Yumi Ito zeigte sich am 28. Mai im Münchner Jazzclub Unterfahrt im fein abgestimmten Zusammenspiel mit ihrem Quartett als stilistisch vielseitige Songwriterin und wandlungsfähige Vokalistin.
Text und Fotos: Christina M. Bauer
Mit sanfter, aber voluminöser, dunkler Stimme trägt Yumi Ito ihre Songs vor. Die Schweizerin mit japanisch-polnischer Abstammung hat am 28. Mai ihr Quartett nach München in den Jazzclub Unterfahrt gebracht. Schon mit den ersten wenigen Takten vermag sie Nähe zum Publikum herzustellen, die Zuhörenden in ihre künstlerische Welt zu holen. Das hat mit dem bemerkenswerten vokalistischen Spektrum zu tun. Von sanft erzählendem Gesang in den tieferen Oktaven aus macht sich die Musikerin oft auf zu weitschweifenden melismatischen Linien, die sie in flirrende bis ganz fragile Höhen führen. Neben den jazzmusikalischen machen sich da auch die popmusikalischen Einflüsse bemerkbar. Anderswo, wenn auch relativ selten, wendet sie sich mit originellen Scatpassagen mehr dem vokalistischen Spektrum des Jazz zu. Und ganz vereinzelt sind in den improvisierten Gesangslinien sogar leichte Einfärbungen des Jodelns zu hören, für das ihre Wahlheimat bekannt ist. In den Lyrics geht es um Liebe, Gefühle, Beziehungen, um traurige und heitere Begebenheiten des Lebens.
Ito begleitet sich dabei am Konzertflügel mit eleganten Harmonien, grazilen Linien und wellenförmigen Ostinati. Das Klavier bleibt fast immer in der begleitenden Funktion und steht im durchgängigen Wechselspiel mit Nadal Erlich am Kontrabass, Alessio Cazzetta an der Gitarre und Iago Fernández am Schlagzeug. Die Rhythm Section zeichnet mal einen dezenten harmonischen und rhythmischen Rahmen für Itos Vocals, agiert anderswo dagegen energetisch, rhythmusbetont und antreibend. Einige der Stücke changieren zwischen diesen beiden Polen, etwa "Stardust Crystals" über die Umweltzerstörung durch menschlichen Einfluss. Andere wiederum bleiben weitgehend im Bereich sanft vorgetragener, melodischer Balladen, etwa "Lonely Island" und "Love is here to stay". Ito versäumt es nicht, allen Ensemblemusikern solistisch Raum zu geben. So ist vor allem Erlich am Kontrabass mit atmosphärischen, zurückhaltenden Soloparts bis zu lässig-voluminösen, melodischen Linien zu hören und Cazzetta an der Gitarre mit rasanten Improvisationen. Fernández wird ebenfalls solistisch gefeatured. Ito hat in den vergangenen Jahren bereits mit mehreren Originalrepertoires auf sich aufmerksam gemacht. Insbesondere in ihrer langjährigen Heimat erhielt sie einige Musikpreise und Kulturförderungen.
Foto 1: Yumi Ito beim Konzert im Jazzclub Unterfahrt am 28. Mai 2026
Foto 2: Yumi Ito im Quartett mit Nadal Erlich, Alessio Cazzetta und Iago Fernández (v.l.)