Eine Sinneswand ist eine fest installierte Wandtafel oder -fläche, die mit vielfältigen Gegenständen und Elementen gestaltet ist, um die Sinne älterer Menschen gezielt anzusprechen. An dieser „Wand der Sinne“ können die Bewohner zum Beispiel verschiedene Materialien ertasten, Bilder betrachten, Klänge erzeugen oder Düfte erriechen. Das Konzept geht auf die Idee der multisensorischen Stimulation zurück, wie sie etwa in der Snoezelen-Therapie entwickelt wurde. In der stationären Alten- und Demenzpflege wird eine Sinneswand meist im Gemeinschaftsraum, in einem Sinnesgarten oder in Aufenthaltsbereichen installiert. Sie ergänzt klassische Betreuungsangebote, indem sie motorische, sensorische und kognitive Aktivierung ermöglicht. Ein Beispiel zeigte die Zusammenarbeit einer Schule mit einer Tagespflege: Schüler bauten dort „eine Wand mit vielen verschiedenen Stationen, an denen die Gäste der Tagespflege ihre Sinne schulen können“. Auch Einrichtungen errichten Sinneswände im Außenbereich; etwa findet man im Seniorenzentrum Burkhardtsdorf einen Sinnesgarten mit Sitzplätzen und einer Sinneswand, die besonders auf die Bedürfnisse demenzkranker Menschen abgestimmt ist. Insgesamt trägt die Sinneswand dazu bei, im Pflegealltag Abwechslung zu schaffen, Erinnerungen anzuregen und Selbstwirksamkeit zu ermöglichen. (Hinweis: Das Lexikon - Inhaltsverzeichnis (Opens in a new window))
Zielsetzung
Der Einsatz einer Sinneswand verfolgt mehrere Ziele im Pflegealltag. Sensorisch werden über haptische, visuelle, akustische und olfaktorische Reize vielfältige Wahrnehmungserfahrungen angeboten. Diese Reize sollen „Geruchs-, Tast-, Seh- und Hörsinn anregen“ und damit beispielsweise Aufmerksamkeit und Konzentration fördern. Durch Anregung verschiedener Sinne kann auch die Feinmotorik geschult und die Durchblutung angeregt werden.
Kognitiv und emotional verfolgt man mit der Sinneswand unter anderem das Gedächtnistraining und die Erinnerungsarbeit. So dienen fühlbare Alltagsgegenstände oder vertraute Gerüche als „starke Schlüssel zu den Erinnerungen“. Beim Berühren und Verarbeiten von Materialien werden Erinnerungen lebendig und führen zu Gesprächen über Vergangenes. Eine Sinneswand kann also biografiebezogene Inhalte vermitteln und Gefühle wecken. Begleitend zeigt die Forschung, dass durch intensive Sinnesstimulation bei Menschen mit Demenz beispielsweise „starke Emotionen reduziert“ und mehr Ruhe vermittelt wird. In der Demenzstudie DemSense setzen Betreuer eine bunte, multifunktionale Wand ein, um Demenzsymptome ohne Medikamente zu lindern – man berichtet, dass das Spiel mit den Elementen den Erregungszustand der Patienten beeinflusst und die Lebensqualität verbessert.
Soziale Aspekte kommen ebenfalls zum Tragen: Eine Sinneswand schafft Gesprächsanlässe und interaktive Situationen. Ist sie als Gruppenangebot konzipiert, regen die verschiedenen Stationen den Austausch unter den Bewohnern an. Beim gemeinsamen Entdecken von Klangstäben oder beim Besprechen eines Duftes entsteht soziale Bindung. Eine Praxisbeschreibung hebt hervor, dass durch das Fühlen von Stoffen nicht nur taktile Wahrnehmung, sondern auch „spräche Gespräche über Stoffe und deren Verwendungszwecke“ entstehen. Insgesamt trägt eine Sinneswand zur ganzheitlichen Aktivierung bei: Sie fördert neben den Sinnen auch Aufmerksamkeit, Orientierung und Kommunikation.
Vor- und Nachteile
Vorteile (Chancen):
Niederschwellige Aktivierung: Sinneswände bieten eine einfach zugängliche Beschäftigung, bei der Eigeninitiative der Bewohner gefördert wird. Viele Stationen kann man allein oder in Gruppen erkunden, ohne dass ein Betreuer ständig dabei sein muss.
Multisensorische Stimulation: Durch die Ansprache mehrerer Sinne werden umfangreiche positive Effekte erzielt. Neben Förderung der Motorik und Konzentration kann die Wand auch Berührungs- und Naturerfahrungen vermitteln, wenn beispielsweise trockene Kräuter, getrocknetes Obst oder Sandkisten integriert werden.
Biografie- und Erinnerungsarbeit: Vertraute Objekte und Materialien wecken individuelle Erinnerungen und beflügeln das Erzähltempo. Bewohner können selbst eigene Gegenstände (Fotos, Stoffreste, Muscheln, Gewürze) zur Wand beitragen, was Identität und Selbstwertgefühl stärkt.
Emotionale Förderung und Entspannung: Ruhige Klangspiele, angenehme Düfte oder sanftes Streichen über weiche Flächen können Stress reduzieren und Angst abbauen. Sinneswände im Sinne von Snoezelen-Konzepten sind dafür bekannt, Geborgenheit zu vermitteln.
Integration in Alltag: Eine fest installierte Wand steht immer zur Verfügung und kann Teil fester Tagesroutinen oder Betreuungsprogramme sein. Projekte und Veranstaltungen (z. B. Generationenwerkstätten) ermöglichen zusätzlich kreative Beteiligung von Schule, Ehrenamt oder Angehörigen.
Nachteile (Grenzen):
Aufwand für Planung und Pflege: Aufbau und Unterhalt einer Sinneswand erfordern Zeit und Material. Die Wände und Gegenstände müssen regelmäßig überprüft, gereinigt und ggf. ausgetauscht werden (vgl. Abschnitt „Pflege und Anpassung“).
Über- oder Unterstimulation: Nicht alle Bewohner sprechen gleichermaßen auf die gleichen Reize an. Bei unzureichender Abstimmung kann eine Sinneswand für manche verwirrend oder überfordernd sein. Für sehr stark eingeschränkte Menschen (z. B. tiefgradig Demenzkranke) kann die Handhabung fremdartig wirken. Auch Lärm oder zu viele Gerüche können irritieren.
Sicherheitsrisiken: Unsachgemäße Materialien (lose Kleinteile, scharfe Kanten, Klebestoffe) bergen Unfallgefahren. Umso wichtiger sind Fachwissen und kontinuierliche Kontrolle. Zudem kann es sein, dass der Reizwert einer immer gleichen Wand mit der Zeit nachlässt, wenn die Bewohner sich an die Stationen gewöhnt haben. Ein regelmäßiger Motivwechsel ist notwendig, was wiederum organisatorischen Aufwand bedeutet.
Anleitung zur Umsetzung in der Praxis
Materialien und Sicherheitsaspekte
Grundlagen: Für den Bau einer Sinneswand benötigt man zunächst eine stabile Trägerfläche. Das kann eine beleimte Spanplatte, Hartfaserplatte, Korktafel oder ein gepolstertes Holzbrett sein. Im Innenbereich ist eine normale Holzplatte in Augenhöhe der sitzenden Bewohner üblich (ca. 1,2 m über dem Boden). Für den Außenbereich wählt man wetterfeste Materialien (z. B. imprägniertes Holz, beschichtete MDF-Platten) und fixiert die Elemente witterungs- und vandalismusgeschützt (dicht schließende Rahmen, Schlösser).
Materialien: Je nach Zielgruppe und vorhandenen Sinnesschwerpunkten kommen unterschiedliche Materialien zum Einsatz. Beispiele:
Haptik: Verschiedene Textilien (Filz, Samt, Wolle, Baumwolle, Molton), Stoffreste (auch wertige Gewebe wie Seide), Türen-Beschläge (alte Schlösser, Scharniere, Reißverschlüsse, Knöpfe, Karabiner), Tritthilfen (Tartan-Materialien, Cord, Gummioberflächen, Korkscheiben), Weichplastik (Tüddelteile, Knöpfe, Pinsel). Aus der Praxis: Bei einer Projektarbeit wurden allerlei Stoffe, Reißverschlüsse und Knöpfe verwendet, die auf ein Holzbrett geklebt wurden.
Optik: Bunte Farben und Kontraste wecken visuelle Neugier. Man kann Bilder von alten Fotos, bekannten Motiven, Magnettafeln mit bunten Figuren, Spiegel- oder Lichtelemente (ruhiges Farbwechsel-Licht, Leuchtdioden) integrieren. Spiegel oder Glasperlen (sicher hinter Acryl) erzeugen faszinierende Effekte. Auch saisonale Deko (Herbstlaub, Weihnachtskugeln) kann ins Auge fallen. In einer Demenz-Studie wurde beispielsweise eine „bunte Magnetwand“ mit aufgeklebten Plastiktieren und Obst-Gemüse-Figuren eingesetzt.
Akustik: Beim Hören helfen Instrumente oder Klangobjekte. Möglich sind Klangstäbe, kleine Xylophone, Glöckchen, Windspiele, Klingeln, Rasseln oder drehbare Rätselräder, die beim Drehen ein Geräusch erzeugen. Auch einfache Sprachaufnahmen (über Knopfdruck) können eingebaut werden, etwa das Abspielen eines bekannten Lieds oder einer Kerzenflamme. Dabei muss der Pegel vorsichtig gewählt werden, damit ein überlautes Geräusch nicht erschreckt.
Olfaktorik: Düfte wecken starke Emotionen. Sinneswände können kleine Duftsäckchen oder Gewürzfläschchen enthalten. Beispiele: Lavendel, Kaffee, Zimt, Rosenöl in Schraubgläsern mit Löchern im Deckel. Auch getrocknete Kräuter (Salbei, Thymian, Kamille) oder Seifenstücke erzeugen Geruchserlebnisse. Wichtig ist, dass nichts zerbröseln oder verschüttet wird: Am besten werden Duftobjekte sicher hinter Abdeckungen montiert oder so angebracht, dass sie nicht frei im Raum liegen.
Gustatorik (Geschmack): Eine Sinneswand ist in erster Linie nicht für den direkten Geschmackskontakt gedacht. Bei ganzheitlichen Angeboten kann man jedoch kontrolliert kleine essbare Elemente integrieren, z. B. ein Fach mit abgedeckten Trockenfrüchten, Lutschpastillen oder kleinen Gewürzmischungen zum Riechen und Probieren. Wegen Hygiene und Verschluckungsgefahr sollte dies aber nur nach strenger Anleitung und individueller Einschätzung erfolgen.
Sicherheit: Unbedingt sind alle Teile fest montiert. Keine losen Schrauben, Splitter oder Kleinteile (Knöpfe, Perlen o. Ä.) dürfen abfallen. Kanten und Ecken von Holz sollten abgerundet sein. Leim, Farbe und Lacke müssen ungiftig und geruchsarm sein. Elektronische Komponenten (z.B. LED-Lichter) benötigen sichere Niederspannung und sollten nicht erreichbar sein. Alle Textilien und Polster sind waschbar oder austauschbar. Eine regelmäßige Wartung stellt sicher, dass keine Teile zerbrochen oder scharfkantig sind. In Demenzbereichen ist es wichtig, dass Reizobjekte nicht beängstigend wirken – z.B. sollte man scharfe Nadeln vermeiden oder Gesichter in Bildern ruhig und bekannt halten.
Schritt-für-Schritt: Bauanleitung
Bedarfsanalyse und Planung: Zunächst sollte das Betreuungsteam den Zweck der Wand klären. Welche Sinne sollen besonders angesprochen werden? Sollen bestimmte Biografie-Themen aufgegriffen werden (z.B. „Bauernhof“, „Garten“) oder Jahreszeiten? Eine sinnvolle Größe für einen festen Einbau ist z.B. ein Brett von etwa 1,5 m Breite und 1 m Höhe. Ein freistehender Rahmen oder ein Fahrzeug („Snoezelenwagen“) ist ebenfalls möglich.
Materialien beschaffen: Besorgen Sie eine stabile Basisplatte, Farben, Stoffe, Holzleisten, Kork, Plüsch, kontrastreiche Folien etc. Aus Resten und Alltagsgegenständen lassen sich viele Elemente nutzen. Bei einem Praxisprojekt nutzten Helfer Stoffreste, Holzplatten und Werkzeug: „Sägten, bohrten, schliffen, nähten, leimten und schraubten die Schüler ...“ um die Sinneswand-Module herzustellen.
Bau der Grundplatte: Je nach Material (Holz, Metallrahmen oder Kork) kann man die Platte vor dem Bestücken grundieren oder mit Stoff beziehen. Eine weiche Unterlage (Schaumstoff mit Stoffüberzug) kann zusätzliche Haptik bieten. Die Platte sollte an der Wand sicher befestigt werden (z.B. mit Dübeln und langen Schrauben). Outdoor-Wände bekommt man z.B. auf zwei Pfosten montiert.
Anbringen der Reize: Befestigen Sie nun die einzelnen Objekte schrittweise. Beginnen Sie mit den größten Elementen (z.B. Holzklötze mit eingebauten Beschlägen, große Stoffflächen). Schrauben oder Klettleisten halten Dinge stabil. Auch kleine Spiegel oder Acryl-Scheiben kann man mit Rahmen hinzufügen. Lockere Bänder, Schnüre und Ketten sollten gut fixiert sein, z.B. mit Knoten und Splinte. Auch Magnettafeln oder Tafelfarbe erlauben weiteres Material wechselweise anbringen.
Testphase: Vor der offiziellen Nutzung sollte das Team gemeinsam die Wand ausprobieren. Achten Sie darauf, dass nichts zu locker sitzt und alle Stationen funktionieren (ein Schloss rastet, ein Knopf drückt ein Licht, ein Geruchsbehälter dicht ist). Lassen Sie eventuell einzelne Bewohner probeweise damit arbeiten und beobachten Sie die Reaktionen.
Aufbau-Einführung: Erklären Sie Bewohnern und Betreuern das Angebot. Einleitung und Abschluss sind wichtig – ähnlich wie bei jeder Aktivierung („Begrüßung, Durchführung, Abschluss“). Dabei können Biografiehinweise gegeben werden („Hier ist eine Vorrichtung, mit der man eine Schublade öffnet, das erinnert an früher…“). Geduld und Nachjustieren sind gefragt, um Überforderung zu vermeiden.
Bei einer Außenwand sind zusätzliche Punkte zu beachten: Wetterfeste Farbe (z. B. Außenlack), rostfreie Schrauben und UV-beständige Materialien. Elektronik sollte geschützt sein. Platzieren Sie die Wand so, dass auch Rollstuhlfahrer gut herankommen und dass Sitzbänke in der Nähe sind, um entspannt verweilen zu können. Eine Überdachung schützt langfristig vor Regen.
Gestaltungsideen nach Sinn
Tastsinn: Nutzen Sie unterschiedlich strukturierte Oberflächen: weiche Plüschtexturen, raue Sisal- oder Bürstenflächen, glänzende Glättplatten, wechselnde Materialstärken. Nesteldecken-Elemente (Riemen, Schnallen, Knöpfe) sind beliebt, da sie Konzentration und Fingerfertigkeit fordern. Ebenso geeignet sind elastische Spanngurte, Pfirsichhautpapier oder handliche Kugeln. Weiters können handgerechte Mechaniken eingebaut werden: Drehschalter, Rädchen, Schieber, kleine Türen oder Klappen, die sich durch einfache Handgriffe öffnen lassen. All dies fördert das Greifen und Fühlen. (Beispielsweise wurde in einem Seniorenheim eine Tastwand aus verschiedenen Stoffen und Alltagsmaterialien gestaltet.)
Sehsinn: Große, kontrastreiche Formen und bunte Farben sind hier zentral. Zeigen Sie Großaufnahmen von Alltagsgegenständen oder Naturmotiven, die Erinnerungen wecken (alte Werbeplakate, Postkarten, Tierbilder). Man kann den Bewohnern auch ihr eigenes Spiegelbild zugänglich machen (Spiegelpanel) oder simple optische Effekte: drehbare Farbscheiben, Kaleidoskop-Röhren, einfache Projektoren, die unterschiedliche Lichtpunkte erzeugen. Helle Leuchtflächen hinter transparenten Folien oder an Gemälden fest installierte LED-Leuchten können visuelle Ruhepunkte bieten. In der DemSense-Wand wurden Kunststoff-Obst und -Gemüse in leuchtenden Farben aufgeklebt, was an Küche oder Garten erinnert.
Hörsinn: Eine Klangstation kann Glockenspiele, kleine Trommeln oder Klangstäbe enthalten. Einfache Musikboxen mit Knopfschaltern, über die verschiedene Musikstücke oder Naturgeräusche (Wald, Meeresrauschen) abgespielt werden, sind möglich. Auch Alltagsklänge (alte Radiosendungen, Vogelstimmen) üben eine beruhigende Wirkung aus. Achten Sie darauf, dass die Klänge klar, aber nicht zu laut sind, um Verwirrung zu vermeiden. Falls spezielle Hörgeräte nötig sind, kann man die Wand in ruhigen Momenten gezielt einsetzen, um akustische Aufmerksamkeit zu fördern.
Geruchssinn: Verstecken Sie starke, angenehme Düfte in kindersicheren Behältern an der Wand. (Geruchs-Testkärtchen oder Duftflaschen können hinter Plexiglas montiert werden.) Typische Düfte sind Kaffee, Lavendel, Zitrus, Vanille oder Brot. Diese werden mit kleinen Löchern oder Duftpads hinterlegt, sodass ein Bewohner durch Einatmen die Botschaft erhält. Fest eingebaute Duftspender oder getauchte Holzblättchen (z.B. in Rosenwasser) garantieren eine längere Duftwirkung. Wichtig: Regelmäßig austauschen, damit der Geruch präsent bleibt.
