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Reflexionen: Nana Rashid

Einige ganz neue, bluesgefärbte Songs lud Vokalistin Nana Rashid bei ihrem ersten Konzert im Münchner Jazzclub Unterfahrt am 18. Juni mit sanfter Intensität auf.

Text und Fotos: Christina M. Bauer

Da ist diese sanfte Intensität, mit der Vokalistin Nana Rashid ihre Songs vorträgt. Bluesgefärbt, mit Einflüssen von Soul bis Jazz, nicht selten melancholisch, skulpturiert sie ausgewogene Phrasen, formt jede Silbe, jeden Ton präzise. Die dezenten Übergänge in der Dynamik und den Klangfarben verleihen ihrem Gesang eine ganz eigene Anziehungskraft. Rashid ist eine erzählende Singer-Songwriterin, die in ihren Stücken aus sehr unterschiedlichen Ideen und Gedanken Musik werden lässt. Improvisierte Scatpassagen integriert sie selten und orientiert sich dabei meist weiter an melodischen, sanglichen Linien. Es ist der 18. Juni und die dänische Musikerin konzertiert erstmals mit ihrem Ensemble im Münchner Jazzclub Unterfahrt. Auf der Bühne angekommen stimmt sie ohne jede Vorrede unmittelbar ihren ersten Song an. "Cinnamon Trees" ist eine dezent groovende Ballade, die sie ihrem Vater und seinem besonderen Lebensweg gewidmet hat, der auch ihren wesentlich mit beeinflusste. Sie erzählt von den Zimtbäumen in Sansibar, das ihr Vater als Jugendlicher verlassen musste. Bis heute zieht es ihn immer wieder dorthin. Die Künstlerin, selbst in Dänemark aufgewachsen, stellte sich, ihrem sansibarisch-omanischen Vater und der dänischen Mutter als Jugendliche Fragen nach Identität und Zugehörigkeit. Ihr daran anknüpfendes Lied "Mother, Father" trägt sie an diesem Abend ebenfalls vor.

"Poor Blue Betty" wiederum macht aus einer ganz anderen Richtung Identität zum Thema. Das Lied spricht eigene Persönlichkeitsanteile an, mit denen sich Menschen auseinandersetzen und für die sie Wege suchen, um sie zu integrieren. Andere Stücke thematisieren Liebe, Romantik und Beziehungen. Oft sind sie melancholisch, aber Rashid ergänzt noch andere Ideen und Reflexionen. So ist der romantische Song "No Moon at all" das wohl heiterste Stück des Konzerts. In "They Call it Love" dagegen tritt die Vokalistin energisch an, um gegen Restriktionen, Zwänge und Benachteiligung gegenüber Frauen anzusingen. Sie hat die meisten ihrer Songs allein verfasst, bei einigen mischten ihre Ensemblemusiker mit. Die zeigen sich feinsinnig im Zusammenspiel und beweisen neben energischen Passagen Sinn fürs Leise und Dezente, und das, obwohl Oliver Skou-Due am Klavier relativ kurzfristig für Benjamin Nørholm Jacobsen eingesprungen ist. Kontrabass spielt Martin Brunbjerg, den Schlagzeugpart übernimmt Lasse Jacobsen. Improvisierte Soli nehmen insgesamt wenig Raum ein, aber alle Musiker werden solistisch gefeatured. So kontrastieren einzelne sonore Basssoli mit vertrackten Schlagzeugimprovisationen und insbesondere Skou-Due kann am Konzertflügel ein spannendes Spektrum zwischen lyrischer Klangmalerei und gelegentlich Disharmonischem ausloten.

Akzente setzt Rashid außerdem durch die Reduktion ausgewählter Stücke auf Duos mit Klavier oder Schlagzeug. Viele der gespielten Songs sind neu und haben bisher noch nicht den Weg auf einen Tonträger gefunden. Das soll sich bald ändern. Erst vor wenigen Wochen war Rashid mit ihrer Band für vier Tage in Los Angeles im Tonstudio. Sie arbeitet für ihr zweites Album mit dem sehr etablierten US-Musiker und Produzenten Larry Klein zusammen und neben ihrer Band wirken einige spannende Gastkünstler mit. So dürfte in absehbarer Zeit ihr Debut "Music for Betty" aus dem Jahr 2023, für das sie bei den Danish Music Awards den Preis als Beste Neue Jazzkünstlerin des Jahres erhielt, um eine weitere Einspielung ergänzt werden. Dabei sein dürfte der bedächtig voranfließende, reflektierte Song "Seasons", der das Älterwerden, den individuellen Umgang mit Zeit und den eigenen Prioritäten thematisiert und damit womöglich diesen Konzertabend am besten auf den Punkt bringt.

Foto 1: Oliver Skou-Due, Martin Brunbjerg, Nana Rashid und Lasse Jacobsen (v.l.) im Jazzclub Unterfahrt am 18. Juni 2026

Topic Kurzkritik

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