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Rolf Schock Preis für Maria Schneider

Komponistin und Bigbandleiterin Maria Schneider erhält den Rolf Schock Preis. Es ist die neueste von bereits unzähligen Auszeichnungen für die innovative, originelle und international renommierte Künstlerin.

Text: Christina M. Bauer, Foto: Briene Lermitte

Es könnte voll werden im Regal und an den Wänden von Komponistin und Bigbandleiterin Maria Schneider. Die US-amerikanische Künstlerin erhält dieses Jahr den hoch dotierten Rolf Schock Preis für Musik. Der gesellt sich nun also zu ihren bisher sieben Grammys, der renommierten Jazz Masters Fellowship des National Endowment for the Arts, dem Grand Prix de l'Académie du Jazz, Erstplatzierungen im Critics Poll (und dem Readers Poll) des Downbeat und zahlreichen anderen Auszeichnungen. Der Rolf Schock Preis wird die Musikerin am 8. Juni nach Stockholm führen, zur Verleihung an der Royal Academy of Fine Arts. Am 11. Juni dirigiert sie am dortigen Konzerthaus ein Konzert mit ihren Kompositionen, gespielt vom UMO Helsinki Jazz Orchestra. Diese Art von Engagement ist natürlich nicht neu für die international renommierte Künstlerin, die in den vergangenen Jahrzehnten weltweit von den verschiedensten Bigbands und Orchestern eingeladen wurde.

Ein ganz wesentlicher kreativer Entfaltungsort ist aber ihr eigenes Maria Schneider Orchestra, das sie schon seit 1992 leitet. Dafür verfasst sie stilistisch vielseitig beeinflusste, anspruchsvolle Kompositionen, die das Repertoire der Szene orchestraler Ensembles und Bigbands erweitern. Damit zählt sie zu den wenigen Frauen, die sich nachhaltig als Komponistin und Leiterin einer solchen Großformation etablieren konnten, neben zeitlosen Pionierinnen wie etwa Toshiko Akiyoshi und Carla Bley. Die Musikerin stammt aus der Kleinstadt Windom in Minnesota. Nach Studien an der University of Minnesota und der Eastman School of Music arbeitete sie mehrere Jahre mit Gil Evans und erhielt zusätzlichen Feinschliff von Bob Brookmeyer. Damit zählten zwei der etabliertesten Komponisten und Leiter der modernen Bigbandszene zu ihren Mentoren, bevor sie immer mehr ihren eigenen Weg einschlug. Abgesehen von den unzähligen Livekonzerten ist ihre Musik inzwischen auf mehreren Tonträgern dokumentiert. Seit dem Debütalbum ihres Orchestra aus dem Jahr 1994, "Evanescence", dürfte das Doppelalbum "Data Lords" aus dem Jahr 2020 davon das ungewöhnlichste sein. Die aufwändigen Kompositionen der beiden einander gegenübergestellten Hälften des Repertoires verarbeiten und reflektieren einerseits die digitale, andererseits die natürliche Welt. Schneider konzipierte das Werk als künstlerische Kritik am oftmals unreflektierten und nahezu unbeschränkten Erfassen und Kommerzialisieren von Daten.

Die Musikerin hat sich davon abgesehen intensiv mit Urheberrechten und Verwertungsrechten im digitalen Zeitalter auseinandergesetzt. Einem Statement zu diesem Aspekt der modernen Welt entsprechend ist "Data Lords" auf keiner Streamingplattform zu finden. Schneider veröffentlichte das Repertoire statt dessen als physisches Album über ArtistShare. Mit dieser 2001 von ihr gegründeten Plattform ist sie zu einer Pionierin des heute international etablierten Ansatzes des Crowdfunding geworden. Dass ihr Repertoire nun aber jedenfalls großenteils auf YouTube in Form einer Konzertaufzeichnung vom Oktober 2024 zu sehen ist, kam durch eine Einladung der hr-Bigband zustande. Soeben erst erschien Schneiders Komposition "American Crow" aus dem Jahr 2022 als EP, eine kreative Auseinandersetzung mit den oft allzu überhitzten und lärmenden Debatten der Gegenwart. Die Veröffentlichung zelebriert sie mit ihrem Orchestra vom 3. bis 7. Februar mit zehn Konzerten in New Yorks Birdland Jazzclub. Es zeichnet sich ab, dass der innovativen und eigenständigen Künstlerin die Ideen noch lange nicht ausgehen.

Foto 1: Maria Schneider (Foto: Briene Lermitte)

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