Geschmackssinn (optional): Manche Stationen laden zum Probieren ein – etwa indem man an einem Fach knistern und köstliche Früchte (getrocknetes, mitgebrachtes Essbares) entdecken kann. Dies muss jedoch höchst hygienisch abgeklappt sein und unter Anleitung geschehen (ggf. durch eine Betreuungskraft, die beim Probieren hilft). Meist reicht es aus, ungewöhnliche Lebensmittel zum Riechen und Darf-Kosten einzusetzen (z. B. getrocknete Kräuterblätter oder essbare Blüten). ACHTUNG: Ohne Begleitung und Einwilligung nichts hineinschlucken lassen!
Pflege, Anpassung und Einbindung
Pflege der Sinneswand: Wie jedes Be-treuungsangebot muss auch die Sinneswand gepflegt werden. Oberflächen sollten sich leicht reinigen lassen (abwischbare Farbe, waschbare Stoffe). Beschädigte oder stark abgenutzte Teile werden sofort ersetzt. Duftmaterialien verliert man regelmäßig – lagern Sie Ersatzdüfte. Staub, Schmutz oder Fingerabdrücke auf Spiegeln und Acryl entfernen Sie zügig. Dokumentieren Sie Besonderheiten der Wand (z.B. Kleingeld-Problematik oder defekte Elemente) und schulen Sie alle Mitarbeitenden darin, Mängel zu melden.
Anpassung: Beobachten Sie, wie die Bewohner auf die Wand reagieren. Wechseln Sie die Stationen gelegentlich durch, um neue Reize zu bieten. Themenzyklen (Jahreszeiten, Feste, Biografie-Themen) können die Wand immer wieder neu beleben. Anpassung heißt auch: Einige Bewohner können Lieblingsstücke oder eigene Bilder beisteuern – so bleibt die Wand aktuell. Außerdem sollte man den Schwierigkeitsgrad variieren: Bei Demenzkranken hat es sich bewährt, eindeutige, klare Reize zu wählen und bei neuen Besuchern eine kurze Einweisung oder Demonstration zu geben.
Einbindung in das Betreuungskonzept: Eine Sinneswand sollte nicht isoliert stehen, sondern Teil des Betreuungsplans sein. Das heißt: Regelmäßige Angebote mit der Wand in den Tagesablauf aufnehmen (z. B. wöchentliche Aktivierungsrunde vor oder an der Wand). Dabei empfiehlt sich ein strukturierter Ablauf mit Begrüßung, Vorstellung der Aktivitäten, gemeinsamer Entdeckung und anschließendem Ausklang (ähnlich wie bei anderen Beschäftigungsangeboten). Nutzen Sie vorhandene Gruppen, etwa Gedächtnistraining, als Anlass, die Wand einzubeziehen. Dokumentieren Sie Reaktionen (z. B. über Verlaufsskalen oder Beobachtungsbögen), um den Erfolg zu erfassen. In modernen Pflegekonzepten gilt die Sinneswand als Instrument der sensorischen Aktivierung: Sie soll alle Sinne einbeziehen und dabei helfen, verbliebene Fähigkeiten zu fördern. Dabei sind individuelle Bedürfnisse entscheidend – das Pflegekonzept (Biografiearbeit, Aktivierungsplan) muss also flexibel auf die Sinneswand abgestimmt sein. Ein Beispiel aus der Praxis: In Tirol gehört die Gestaltung einer Sinneswand im Eingangsbereich zum festen Aufgabenbereich eines Aktivierungstraining.
Praxisbeispiele
Tagespflege/Stundenpflege: Wie eingangs erwähnt, gestalteten Schüler einer Klasse 7 mit Bewohnern der Tagespflege Dunningen eine Sinneswand. Sie enthielt u. a. ein Schloss mit Schlüssel, Klangstäbe, eine kleine Schatzkiste zum Auf- und Abschließen, Tastsäckchen und Schnürsenkel zum Binden. Dieses Projekt zeigte, wie Generationen zusammenarbeiten können: Die Senioren übten alltägliche Handgriffe (Schlüssel stecken, Schleife binden), die früher selbstverständlich waren, als sinnvolle motorische Beschäftigung. Pflegeleiterin und Lehrer berichteten von einer „Win-win-Situation“, da die Senioren geistig angeregt wurden und die Schüler praktische Erfahrungen sammelten.
Stationäre Altenpflege: In einem Bochumer Seniorenheim engagierten sich Mitarbeiter eines Energieversorgers („Social Day“) ehrenamtlich und bauten dabei eine Sinneswand für die Bewohner. Die selbstgebaute Wand wurde als neues Motorik-Training beworben. Nach der Einführung nutzten viele Pflegebedürftige die neue Installation im Wohnbereich. Solche Kooperationen zeigen, dass Sinneswände auch sozial integriert werden können (z.B. durch Fachkräfte, Schüler oder Freiwillige).
Sinnesgarten und Demenzbereich: Manche Einrichtungen errichten Sinneswände im Außenbereich. Das Seniorenzentrum Burkhardtsdorf der AWO etwa hat in einem Hof einen kleinen Sinnesgarten mit Hochbeeten, Sitzgelegenheiten und einer Sinneswand, der speziell für Demenzkranke angelegt wurde. Dort können Bewohner draußen an der frischen Luft die verschiedenen Stationen erkunden – zum Beispiel unterscheidet sich die Wand von direktem Außenwind, indem der Geruch frischer Blumen einfließt oder kleine Fühlkästen wie in einem Garten wirken.
Demenzgruppen: Auch in therapeutischen Gruppen werden Sinneswände eingesetzt. Im DemSense-Projekt der LMU München nutzten Demenzkranke eine „multisensorische Wandtafel“ mit Magnetbildern und Duftbehälter. Die Studienteilnehmer verbrachten etwa eine Stunde pro Tag spielerisch an der Wand und zeigten verbesserte Stimmung und Aufmerksamkeit. Ähnlich könnten Pflegeeinrichtungen kleine Gruppen von Bewohnern anleiten, die Wand abschnittsweise zu erleben (z.B. jeder den eigenen Lieblingssinn nutzen oder durch Abfrage feststellen, welche Reize Freude bereiten).
Einzelbetreuung: Für hochaltrige oder bettlägerige Bewohner ist eine mobile, rollbare Sinneswand („Snoezelenwagen“) möglich, die das Pflegepersonal ins Zimmer bringt. Dort können etwa verschiedene Stofftücher, Federn oder Massagebälle angeboten werden. Zwar unterscheidet sich das Konzept dann von einer fixen Wand, doch der Sinn bleibt derselbe: Der Bewohner wird mit taktilen und visuellen Reizen behutsam stimuliert. Basale Stimulationsexperten empfehlen dies ausdrücklich als Ergänzung in der Einzelpflege.
Alltagsintegration: Bewährte Praxis ist auch, die Sinneswand in bestehende Rituale einzubauen – z.B. als Begrüßungstafel am Morgenkreis (jeder Bewohner darf einen Gegenstand drehen oder spüren), oder als Abschiedsritual („Was nehmen Sie vom heutigen Tag mit?“). Kurse für Betreuungspersonal lehren zudem, wie man „Struktur und Orientierung“ im Raum schafft – die Wand kann hier als Fixpunkt dienen.
Diese Beispiele verdeutlichen: Die Sinneswand ist vielseitig einsetzbar – im Gruppenangebot, in der Einzelbetreuung, im Innen- und Außenbereich – und bringt besonders Menschen mit Demenz oder körperlichen Einschränkungen sinnvolle Anregung. Sie ergänzt klassisches Aktivierungsspielzeug und Therapieangebote optimal.
Ideen für die Sinneswand
Sensorische Aktivierung kann bei älteren Menschen – vor allem bei Demenzkranken – Erinnerungen wecken und das Wohlbefinden verbessern. Gerade wenn kognitive Fähigkeiten schwinden, sind Sinneseindrücke aus der Umgebung wichtige „Schlüssel“ zu Gefühlen und Biografie. Vertraute Gerüche (zum Beispiel nach Seife oder Parfum) bleiben oft über viele Jahre im Gedächtnis und wecken emotionale Erinnerungen. Auch taktile Reize wie das Fühlen vertrauter Stoffe oder das Knistern von Papier vermitteln Sicherheit und können beruhigend wirken. Musik löst über Takt und Vibration eine körperliche Resonanz aus, und bunte Farbkontraste oder Pflanzen steigern Aufmerksamkeit. Eine Sinneswand (im Innen- oder Außenbereich) nutzt diese Erkenntnisse, indem sie altersgerechte Materialien so anordnet, dass alle Sinne angesprochen werden.
Tastsinn (Fühlen)
Textil-Fühlwand (Stoffmuster-Vielfalt)
Materialien: Verschiedene Stoffreste (Velours, Baumwolle, Seide, Frottee, Filz), Moosgummi, Kork- oder Sisalmatte, Klettband/Heißkleber.
Beschreibung: Schneiden Sie große Stoffstücke in Quadrate und befestigen Sie diese auf einer Holzplatte oder direkt an der Wand. Wählen Sie kontrastierende Texturen: weich-plüschig (Fleece, Velours), glatt (Satin), rau (Filz oder Sisal), strukturiert (Quilt, Wolle) und griffig (Kork, Holzlamellen). Die Senioren können mit den Händen über die Fläche streichen und die Unterschiede erfühlen. Heben Sie markante Übergänge hervor (z.B. eine Kante aus Bast oder Schnur). Achten Sie auf rutschfesten Halt und abrutschfreie Befestigung der Stoffe.
Praxisbeispiel: In einer Wohngruppe wurde eine solche Fühlwand regelmäßig eingesetzt. Bewohner strichen genussvoll über das weiche Fellimitat und kicherten, wenn ihre Finger im rauen Sisal hängen blieben. Eine ältere Dame (Stottemann) kommentierte lachend, dass sie sich an einen warmen Teppich aus ihrer Kindheit erinnert fühlte – eine schöne Gelegenheit, über vergangene Tage zu sprechen.
Noppen- und Massagebrett
Materialien: Gummimatten oder Massagebürsten für Pferde (grob genoppt), Tennisbälle (mittlere Härte), robuste Schrauben/ Nägel zur Befestigung, eventuell ein Holzbrett.
Beschreibung: Schrauben Sie Tennisbälle oder Noppen aus Gummimatten in verschiedenen Höhen an eine Wandplatte. Alternativ: Montieren Sie Bürstenköpfe (z.B. Horse-Massagebürsten) so, dass ihre Borsten herausragen. Bewohner können mit Hand oder Rücken darüberstreichen oder sich gegen die Oberfläche lehnen. Die Punkte-Aktivität massiert sanft und regt Nervenzellen an. Variieren Sie Noppenhöhe und -härte, um unterschiedliche Druckempfindungen zu erzeugen. Sicherheitsaspekt: Gut fixieren, damit nichts wackelt.
Praxisbeispiel: Ein Pflegeteam installierte ein solches Massagebrett neben einem Sitzbereich. Ein ehemals aktiver Mann, der nun im Rollstuhl saß, drückte mit seinem Handballen mehrfach gegen die Noppen und strahlte dabei. Dabei erzählte er, wie er als junger Turner den Boden mit den Händen tastete, um das Gleichgewicht zu finden. Die Kombination aus Berührung und Bewegung löste so wertvolle Erinnerungen aus und förderte die aktive Teilnahme.
Druck- und Greifbälle (Stressbälle)
Materialien: Mehrere weiche Gummibälle oder Stressbälle (Glatt- und Noppenoberfläche), stabile Schnüre/ Ketten, Haken zur Wandbefestigung.
Beschreibung: Befestigen Sie die Bälle mittels Schnüren oder kurzen Ketten in bequemer Griffhöhe an der Wand. Bewohner können die Bälle umgreifen, drücken oder drehen. Unterschiedliche Materialien (zähes Gummi vs. Luftkissen) bieten vielfältige Haptik: Festes Drücken, Kneten oder langsames Zusammendrücken. Diese Aktivierung fördert motorische Bewegungen der Hände und Armmuskulatur und erzeugt taktiles Feedback (Druckgefühl, Rückfederung). Wechseln Sie verschiedene Bälle ab (mit Noppen, glatt, in Wasser gefüllt).
Praxisbeispiel: Im Gangbereich einer Pflegeeinrichtung griff eine Bewohnerin täglich nach dem weich gefüllten Ball an der Sinneswand. Durch das Zusammendrücken konnte sie den Druck ihrer Arthrose-Hände gezielt ausgleichen und gab immer wieder ein zufriedenes „Aah“ von sich. Die begleitenden Mitarbeitenden kommentierten, dass diese einfache Greifübung ihre Stimmung hebt und sie dazu anregt, sogar Gelenkmobilisationen durchzuführen.
Fühlkisten und -säcke an der Wand
Materialien: Kleine Stoffbeutel oder Plastikboxen mit Deckel (z.B. alte Schatzkisten), verschiedene Materialien zum Füllen (z. B. getrocknete Bohnen, Watte, Stoffreste, kleine Plüschtiere, Gummibänder, Holzklötze). Klettband oder stabile Haken zur Befestigung.
Beschreibung: Bringen Sie mehrere mit unterschiedlichen Materialien gefüllte Säcke oder geschlossene Boxen an der Wand an. Schneiden Sie Löcher in die Deckel, durch die die Bewohner mit einer Hand in den Behälter greifen können, ohne hineinzusehen. Jede Kiste birgt einen anderen Füllstoff – etwa Sand, Moosgummi-Stücke oder Holzperlen. Die Aufgabe: ertasten und benennen, was man fühlt. Solche Tastkästen regen an, Gedanken zu ordnen („Das fühlt sich an wie…“) und fördern die Konzentration. Beschriften Sie notfalls mit einem Bild, falls das Raten zu schwer ist.
Praxisbeispiel: Bei einer Gruppenaktivierung machten die Senioren in einer Runde den „Fühltest“: Hinter einem Tuch befanden sich beispielsweise Kugeln oder zerknülltes Papier. Ein Bewohner, ehemals Schreiner, erkannte sofort Holzklötze am rauen Griff, auch wenn die Farbe unbekannt war. Dies führte zu Gesprächsimpulsen über alte Handwerks-Erfahrungen. Die Kombination aus Raten und Erinnern war sehr beliebt und ließ die Teilnehmenden sogar lachen, wenn sie einmal daneben lagen.
Verschlüsse- und Aktivitätstafel
Materialien: Ein Holzbrett (ca. DIN A2), darauf aufgenähte Kleidungsreste oder separate Elemente: Reißverschlüsse, Knöpfe mit Knopflöchern, Schnallen, Perlmuttverschlüsse (z.B. von Taschen), Druckknöpfe. Stabile Schrauben oder Nägel für jedes Teil. Optional: alte Uhren mit Zeigern zum Drehen, kleiner Drehschalter, Kugelschreiber.
Beschreibung: Eine dieser Tafeln wird oft in der Kindererziehung genutzt, eignet sich aber auch im Seniorenbereich. Befestigen Sie anfangs etwa einen halben Reißverschluss, große Knöpfe (mit zugänglichem Knopfloch) und Gürtelschnallen. Bewohner können an- und abknöpfen, den Reißverschluss ziehen oder eine Schnalle öffnen. Diese Aktivitäten trainieren die Feinmotorik sowie Hand-Auge-Koordination. Wichtig: Wählen Sie robuste und sichere Materialien, entfernen Sie scharfe Kanten.
Praxisbeispiel: Frau S., die früher als Schneiderin gearbeitet hatte, pflegte gern am Verschlussbrett zu üben. Sie rückte Stuhl und Brett so zurecht, dass sie alle Verschlüsse gut erreichte. Oft griff sie schnell nach der Schnalle und kommentierte verschmitzt: „Mit solchen Dingern hab ich früher Hemden gemacht!“ Dies führte zu vielen Geschichten über ihre Schneiderzeit. Gleichzeitig blieb ihre Fingerfertigkeit erhalten.
Kratz- und Bürstenfeld
Materialien: Verschiedene Körperpflege-Hilfsmittel: Massagehandschuhe, Bürsten (Fusselbürsten, Tierhaarbürsten), Naturschwamm-Teile, Hartbürstenaufsatz (z.B. Schuhputzbürste). Haken oder Nägel zur Befestigung.
Beschreibung: Hängen Sie die Bürsten und Schwämme mit der Borstenseite oder rauen Oberfläche nach außen an die Wand. Die Bewohner können mit der Hand über die Bürsten streichen oder sich leicht dagegen reiben. Anders als bei der Massageplatte kann hier die Richtung variieren: sanftes Kämmen, Rubbeln oder Kratzen (wie vorsichtiges Streicheln). Diese Aktivierung ahmt bekannte Körperpflege-Handgriffe nach und vermittelt Vertrautheit. Ermuntern Sie zur Selbstmassage (z.B. über die Arme streichen) oder geben Sie sanfte Anleitungen, wie man eine Bürste bewegt.
Praxisbeispiel: Ein Mann, der früher Schreiner war, nutzte die Bürstenwand regelmäßig. Oft sagte er beim Herumkraulen der Bürste zum Pflegepersonal: „Das erinnert mich an Späne, so hab ich immer meine Hände sauber gemacht nach der Arbeit.“ Er wurde sichtbar ruhiger und genoss die vertrauten Strukturen am Bürstenhaar.
Naturmaterialien-Feld
Materialien: Stücke von Baumrinde (glatte Buche, raue Kiefer), flache Steine, Muschelschalen, Baumrinde, Rinde von Kork, große zerkleinerte Muscheln, Sandflächen. Sicher befestigte Fundstücke aus der Natur oder Bastelmaterialien wie Rindenmatte, Sandpapier-Quadrate. Holzplatte zum Befestigen.
