Torun Eriksen brachte am 25. September ihr Quartett in den Münchner Jazzclub Unterfahrt, und folkloristisch anmutende Songs, die berühren.
Text und Foto: Christina M. Bauer
Ein bedächtiger Duoauftakt: Die norwegische Vokalistin Torun Eriksen bringt für das erste Stück ihres Konzerts im Münchner Jazzclub Unterfahrt zunächst nur Bassist Kjetil Dalland mit auf die Bühne. Mit Samtstimme interpretiert sie ihren Song "Be that someone", eingerahmt von Dallands melodischen Linien und dezenten Harmonien. Der Bassist hat bereits Eriksens Debut "Glittercard" aus dem Jahr 2003 mit eingespielt und ist einer ihrer ältesten musikalischen Kooperationspartner. Ab dem zweiten Song erweitern die beiden ihr Duo mit der italienischen Klavierkünstlerin Alessandra Bossa und Klarinettist Atle Nymo zum Quartett, das sich nun vor allem dem neuesten Repertoire "Fastlandet" (deutsch: Festland) zuwendet, das 2024 von Jazzland Recordings veröffentlicht wurde. Erstmals in ihrer über zwei Jahrzehnte währenden Bühnenkarriere hat Eriksen dafür eigene Lieder in der Sprache ihrer Heimat verfasst. Das verfängt und verzaubert, was sie aus der Verbindung von Lyrics, Musik und den erzählten menschlichen Themen macht. Es geht um Übergänge und Beziehungen, Leben und den Abschied vom Leben, ums Loslassen und Festhalten.
Das Quartett bringt über weite Strecken folkloristische Melodien elegant zusammen mit jazzigen Harmonien und elektronischen Soundscapes, manche Songs nähern sich dem Popmusikalischen. Die mit Liebe zum sanften Kontrast und der atmosphärischen Klangmalerei gestalteten Stücke entfalten sich in luftig gewobenen, variierenden Texturen. Viel Raum erhalten vor allem norwegischsprachige, folklorenahe Lieder wie "Overgang" (deutsch: Übergang) und "Ha feste" (deutsch: Finde Halt), aber das Ensemble ergänzt englischsprachige Lieder wie das zeitlos romantische "I Love a Man" und den frühen Song "Glittercard". Eriksens warmer Samtgesang ist dabei in manchen Passagen mehr im Wechselspiel mit, in anderen eingerahmt von ihrem Ensemble, in dem alle verschiedene Musikinstrumente spielen.
Dalland steuert an den E-Bässen wesentlich zum harmonischen Fundament bei, ergänzt sonore melodische Parts und erweiterte Spieltechniken, etwa mit Bogen gestrichene Saiten. Bossa zaubert aus Konzertflügel und Keyboard mit grazilem Anschlag subtile Harmonik und solistische Linien, hantiert abwechselnd mit einem breiten Spektrum dezent gesetzter elektronischer Soundscapes und Effekte. Nymo ergänzt sonor mäandernde Melodien an den Klarinetten. Es ist ein in dieser Form noch relativ neues, aber sehr hörenswertes Quartett, das Eriksen da um sich geschart hat. Am Freitag geht es für die vier für ein weiteres Deutschlandkonzert nach Bremen in den renommierten Sendesaal, bevor sie sich wieder aufmachen nach Norwegen. Für die Vokalistin schließt sich in Bremen ein Kreis, denn 2017 spielte sie im Sendesaal mit dem Ensemble Denada und Erlend Skomsvoll ein Livealbum ein.

Foto 1: Alessandra Bossa, Torun Eriksen, Atle Nymo und Kjetil Dalland (v.l.) beim Konzert im Jazzclub Unterfahrt am 25. September 2025