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Radikale Töchter und flexible Tiere

Liebe Leser:innen,

erinnert ihr euch an die Radikalen Töchter (Opens in a new window)? Sie machen aus Demokratie Kunst. „Bildet Banden“, rufen sie und schwingen sich in bunten Overalls auf Ponys für einen Protestzug durch ein Quartier. Sie stellen Wut auf den Kopf, damit daraus Mut wird – durch gemeinsame Aktionen, ehrliche Debatten in Workshops, wilde künstlerische Kampagnen für Klimaschutz und gegen Leerstand, gegen Ungleichheit, Rassismus und Rechtsextremismus. „Radikal engagiert, radikal krass, radikal zusammen“, nennen sie den „legalen Stress“, mit dem sie Menschen wieder Lust auf Politik machen wollen. Wie virtuos ihnen das gelingen kann, war in unserem Good Talk (Opens in a new window) zum Demokratieheft Ende 2023 live anzuschauen – selten gab es so lustvolle, freudige Debatten und anpackende Stimmung, stimmt, Demokratie kann geil sein, lass mal was machen. 

Und jetzt stehen die Radikalen Töchter ganz oben auf der Streichliste von Familienministerin Karin Prien, CDU, die, so hat sie am vergangenen Wochenende verkündet, das Bundesprogramm Demokratie leben! (Opens in a new window) „neu aufstellen will“. Sie beginnt mit einem entschlossenen Rotstrich. Zum Jahresende soll die Förderung von mehr als 200 zivilgesellschaftlichen Projekten enden, die sich für eine lebendige demokratische Kultur einsetzen. Man wolle nicht streichen, sondern umstrukturieren, andere Schwerpunkte setzen, nicht Vielfalt fördern, sondern die „stille Mitte der Gesellschaft“ erreichen, wie es Prien in einem Interview mit der taz (Opens in a new window) sagte, erstmal die Wirksamkeit evaluieren, man könne sich ja neu bewerben und so weiter und so fort. 

Echt jetzt? Gerade jetzt, wo die Demokratie aus den Fugen zu geraten droht? Wo Rechtsextremismus überall an Bedeutung gewinnt, die AfD bei den Landtagswahlen im Südwesten Rekordergebnisse (Opens in a new window) erzielt? Wo nach dem Fall der Moderatorin Collien Fernandes das absurde Ausmaß digitaler Gewalt gegen Frauen sichtbar wird, sollen für Organisationen wie Hate Aid (Opens in a new window), die Betroffene von digitaler Gewalt unterstützten, Fördermittel infragegestellt werden? Sollen Menschen, die sich seit Jahren zivilgesellschaftlich engagieren abgestraft werden, weil das Profil ihrer Organisation „eher ins linksliberale Mileu“ reinreicht (ebenfalls im taz-Interview)? Und was genau, wer genau soll das sein „die stille Mitte“? 

Natürlich ist es grundsätzlich richtig, Projekte zu evaluieren und auf ihre Wirksamkeit abzuklopfen, schließlich wandern 191 Millionen Steuergelder in das Programm. Das gehört zu den Grundsätzen guter politischer Praxis. Aber so? Der Direktor der Anne Frank Bildungsstätte (Opens in a new window), Meron Mendel, brachte es vor ein paar Tagen auf den Punkt: „In Zeiten eines Kulturkampfes von rechts schwächt die Bundesregierung die Zivilgesellschaft, statt sie zu stärken. In einer Hauruck-Aktion Programme zu stoppen, die mit Beginn der neuen Förderperiode gerade erst angelaufen waren, ist Ressourcen-Verschwendung im großen Stil und das Gegenteil von verantwortungsvoller und wirkungsorientierter Verwendung von Steuergeld“. Und fast zeitgleich lässt der Kulturstaatsminister linke Buchläden vom Verfassungsschutz prüfen und streicht sie von der Buchhandelspreisliste. 

Es scheint etwas ins Rutschen zu kommen. 

Ihr könnt euch sicher sein: Wir werden genau hinschauen, was verändert sich, warum und vor allem: Wo gibt es lösungsorientierte Ansätze, dagegen etwas zu tun? Wo und wie wehrt sich die Zivilgesellschaft und was können wir selbst machen? 

Radikal entschlossen wünscht euch erst recht ein schönes Wochenende, 

Anja

P.S: Ein kleiner Schlenker noch zum Poesiealbum. Vielen Dank, dass so viele von euch bei unserer Umfrage vergangene Woche mitgemacht haben. Euer Votum ist eindeutig: 93,9 Prozent wollen, dass wir das Format weiterführen. Halleluja, welch Klarheit. Wir legen los. Einige klasse Vorschläge habt ihr uns schon gemacht, zu manchen gibt es übrigens schon ein Album: zur Comiczeichnerin Ulli Lust (Opens in a new window) und dem Mediziner Eckart von Hirschhausen (Opens in a new window).