Beschreibung: Gestalten Sie eine Tafel mit der Oberfläche von echten Naturmaterialien. Kleben bzw. schrauben Sie etwa Baumrindenstücke, Sandpapier-Schichten, große Muscheln und kleine Holzwürfel auf. Bewohner können darüber streichen und fühlen, wie sich beispielsweise glatte Steine im Vergleich zu rauher Korkrinde anfühlen. Diese Aktivierung bringt Erlebnis Natur ins Pflegeheim und nutzt das taktile Potenzial natürlicher Oberflächen. Der Pflegekraft kann dabei z.B. die Quelle der Materialien erklären (z.B. „Dies ist Eichenrinde aus dem Wald“).
Praxisbeispiel: In einem Demenzgarten im Innenhof wurde ein Brett mit Sandpapier, glatten Kieselsteinen und grober Kiefernrinde versehen. Bewohnerin Frau K. legte oft ihre Hand flach auf den Sandpapierblock und spürte das Kratzen. Sie erzählte daraufhin, wie sie als Kind barfuß über Holzspäne ging. Die körperliche Erinnerung an harten Boden löste bei ihr ein Schmunzeln aus – ein schönes Beispiel, wie Naturhaptik Erinnerungen entzündet.
Nestelkissen-Station
Materialien: Mehrere feste Kissen oder ein großes Kissenbezug (ca. 60×60 cm) mit annähbaren Elementen: große Holzperlen auf Schnüren, gehäkelte Bänder, Reißverschluss (restlich), Knöpfe, Druckknöpfe, Klettstreifen, Schnalle. An Wandheizung oder gerader Metallplatte fixierbar (Klett, Klettverschluss-Riemen oder Karabinerhaken).
Beschreibung: Nestelkissen (sogenannte Fummelkissen) sind Kissen mit Verschlüssen oder Bändern, an denen geübt werden kann. Befestigen Sie ein solches Kissen an der Wand oder einem Rollbrett in Sitzhöhe. Senioren können dann aktiv verschiedene Verschlüsse bedienen: Riemen durch Schnalle ziehen, Perlen auffädeln, Knöpfe lösen. Diese Aktivierung trainiert Feinmotorik und Geduld. Sie ist besonders für demenzkranke Bewohner geeignet, die durch Beschäftigung beruhigt werden, ohne das Kissen aus der Hand zu legen.
Praxisbeispiel: In der Tagespflege wurde ein Nestelkissen an der Sinneswand angebracht. Herr M., demenziell verändert, strich oft über das Kissen und zog schließlich die angenähten Bänder durch kleine Ösen. Unter Anleitung der Betreuungskraft entdeckte er, dass jedes Band sich anders öffnete. Er wirkte daraufhin deutlich ruhiger – die Aktivität lenkte seine Unruhe ab und gab ihm das Erfolgserlebnis, etwas Geschicktes selbst zu tun.
Finger- und Handlabyrinth
Materialien: Holz- oder Leimkasten mit eingefräster Labyrinthspur (z.B. einfache Spirale oder Schlängelpfad, ähnlich Geduldsspiel), kleine Kugel oder ein „Betonpilz“ zur Führung, magnetscher Pfad oder eiserne Kugel, um sie zu führen. Alternativ: ein dickes, weiches Labyrinth, in das man den Finger einführt. Befestigung an der Wand (Stahlplatte).
Beschreibung: Solche Labyrinthkisten sind Spiele, bei denen eine Kugel durch ein Grifftunnel aus Holz geführt wird. Für Senioren wird dabei die Hand motorisch beansprucht: Der Finger tastet entlang einer Spur (z.B. wirres Schnursystem oder gerades Schienensystem), um ein Objekt (z.B. Ball) ans Ziel zu führen. Befestigen Sie das Labyrinth so, dass man es mit einer Hand bedienen kann. Es fördert Feinmotorik, Blick-Hand-Koordination und gibt ein Erfolgserlebnis, wenn man die Kugel zum Endpunkt manövriert. Die einfache Struktur (ohne Timer) verhindert Überforderung.
Praxisbeispiel: In einem Seniorenheim im Flur hing ein einfaches Holzlabyrinth. Bewohnerin Frau N. (M.-Demenz) fuhr mit ihrem Zeigefinger langsam den Pfad entlang, um die kleine Kugel von Start zu Ziel zu manövrieren. Beim ersten Mal schaffte sie es kaum bis zum Ende, aber die Pflegekräfte lobten sie: „Fast da!“. Beim nächsten Anlauf war die Kugel schon am Ziel und Frau N. strahlte sichtlich. Sie war sichtlich stolz und wollte die Übung gleich noch mal wiederholen.
Knopf-Pärchen-Spiel (Tastmemory mit Knöpfen)
Materialien: Große, verschieden geformte Knöpfe (Plastik, Holz, Metall – unterschiedlich geformt und strukturiert), kleine Schachteln oder Filztaschen mit je zwei identischen Knöpfen verdeckt, Tuch zum Abdecken.
Beschreibung: Ähnlich wie ein Memoryspiel kombinieren diese Pärchen aus Knöpfen Tasten mit Konzentration. Verstecken Sie jeweils zwei identische Knöpfe in je einer kleinen Tasche oder Karton, sodass man beim Fühlen nicht sieht, was drin ist. Jeder Bewohner hat mehrere verdeckte Knopf-Paare. Beim Spiel stehen die Personen um einen Tisch und ertasten mit geschlossenen Augen die Knöpfe in den eigenen Händen. Aufgabe: Zuordnung finden. Jeweils zwei Knöpfe ertasten und deuten, ob sie gleich sind. Dieses Spiel trainiert den Tastsinn und hat eine leichte Spielform. Passen Sie die Anzahl der Knöpfe dem Können an.
Praxisbeispiel: In einem Betreuungsangebot zum Thema „Näharbeiten früher“ probierten sich mehrere Senioren an diesem Tastmemory mit Knöpfen. Die älteren Damen lachten, als sie mit verbundenen Augen die verschiedenen Oberflächen erfühlten und berieten sich, ob sie ein Paar gefunden hatten. Ein Bewohner, der früher Schneider war, erfühlte sofort ein identisches Duo und nickte anerkennend: „Stimmt, da stimmt alles überein!“ Dieses konzentrierte Fühlen belebte gleichzeitig den Gemeinschaftsgedanken.
Sehsinn (Sehen)
Nostalgie-Foto-Collage
Materialien: Große Fotocollage oder Bilderrahmen, alte Fotos (Familienbilder, Retro-Werbeanzeigen, Urlaubsbilder), Klarsichthüllen oder eine Magnetwand. Dekorativ gerahmtes Foto oder Poster aus vergangenen Jahrzehnten.
Beschreibung: Gestalten Sie eine Wandfläche mit bekannten Bildern aus vergangenen Epochen. Sammeln Sie Fotos aus der Jugendzeit (z.B. alte Autos, Musikgruppen, Kindheitsspielzeug) und befestigen Sie diese in einem großen Rahmen oder auf einer Pinnwand. Die Bewohner können die Bilder ansehen, darüber sprechen und Erinnerungen austauschen. Durch das gemeinsame Betrachten entsteht Gesprächsstoff („Das war doch der alte Käfer meines Bruders!“). Aktualisieren Sie die Collage nach Jahreszeiten oder Themen (Weihnachten, Volkstümliches). Ein weisses Brett oder Magnettafel erleichtert das ständige Wechseln der Bilder.
Praxisbeispiel: In einer Seniorengruppe wurde eine Foto-Collage zu „Spielzeug der Kindheit“ angefertigt. Herr S. erkannte sofort eine alte Holzeisenbahn aus den 1940ern auf einem Bild und erinnerte sich: „So einen Zug hatte ich zu Weihnachten bekommen!“ Die Pflegekraft erzählte ihm, die gleiche Lokomotive Anfang des Monats selbst in einer Spielwarensammlung gesehen zu haben. Diese visuelle Anregung beflügelte das Gedächtnis der Gruppe und führte zu weiteren Fotos aus den Nachkriegsjahren.
Farbkontrast-Tafeln
Materialien: Farbige Bilder oder Stoffquadrate in starken Kontrastfarben (z.B. Rot–Grün, Blau–Gelb), Tafeln mit geometrischen Mustern (Kreise, Streifen), Folien oder Acrylplatten in leuchtenden Farben. Alternativ: Leuchtrahmen mit austauschbaren Farbfolien.
Beschreibung: Befestigen Sie kontrastreiche Farbflächen nebeneinander. Verwenden Sie Grundfarben oder komplementäre Farben, um die Aufmerksamkeit zu wecken. Ältere Augen sehen intensive, klare Farben länger als Pastelltöne. Gestalten Sie einfache Muster – etwa ein blaues Quadrat neben einem roten oder ein gelbes Dreieck auf dunklem Hintergrund. Bewohner können die Farben betrachten und bei Bedarf die Bedeutung der Farben erklären (z.B. „Das war die Firmenfarbe meines Arbeitgebers“). Farbtafeln können auch monatlich gewechselt oder mit Jahreszeitenthemen versehen werden.
Praxisbeispiel: Auf einem Flur im Pflegeheim hing ein großes Rechteck aus zwei kontrastierenden Stoffbahnen (links intensivrot, rechts dunkles Blau). Bewohner beobachteten, wie sich ihr Blick zuerst automatisch an der Kante festhielt. Ein alter Glaser, der früher Farbfenster herstellte, erläuterte den anderen, dass solche starken Kontraste Licht in Räumen besonders betonen. Diese optische Übung führte zu einer kleinen Plauderrunde über Farbe in der Architektur.
Spiegel-Station
Materialien: Großer sicher befestigter Spiegel oder mehrere Spiegelstücke (Spiegelfliesen) an der Wand, eventuell kleiner Handspiegel zur Selbstbetrachtung. Kanten gummiert.
Beschreibung: Hängen Sie einen Spiegel so auf, dass der Sitzbereich davor Platz für mehrere Personen bietet. Eine Spiegelwand regt zum Selbst- und gegenseitigen Betrachten an. Bewohner sehen sich selbst und ihre Mitmenschen, was verblüffend mobilisierend wirken kann („Wer ist diese Person?“). Nutzen Sie den Spiegel z. B. für Schmink- oder Friseurstunden. Achten Sie auf stabile Fixierung. Spiegel stimulieren Seh- und Bewegungssinn gleichermaßen.
Praxisbeispiel: Im Kulturraum der Einrichtung hängte man einen großen Spiegel auf. Als die Gruppe gebeten wurde, darin Grimassen zu schneiden und sich selbst zu begutachten, lachten alle aus vollem Herzen. Ein Bewohner meinte schmunzelnd: „So sieht es aus, wenn Herr Schmidt einen schlechten Tag hat!“ Der Spiegel diente nicht nur der Unterhaltung: Beim gemeinsamen Make-up-Abend half er den Seniorinnen, ihren Lippenstift aufzutragen – eine weitere multisensorische Erfahrung (sehen, fühlen, riechen des Parfums).
Leuchtprojektor bzw. Lichtspiele
Materialien: Beamer oder Nachtlichtprojektor (Sternenhimmel, Unterwasserwelt), Farbwechselnde LED-Leuchten (bunt changierend), ggf. Leinwand oder weißes Tuch als Projektionsfläche. Anschaltbare Lampen mit dimmbarer Funktion.
Beschreibung: Richten Sie bei geeigneter Beleuchtung eine Projektionsquelle auf eine Wand oder Leinwand. Zeigen Sie z. B. ruhige Naturaufnahmen oder Muster (Unterwasser, Wolken, Sternenhimmel). Alternativ nutzen Sie LED-Lichtstreifen für sanfte Farbwechsel an der Wand. Diese visuellen Effekte beruhigen und fesseln gleichzeitig. Erzählen Sie leise Geschichten oder Musik dazu, um die Atmosphäre zu unterstützen. Sicherheitsaspekt: Verwenden Sie Geräte mit hoher Schutzklasse und beachten Sie keinen Blendungseffekt.
Praxisbeispiel: Eines Abends in der Sitzecke wurde ein einfacher Sternenhimmelprojektor verwendet. Bewohner schauten gebannt zu den sich bewegenden Sternen an der Decke. Dabei wurden leise Geschichten von früheren Sommernächten erzählt. Die Gruppe war tief entspannt – die Kombination aus schummrigem Licht und vertrauten Erzählungen sorgte für wohltuende Ruhe.
Schattenrisse und Formen (Schattenspiele)
Materialien: Lichtquelle (Lampe oder LED), ausgeschnittene Schablonen (Pappe) von Vogel-, Schmetterlings- oder Blumensilhouetten, transparente Materialien (Transparentpapier), weiße Wandfläche. Befestigungshaken.
Beschreibung: Schrauben Sie einige Schablonen oder transparente Bilder an einer Plexiglasscheibe fest. Projizieren Sie dann mit einer Lampe Schatten an die Wand. Die Bewohner können erraten, welche Formen zu sehen sind, oder eigene Schattenfiguren mit den Händen inszenieren. Dieses Spiel regt Vorstellungsvermögen und Auge-Hand-Koordination an. Variieren Sie die Lichtquelle und legen Sie z. B. Wechselbilder auf die Scheibe.
Praxisbeispiel: Eine Seniorenrunde war begeistert, als sie mit ausgestreckten Händen und Fingern Schattenvögel an die Wand legte. Pflegekraft und Bewohner stritten lachend, wessen Schattenvogel besser aussieht. Die ältere Dame H. bemerkte: „Früher habe ich meinem Enkel immer Schattenbilder gezeigt.“ Es entfachte einen kreativen Austausch – selbst ein Bewohner im Rollstuhl beteiligte sich gern, indem er seine Hände ins Licht hielt.
Jahreszeitentafel mit Bildern
Materialien: Großer stabiler Bilderrahmen oder Tafel, wechselbare Monatsblätter mit Landschaften (Winter mit Schnee, Frühling mit Blüten etc.), Säckchen mit entsprechenden Materialien (z.B. künstlicher Schnee, kleine Blütenblätter).
Beschreibung: Gestalten Sie eine wechselnde Dekoration für jede Jahreszeit. Auf der Tafel hängen Fotos oder Kunstblätter typischer Szenen – etwa buntes Herbstlaub oder sonnenbeschienene Wiese. Ergänzen Sie dazu taktile Elemente (z.B. ein wenig Moos anbringen, in Wintertüten Flocken imitieren). Bewohner dürfen die Bilder betrachten und die Materialien anfassen. Das visuelle Erleben von Jahreszeiten fördert Orientierung und Gespräch (Spaziergehmomente, Festtraditionen). Wechseln Sie monatlich oder bei Festtagen die Motive.
Praxisbeispiel: Im März wurde ein großes Tulpenfoto aufgehängt und am Rand echte getrocknete Tulpenzweige platziert. Die Gruppe betrachtete gemeinsam das Bild und nahm die Zweige nacheinander in die Hand. Frau L. meinte: „Ich rieche fast die Tulpen, früher hatte ich einen Garten.“ Auch aktuelle Pläne für Gartenarbeit wurden besprochen – das Bild wirkte wie eine Einladung nach draußen.
Lupen- und Naturbeobachtungs-Wand
Materialien: Große Lupe mit Halterung an der Wand oder ein Lupe-Ständer; Bilder oder Flyer mit Nahaufnahmen von Pflanzen/Tieren. Klarsichthülle mit Insektenfangschale.
Beschreibung: Befestigen Sie eine Lupe so, dass Bilder und Gegenstände darunter vergrößert werden. Zeigen Sie Nahaufnahmen von bekannten Naturmotiven (z.B. Blütenstaub, Schmetterlingsflügel). Die Senioren können die Lupe heranziehen und entdecken so Details. Dieses Angebot kombiniert „Sehen“ (feine Strukturen erkennbar machen) mit Neugierde. Beschriften Sie die Bilder, wenn möglich, mit Erklärungen. Sie können auch einfach ein Glas mit gefülltem Wasser dahinter anbringen und durch die Lupe Sonnenlicht einfangen lassen.
Praxisbeispiel: Herr K. betrachtete mit Interesse ein Foto von Sonnenblumenblüten unter der Lupe. Dabei erkannte er das Muster der Pollen. Er staunte: „So habe ich das noch nie gesehen! Das sah meine Mutter früher im Mikroskop an.“ Seine Augen strahlten; er gab den Tipp, beim nächsten Spaziergang genau auf die Feinheiten eines Löwenzahns zu achten.
Windspiel oder Mobile (Bewegte Farben)
Materialien: Farbig bemalte Holz- oder Kunststoffringe, Lichtreflektoren (Windspiele), leichte Bänder oder dünne Ketten, eventuell Wasserfontäne in Miniatur. Wetterfestes Material für draußen.
Beschreibung: Hängen Sie an der Wand oder Decke mobile Elemente auf, die sich bei Luftzug leicht bewegen. Bunte Scheiben, Perlen oder Spiegelchen an Schnüren schillern im Licht. Vor allem im Außenbereich (Terrasse, Garten) fangen Windspiele leise Geräusche auf (Metalldrehen). Im Innenbereich kann eine hohe Deckenleuchte mit bunten Hängetüchern ebenfalls an Windbewegungen erinnern. Das bewegte Bild und der sanfte Ton faszinieren zugleich das Auge und ruhige Innere.
Praxisbeispiel: An einer Terrassenwand wurde ein bunt bemaltes Windspiel aus Metall aufgehängt. Jedes Mal, wenn ein Bewohner den Flur passierte, erklang ein sanftes Glöckchen-Klingeln. Besonders Frau B. schien davon angetan: Sie blieb stehen, blickte nach oben und lächelte. Sie erzählte, wie sie als Kind oft Windspiele im Ferienhaus hatte. Das gemeinsame Erlebnis förderte ihre Aufmerksamkeit und bereicherte das Tagesprogramm.
