mit dem Ziel, die Trendsportart noch bekannter zu machen. Und in Frankfurt bildete sich im Hafenpark bei der Europäischen Zentralbank EZBBasketball (EZBB), eine Community, die “unabhängig von Herkunft, Sprache, Alter, sozialem oder kulturellem Hintergrund” die Liebe zum Basketball-Sport teilt.

Streetball-Links

Frankfurt am Main:

https://www.ezbbasketball.com/ (Opens in a new window)

Berlin:

https://www.streetball-team.de/ (Opens in a new window)

Köln:

https://3x3cologne.de/ (Opens in a new window)

Ein Ziel von Theresa Illgner, die selbst bis zur Regionalliga Basketball gespielt hat, ist, die deutsche Streetballszene besser zu vernetzen. Deswegen war auch ein Team von EZBBasketball aus Frankfurt beim Turnier auf dem neuen Platz in Stuttgart am Donnerstag dabei. Mittelfristig wünscht sie sich für Stuttgart einen Platz mit mindestens zwei 3x3-Feldern. Die Suche geht also weiter.

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Den Pop-Up-Court wird es zunächst bis Ende September geben. Der Bezirksbeirat Stuttgart-Ost finanziert einen zusätzlichen mobilen Korb für Kinder, der demnächst kommen soll. Gespielt werden kann täglich von 8 bis 22 Uhr, dienstags und donnerstags bieten das Gemeinschaftserlebnis Sport und die Cotta-Community von 17 bis 19 Uhr kostenlose Basketball-Trainingseinheiten für alle an. Bälle können im unmittelbar benachbarten Jugendhaus ausgeliehen werden. “Der Platz ist ab Tag 1 super angenommen worden”, freut sich die neue Jugendhausleiterin Lea Holly. “Und durch den Platz bekommen auch Kids Zugang zum Jugendhaus, die bisher nicht da waren.”

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Quellen
  • Besuch der inoffiziellen und der offiziellen Eröffnungsveranstaltungen auf dem neuen Basketballcourt

  • Gespräche mit der Initiatorin Theresa Illgner, Bezirksvorsteher Armin Serwani, SPD-Stadträtin Lucia Schanbacher, Jugendhausleiterin Lea Holly und Thorsten de Souza von EZBBasketball aus Frankfurt am Main

  • Archiv- und Online-Recherche (siehe dazu auch die Links zu den hier bereits erschienenen Artikeln zum Thema)




Topic Stuttgart-Ost

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