Aus dem Magazin
(Opens in a new window)

Meister der Anpassung

Erinnert ihr euch an unser Tierheft „Ich denke also bin ich“ (Opens in a new window) vor gut einem Jahr? In unserem Schwerpunkt waren wir neuen Erkenntnissen der Tierforschung nachgegangen, die mit zahlreichen neuen Studien belegt, dass viele Tiere viel klüger, empathischer, kreativer und uns näher sind als wir je dachten. Schweine schneiden sogar im berühmten Marshmallow Test – in der Psychologie Indikator für die Fähigkeit zur Selbstkontrolle – genauso gut ab wie Kleinkinder, Pferde erkennen sich im Spiegel wieder, Orang-Utans verarzten ihre Verletzungen selbst.

In unserem großen Interview erfahrt ihr:

  • Mit welchen erstaunlichen Strategien sich Tiere an Veränderungen in Klima und Umwelt anpassen und sogar Schadstoffe wegstecken können.

  • Was Wildtiere und domestizierte Tiere in Landwirtschaft und Zuhause verbindet. 

  • Was wir tun müssen, um Tieren die Anpassung, die angesichts der Vielfalt von Veränderungen zunehmend ans Limit kommt, zu erleichtern.

Wochenrückblick

Sieben Tage, sieben Good News

Hier sind unsere Nachrichten für realistische Optimist:innen: Die sieben besten Good News der Woche aus unserer Redaktion:

  • ⚫​ Großschlag im Darknet: 373.000 Seiten abgeschaltet Ermittler:innen haben im Darknet 373.000 Seiten mit Missbrauchs- und Betrugsinhalten abgeschaltet. Fünf Jahre lang verfolgte ein Team aus Bayern und Wien die Spur. Eine Software zeigte, wie die Seiten über Kryptowährungen verknüpft waren und führte zu einem mutmaßlichen Betreiber. Quelle: ORF (Opens in a new window)

  • 🏥 Pflegeausbildung auf Rekordhoch

    Mehr Nachwuchs in der Pflege: 2025 wurden etwa acht Prozent mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Jahr davor. Insgesamt sind so viele Menschen in der Pflegeausbildung wie noch nie. Besonders deutlich wächst die Zahl der Männer, auch wenn Frauen weiterhin die Mehrheit stellen. Quelle: TAGESSCHAU (Opens in a new window)

  • 🇳🇬 Schweiz gibt geraubte Kunst an Nigeria zurück

    Genf und Zürich haben die Eigentumsrechte an 28 Benin-Bronzen und weiteren Artefakten an Nigeria übertragen. Die Werke wurden während der Kolonialzeit geraubt. Die Rückgabe gilt als wichtiger Schritt bei der Aufarbeitung kolonialen Unrechts. Quelle: DEUTSCHLANDFUNK KULTUR (Opens in a new window)

  • 🩹 Wunden heilen schneller – dank smarter Fäden

    US-Forscher:innen haben Wundfäden entwickelt, die entzündungshemmende Medikamente direkt ins Gewebe abgeben. Die Fäden bestehen aus Polymer-Nanofasern, in die Wirkstoffe eingebaut sind. So gelangen sie genau dorthin, wo sie gebraucht werden und könnten die Heilung deutlich verbessern.Quelle: DLF NOVA (Opens in a new window)

  • 🌱 Hamburg startet Wettbewerb zur Begrünung

    Weg mit Beton, her mit Grün: In Hamburg sollen Bürger:innen erneut versiegelte Flächen aufbrechen und begrünen. Das verbessert Klima, Artenvielfalt und Wasserspeicherung. Diesmal tritt die Stadt im Wettbewerb gegen Bremen an. Quelle: TAGESSCHAU (Opens in a new window)

  • ​​⚖️ Gericht: Kündigung heißt nicht automatisch Freistellung

    Arbeitgeber:innen können Beschäftigte nach einer Kündigung nicht mehr einfach per Vertragsklausel freistellen. Das entschied das Bundesarbeitsgericht und stärkt damit die Rechte von Millionen Arbeitnehmer:innen. Wer betroffen ist, darf in der Regel bis zum Vertragsende weiterarbeiten. Quelle: SPIEGEL ONLINE (Opens in a new window)

  • 🪺​ Kambodscha: Neue Tierarten in Höhlen entdeckt

    In den Kalksteinhöhlen der Provinz Battambang haben Forschende mehrere bislang unbekannte Arten entdeckt – darunter eine türkisfarbene Grubenotter, eine Flugschlange sowie neue Gecko-Arten. Diese Funde machen deutlich, wie viel unentdeckte Biodiversität noch existiert. Quelle: WATSON (Opens in a new window)

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  • 351 Geschenke bei GoodBuy

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Deine Good Osterhasen,

Simon, Selina, Juliane, Bianca, Marie, Anja, Sophie & Nina

Topic Gute Ideen

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