Farbenfrohe Optische Täuschungen
Materialien: Große Poster mit bekannten optischen Täuschungen oder 3D-Effekten (z.B. Kippbilder, Kontrastmuster), Acrylglasplatte mit Mustern unter Beleuchtung.
Beschreibung: Bringen Sie Bilder an, bei denen sich je nach Perspektive das Motiv verändert (z.B. Taube oder Katze je nach Blickwinkel). Solche Rätselbilder faszinieren die Wahrnehmung. Bitten Sie die Senioren, die verschiedenen Figuren zu entdecken, und erklären Sie die Hintergründe. Optische Täuschungen fordern die visuelle Verarbeitung heraus und regen zum Schmunzeln an („Hast du gesehen: da war plötzlich ein Gesicht!“). Achten Sie darauf, dass die Bilder deutlich groß genug sind.
Praxisbeispiel: Im Aktivitätsraum wurde ein Kippbild („Ältere Dame/Junge Frau“) aufgehängt. Die Gruppe versuchte herauszufinden, was darauf zu sehen ist. Ein Bewohner erklärte: „Zuerst sehe ich die alte Dame, dann plötzlich ist es die junge Frau!“ Dieses Umschalten ließ alle lachen und diskutieren. Die Erklärung, dass es beides sein könne, weckte Neugier – ein einfaches Sehsinn-Spiel mit erstaunlichem Effekt.
Projektionsvorhang oder Tageslichtfenster
Materialien: Weißer Vorhang oder Trennwand, darauf projizierbare Muster (Fischschwarm, Naturfilm, abstrakte Bilder), Beamer/Diaprojektor, Laptop mit Diaschau.
Beschreibung: Richten Sie an einer leeren Wand einen Beamer ein und zeigen Sie etwa Bilder von blühenden Bäumen, Fischen unter Wasser oder Farbverläufen. Die Senioren sehen bewegte, lebendige Szenen in Großformat. Ergänzen Sie gegebenenfalls Ton (Meerrauschen, Vogelgezwitscher) für noch stärkere Wirkung. Diese Kombination aus Bildern und evtl. Geräuschen spricht Sehen und Hören gemeinsam an – sehr wirksam bei eingeschränktem Sehvermögen.
Praxisbeispiel: An einem Nachmittag wurde ein kurzer Film über Wellen und Meeresstrände mittels Beamer gezeigt. Einige demenzkranke Bewohner blieben regungslos sitzen und blickten fasziniert auf die Wand. Ihre Erinnerung an Urlaube im Süden schien geweckt. Später berichtete eine Bewohnerin: „Ich habe die Gischt gesehen, als wäre ich wieder dort.“ Die Projektion erzeugte eine entspannte Stimmung in der Runde.
Hörsinn (Hören)
Hör-Memory (Klangpaare)
Materialien: Mehrere kleine, fest verschließbare Dosen (z.B. Metall- oder Plastedosen) und je zwei gleiche Füllgegenstände pro Paar (z.B. Münze, Bohnen, Büroklammern, Reis). Ösen zum Aufhängen oder Ablagen für Dosen.
Beschreibung: Füllen Sie in jede Dose etwas, das beim Schütteln einen charakteristischen Klang erzeugt. Pro Laut nehmen Sie zwei Dosen mit demselben Inhalt. Verteilen Sie die Dosen gemischt auf einem Tisch oder hängen Sie sie gut hörbar an kurzen Haken. Ziel: Die Bewohner sollen durch Schütteln jeweils zwei Dosen mit identischem Klang finden (ähnlich Memory). Dieses Ratespiel trainiert auf spielerische Weise das Hörgedächtnis. Beginnen Sie mit wenigen Paaren und steigern Sie langsam die Anzahl, je nach Gruppenerfolg.
Praxisbeispiel: Eine Gruppe von Senioren spielte mit solchen Klangdosen. Beim Erraten der Paare lachten alle, wenn jemand ein Paar fand oder versehentlich die falsche Dose schüttelte. Schließlich erkannte Herr N. sofort das Knistern in zwei Dosen mit trockenen Erbsen – er hatte in der Küche seiner Heimat früher oft getrocknete Erbsen gesammelt. Dieses akustische Spiel belebte die Runde und sorgte für Gespräch über die Kindheit.
Geräusche aus der Kiste (Rätselratenspiel)
Materialien: Eine oder mehrere blickdichte Boxen mit großem Ausschnitt vorne (Rahmen mit Vorhang, z.B. Karton mit Loch, verdeckt durch Stoff). Alltagsgegenstände zum Geräuschemachen (Papier zum Knüllen, Scherengeräusch, Besteckklappern, Regenmacher, Rasseln).
Beschreibung: Die Bewohner hören Geräusche aus einer verdeckten Box oder hinter einem Vorhang. Ein Mitarbeiter erzeugt diese mit verschiedenen Dingen (Papier knistern, mit einem Bleistift leicht auf Glas klopfen, kleine Perlen in einem Gefäß schütteln). Die Aufgabe ist, das Geräusch zu erkennen und zu benennen. Spielen Sie dieses Ratespiel in der Gruppe: Nach jedem Geräusch dürfen alle ihre Vermutungen sagen. Das fördert Achtsamkeit auf Geräusche, und bekannte Klänge (z. B. Glockenspiel, Tierlaute) wecken schöne Erinnerungen. Vermeiden Sie ständige Hintergrundmusik – kurze Sequenzen sind effektiver.
Praxisbeispiel: Beim „Was raschelt denn da?“ hielten alle Senioren den Atem an. Die Pflegekraft knüllte Papier, klapperte sanft mit Schlüsseln, ließ eine Münze in eine Dose fallen. Nach einigen Geräuschen erkannten viele sofort die Alltagsgeräusche. Insbesondere die Mahlzeit- und Essgeräusche lösten Erinnerungen aus: „So hat Oma früher den Tisch gedeckt!“ rief eine Bewohnerin begeistert. Das Geräuscheraten erwies sich als großer Gesprächsanlass.
Lieder-Anschnitt (Musik erkennen)
Materialien: Lautsprecher oder radiofähiges Abspielgerät, Sammlung bekannter Volkslieder, Schlager oder Kirchenlieder auf CD/MP3. Liste mit Titeln zur Kontrolle.
Beschreibung: Spielen Sie jeweils die ersten Sekunden oder den Refrain eines bekannten Liedes an, z.B. ein Volkslied oder einen Schlager aus der Jugendzeit der Bewohner. Nach kurzer Einspielung stoppen Sie und lassen raten, welcher Titel es war. Dies kann einzeln oder in Kleingruppen erfolgen. Musik ist fast immer mit Bewegung kombiniert (Takt mitklatschen). Begleitend können die Teilnehmer ruhig mitsummen oder sich dabei wippen. Lieblingsmusik weckt oftmals starke Emotionen – achten Sie auf positive Stücke und vermeiden Sie zu laute Wiederholungen.
Praxisbeispiel: Die Gruppe wählte das Lied „Kein schöner Land“ aus. Beim Abspielen der ersten Takte rief Herr P. sofort: „Das ist doch Saarlandlied!“ Die anderen nickten begeistert. Später fing eine Betreuerin an, im Takt zu klopfen, und alle im Raum begannen mitzutippen. So entstand spontan ein kleines Mitsing-Konzert. Diese Aktivierung motivierte die Senioren, sich körperlich zur Musik zu bewegen und im Chor mitzusingen.
Vogelstimmen-Rätsel (Natur-Audio)
Materialien: Audioaufnahmegerät oder Smartphone mit Vogelstimmen-Playlist (Spatzen, Amseln, Lerche, Eulenruf, Hahnenschrei). Kopfhörer oder tragbarer Lautsprecher, Bilder der Vögel.
Beschreibung: Spielen Sie bekannte Vogelgeräusche ab und bitten Sie die Bewohner, die Vogelart zu erraten. Alternativ können Sie zur Abwechslung auch Tierstimmen oder vertraute Stadtgeräusche (Kirchenglocken, Straßenbahn) nutzen. Die Teilnehmer lernen, Geräusche zu unterscheiden und erinnern sich eventuell an ländliche oder häusliche Umgebungen. Halten Sie Fotos zu den Geräuschen bereit, um sie später zu zeigen und die Antwort zu vertiefen.
Praxisbeispiel: Bei einem Ausflug ins Demenzcafé wurden Vogelstimmen vorgespielt. Als ein Spatzengezwitscher erklang, tippte Herr M. sofort auf „Spatzen“. Der Gruppenbegleiter bestätigte: „Richtig, und das war die laute Amsel!“ Diese Übung inspirierte die Senioren, über die Vögel in ihrem Garten zu sprechen. Einige Bewohner berichteten lachend, dass sie früher regelmäßig Vögel im Hof gefüttert hatten.
Klanginstrumente an der Wand
Materialien: Kleine Glocken, Xylophon-Stäbe (fest montiert), Klanghölzer, Windspiele, Metallrohre mit Gegenstand, kleine Trommel oder Schellen. Nägel und Haken zur Befestigung, evtl. kleine Tasten (Soundboard).
Beschreibung: Befestigen Sie verschiedene Instrumente so an der Wand, dass man sie mit einem Schlägel oder der Hand anspielen kann. Zum Beispiel eine Schellentrommel, Metallstäbe zum Draufklopfen oder Glöckchen. Das Anschlagen erzeugt klare Töne und gibt direktes akustisches Feedback. Bewohner können dabei Rhythmen fühlen und eventuell Lieder begleiten. Stellen Sie sicher, dass die Instrumente sicher hängen und nicht herunterfallen. Auch ein altmodisches Telephonding (Kurbeltelefon) mit Ton kann interessant sein.
Praxisbeispiel: Im Gruppenraum war ein Xylophon mit 3 farbigen Holzstäben installiert. Die Betreuerin animierte die Senioren, gemeinsam ein Lied zu begleiten. Jeder schlug abwechselnd zu einem Takt an. Die einfachen Töne kombinierten sich und brachten Kinderlied-Melodien hervor. Die Bewegung mit dem Schlägel machte allen großen Spaß, und einige hielten sogar im Takt ihren Taktstock hoch.
Trommel- und Rhythmusstation (Nachtrommeln)
Materialien: Große Trommel oder dicker Karton (mit Fellen bezogen), Kleintrommeln, Taktstock oder Gummihammer. Befestigungsgurte für die Trommel am Körper (optional).
Beschreibung: Ermutigen Sie die Bewohner, einen Rhythmus vorzugeben, den die Gruppe nachklopft. Ein Betreuer kann dabei vorgeben: Er schlägt mehrfach an die Trommel und fordert nachzuhören („Klack, klack-klack“). Die Senioren wiederholen jeweils. Dies trainiert Gehör- und Motorik synchron. Auch ohne Trommel kann man auf den Tisch klopfen. Setzen Sie die Aktion in kleinen Gruppen um, damit jeder Platz hat. Heben Sie die Schwierigkeit, indem längere Taktfolgen gegeben werden.
Praxisbeispiel: Ein ehemaliger Musiker schlug auf der großen Rahmen-Trommel einen einfachen Rhythmus. Alle klopften mit der Hand auf ihre Knie und „wiederholten“ den Rhythmus. Dabei summte jemand eine vertraute Melodie dazu. Die Trommelrunde hob die Stimmung der Gruppe, es wurde gelacht und geklatscht, und sogar ein Bewohner, sonst eher still, setzte sich aktiv mit ein.
Telefonrätsel (Hörspiel)
Materialien: Altes Festnetztelefon (guter alter Wählscheibentelefon), verbunden mit einem kleinen Trick: Vorbesprochenes Hörspiel oder Telefonstreiche (freundliche Episode auf Kassette/MP3).
Beschreibung: Richten Sie ein altmodisches Telefon so ein, dass Anrufer eine vorbereitete Nachricht oder Scherzaufnahme hören, z.B. Vogelzwitschern oder ein bekanntes Gedicht. Die Senioren wählen nacheinander eine Nummer (oder lassen sich anrufen) und erraten, was sie hören. Dies kombiniert das Hören mit einer ungewohnten Motorik (Wählen). Einfache Aufnahmen mit Natur- oder Stadtgeräuschen sind möglich (z.B. Kirchenglocke, Pferde auf Kopfsteinpflaster).
Praxisbeispiel: Die Betreuungskraft lud die Senioren ein, „einen Freund“ anzurufen. Als dieser abnahm, ertönten vorbeigeratene Kuhglocken und Kuckucksrufe. Die Gruppe prustete vor Lachen. Danach erklärte die Betreuerin scherzhaft: „Das war die Kuh vom Nachbarn!“ Dieses kuriose Hör-Erlebnis brachte Abwechslung in den Alltag.
Radio- und Hörbuch-Station
Materialien: Tragbares Radio oder MP3-Player mit Kopfhörern, Hörbücher und Podcasts (Laienhafte Hörspiele, alte Hörspiele, Radio-Quiz), Sesseln.
Beschreibung: Stellen Sie eine ruhige Ecke bereit, wo Senioren leise Radio hören oder Hörbücher genießen können. Speziell ausgewählte Hörspiele (z.B. Märchen, Heimatgeschichten, klassische Literatur) wecken oft intensive Erinnerungen. Bereiten Sie Titel aus den Prägungsjahren vor. Stellen Sie klare Regeln auf (z.B. kein Dauergedudel). Diese Aktivierung spricht das Gehör dauerhaft an. Nach dem Hören kann man über Gehörtes sprechen.
Praxisbeispiel: Regelmäßig gab es eine „Radio-Nachmittagsrunde“. Die Bewohner hörten gemeinsam eine alte Hörspielaufnahme und diskutierten anschließend. Besonders das Hörspiel „Die drei Fragezeichen“ weckte bei Herrn W. Erinnerungen an seine Jugend. Er begann sofort mitzubeten: „Wie bitte, ich höre Sie nicht!“ – ebenso wie im Original – und alle lachten herzlich.
Riechsinn (Riechen)
Duftender Kräutergarten (Topfpflanzen)
Materialien: Gewürz- und Aromakräuter (Lavendel, Minze, Zitronenmelisse, Rosmarin) in kleinen Töpfen, kleines Regal oder Fensterbank, Erde, Gartengeräte (Handrechen, Gießkanne).
Beschreibung: Richten Sie im Gruppenraum oder Gartenbereich ein Beet oder einige Töpfe mit stark duftenden Kräutern ein. Bewohner können beim Gießen, Reichen und Riechen aktiv mithelfen. Lavendel, Rosmarin oder Zitrone verströmen ihre typischen Aromen, die Erinnerungen an Küche oder Gartenaromen hervorrufen können. Lassen Sie die Senioren die Blätter berühren und zerreiben – so wird der Duft noch intensiver. Verdeutlichen Sie bei Bedarf, dass z. B. der Lavendel mit „Entspannung“ verbunden ist.
Praxisbeispiel: Im Innenhof legte die Pflegekraft einen kleinen Lavendel- und Minzkräutergarten an. Frau B. strich mit dem Finger über ein Rosmarinblatt und roch tief ein. „So roch es immer im Garten meiner Großmutter“, flüsterte sie. Das gemeinsame Gießen und Ernten der Kräuter wurde nachfolgend zur beliebten Gartengruppe, die Gesicht und Hände mit duftenden Aromen stimulierte.
Riechmemory mit ätherischen Ölen
Materialien: Kleine Gläschen oder Dosen mit Wattebäuschen, aufgetropfte ätherische Öle bzw. getrocknete Kräuter (z.B. Lavendel, Eukalyptus, Zitrus, Zimt), Karten mit Bildvorgaben, Kärtchen.
Beschreibung: Beträufeln Sie Wattebällchen mit jeweils einem deutlichen Duftöl (Lavendel, Orange, Minze, Zimt) und verschließen Sie sie in Dosen oder kleinen Beuteln. Fertigen Sie jeweils ein zweites Duft-Paar an. Die Senioren riechen nacheinander, ohne hineinzuschauen, und versuchen, jeweils zwei gleiche Düfte zu finden. Legen Sie dazu Bildkarten mit dem Inhalt bei (als Kontrolle oder Hilfestellung). Dieses Memory-ähnliche Duftspiel fördert Konzentration und aktiviert das Geruchsgedächtnis.
Praxisbeispiel: Im Sitzkreis wurden orange- und zitronenduftende Wattebäusche verwendet. Die Bewohner hatten die Augen geschlossen und riefen freudig „Orange!“ oder „Zitrone!“, wenn sie das erkennen konnten. Herr J. identifizierte alle Düfte fehlerfrei, weil er als Kind Orangenschalen kandierte. Dieses einfache Spiel mit Zitrusdüften und Kräuteressenzen erzeugte sowohl spannende Ratespiele als auch wertvolle Erinnerungen.
Blumenduft-Ecke
Materialien: Frische, stark duftende Blumen (z.B. Rosen, Lilien, Hyazinthe) in Vasen, eventuell getrocknete Blüten in Tütchen. Dekorativer Tisch oder Regal für die Blumenarrangements.
Beschreibung: Stellen Sie in einem gut sichtbaren Bereich einen bunten Strauß oder mehrere kleine Sträuße mit duftenden Blumen auf. Bitten Sie die Senioren, die Blüten zu betrachten und dann daran zu riechen. Lassen Sie sie die Farben oder Arten erraten (z.B. „Welche Farbe hat diese Rose?“) oder über den Duft sprechen. Blumenvisualisierung zusammen mit Geruch kann sehr wirksam sein. Tauschen Sie die Blumen regelmäßig aus, damit immer neue Aromen da sind.
