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Vorzeigeprojekt der Energiewende

800 Mitarbeitende haben die Stadtwerke in ihrer neuen Zentrale in Stuttgart-Wangen. Es sollen noch mehr werden. Foto: JĂĽrgen Brand
800 Mitarbeitende haben die Stadtwerke in ihrer neuen Zentrale in Stuttgart-Wangen. Es sollen noch mehr werden. Foto: JĂĽrgen Brand

Die Zentrale der Stadtwerke Stuttgart an der Kesselstraße hat vielfältige Auswirkungen auf den Stadtbezirk und darüber hinaus.

Von JĂĽrgen Brand

Wangen ist seit Juli vergangenen Jahres ganz offiziell Sitz der Stadtwerke Stuttgart Gruppe. Zur Gruppe gehören die Stadtwerke Stuttgart, die Stuttgart Netze, die Energiedienste der Landeshauptstadt sowie die Stadtwerke Stuttgart Vertriebsgesellschaft. Das kommunale Energieversorgungsunternehmen mit seinen aktuell rund 800, künftig sogar bis zu 1000 Mitarbeitenden ist seitdem der größte Arbeitgeber im Stadtbezirk und mit seinem EnergieCampus auch zentrale Anlaufstelle für viele Kunden. Vor wenigen Tagen hat der Bezirksbeirat Wangen den EnergieCampus besucht. Geschäftsführer Peter Drausnigg sagte dabei: “Wir sind alle gut angekommen hier und sind sehr zufrieden.” Was aber bedeutet der Unternehmenszuzug für den Stadtbezirk?

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Die für viele sichtbarste Veränderung ist die Umbenennung der Stadtbahnhaltestelle an der Hedelfinger Straße. Bisher hieß sie “Hedelfinger Straße (Bürocampus Wangen)”, seit 1. Juli 2024 steht auf den Schildern und in den Anzeigen “Stadtwerke Stuttgart”. Das Gewerbegebiet rund um die Kesselstraße wird durch die Stadtwerke als wichtigem Träger der Energiewende in der Landeshauptstadt weiter aufgewertet, die Gebäude selbst wurden als Vorzeigeprojekt für nachhaltiges Bauen und Arbeiten konzipiert.

Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Drausnigg erklärt den EnergieCampus in Stuttgart-Wangen. Foto: Jürgen Brand
Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Drausnigg erklärt den EnergieCampus in Stuttgart-Wangen. Foto: Jürgen Brand

Der EnergieCampus entstand auf dem ehemaligen Trost-Gelände an der Kesselstraße. Das Bestandsgebäude wurde aufwendig saniert, modernisiert und umgestaltet. Dadurch konnten erhebliche Mengen an CO2-Emissionen vermieden werden. Gestartet wurde das Projekt im Jahr 2020 mit einer Machbarkeitsstudie, die konkreten Planungen begannen 2021, die Bauarbeiten ein Jahr später. Sie dauerten zwar etwas länger als ursprünglich geplant, aber im März 2024 konnten erste Teile des Gebäudes in Betrieb genommen werden. Die offizielle Einweihung war Mitte Juli 2024.

Solarstrom und Abwasserwärme

Das Energiekonzept für den neuen Unternehmenssitz steht ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit. Die Solaranlagen auf den Dächern und am sogenannten Mobilitätshub decken rund 15 Prozent des eigenen Stromverbrauchs. Der übrige Strom ist Ökostrom der Stadtwerke selbst. Geheizt wird vor allem mit Hilfe von Abwasserwärme, etwa 80 Prozent des Wärmebedarfs werden nach Angaben des Geschäftsführers dadurch gedeckt. Rund 3000 über die gesamte Anlage verteilte Sensoren registrieren genau, wann wo wie viel Energie benötigt wird. Dadurch lässt sich der Bedarf viel effizienter steuern, wodurch die CO2-Emissionen weiter verringert werden.

Nur etwa 20 Prozent der Arbeitsplätze in den Gebäuden sind laut Geschäftsführer Drausnigg fest vergeben, die übrigen können je nach Bedarf per App für bestimmte Zeiten gebucht werden. So können Heizung, Kühlung oder beispielsweise auch Licht je nach Anwesenheit gesteuert werden.

