Nachdenkliche, melancholische und heitere Songs aus den Gefilden von Jazz, Blues und Gospel präsentierte Titilayo Adedokun mit ihrem Quintett am 27. September im Jazzclub Unterfahrt. Ihre oftmals kontrastreichen Bühnen- und Lebenswege sorgten für stilistische Erweiterungen von Yorubamusik über Country bis zur klassischen Oper.
Text und Foto: Christina M. Bauer
Sängerin und Songwriterin Titilayo Adedokun hat für ihr Konzert im Münchner Jazzclub Unterfahrt ihr soeben veröffentlichtes neues Repertoire mitgebracht. "Don't Give Up" heißt es und widmet sich dem Durchhalten und Weitermachen in schwierigen Lebensphasen. "Selbsttherapeutisch" nennt die Musikerin einige der Stücke, die ihr in den vergangenen Jahren halfen, mit mancher Krise in ihrem eigenen Leben umzugehen. Wie schon in ihren früheren Repertoires hat sie Originalsongs verknüpft mit ausgewählten Stücken anderer Künstlerinnen und Künstler, etwa von Bob Dylan. Und dann sind da natürlich die Songs, die andere Musiker für Adedokun komponiert haben. Etwa die melancholische Ballade "Disguise" von Tastenmann Carsten Goedicke, der an diesem Abend an Konzertflügel und Keyboard zu hören ist. Oder das beschwingte "Oh, How I Wish", das Musiker Juanito Heldmann einst für sie komponierte, eines der bereits etwas älteren Stücke aus früheren Repertoires.
Stilistisch sind die Songs zwar großenteils in den Gefilden von Jazz, Blues und Gospel verortet. Die Vielseitigkeit und variierende Bühnenerfahrung, die Adedokun abgesehen von Jazzclubs immer wieder auch in Konzertsäle, auf die Musical- oder Opernbühne führte, macht sich aber ebenfalls bemerkbar. Neben Goedicke an Konzertflügel und Keyboard mischen in der Band E-Gitarrist Kurt Härtl, Uli Fiedler an Kontra- und E-Bass und Schlagzeuger Harry Alt mit. Die vier sorgen über weite Strecken vor allem für einen stimmigen harmonischen und rhythmischen Rahmen. Insbesondere Goedicke und Härtl, aber auch Fiedler und Alt steuern außerdem solistisch gestaltete Parts bei. Zur Variation in den Klangfarben und im stilistischen Charakter steuert der fortwährende Wechsel zwischen einer mehr akustisch und einer mehr elektrisch orientierten Besetzung bei. In die romantische Ballade "You'll Never Walk Alone" von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II, die ursprünglich für das Musical "Carousel" entstand, finden Adedokun und Fiedler mit einer sensibel agierenden Duobesetzung von Kontrabass und Stimme. Ganz dezent schließen sich dann Goedicke und Alt mit luftigen Keyboardharmonien und Handpercussion an.
Ihren bluesgefärbten Song "Funny How Life Rolls Along" singt die Vokalistin im Duett mit ihrer ältesten Tochter Sahara Helm in einem Wechselspiel zwischen deren heller, zarter Stimme und ihrem seidig-dunklen Gesang. Bei einigen der anderen Lieder steuert Sahara Background Vocals bei. Warmherzig im Countrystil wird es mit Adedokuns Song "Because You Were Here", den sie geliebten Menschen gewidmet hat, die verstorben sind. Charakteristika der Yoruba-Musik wiederum betont "Baba Ologo Julo", das der nigerianische Musiker Tola Sholana für sie komponiert hat. Es stellt eine Verbindung her zur Kultur Nigerias, von wo Adedokuns Eltern stammen. Sie selbst hat als gebürtige US-Amerikanerin seit Langem ihre Wahlheimat vor allem in Deutschland, teilweise auch in Südafrika gefunden. Dorthin in die Townships verweist der Song "Feed my Body". Er entstand für eine Organisation, die jungen Leuten in einer oftmals schwierigen Umgebung zumindest ein Essen am Tag auf den Tisch bringt. Nach in dieser Form raren dreieinhalb Stunden Konzert bringt die vielseitige Künstlerin schließlich in ihrer bereits lange Jahre gehegten Interpretation von "It's Now or Never"/"O Sole Mio" noch einige voluminöse Gesangslinien in den Jazzclub, die sie in der Oper ebenfalls hätte singen können. Ein warmherziges Konzert voller Kontraste.
Foto 1: Titilayo Adedokun beim Konzert im Jazzclub Unterfahrt am 27. September 2025

Foto 2: Uli Fiedler, Titilayo Adedokun, Sahara Helm, Kurt Härtl (v.l.)

Foto 3: Carsten Goedicke, Sahara Helm, Titilayo Adedokun, Uli Fiedler, Kurt Härtl, Harry Alt (v.l.)