Praxisbeispiel: An einem Frühjahrsmorgen wurde ein Glas mit frisch geschnittenen Hyazinthen aufgestellt. Die Bewohner legten sofort die Nasen hinein und riefen: „Erinnert ihr euch an Omas Badezimmer? Da standen immer solche duftenden Lilienschalen!“ Die Erinnerung an den süß-scharfen Duft schien lebhaft zu sein. Die Pflegekraft ließ jeden Bewohner auch die Augen schließen und nur riechen – ein intensives Erlebnis.
Gewürz- und Gemüse-Riechstation
Materialien: Kleine Holzschalen oder -dosen, gefüllt mit stark riechenden Gewürzen und Zutaten: Zimtstange, Nelken, Kaffee, Vanillezucker, getrocknete Orangen- oder Zitronenschalen, geröstete Kaffeebohnen, süße Gewürze wie Lebkuchengewürz.
Beschreibung: Legen Sie verschiedene Gewürz- oder Teekomponenten zum Riechen bereit. Bei geschlossenem Deckel raten die Senioren, welcher Duft sich unter dem Deckel verbirgt. Öffnen Sie dann und zeigen Sie die Zutat. Gewürze wie Nelken oder Anis sind oft leicht erkennbar. Dieses Spiel erinnert an Küche und Backen – ein ideales Thema für die Weihnachtszeit oder Sonntagsnachmittag. Achten Sie darauf, dass keine Allergiegegenstände dabei sind.
Praxisbeispiel: Zur Adventszeit stellte die Betreuerin kleine Pappschachteln mit Zimtstangen, gemahlenem Kaffee und Orangenscheiben hin. Jeder Bewohner hielt sich die offene Schachtel unter die Nase: Sofort kam „Weihnachten“ in den Sinn. Herr K. meinte: „So rochen immer die Plätzchen bei meiner Mutter.“ Daraufhin rieten alle gemeinsam, woraus die Gerüche bestanden – ein gemeinschaftliches Erlebnis.
Riechspiele mit Obst und Kaffee
Materialien: Frisches Obst mit starkem Aroma (Orangen- und Zitronenscheiben, Äpfel, Weintrauben), Kaffeepulver, Papptüten oder blickdichten Becher.
Beschreibung: Verstecken Sie verschiedene Obst- oder Lebensmittelsorten in Papiertüten. Die Bewohner riechen kurz daran und raten, um welche Frucht oder welches Lebensmittel es sich handelt. Beginnen Sie mit sehr markanten Düften (Zitrusfrüchte, Vanille im Kaffee). Anschließend können auch Kombinationen angeboten werden (z.B. Orangenhälfte mit Nelken gespickt). Dieses „Orangen-Zitronen“-Spiel fördert die Unterscheidung von Dufthinweisen. Ergänzen Sie das Riechen mit kleinen Probierhäppchen, falls möglich (Schmecken).
Praxisbeispiel: Ein Bewohner bekam zwei Papiertüten mit jeweiligen Orangenscheiben gereicht. Mit geschlossenen Augen musste er erkennen, ob er Orange oder Zitrone riecht. Er hielt fest: „Das hier ist Orange, da riecht’s süßer.“ Tatsächlich war eine Schale mit einem mit Nelken gespickten Orangensegment vorbereitet. Alle lachten, als die „Orangenvariante“ durch die Nelke exotisch duftete. Dieser Riechtest belebte die Gruppe und bereitete viel Freude.
Duftkerzen und Aromalampen
Materialien: Duftkerzen (z.B. Lavendel-, Vanille- oder Zimtduft), elektrische Aromalampen oder Diffuser, ätherische Öle (Citronella, Orangenöl). Feuerfeste Unterlagen.
Beschreibung: Stellen Sie auf einem separaten Tisch oder Regal eine Auswahl an Duftlampen oder -kerzen auf (ohne offene Flamme ist oft sicherer). Nutzen Sie ausgewählte Öle, die entspannen (Lavendel) oder aktivieren (Zitrus). Bei Gesellschaftsaktivitäten können die Senioren abwechselnd ein Öl oder eine Kerze auswählen und am Duft schnuppern. Achten Sie auf sehr milde Konzentrationen, um keine Kopfschmerzen zu verursachen. Die Düfte fördern die Entspannung und können an positive Situationen im Alltag erinnern.
Praxisbeispiel: Im Aufenthaltsraum zündeten die Betreuerinnen eine Vanillekerze an. Frau G. schlug die Augen auf und meinte plötzlich: „Da sind wir doch beim Backen im Herbst!“ Sie fühlte sich sichtlich wohl und erzählte von ihrer Lieblingskuchensorte. Der süße Duft wirkte beruhigend und führte zu persönlichen Erzählungen. Anschließend wurde mit Zitronenöl ein Frischeduft erzeugt, der die Runde wieder belebte.
Teekost- und Kaffeeduft-Erkennung
Materialien: Tassen mit verschiedenen Tee- oder Kaffeesorten (z.B. Pfefferminze, Kamille, Schwarztee, Kaffee). Kleine Löffel zum Probieren. Mehrere Serviersets, Wasserkocher.
Beschreibung: Kochen Sie kleine Portionen verschiedenen Tees oder starken Kaffeepulvers auf. Ohne Servietten, die zudecken können, reichen Sie den Bewohnern die Tassen nacheinander: Sie riechen daran und sollen erraten, was sie riechen (Kräutertee, Früchtetee, Kaffee). Diese Aktivierung kombiniert Geruch mit einer Vertrauenssituation (Trinken). Erlauben Sie eine kleine Kostprobe, um Geschmack einzubeziehen, falls gesundheitlich vertretbar. Achten Sie auf Allergien und koffeinempfindliche Personen.
Praxisbeispiel: Zum Nachmittagstee servierte eine Betreuerin abwechselnd Pfefferminz- und Kamillentee. Bewohnerin Frau D. roch an der ersten Tasse und sagte überzeugt: „Das ist Minze, da bin ich mir sicher.“ Der Tipp war richtig. Anschließend erklärte sie, dass sie als Kind ihrem Vater beim Abkochen der Minze geholfen habe. Diese kleine Geschmacksrunde (geraten und geprobt) war ein schöner Start in eine entspannte Teestunde.
Duftwürfel (Würfelspiel mit Aromen)
Materialien: Große, weiche Schaumstoff-Würfel oder Plastik-Würfel (Kantenlänge ca. 8–10 cm), an jeder Seite mit Duftlösung (Pinselbrettchen): z.B. Zimt, Lavendel, Rosmarin, Kaffee, Zitrone, Orange (je Seite ein Duft). Verschließbare Behälter und Pipette zum Auftragen der Öle.
Beschreibung: Präparieren Sie die sechs Seiten eines Würfels mit jeweils einem ganz typischen Duft. Bei Spielbeginn wird reihum gewürfelt; die gewürfelte Seite („Auge“) muss dann erschnuppert und benannt werden. Das Spiel kann als „Duft-Lotto“ mit Punktesystem gespielt werden. Diese Aktivierung bringt Bewegung (Würfel werfen) und Riechen zusammen. Sie ist leicht verständlich und schult gleichzeitig den Geruchssinn. Wiederholen Sie eine Seite nur selten oder haben Sie Ersatzwürfel bereit, da Öle mit der Zeit verfliegen.
Praxisbeispiel: In einer Aktivitätsrunde rollten alle gemeinsam den Duftwürfel. Beim Zimt-Duft klatschte ein Bewohner begeistert in die Hände: „Ich hab’s! Das hier ist Zimt!“ Seine Altersgenossin ergänzte: „Der erinnert mich an Weihnachten beim Plätzchenbacken.“ Die Kombination aus Würfeln und Raten machte allen Spaß und löste rege Plauderpausen über Weihnachtsvorbereitungen aus.
Schmeck-Sinn (Schmecken)
Zitrus-Kim (Orangen- vs. Zitronenscheiben)
Materialien: Frische Orangenscheiben und Zitronenscheiben auf kleinen Tellern, Zahnstocher (optional), Zimmertemperatur-Servierteller. Zahnstocher.
Beschreibung: Servieren Sie einer sitzenden Person jeweils eine Scheibe Orange und eine Zitrone mit verbundenen Augen nacheinander. Die Person versucht zu erschmecken (oder nur zu riechen), um welche Frucht es sich handelt. Alternativ kann sie beide Scheiben in einer Hand halten und sagen, welches Stück sie bevorzugt. Achten Sie auf mögliche Zahn- oder Schluckprobleme. Dieses einfache Schmeck-Spiel spricht den Geschmackssinn und die Erinnerung an den Geruch an.
Praxisbeispiel: Mit verbundenen Augen kostete Herr U. zuerst eine Zitronenscheibe. Beim kräftigen Zitronengeschmack verzog er das Gesicht: „Autsch, das ist aber sauer, da nehme ich lieber die Orange!“ Alle lachten, als er die Mundwinkel verzog. Er erkannte danach beide Früchte. Dieses kleine Tast- und Riech-Experiment brachte Abwechslung und weckte Kindheitserinnerungen an frisch gepressten Saft im Sommer.
Apfelverkostung (Apfelsorten-Raten)
Materialien: Zwei oder drei verschiedene Apfelsorten (z. B. Golden Delicious, Granny Smith, Elstar), geschält oder ungeschält, in mundgerechte Stücke geschnitten, kleine Teller oder Servierplatten. Messer, Schneidebrett.
Beschreibung: Bereiten Sie kleine Probierhäppchen verschiedener Äpfel vor. Jeder Bewohner erhält ein Stück einer Sorte und darf verkosten. Fragen Sie dann, ob er die Apfelsorte kennt oder Unterschiede spüren kann (z. B. süß vs. säuerlich, fest vs. mehlig). Das Anschauen der Apfelsorten vor dem Probieren kann das Sehen anregen, das Tasten das Fühlen und das Beißen den Geschmack. Lassen Sie auch über gemeinsame Apfel-Erinnerungen sprechen („Beim Erntefest meiner Kindheit…“).
Praxisbeispiel: Die Senioren rochen an den unterschiedlichen Apfelscheiben und nahmen vorsichtig einen Bissen. Frau M. erkannte sofort den säuerlichen Granny Smith: „Der war mein Lieblingsapfelbaum im Garten!“ Ein anderer Bewohner griff zum süßen Golden Delicious und strahlte: „Den habe ich als Kind meiner Schwester geschenkt.“ So führte das Schmecken der Äpfel zu vielen Erinnerungsfotos und fröhlichem Gespräch.
Schokoladenverkostung
Materialien: Kleine Stücke verschiedener Schokoladensorten (Vollmilch, Zartbitter, Nuss, Weiß). Teller und Servietten. (Hinweis: nur falls Schokolade verträglich.)
Beschreibung: Legen Sie je Sorte ein paar kleine Schokowürfel in Schälchen. Jeder Bewohner darf mit geschlossenen Augen probieren und erraten, welche Sorte er erwischt (z.B. „Nuss“ vs. „schwarz“). Der Unterschied in Süße und Textur kann erkannt werden. Dieses genussvolle Schmeckspiel spricht alle Geschmacksknospen an und ist besonders bei Kaffeerunden sehr beliebt. Sorgen Sie dafür, dass auch zuckerfreie Alternativen vorhanden sind.
Praxisbeispiel: Während einer Kaffee-Gruppenrunde reichte man Vollmilch- und Zartbitterschokolade. Herr B. schloss die Augen und lutschte nachdenklich. „Echt scharf!“, meinte er überrascht über den herben Geschmack der Zartbitter-Variante. Er scherzte, er könne jetzt gut einschlafen. Die süße Vollmilchschokolade schmeckte ihm dann wie „Kindheit“ – das gemeinsame Probieren erzeugte Wohlfühlatmosphäre.
Pudding-Entdeckungsreise
Materialien: Drei fertig zubereitete Puddingsorten (z.B. Vanille, Schokolade, Erdbeere), serviert in kleinen Schälchen. Löffel, Papierhandtücher. (Nur nach Rücksprache mit Diätplänen.)
Beschreibung: Die Bewohner bekommen nacheinander mit verbundenen Augen kleine Löffelgriffe Pudding gereicht und müssen erraten, um welche Sorte es sich handelt (Geruch und Geschmack). Achten Sie auf gleichzeitiges Duft- und Geschmackserlebnis, indem Sie sie vorher kurz schnuppern lassen (Vanille: Typisch). Dieses Sinneserlebnis ist leicht zugänglich und löst Kindheitserinnerungen an gemeinsame Nachmittage aus. Variation: Auch Fruchtquark oder Kompott können verwendet werden.
Praxisbeispiel: In einer Runde kosteten alle drei Puddingsorten. Frau T. probierte zunächst Vanille und rief begeistert: „Das ist Vanille, meine Oma hat das immer so gemacht!“ Dann schmauste sie Schokolade und grinste. Das Schmecken weckte warme Kindheitserinnerungen an Oma’s Sonntagskaffee.
Multisensorische Aktivierungen (Kombi mehrerer Sinne)
Duftender Kräuter- und Gemüsegarten im Freien
Materialien: Hochbeet oder große Pflanzkübel, Erde, Samen/Setzlinge von duftenden Kräutern (Minze, Rosmarin, Lavendel) und kleinen Gemüsepflanzen (Tomate, Erdbeere), Gießkanne, ggf. Pflanzhilfen (Gehstock-Aufsatz mit Stöcken).
Beschreibung: Organisieren Sie ein kleines Gartenprojekt auf dem Außengelände oder Balkon. Die Senioren pflanzen und pflegen gemeinsam Kräuter und Gemüse. Dabei sprechen sie über Kräutergerüche (Rosmarin-Erinnerungen) und kosten abschließend ein paar Erdbeeren oder Kräuter in Teeform. Diese Aktivierung verbindet Sehen (grünes Blattwerk), Tasten (Erde und Pflanzen anfassen), Riechen (an den Kräutern schnuppern) und Schmecken (geerntete Früchte). Gartenarbeit fördert Bewegung und Koordination. Beim Gießen oder Jäten ist zudem leichte Fitness gefragt.
Praxisbeispiel: Eine Gruppe legte Beete mit frischer Minze und Erdbeeren an. Beim Einpflanzen roch jeder an den Grünpflanzen: Herr F. erkannte sofort den Duft von Oreganopflänzchen – „Mama hatte das in ihrem Garten“. Nach einigen Wochen ernteten sie Erdbeeren, probierten und erinnerten sich an frühere Erntefeste. Die Teilnehmer waren stolz, gemeinsam etwas wachsen zu sehen und zu schmecken.
Naturklänge-Parcours im Garten
Materialien: Verschiedene Klangobjekte (Windspiel, kleine Glocken, Trommeln) entlang eines kurzen Spazierwegs oder im Garten aufgestellt. Sitzplatz mit Windlichtern.
Beschreibung: Legen Sie im Außenbereich einen kleinen „Klangpfad“ an: Entlang eines Weges hängen Glocken oder Windspiele in Gehweite. Bei leichtem Wind oder Vorbeigehen erklingen leise Töne (Hören, Sehen). Dabei pflanzen Sie duftende Blumen wie Lavendel am Wegesrand (Riechen, Sehen). Die Senioren gehen paarweise oder in der Gruppe den Pfad ab und lauschen dem Vogelgezwitscher, hören das Glockenspiel und riechen dabei an den Pflanzen. Diese Aktivierung kombiniert Hören, Sehen und teils Riechen (Blumenduft). Sie fördert Bewegung und Aufmerksamkeit für die Umgebung.
Praxisbeispiel: Im Garten des Altenheims hingen über einem kleinen Kiesweg Glöckchen an Bäumen. Als die Bewohner vorübergingen, erklangen zarte Töne. Gleichzeitig pflückten sie ein paar Rosmarinzweige, um an diesen zu riechen. Frau H. strich sich durchs Gesicht und flüsterte: „Diese Mischung aus Blütenduft und Glockenspiel erinnert mich an unsere Hochzeitskirche.“ Die gemeinsame Gartenrunde brachte Naturerlebnis und Erinnerungen zusammen.
Musik und Massage mit Duftöl
Materialien: Bluetooth-Lautsprecher, beruhigende Instrumentalmusik (Entspannungsmusik, leichte Klassiker), Massageöl oder Duftöl (Lavendel oder Vanille), weiche Handtücher.
Beschreibung: Bieten Sie eine kurze Entspannungsrunde an: Spielen Sie leise Musik ab und massieren Sie sanft Schultern oder Hände eines Bewohners mit aromatisiertem Öl. Das Kombinieren von Hören (Musik), Tasten (Massage) und Riechen (Duftöl) wirkt sehr ganzheitlich. Erklären Sie jedem, welcher Duft verwendet wird (z. B. „Das ist Lavendelöl gegen Stress“) und fragen Sie nach Empfinden. Diese Aktivierung schafft Intimität und Wohlgefühl. Achtung: Nur kurze Massagezeiträume und Hinweise auf eventuelle Allergien.
Praxisbeispiel: Jeden Abend führte die Pflegekraft eine Aromamassage unter Begleitmusik durch. Ein Lieblingslied aus der Jugend von einem Bewohner wurde eingespielt. Als sie seine Hände mit Lavendelöl einrieb, schloss er die Augen und sagte: „So entspannt habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt.“ Die Kombination aus sanfter Berührung, vertrauter Melodie und dem Duft von Lavendel beruhigte sichtlich.
Gemeinsames Backen (Küche der Sinne)
Materialien: Zutaten und Utensilien zum Backen (Mehl, Eier, Zucker, Zimt), Schüsseln, Backform, Kochlöffel. Anschließend gemeinsames Essen (Pudding/Gewürzkuchen).
