Beim diesjährigen Jungen Münchner Jazzpreis erreichten zwei junge Vokalistinnen mit ihren Ensembles die vorderen Plätze: Zuza Jasinska und Fernanda von Sachsen.
Text und Fotos: Christina M. Bauer
Die Songs des Berliner Ensembles So Sorry sind um die Vocals von Zuza Jasinska aufgebaut. Sie hat das Repertoire zwischen Indie Pop und modernem Jazz mit variierenden Einflüssen komponiert. Als erste Band im Finalkonzert des diesjährigen Jungen Münchner Jazzpreises präsentiert sie einiges davon am 7. November im Jazzclub Unterfahrt. Hell, nuanciert und sensibel singt sie von Beziehungen und Gefühlen, wechselt in manchen Stücken zu einem markanten, rezitierenden Sprechgesang. In manchen Songs schimmern folkloristische Melismen durch. Eingerahmt wird Jasinska von ihrer souverän eingespielten Band mit Käthe Johanning an variierenden elektronischen Keys, Shanice Ruby Bennett an E-Bass und Bass-Synth und Lenny Rehm am Schlagzeug. Das Atmosphärische, Schwebende und popmusikalisch Eingängige bringen die vier genauso überzeugend rüber wie die jazzigeren, grooveorientierteren Stücke.
Jazznäher und dramatischer wird es dann mit Fernanda von Sachsen und ihrem Quartett. In dem lotet die Münchner Vokalistin mit Pablo Struff am Konzertflügel, Sebastian Claas am Kontrabass und Niklas Wittig am Schlagzeug ein breites musikalisches Spektrum aus. In anspruchsvollen Kompositionen wie "I may not be" oder "Would you say the same if I were a man?" setzt sie sich mit gesellschaftskritischen Themen auseinander. Stimmlich wechselt sie vom modernen Jazzgesang über Sprechgesang bis zu improvisierten Vocals, die manchmal ins Zeitgenössische und in ihrer energiegeladenen Dramatik vereinzelt fast ins Darstellerische reichen. In einzelne Songs integriert sie ausdrucksstarke, orientalisch anmutende Melismen. Insgesamt setzt diese Musik oft auf Kontraste, so etwa zwischen einem dichten Bandsound und grazilen Passagen, die von Sachsen im Duo mit den Künstlern an Klavier oder Bass gestaltet. Neben Akzenten und Gegensätzen in der Dynamik werden zahlreiche Rhythmuswechsel eingesetzt. Das dramaturgisch spannende Spektrum erweitert die Vokalistin bei einigen Stücken um atmosphärische Samples.
Schließlich präsentiert als dritte Band des Finalkonzerts das Jacob Eckert Trio aus Hamburg einfallsreichen, modernen Klaviertriojazz. Komponist Jacob Eckert am Klavier, Julian Grüneberg am Kontrabass und Johannes Kalt am Schlagzeug wechseln zwischen harmonisch sehr frei gespielten, vielschichtigen Kompositionen und eingängigen, lyrischen Balladen, improvisierten Soli und dichtem Zusammenspiel.
Nach der Juryberatung erhält das Ensemble So Sorry den ersten Platz, Fernanda von Sachsen mit ihrem Quartett den zweiten Platz sowie den Solistenpreis für ihre Kompositionen und das Jacob Eckert Trio den dritten Platz. Alle Platzierungen und der Solistenpreis sind dotiert. Dieses Jahr stimmten als Jury neben dem Vorsitzenden des für den Jungen Münchner Jazzpreis verantwortlichen Vereins mucjazz e.V., Andreas Heuck, von musikjournalistischer Seite Oliver Hochkeppel, von Veranstalterseite Barbara Schulte (für die Vorauswahl zunächst Musikjournalistin Svenja Wieser), von Musikerseite Alma Naidu und Matthias Bublath ab. Im Rahmen der Vorauswahl hatte die Jury zunächst die drei Finalisten per Blindfold-Verfahren aus ingesamt 38 eingesendeten Beiträgen ausgewählt. Der Junge Münchner Jazzpreis wurde dieses Jahr zum 13. Mal verliehen.

Foto 1 So Sorry aus Berlin

Foto 2 Das Fernanda von Sachsen Quartett aus München

Foto 3 Jakob Eckert Trio aus Hamburg