Das Kundencenter im Erdgeschoss wird EnergiePlaza genannt und bietet viele Info-Möglichkeiten. Foto: Jürgen Brand
Das Kundencenter im Erdgeschoss wird EnergiePlaza genannt und bietet viele Info-Möglichkeiten. Foto: Jürgen Brand

800 Mitarbeitende haben natürlich auch Auswirkungen auf die Verkehrsströme im Umfeld. Deswegen wurde frühzeitig ein umfassendes Mobilitätskonzept entwickelt, um die Verkehrsbelastung im Stadtbezirk möglichst gering zu halten. Durch flexible Arbeitsmodelle und Homeoffice wird der Pendlerverkehr reduziert. Die Stadtwerke fördern die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs, auch den Fahrradverkehr. Im Mobilitätshub gibt es mehr als 100 Fahrradabstellplätze, auch Lademöglichkeiten für E-Bikes. Die Mitarbeiter können über die Stadtwerke E-Bikes leasen. Für die sogenannte “letzte Meile” stehen Räder, E-Scooter und -Roller bereit. Das betrifft vor allem die Strecke vom Bahnhof Untertürkheim zur Kesselstraße, die nach Angaben der Geschäftsführung von vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern genutzt wird. Wer trotzdem mit dem eigenen Auto kommt, für den stehen im Mobilitätshub firmeneigene Parkplätze zur Verfügung, da die entlang der Kesselstraße bekanntlich Mangelware sind. Ein Teil der Plätze ist mit Lademöglichkeiten für E-Autos ausgestattet. Eine eigene App zur Organisation von Fahrgemeinschaften ergänzt das Angebot.

“Die Gäste können das Besuchserlebnis völlig selbstständig durchlaufen oder gemeinsam mit den Energiewende-Beratern der Stadtwerke Stuttgart in die individuelle Gestaltung der eigenen Energiezukunft eintauchen.”

Ist schon das Gebäude selbst ein Vorzeigeobjekt, so wird in der EnergiePlaza - dem Kundencenter - im Erdgeschoss Energiewende für alle Bürgerinnen und Bürger erlebbar gemacht. Das Informations- und Beratungsangebot dort reicht von interaktiven Erlebnismodulen zur Wirkung von Photovoltaikanlagen über Energiewenderechner für die jeweilige Wohnsituation bis hin zu den unterschiedlichen Varianten der Elektromobilität. Dazu kommen Wechselausstellungen zum Thema. Die EnergiePlaza ist für jeden denkbaren Nutzer konzipiert, egal ob Schulklassen, Familien, Individualnutzer oder Gewerbekunden. “Die Gäste können das Besuchserlebnis völlig selbstständig durchlaufen oder gemeinsam mit den Energiewende-Beratern der Stadtwerke Stuttgart in die individuelle Gestaltung der eigenen Energiezukunft eintauchen”, wird das Kundencenter von den Stadtwerken beschrieben.

Zukunftsprojekt Wasserstoff

Die Stadtwerke verändern in Wangen auch das Umfeld. Am Autohof ganz in der Nähe wurden bereits viel genutzt Schnelllademöglichkeiten für Pkw und Lkw geschaffen. Ziel ist nach Angaben des Unternehmens, einen Schnellladering rund um Stuttgart zu schaffen. Über weitere Zukunftsprojekte wie etwa die Nutzung des Neckar als Wärmequelle wird nachgedacht. Ganz konkret angegangen wird bereits das Thema Wasserstoff: Im Stuttgarter Hafen ist bereits mit den Arbeiten für den “Green Hydrogen Hub Stuttgart” begonnen worden, wo von 2026 an grüner Wasserstoff produziert werden soll. Eine Wasserstoff-Pipeline soll von dort durch Wangen - mit Anschluss des Stadtwerke-Areals - bis zum SSB-Busbetriebshof in Stuttgart-Gaisburg führen. 

Mehr zu diesem Projekt kann hier nachgelesen werden:

https://steadyhq.com/de/gaisburger-marsch/posts/dc57b461-91be-4b79-bd50-3db6a28d79d7 (Opens in a new window)

Inwieweit die Ansiedlung der Stadtwerke positive Auswirkungen auf die örtliche Gastronomie, die Hotellerie und den Handel in Wangen haben wird, muss sich noch zeigen. Kooperationen gibt es bereits mit der Sportkultur Stuttgart. Der Verein baut gerade schräg gegenüber der EnergiePlaza den SportHub als neues Vereinszentrum mit Fitnessstudio und vielen weiteren Sportangeboten. Zum Angebot gehört auch betriebliche Gesundheitsförderung.

Ende März sind die Stadtwerke Stuttgart beim “Employer Branding Award DACH 2025” in Wien als Arbeitgeber mit Gold ausgezeichnet worden. Die Personalmarketing-Kampagne “Team Energiewende: Volle Kraft für Stuttgart” hatte die Fachjury überzeugt. Insgesamt hatten sich 247 Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an dem Wettbewerb beteiligt.

https://www.stadtwerke-stuttgart.de/ (Opens in a new window)
Quellen
  • Besuch bei den Stadtwerken zusammen mit dem Bezirksbeirat Wangen

  • Recherche und Artikel ĂĽber das Wasserstoffprojekt im Stuttgarter Hafen

  • Infos und Material von der Pressestelle der Stadtwerke

  • Archiv- und Online-Recherche

Geschichten-Karte
https://www.google.com/maps/d/u/0/edit?mid=1IYkhkrpnt2a-Q33gRq5S33ql-2iXcs0&usp=sharing (Opens in a new window)




Topic Stuttgart

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