Beschreibung: Organisieren Sie einen Backnachmittag. Schon beim Mischen der Zutaten spüren die Senioren mit den Händen den Teig (Tasten), sehen die Farben (Sehen) und riechen die Aromen (Zimt, Vanille). Wenn der Kuchen oder Pudding fertig ist, schließt sich das Schmecken an. Dieses Projekt spricht Tasten, Sehen, Riechen und Schmecken zugleich. Es fördert Kooperation (jeder hilft mit) und lebendige Gespräche („Unsere Tanten haben früher …“). Beachten Sie individuelle Diätvorschriften.
Praxisbeispiel: In der Küche des Altenheims backten Betreuer und Senioren einen Apfelkuchen. Die Bewohner kneteten den Teig, streuten Zimt (starker Duft) darüber und beobachteten begeistert das Aufgehen im Ofen. Am Ende aßen alle ein Stück und erinnerten sich an Familienrezepte. Herr P. meinte gerührt: „So hast du so gut wie Oma gebacken, da schließe ich die Augen und bin wieder bei ihr.“ Die Kombination aller Sinne beim Backen war ein voller Erfolg.
Singende Tastspiele (Musik mit Tüchern)
Materialien: Bunte Tücher oder Bänder, eine einfache Melodika oder kleines Keyboard. Lautsprecher oder Smartphone mit Kinderliedern (z. B. „Alle Vögel sind schon da“, „Backe, backe Kuchen“).
Beschreibung: Geben Sie jedem Bewohner ein leichtes, farbiges Tuch. Beim Abspielen bekannter Kinder- oder Volkslieder wippen oder wedeln alle im Sitzen oder Stehen mit den Tüchern im Takt. So werden Hören, Tasten (Stoff im Griff) und Bewegung angesprochen. Singen Sie gemeinsam mit oder summen Sie einprägsame Melodien mit. Die visuelle Attraktivität des Tuchs (Farbe, Bewegung) multipliziert die Freude. Diese Aktivierung eignet sich gut für Gruppenangebote (z.B. Gedächtnistraining).
Praxisbeispiel: Einmal in der Woche wurden Nachmittagsspiele mit bunten Tüchern angeboten. Als „Bruder Jakob“ erklang, bewegten alle die leichten Tücher im Takt mit. Sie lachten, als die Kinderverse fröhlich wiederholt wurden. Dabei begannen manche, spontan die Melodie mitzusingen. Die Aktion verband mehrere Sinneskanäle – Sehen (bunte Farbe), Hören (Lied), Fühlen (Stoff) – und erzeugte ein lebendiges Gemeinschaftsgefühl.
Malen mit Duftfarben
Materialien: Große Blatt Papier, Fingerfarben oder Crayons, ätherische Öle (Käse geriebener Schinken?), alternativ Leinwände. Wasserfarben mit beigefügtem Lavendel-/Orangenöl. Kleine Pinsel. Abdeckplane auf dem Boden.
Beschreibung: Mischen Sie in ungiftige Farben kleine Tropfen ätherischen Öls. Die Senioren malen oder tuschen frei darauf los. Das Eintauchen der Hände in Farbe spricht den Tastsinn, das Betrachten der Bilder den Sehsinn und das Aroma der Farbe (z.B. Lavendelduft) den Geruchssinn an. Beispiel: Malt jeder nur mit Vanille- oder Zitronenduft-Farbe, entsteht ein passender Geruchsteppich. Diese kreative Aktivität stärkt Konzentration und Kreativität. Reinigen Sie anschließend gemeinsam die Hände (Gerüche noch wahrnehmbar).
Praxisbeispiel: Im Bastelraum tauschten die Bewohner die Pinselarbeit: Jeder bemalte ein Mandala-Bild mit grüner oder roter Farbe, die leicht mit Lavendelöl versehen war. Bei jedem neuen Farbton strömte ein anderer Duft auf. Frau H. roch sofort den Lavendel: „Das ist beruhigend.“ Die Akte des Pinsels und der Duft verstärkten sich zu einem sinnlichen Gesamterlebnis.
Vogelhaus mit Hör- und Futterstation
Materialien: Kleines Vogelhaus oder -häuschen (Outdoor), Futter (Samenmix, Erdnüsse), Vogelstimmen-CDs oder -App. Sitzbank in Hörweite.
Beschreibung: Installieren Sie im Garten oder auf dem Balkon ein Vogelhaus mit Futter. Die Senioren legen dort Vogelgerichte aus und beobachten (Sehen, Tasten) die Tiere bei der Fütterung. Gleichzeitig lassen sich Vogelstimmen oder Tiergeräusche per Lautsprecher abspielen (oder die wirklichen Stimmteiche abwarten). So werden Sehen, Hören und Riechen (optional: Duft der Umgebung) zusammengeführt. Die Aktivierung lädt zum Verweilen ein und stimuliert die natürlichen Reaktionen.
Praxisbeispiel: Im Gemeinschaftsgarten strich eine Bewohnerin zweimal täglich Vogelfutter in das kleine Häuschen. Tagelang kamen Meisen und Spatzen, die alle aufmerksam beäugten. Im Sitzen hörte die Gruppe außerdem Vogelzwitschern aus einer App. Bewohner A. sagte gerührt: „Ich kenne diese Vögel aus meinem Heimatdorf.“ Das Füttern (Tasten, Fühlen) in Verbindung mit Vogelmusik (Hören) und -beobachtung war ein voller Erfolg.
Themen-Spaziergang mit Fotostationen
Materialien: Digitale Bilder oder Poster (z.B. Ortsfotos aus der Heimat, Naturabbildungen) laminiert und wetterfest, an Ständen am Wegesrand im Garten oder Innenhof. Sitzmöglichkeiten dazwischen.
Beschreibung: Veranstalten Sie einen kleinen Spaziergang über das Gelände. Verteilen Sie an bestimmten Punkten Bilder mit passenden Duft- oder Soundeffekten. Beispiel: An einem Kirschbaum-Foto riechen echte Kirschblütenzweige in einer Vase (Sehen+Riechen). Am Bild vom alten Bahnhof erklingt eine Lokomotive auf Lautsprecher (Sehen+Hören). Dieser Rundgang spricht mehrere Sinne kombiniert an und regt zum Erzählen an. Stellen Sie Führungspersonal bereit, das Zusammenhänge erläutert.
Praxisbeispiel: Ein „Erinnerungspfad“ im Garten führte die Gruppe zu vier Stationen: Ein Bild des Heimatdorfes (mit Blumenduft dahinter), ein alter Marktplatz (mit Glockenklang), eine Küstenlandschaft (mit Meeresrauschen) und ein Konzertsaal (mit klassischer Musik). Jede Station löste Diskussionen aus. Herr K. roch als erste Station Lavendelzweige zum Provence-Foto und war sofort in Urlaubsstimmung. Diese kombinierte Aktivierung verknüpfte Sinneseindrücke mit Lebensgeschichten.
Duft- und Klangmemory
Materialien: Kartenpaaren (Pappe) mit Duftstoff-Beschriftung (z.B. Rosenöl vs. Blattduft) und Klang-CD („Vogel“, „Glocke“). Alternativ: Karten mit Bildern und entsprechende Geruchs-/Hör-Impulse auf Abruf.
Beschreibung: Stellen Sie Memorypaare zusammen, bei denen Bild (oder Wort) und zugeordneter Sinneseindruck gepaart werden. Beispiel: Auf einer Karte steht „Lavendel“, dazu riechen alle an einem Lavendel-Öl-Tupfer. Auf einer anderen Karte klingt das dazugehörige Vogelgezwitscher. Die Aufgabe: Finde die passenden Paare. So werden Hören und Riechen kognitiv verknüpft. Dieses anspruchsvolle Spiel fördert die Assoziationsfähigkeit. Bauen Sie es ohne Druck auf; machen Sie Pausen, um Geschichten zu besprechen.
Praxisbeispiel: Die Betreuerin zeigte ein Kärtchen mit einem Apfel darauf und spielte Apfelmutters zum Schauen und Riechen. Teilnehmerin N. roch an Apfelsaft und sagte: „Das gehört zusammen!“ Die passende Kombination aus Bild, Riechen und ggf. Gehör (Knacken einer Nuss) forderte die Gruppe heraus und bereitete gleichzeitig Vergnügen.
Sand- und Wasserspiele (Outdoor)
Materialien: Großer Sandkasten oder abgedeckte Sandwanne, Schaufeln, Förmchen, Muscheln, Wasser im Schlauch. Kleine Gießkannen oder Spritzflaschen.
Beschreibung: Errichten Sie im Außenbereich eine Sand- oder Wasserspielstation. Die Senioren können Sand formen (Tasten, Fühlen), Wasser gießen (Hören des Plätscherns) und Muscheln darin verstecken (Sehen). Das Spiel spricht Tasten (Sand), Hören (Wasserplätschern), Sehen (spätere Formen) und Schmecken (Hände lecken ist erlaubt bei Einverständnis, bspw. Sand probieren, wenn es sauberer Natur-Sand ist). Wichtig ist eine saubere Umgebung und der Schutz der Kleidung (Aprons). Diese aktivierende Gartenerfahrung verbindet natürliche Elemente mit direktem Spiel.
Praxisbeispiel: Ein kleines Wasserrinnsal im Außengelände mit Sand und Förmchen wurde rege genutzt. Bewohner schaufelten Sand in Nussschalen oder ließen Wasser durch Röhren laufen. Als Bewohner A. eine Schaufelbewegung ausführte, klang das Wasser leise wie ein Bach. Er lächelte: „Jetzt ist es wie am See von früher.“ Die natürliche Spielumgebung förderte Bewegung und alle Sinne gleichzeitig.
Ideen für die Sinneswand (Wand der Sinne) im Freien und Multisensorisches Umfeld
Ein gezielt gestalteter Sinnesgarten im Außenbereich nutzt natürliche Elemente und Klangobjekte, um möglichst viele Sinne der Senioren anzusprechen. Im Garten werden beispielsweise Bäume, Kräuter, Blumen und Wasser ebenso eingesetzt wie Berührungs- und Bewegungselemente sowie Musik und Klangspiele. Durch unterschiedliche Oberflächen (Steine, Holz, Sand, Erde) und Duftpflanzen entstehen abwechslungsreiche Erfahrungsfelder für Tastsinn, Geruchssinn und Sehen. Gerade bei Demenz ist es wichtig, alle Sinne – Riechen, Fühlen, Hören, Sehen und Schmecken – zu stimulieren. Im Folgenden finden sich zahlreiche neue Ideen für Outdoor-Stationen, interaktive Bewegungsreize, musikalische Elemente und multisensorische Erfahrungen – jeweils mit Titel, Materialliste, Beschreibung und einem Praxisbeispiel.
Outdoor-Stationen und Sinnesgarten-Ideen
Klangturm im Garten
Materialliste: Ein stabiler Holz- oder Metallpfeiler (ca. 2 m hoch), daran befestigt mehrere Windspiele aus Bambusröhren, Metallrohren und kleinen Klangschalen (Keramik oder Metall), Klöppel (Holzstäbe, Filzschlägel), Befestigungsmaterial (Schrauben, Haken, Ketten).
Beschreibung: Am Pfeiler hängen Wind- und Klangspiele in unterschiedlichen Höhen. Beim leichten Wackeln oder Anstoßen vibrieren die Röhren und Schalen sanft – ein natürlicher Klang entsteht. Die Bewohner können selbst die Klöppel nutzen, um Töne zu erzeugen oder beobachten, wie der Wind leise Klänge hervorruft. Dies fördert motorische Aktivität und akustische Wahrnehmung, denn Klangobjekte sprechen den Hörsinn und durch Berühren zusätzlich den Tastsinn an. Gleichzeitig wecken sanfte Naturgeräusche Erinnerungen und beruhigen (Geräusche von Wind, Holz oder Wasser fördern Entspannung).
Praxisbeispiel: In einem Seniorenheim wurde auf der Terrasse ein Holzmast mit mehreren Tonröhren in Bambus-Optik installiert. Bewohnende mit Rollator können mit Hilfe eines Betreuers jeweils eine Röhre sachte anschlagen. Sie hören unterschiedliche Töne und fühlen die Vibration. Dabei reden sie über Naturklänge („Wie beruhigend das Plätschern erinnert an das Meer“) – eine einfache Übung, die Sinne und Sprache anregt.
Fühlpfad aus Naturmaterialien
Materialliste: Mehrere stabil montierte Bretter oder Platten als Teilstücke einer Plattform; darauf verteilt Aufsätze aus Sand, Holzstücken (Borke, Astscheiben, Rindenstücke), Kieseln, Moosmatten, Bastgeflecht, Sandpapier, Pflanzenteppich oder Strohmatten. Evtl. kleiner Wasserbrunnen oder Wasserschale zum Eintauchen der Füße.
Beschreibung: Bewohner können – unter Assistenz – mit barfuß oder den Füßen auf diesen Untergründen laufen bzw. mit den Händen ertasten, wenn der Pfad erhöht als Griffbrett montiert ist. Die verschiedenen Haptiken (weich, rau, glatt, nass) sprechen den Tastsinn (und im Barfußgang auch die Fußsohlen) intensiv an. So werden motorische Fähigkeiten und Gleichgewicht gefördert. Gleichzeitig erinnert etwa feuchter Waldboden oder Sand an bekannte Naturerfahrungen, was positive Emotionen weckt.
Praxisbeispiel: Auf dem Hof eines Pflegeheims entstand ein gekennzeichneter Rundkurs mit nebeneinander angeordneten Kästen: ein Kasten mit Sand (zum Bauen oder Fühlen), einer mit Kieselsteinen und noch einer mit feuchtem Moos. Die Bewohner machen – begleitet – kleine Ausflüge über diese Muster. Sie laufen barfuß von Feld zu Feld oder fassen mit geschlossenen Augen in die Kästen. Jede Station wird aktiviert: Sand bekommen sie in die Hände, Moos kitzelt die Füße, Steine massieren. Diese multisensorische Erfahrung fördert Gleichgewicht und Gedächtnis, da vertraute Texturen erinnerten an frühere Gartenarbeit.
Duftende Pflanzensäule (Kräuterspirale)
Materialliste: Eine erhöhte kreisförmige Gartenbeet-Struktur (z.B. Spirale aus Holz oder Stein), gefüllt mit verschiedenen Duftpflanzen und Kräutern (Lavendel, Zitronenmelisse, Pfefferminze, Rosmarin, Salbei, Minze). Eventuell kleine Schilder zur Kennzeichnung der Pflanzen.
Beschreibung: In dieser Spirale wachsen mehrere duftintensive Pflanzen, die Bewohner leicht erreichen können. Beim Streichen über die Blätter entweichen ätherische Düfte, die den Geruchssinn intensiv anregen. Viele kennen diese Kräuter aus der Küche und haben positive Erinnerungen daran. Die Anordnung erlaubt schnelles Kennenlernen: von ober- bis unterhalb nimmt man verschiedene Düfte wahr. Dies kurbelt die Orientierung (Jahreszeiten erkennen) und das Erinnerungsvermögen an (z.B. Oma’s Küche, Sommergarten). Ein sanfter Spaziergang um die Spirale herum kombiniert Bewegung mit olfaktorischer Aktivierung.
Praxisbeispiel: Auf der Terrasse eines Altenheims wurde eine Kletterspirale angelegt. Die Mitarbeiter pflanzten in jeder Spiralwindung ein anderes Kraut. Bewohner machen täglich einen Kräuterspaziergang: Sie reiben Blätter und riechen daran. Oft folgen Erzählungen („Das riecht nach meiner Mutter’s Sauce“) – ein gelungenes Sinneserlebnis, das Geruch und Erinnerung verbindet.
Wasserspiel-Station
Materialliste: Kleiner, flacher Wasserlauf (z. B. in Bodennähe geführte Rinne aus Stein oder Kunststoff) mit leiser Pumpe, einhängbare Trinkgefäße oder Schöpfkellen, verschiedene Wasserplätscher-Elemente (Steine, Keramik-Röhren). Sitzbank oder Stuhl nahebei.
Beschreibung: Ein sanft plätschernder Bachlauf bietet akustische Entspannung. Bewohner dürfen Wasser schöpfen, Becher unterströmen oder Steine im Bachbett bewegen. Das plätschernde Wasser spricht das Gehör ebenso an wie die Hände (kühle Feuchtigkeit, nasse Haut). Es ist nachweislich beruhigend. Einfache Bewegungen (schöpfen, Kellen füllen) stimulieren Motorik und Körpergefühl. Auch trockene Deko-Elemente wie Kies oder Wasserpflanzen können angefasst werden.
Praxisbeispiel: Auf einem Hof wurde ein etwa 10 m langer, seichter Bachlauf installiert. Bewohner setzen sich oder stehen am Ufer. Mit Betreuerbegleitung schöpfen sie mit kleinen Kellen Wasser auf und gießen Pflanzen. Sie können auch einen leisen Wasserfall ein- und ausschalten. Das Geräusch des fließenden Wassers wirkt beruhigend – nach [10] mildert es Unruhe. Das Erspüren von kühlem Wasser auf der Hand verbunden mit dem Rauschen fördert Aktivierung auf mehreren Ebenen.
Vogelstimmen- und Futterhaus-Station
Materialliste: Futterhaus oder Futtertisch im Garten, Vogelfutter (Sämereien, Körner), Fernglas oder kleines Flüstermikrofon, Aufnahmegerät mit Vogelstimmen (optional), Sitzecke.
Beschreibung: Vogelstimmen aktivieren das Gehör und wecken Erinnerungen an Naturbesuche. Ein Futterhaus zieht Vögel an und lädt zum Beobachten ein. Bewohner können Samen in die Futterstation streuen oder mit einem Fernglas Lauschen und Zählen üben. Dabei hören sie lebendige, vertraute Geräusche (Vogelgezwitscher). Das Rauschen im Geäst und Zwitschern fördern Entspannung. Die Tätigkeit – Futter vorbereiten – gibt sinnvolle Beschäftigung.
Praxisbeispiel: Neben einer Sitzbank wurde ein großer Vogelhäuschenmast aufgestellt. Täglich geben mehrere Bewohner zusammen mit einem Pfleger Sonnenblumenkerne hinein. Sie lauschen, wie kleine Vögel kommen. Manche erkennen Kohlmeisen oder Amseln am Klang. Oft löst das Geschichten aus („Früher haben wir im Garten die Vögel füttern dürfen“). Das Beobachten fördert die visuelle Wahrnehmung, das Hören von Gezwitscher und das gemeinsame Nachdenken sorgen für multisensorische Aktivierung.
Windspiel-Passage
Materialliste: Sammlung verschiedener Windspiele aus Naturmaterialien (z. B. Muscheln, Hoz, Halbedelsteine, Metallringe), Schnüre oder Ketten zum Aufhängen, kleine Bäume oder Pfosten als Aufhängemöglichkeit.
Beschreibung: Entlang eines Gartengangs oder an einer Pergola reiht sich eine Kombination aus Wind- und Klangspielen. Durch die Bewegungen im Wind erzeugen sie sanfte Töne. Bewohner können selbst einen Ast berühren, um Geräusche zu erzeugen, oder einfach die sich bewegenden Anhänger betrachten. Dies regt Augen, Ohren und Tastsinn gleichzeitig an: Die geschwungenen Formen bieten optische Reize, während der Geräuschteppich beruhigt.
Praxisbeispiel: Auf einer schattigen Gartenterrasse hingen die Pflegenden mehrere ausgemusterte Glöckchen und dekorative Windspiele an Astgabeln. Ein Bewohner dreht ab und zu vorsichtig die Schnur eines Windspiels, andere lauschen dem Klingeln oder fühlen die kühle Keramik der Anhänger. Die natürliche Anordnung mit Luftbewegung schafft eine beruhigende Klangkulisse aus Holz und Metall.
Naschgarten und Erdbeerbeet
Materialliste: Erhöhtes, gut erreichbares Hochbeet mit robusten Sträuchern und Pflanzen wie Erdbeeren, Brombeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, kleinbleibende Apfelbäumchen oder Kräuter. Sitzplatz mit Ausrichtung aufs Beet.
Beschreibung: In diesem Beet wachsen essbare Pflanzen zum Naschen. Bewohner pflegen die Pflanzen mit – Gießen, Unkraut zupfen, Ernten – und dürfen Früchte direkt probieren. Das schärft den Geschmackssinn und Geruch (das Aroma von Beeren) und weckt Erinnerungen ans Naschen der Kindheit. Ebenso wichtig ist die motorische Bewegung beim Pflücken. Die Kombination aus natürlichem Ernten und Schmecken bietet intensive multisensorische Erlebnisse (Fühlen der Blätter, Riechen von Erdbeeren, Hören, wie Früchte von Ästen plumpsen).
Praxisbeispiel: Auf einer abschüssigen Terrasse wurde ein flacher Pflanztrog montiert. Bewohner nehmen gemeinsam unter Anleitung kleine Schälchen mit in die Lobby, füllen sie mit Erdbeeren aus dem Beet und naschen. Dabei beschreiben sie den Geschmack („süß, sonnig“) und erinnern sich an Sommer. Diese sinnliche Erfahrung mit Erde unter den Fingern und süßem Geschmack steigert Lebensfreude und regt zu Gesprächen an.
Holz-Murmeln- oder Kugelbahn (Outdoor)
Materialliste: Ein abenteuerliches Kugelbahn-System aus Rohren und Rinnen: breite Bambusrohre, Holzwinkel, Steine als Konstruktionshilfe, leichte Murmeln oder Tonkugeln, abschließender Auffangbehälter. Festes Gestell (Holzlatten/gestapelte Steine), einfache Werkzeuge (Hammer, Nägel).
Beschreibung: Bewohner können Murmeln in die Bahn legen und beobachten, wie sie durch Neigungen und Kurven rollen – eine Kombination aus Bewegung, Sehen und Hören (das Rollen erzeugt ein leises Geräusch). Jede Aktion (Kugel legen, Farbverfolgung) ist eine Bewegungsaufgabe, die Augen-Hand-Koordination trainiert. Die Anordnung aus Naturmaterialien (Bambus, Stein) schafft einen harmonischen Geräuschpfad: Zischende, rollende Klänge aus Holz treffen auf die ruhige Gartenszenerie.
Praxisbeispiel: Im Garten eines Pflegeheims bauten Mitarbeitende eine schräge Wand mit eingefügten Bambusrohren. Bewohner durften pro nachmittag mehrere große Murmeln durch die obere Öffnung rollen lassen und begleiteten diese mit einem Klöppelgeräusch. Das Experimentieren mit der Bahn motivierte zu kurzen Spaziergängen zur Station und aktivierte beim Warten auf die Murmel ruhige Beobachtung.
Natur-Fühlsäule (Steine, Rinde, Sand)
Materialliste: Ein stabiles Holz- oder Steinpfeiler (ca. 1,5–2 m hoch, freistehend) mit Einsätzen aus verschiedenen Materialien: angeschraubte Baumrindenstücke, eingelassene Kiesel oder glatt geschliffene Steine, kleine Sandkastenöffnungen, gespannte Jutebehänge.
Beschreibung: Die Säule ist mit mehreren Materialien bestückt, die von Bewohnern erfühlt werden dürfen. Zum Beispiel kann man an einer Stelle Sand durch die Finger rieseln lassen, an anderer die raue Rinde streicheln oder den kühlen Stein spüren. Diese Kombination spricht Tastsinn und Sehsinn an – man sieht und fühlt die natürliche Herkunft der Materialien. Dies ist eine vielschichtige haptische Übung, die taktile Aufmerksamkeit und Feinmotorik anspricht.
Praxisbeispiel: Im Innenhof wurde ein Rundstab aufgestellt, in den die Pflegenden Sandkästen montiert und Baumrinde, Moos und kleine Steinfeldern befestigt haben. Bewohner gehen um die Säule herum und lassen Sand durch ihre Finger rieseln, greifen in das Moos oder tasten unter Anleitung die Rinde ab. Dabei sprechen sie über das Unterschiedsgefühl (weich, hart, rau) – eine einfache Übung, die Erinnerungen an Waldspaziergänge weckt.
Geschichten-Eck mit Bienenstock (leise Brummstation)
Materialliste: Ein kleines, sichtgeschütztes Bienen- oder Insektenhotel (Fachwerk mit Tonröhren, Holzstiften) direkt an einem ruhigen Spazierweg; Sitzbank daneben. Harte Plexiglas-Abdeckung (Sicherheitsgrund) und kleine Lautsprecher mit aufgezeichnetem Bienen- oder Naturgeräusch (optional).
Beschreibung: Bewohner setzen sich an eine Bank und blicken auf den Insektenkasten. Sie können das sanfte Summen von (zuvor aufgenommenen) Bienen hören und die Struktur des Hotels fühlen. Das leise, vibrationsarme Brummen wirkt beruhigend; das visuelle Betrachten der Waben weckt Erinnerungen an Gartenarbeit oder Imkerei. Zusätzlich kann Biographiearbeit angeschlossen werden (Erlebnisse mit Natur und Tieren). Diese Station kombiniert Geräusch- und Tastsinn gleichermaßen.
Praxisbeispiel: Neben einer Terrasse wurde ein imkerliches Insektenhotel aufgehängt. Beim Sitzen berichten Bewohner leise von ihrer Faszination für Bienen («Damals hatte ich selbst Bienenvölker»). Einmal abends wurden am Gerät auch Naturgeräusche eingespielt – das Summen erinnerte an einen warmen Sommerabend im Freien. Die Kombination aus Sehen, Hören und Fühlen fördert Ruhe und Konzentration bei unruhigen Demenzpatienten.
Terrassen-Tast-Mosaik
Materialliste: Mosaikplatte oder als Spieltisch montiert: Fliesen / kleine Steinchen in verschiedenen Formen und Oberflächen (Keramik, Marmor, Holzrelief, Glasbilder), wasserdichter Kleber, wetterfester Rahmen.
Beschreibung: Bewohner können mit den Fingerspitzen über das bunte Mosaik streichen. Unterschiedliche Materialien und Erhebungen stimulieren den Tastsinn (rau, glatt, kalt, warm) und das Sehen (die Farben). Ein solches Erlebnis unterstützt Feinmotorik und Sinneswahrnehmung gleichzeitig. Unter Anleitung können sie auch neue Muster ertasten oder mit einem nassen Lappen leicht nachziehen, um die Struktur zu erkunden.
Praxisbeispiel: Vor einem großen Fenster auf der Terrasse wurde ein niedriges Podest mit eingefügtem Mosaik aus unterschiedlichen Naturstein- und Holzplatten installiert. Die Seniorinnen und Senioren streichen mit den Händen über die verschiedenen Oberflächen und berichten, was sie fühlen („Dieses Stück fühlt sich wie kalter Marmor an“). Die Pflegenden fragen nach Erinnerungen (z. B. an Wohnungsfliesen der Kindheit), wodurch Sehen, Tasten und Gedächtnis verknüpft werden.
Farbiger Sonnenschirm-Weg
Materialliste: Mehrere große Regenschirme oder Sonnenschirme in bunten Farben, entlang eines Weges an ca. Hüfthöhe aufgehängt (Befestigung an einer stützenden Schnur oder Leine), stabil.
Beschreibung: An einem überdachten Weg oder unter freiem Himmel werden bunte Schirme hintereinandergereiht. Bewohner können sie mit den Händen berühren und auf- oder zufalten (wenn gesichert). Das aktive Handhaben (Bewegung) ist verbunden mit visuellen Reizen (stark farbige Muster). Das Spiel mit Helligkeit und Schatten sowie die taktile Erfahrung (Stoff, Stab) stimulieren Augen und Hände. Farben und Bewegung wecken Neugier und Sinnesfreude – das Wechselspiel von Helligkeit und bunten Tönen regt vor allem die optische Wahrnehmung an.
Praxisbeispiel: Auf einer Terrasse spannten Betreuende an beiden Enden eine Leine, an der mehrere aufgeklappte Sonnenschirme (rot, blau, gelb) hingen. Bewohner durften vorsichtig an einem Griff ziehen und so Schirmteile bewegen. Dabei entstanden leichte Schattenspiele auf dem Boden. Diese Kombination aus Bewegung (ziehen), Sehen (Farben) und leichtem Rauschen (Wind durchs Stoff) bot einen multisensorischen Effekt, der auch weniger aktiven Gästen Freude bereitete.
Interaktive Bewegungsstationen
Drehbares Tast- und Klangrad
Materialliste: Großer, flacher Holzreifen oder Mosaikrohr (Ø ca. 50–70 cm) als Rad, drehbar gelagert (Drehscheibe) an einem stabilen Gestell; auf dem Rad aufgebracht: verschiedene Materialien (Moos, Filz, raues Netz, Schieferplatten), kleine Schlagplatten oder Glocken, Klöppel.
Beschreibung: Das Rad ist an einem Pfosten drehbar montiert. Bewohner können das Rad mit der Hand in Drehung versetzen. Dabei fühlen sie unterschiedliche Texturen unter den Fingerspitzen (Wollfilz, rauer Stein, Moos) und hören, wie beim Drehen leicht angeschlagene Metallglocken klingen. Dieses interaktive Element vereint Bewegung, Tastsinn und Musik: Durch das Drehen wird Geräusch erzeugt und zugleich die Feinmotorik gefördert. Das „etwas tun“-Erlebnis folgt dem Konfuzius-Prinzip: eigenständige Aktion verankert Erinnerung.
Praxisbeispiel: In einem Gruppenraum des Seniorenheims wurde ein rundes, bunt bemaltes Holzrad in Kniehöhe an einem Rahmen befestigt. Beim Gruppennachmittag drehten Bewohner nacheinander am Rad. Kinderleicht übernahmen sie die Rolle des Aktiven: Beim Drehen erklangen kleine Glöckchen, woraufhin alle mitsangen oder klatschten. Die Bewegung stärkte Durchblutung und Muskelkoordination, die Klänge erzeugten eine fröhliche Atmosphäre.
Hammer- und Schlagstation (Trommelwand)
Materialliste: Eine Schlagfläche aus stabilem Gummi oder dickem Filz, auf einer Holztafel montiert; mehrere hängende Hammer- oder Klopfstäbe (Schaumstoff-/Gummi-Schlägel) mit Feder- oder Bänderaufhängung, so dass sie in Ausgangsposition zurückfedern. Optional eine Auswahl verschieden harter Klopfplatten (Metall, Holz, Kunstleder).
Beschreibung: Bewohner können mit einem Hammer (oder den Händen) auf die gepolsterte Fläche schlagen. Jeder Schlag wird sanft aufgefangen und federt zurück. Durch verschiedene Hämmer oder Flächen entstehen unterschiedliche Klänge: Holz klingt dumpf, Metall heller. Dies aktiviert Motorik (Tastsinn, Kraftdosierung) und Gehör. Gleichzeitig haben Senioren beim Ausprobieren Erfolgserlebnis („Ich habe selbst einen Ton erzeugt!“). Wichtig ist nur, dass die Klopfstation gesichert ist, um Überlastung zu vermeiden.
Praxisbeispiel: Im Bewegungsraum montierte eine Betreuungskraft eine gepolsterte Wandtafel auf schulterhöhe. Auf einer Leine hingen weiche Gummihämmer. Bewohner konnten einzeln anklopfen. Das deutlich hörbare aber nicht laute „Bonk“ motivierte auch sonst eher passive Personen zu kurzweiligem Ausprobieren. Dieses Bewegungsangebot forderte sanften Körpereinsatz und ermöglichte gleichzeitig akustisches Feedback, was Konzentration und Spaß auslöste.
Wurf- und Zielstation
Materialliste: Eine robuste Holzwand oder Gartentisch-Platte mit mehreren Zielöffnungen (z. B. je nach Schwierigkeitsgrad – unterschiedliche Durchmesser, verschiedene Höhen); Bälle oder weich gefüllte Wurfkugeln, Markierungen für Entfernungsbereich, Bodenmatte.
Beschreibung: Bewohner werfen leichte Bälle auf die vorgegebenen Ziele. Jeder Treffer bringt sichtbaren Erfolg und ein leises Aufschlagen (Ton des Balls). Diese Aktivität fördert Hand-Auge-Koordination und macht durch die Erfolgskontrolle (Treffer oder Miss) schnell Interesse. Mit verschiedenen Wurfentfernungen lässt sich die Schwierigkeit anpassen, so dass auch Menschen mit Mobilitätseinschränkung teilnehmen können (sitzend oder stehend). Die simultane Nutzung von Sehen und Grobmotorik macht es zu einer umfassenden Aktivierung.
Praxisbeispiel: In einem Aufenthaltsbereich wurde eine Holzplatte mit drei unterschiedlich großen Löchern in Augenhöhe angebracht. Bewohner sitzen im Rollstuhl davor und werfen Schaumstoffbälle auf die Öffnungen. Ein Treffer ergab ein leises „Plopp“-Geräusch. Bei regelmäßigem Wurftraining stellte sich eine ruhige Wettkampfatmosphäre ein – genau das richtige Maß an Bewegung und Spannung für Seniorensport auf niedrigem Niveau.
Bewegungsparcours mit Haltegriffen
Materialliste: Mehrere Markierungen auf dem Boden (z. B. bunte Klebebänder, Matten) in Form eines Rundwegs oder Schleife; an strategischen Punkten Stangen oder Geländer zum Festhalten, evtl. aufrechten Balken mit Spiegel oder Tapetenstücken.
Beschreibung: Ein kleiner Parcours lädt zum Gehen, Wenden und Greifen ein: Die Bewohner sollen der Linie folgen und sich bei Bedarf an Stangen festhalten. Dabei werden Koordination und Orientierung gefördert. An einer Station können sie sich etwa zu einer Hand- bzw. Armübung an einem Geländer hinsetzen und wieder aufstehen – Bewegung also aktiv. Diese fördert nicht nur die Mobilität, sondern durch Orientierung an Markierungen auch die geistige Anregung.
Praxisbeispiel: Ein Flur wurde mit bunten Fußsymbolen ausgestattet. Bewohner durften einer Linie folgen, an einem Geländer Arme heben und senken. Je nach Tempo entstanden eigene kleine „Spaziergänge“ auf dem Flur. Das sichere Festhalten an den Stangen vermittelte Geborgenheit und lockerte das Gehen auf.
Greif- und Festhaltstation (Nesteldecke-Anhänger)
Materialliste: Eine vertikale Platte in Brusthöhe mit drehbarem Aspekt: daran befestigte Nesteldecken oder -bänder (verschiedene Stoffstreifen, Schleifen, Schnallen, Reißverschlüsse) und Griffe (Holzperlen, Softbälle, Kordeln).
Beschreibung: Diese Station lädt zum Fühlen und Spielen mit vielen kleinen Elementen ein. Bewohner können an den Bändern zupfen, Schnallen öffnen oder Kordeln durch die Finger gleiten lassen. Das erinnert an die „Nesteldecken“, die Berührungs- und Feinmotorik fördern. Durch das Zusammenspiel von Berühren und leichten Bewegungen (Faden ziehen, Knoten lösen) wird motorische Aktivität angeregt. Die Herausforderung (kleine Rechenaufgaben oder Märchen anhören beim Berühren) kann je nach kognitiver Fähigkeit angepasst werden.
Praxisbeispiel: An einer Wand wurde ein großes Holzbrett angebracht, an dem bunte Stoffstreifen und Schnallen hingen. Während einer Gruppenrunde bastelte eine Betreuerin mit den Seniorinnen an den Schnallen, wann immer sie Handycap hatte. Die Bewohner berührten, probierten und knoteten, stets begleitet von ruhiger Musik. Dieses „Fingertraining“ war zugleich ein beruhigender Motorikspaß: Manchem belebte das Knüpfen wieder alte Erinnerungen (Kleiner-Schnürsenkel-Knoten, Taschen-Öffnen).
Aktiv-Schaukelbank mit Geräuschen
Materialliste: Eine stabile Schaukelbank (zwei Sitzplätze nebeneinander) mit Federn oder Schwingelement unter den Sitzflächen; an den Seiten montierte Platten aus Holz oder Metall, an denen leichte Schlägel an Schnüren befestigt sind.
Beschreibung: Beim sanften Anschaukeln an der Bank bewegen die Schlägel mit – sie berühren Holz- oder Metallelemente und erzeugen so ein gedämpftes Klimpern. Bewohner sollen sich gemeinsam schaukeln, was einfache Bewegung (gleichmäßiges Hin- und Herschwingen) und Kommunikation erfordert. Währenddessen hören sie ein leises rhythmisches Klingeln (musikalische Komponente). Bewegung und Klang werden hier verbunden: Der Balance-Impuls aktiviert das Gleichgewichtssystem, und die Geräusche synchronisieren diese Aktivität zu einem beruhigenden Klangmuster.
Praxisbeispiel: In einer ruhigen Gartenecke wurde eine breite Holzbank aufgehängt, die sich gleichzeitig auf Federn wiegt. Zwei Bewohner setzen sich, einer vorne, einer hinten, und beginnen gemeinsam zu schaukeln. Kleine Metallriegel an der Seite vibrieren und klappern leicht. Dabei entstehen leise Melodien. Während sie sich bewegen, lächeln beide, denn die Aktion ist spaßig und erinnert an Kindheitsschaukeln.
Spiegel-Licht-Reaktionsstation
Materialliste: Große Sicherheits-Spiegelplatten (abgerundete Ecken) in Augenhöhe, eventuell mit LED-Leuchten dahinter (wenn technisch möglich) oder ansteuerbare Farbwechsellichter, Bewegungssensor (alternativ: Helfer steuert Licht manuell).
Beschreibung: Die Station reagiert auf Bewegung: Beim Vorbeigehen oder Berühren wird ein sanftes Licht (z. B. warmes Farbspiel) aktiviert. Bewohner sehen sich selbst und das verändernde Licht – eine Kombination aus visueller und taktiler Rückmeldung. Der eigene Spiegelauftritt mit wechselnden Farben macht neugierig. Dies schult Augen und Gehirn sowie die Hand-Auge-Koordination (wenn sie die Spiegel streichen). Jede Person kann eigene Bewegung steuern (z. B. Hand hin- und herbewegen) und erlebt unmittelbares Feedback.
Praxisbeispiel: An einem Pfeiler wurde ein Spiegel fest angebracht; dahinter war ein kleines LED-Modul. Wenn jemand nahekam, schalteten sich die LEDs ein und tauchten den Spiegel in wechselndes Licht. Bewohner im Rollstuhl drehten sich und betrachteten die Reflexion. Gleichzeitig streichelten sie den kühlen Spiegelfilm. Diese einfache Interaktion brachte überraschenden Spaß: Sie sehen sich selbst mit buntem Licht, ähnlich wie beim Karneval.
Kräuterpflück-Tisch mit Knöpfen
Materialliste: Eine niedrige Arbeitsfläche (ähnlich einem Rollstuhl-tauglichen Tisch) mit seitlicher Montage von Knöpfen oder Schaltern (Taster, ohne Elektronik – mechanisch klickend) neben einem kleinen Pflanzkasten mit Kräutern.
Beschreibung: Bewohner pflücken ein Blättchen aus dem Kräuterkasten und legen es auf den Tisch. Anschließend können sie einen Knopf drücken, der ein kleines mechanisches Spiel auslöst (z. B. klackernde Figuren, eine sich drehende Blume). Diese Doppelaufgabe – Ernten (Tastsinn, Geruch, Bewegung) und Drücken (Feinmotorik, Ton) – verbindet mehrere Sinne. Das auditive Feedback („Klick!“ oder Rasseln) belohnt das Pflücken.
Praxisbeispiel: Am Rand einer Pflanzkiste wurden einfache Drehknöpfe angebracht. Bewohner pflücken Minzblätter und legen sie in ein kleines Fach. Mit einem Knopfdruck wird ein Miniatur-Vogelmodell in Bewegung gesetzt, das leise ein Lied trällert. Das exakte Timing schult Konzentration, und der kombinierte Geruch der Minze mit dem Klang trägt zur Belebung aller Sinne bei.
Musikalische Klangstationen
Wand-Xylophon aus Holz
Materialliste: Mehrere gelochte Holzblöcke (wie Xylophonplatten) in verschiedenen Längen; hölzerne oder gummierte Schlaghämmer; Befestigungswinkel; stabile Außenwand oder Holzwand.
Beschreibung: Die Holzblöcke sind an einer Wand fixiert. Jeder Block hat unterschiedliche Länge/Dicke und erzeugt bei Anschlag einen eigenen Ton. Bewohner nutzen die Hämmer, um Melodien oder freie Rhythmen zu spielen. Dabei spüren und hören sie den Klang gleichermaßen: Der Vibrationston fällt sofort auf. Diese Station vereint Musik, Berührung und Bewegung – und da Musik (Rhythmus) fast immer mit Bewegung verbunden ist, wirkt sie sehr motivierend. Schon einfache Kinderlieder oder Tierlieder können an der Wand begleitet werden.
Praxisbeispiel: Ein Mitarbeiter befestigte an einer Gartenwand eine Reihe von Holzleisten in unterschiedlichen Tonhöhen. Am Nachmittag spielten Senioren mit bunten Schlegeln eine Runde „Hänschen klein“. Alle sangen mit und klopften sanft mit. Dieses Zusammenspiel aus Musik und Bewegung weckte Erinnerungen und förderte die Koordination (Schlaggenauigkeit).
Metallophon-Station (Klangröhren)
Materialliste: Verschiedene Aluminium- oder Metallrohre (wie bei Panflöten oder Orgelpfeifen, abgestimmt auf musikalische Intervalle); Gummibänder oder Halterungen zum Aufhängen; kleine Klöppel/Mallets.
Beschreibung: An einer Unterkonstruktion hängen Metallröhren frei. Mit einem Klöppel können die Bewohner die freien Enden anschlagen und schöne klare Töne erzeugen. Die kalte glatte Metalloberfläche lädt zusätzlich zum Berühren ein. Die Kombination aus Anschlagen und Lauschen schult die Hand-Auge-Koordination und das Hörgedächtnis. Durch Physik des Klanges („jede Länge – ein Ton“) lernen Senioren intuitiv Ursache und Wirkung kennen.
Praxisbeispiel: Unter einem Pavillon baumelten fein gestimmte Aluminiumröhren in Regenrohr-Optik. Eine Bewohnerin schlug mit einem Holzstab eine Röhre an und kommentierte den klingenden Ton: „Das klingt wie ein Glockenspiel“. Ihr Enkelkinder staunten, wie die Omi die einzelnen Noten auf dem Metall äußerte. Die Aktion brachte Generationen zusammen und regte zum Nachspielen an.
Wasserrassel (Regenmacher)
Materialliste: Ein großer Regenmacher – ein hohes, geschlossenes Rohr (z.B. mit Kerne/Cornflakes gefüllt) oder ein hohler Bambusstock mit Reis/Kies gefüllt; Haken zum Anlehnen.
Beschreibung: Ein Regenmacher erzeugt beim Drehen oder Schütteln ein beruhigendes Plätschern. Bewohner können den Regenschlauch drehen oder leicht schütteln und das gleichmäßige Rauschen spüren und hören. Dieses beruhigende Geräusch erinnert an sanften Regen oder Wasserfall. Der Vorgang involviert Augen, Ohren und sogar Körper (leichte Drehbewegung), was es zu einer multisensorischen Aktivierung macht.
Praxisbeispiel: Auf einer sonnigen Terrasse stellte man einen großen Regenmacher senkrecht auf. Eine Seniorin drehte ihn langsam. Sie schloss die Augen und genoss das Rauschen („Das hört sich an wie sanfter Regen!“). Dies wirkte sehr entspannend, speziell nach einem stressigen Tag.
Saitenbrett/Pluckboard
Materialliste: Festes Brett mit mehreren resonanten Saiten (z.B. kräftige Nylon- oder Gitarrensaiten in verschiedenen Spannungen) gespannt; oberhalb Metallstücke oder hölzerne Schalen als Resonatoren, kleine Plektren.
Beschreibung: Bewohner zupfen an den Saiten, ähnlich einer kleinen Zither. Jeder Klangkörper erzeugt einen satt klingenden Ton. Beim Spielen erleben sie Vibration in den Fingern (Tastsinn) und hören den Ton. Musik oder einfache Melodien können entstehen, am besten begleitet von Liedern aus der Biografie (Volkslieder). Das Zupfen ist ein feines Motoriktraining. Weil Musik die Sinne verbindet, wird dabei oft auch die Körperhaltung rhythmisch bewegt.
Praxisbeispiel: In einem Gruppenraum wurde ein Zupfbrett aufgestellt. Die Pflegekraft gab einfache Anleitung („Drück fest, so klingts am schönsten“) und spielte eine Melodie vor. Die Senioren üben Lieder wie „Grün, grün, grün sind alle meine Kleider“. Jeder Ton, den sie anschlug, brachte spürbare Vibrationen mit sich, die die Finger massierten.
Perkussionskorb
Materialliste: Verschiedene kleine Handinstrumente in einem Korb (Rasseln, Bongos, kleine Trommeln, Triangel, Schellenkranz), Hocker oder Tisch in Schlaghöhe.
Beschreibung: In einem gemütlichen Bereich können Senioren zusammen musizieren. Jeder nimmt ein Instrument aus dem Korb: Eine Person hält Rasseln, die andere klopft auf eine Trommel. Hierbei sind Grob- und Feinmotorik gefragt und alle Sinne angesprochen – vor allem Hören und Tasten. Eine Begleitperson kann einfache Rhythmen vorgeben (Geräuschfächer wie Stadt, Wald, Meer imitieren). Da Musikfast immer mit Bewegung verknüpft ist, kann sogar ein rhythmisches Mitwippen oder klatschen gefördert werden.
Praxisbeispiel: In einem Gemeinschaftsraum platzierte man einen Korb mit Klanghölzern, Schellen und Shakern. Bei der Morgenrunde griff jeder Teilnehmer nach einem Instrument und spielte unter Anleitung einfache Rhythmen zu altbekannten Schlagern. Die klangvolle Geräuschkulisse aktivierte nicht nur den Hörsinn, sondern durch die Rhythmen oft auch die Beine (im Rhythmus wippen).
Fenster-Klangmalerei
Materialliste: Ungiftige Fensterfarbe (wasserlösliche Kreidestifte), draußen befestigte Metallplatten (Unterlage) oder große Plexiglasscheiben, Klöppel.
Beschreibung: Senioren malen mit bunten Kreidestiften Muster auf Fenster oder Plexiglas. Danach können die entstandenen Farbmuster durch Abklopfen der Metallplatte schwingen – die Linien dienen als Notenlinien. Jeder Farbe kann ein Ton zugeordnet werden. So wird Zeichnen in ein akustisches Spiel verwandelt: Die Bewohner sehen die Farbspuren ihrer Emotionen und hören das Ergebnis beim Klopfen. Dies verknüpft kreatives Sehen mit Bewegung und Tonerzeugung.
Praxisbeispiel: Auf einer großen Plexiglasscheibe in einem Wintergarten malte ein Bewohner einen simplen Sonnenuntergang mit Kreide. Eine Pflegekraft befestigte eine Metallplatte darunter. Beim vorsichtigen Beklopfen spürte er, wie die Linien vibrierten und ein dunklerer, dumpfer Ton ertönte. Er versuchte, die Kreise wie Ton-Linien zu setzen, und freute sich über das hörbare Feedback auf seine Malerei.
Geräusch-Strandkorb
Materialliste: Ein bequemer Strandkorb oder Liegestuhl, kleine Lautsprecher oder mechanisches Kasperlettheater (z. B. Kurbelorgel, wenn akzeptabel), Sammlung von Muscheln, Musikinstrumenten für die Hand (z. B. kleine Rasseln, Windrad-Spielzeug).
Beschreibung: In einem bequemen Korb können Bewohner entspannen. Sie halten Muscheln und schlagen leicht darauf, drehen ein kleines Walzeninstrument oder spielen mit Rasseln. Diese Kombi aus Gemütlichkeit und Klang regt alle Sinne an: Sie fühlen die Muscheln, hören das Klopfen und den Wind, sehen vielleicht den Wechsel aus Innen- und Außenwelt. Solche ruhigen Klangaktivitäten laden zum Abschweifen ein und fördern gemeinsam Entspannung.
Praxisbeispiel: Auf einer Terrasse richtete man einen alten Strandkorb her. Darin lagten Muscheln, eine Mini-Handorgel und Rasseln bereit. Senioren setzten sich hinein und probierten die Instrumente aus. Der Klang des plätschernden Wassers (Fernaufzeichnung) wurde dabei eingeschaltet. Die Gäste genossen das sanfte Geräusch des Meeres, kombiniert mit den eigenen Klängen – eine kleine akustische Reise im Freien.
Stimmgabel- und Resonanz-Platte
Materialliste: Mehrere Stimmgabeln mit Halterung (verschiedene Frequenzen), eine große Resonanzplatte (z. B. ein Metall- oder Holzbrett) zum Auflegen. Weicher Hammer zum Anschlagen.
Beschreibung: Bewohner schlagen eine Stimmgabel an und setzen sie an die Platte oder
ihren Körper. Dadurch erfahren sie tiefe Vibrationen (das körperliche Spüren des Tons) und hören gleichzeitig den Klang. So wird das Gehör mit taktilem Feedback verknüpft – eine intensive Sinneserfahrung, die oft als wohltuend wahrgenommen wird. Die Technik ist einfach: Nach dem Anschlagen fühlen sie, wie der Ton „durch den Arm wandert“. Diese Verbindung von Hören und Fühlen kann bei Demenz stark beruhigend wirken.
Praxisbeispiel: In einer Schallschutzzone kamen Bewohner einzeln vor einen Tisch. Der Betreuer schlug eine Stimmgabel an und legte sie an den Unterarm des Bewohners. Beide spürten das sanfte Vibrieren und hörten den Ton. Oft schlossen die Senioren die Augen, lauschten und fühlten. Die Experten sprechen hier von Körperresonanz: Dieser Ton trainiert die Wahrnehmung auf ungewöhnliche Weise.
Regenmacher-Wand (Regenröhre)
Materialliste: Große waagerechte Röhre (Transparent oder Bambus) mit innenliegenden Körnern (Reis, Perlen), an einer Wand befestigt; Endkappen. Drehgestell oder Aufhängung zum Wenden.
Beschreibung: Diese an der Wand fixierte Regenröhre kann gedreht werden. Beim Wenden rieseln die Körner langsam hindurch und erzeugen das Geräusch von Regenguss. Bewohner drehen die Röhre, beobachten den langsamen Klangfall und hören das beruhigende Rauschen. Das wiederkehrende Bewegungsspiel kombiniert Auge und Ohr – und durch die sanfte, periodische Geräuschkulisse entsteht ein leicht meditativer Effekt.
Praxisbeispiel: Im Flurbereich wurde eine Regenröhre auf Stirnhöhe montiert. Mitarbeiter luden zwei Bewohner ein, gemeinsam die Röhre zu drehen. Sie beobachteten, wie das Wassergeräusch aus Holz und Reis entstand. Die Aktion wurde zu einem festen Ritual nach dem Mittagessen, weil der Klang jeder Nacht die Anspannung des Tages wegspülen sollte.
Natürliche Materialien und Haptische Elemente
Holz-Barfuß- & Handpfad (Erlebniskreis)
Materialliste: Verschiedene Baumaterialien: starke Holzbalken (flach liegend), lose Holzstücke, Baumrinden- und Holzscheiben, spitze Kiesel, Sandflächen, Wasserbecken; rutschfeste Abdichtung; Sitz- oder Greif-Stangen zur Sicherheit.
Beschreibung: Auf einem abgesicherten Platz wird ein Rundpfad angelegt (Barfußpfad für Hände und Füße). Bewohner können barfuß gehen oder mit den Händen entlang fahren: Ein Teil des Kreises führt über Sand, ein anderer über glatte Steine, ein weiterer über wassergefüllte Becken. Diese natürliche Materialkombination aktiviert Füße und Hände zugleich: Sie spüren Sandkörnchen, kaltes Wasser, rauhe Rinde und glatte Kiesel. Durch die vielfältigen Oberflächen erhält man intensive taktile Rückmeldung. Ein sicherer Halt (Parallelstange) sorgt für Barrierefreiheit.
Praxisbeispiel: Im Garten eines Pflegeheims wurde in Bodennähe ein geschützter Kreis angelegt. Bewohner stecken ihre Hände ins Sandbecken oder greifen nach Holzscheiben. Ein Bewohnerpaar amüsierte sich, dass ihre Füße glitzerten, nachdem sie nasses Sandpapier berührt hatten. Diese haptische Route fördert Gleichgewicht und regt alle Sinne an: Sie fühlen die Erde und nehmen das leise Plätschern wahr.
Stein-Spiegel und Fühlsteine
Materialliste: Große, flache Spiegel aus Edelstahl oder gehärtetes Glas (quadratisch, bruchsicher), am Boden montiert; darum herum verschiedene Steine (große Flusskiesel, Schieferplatten, Mosaik-Fliesen).
Beschreibung: Rings um einen zentralen Spiegel liegen Steine mit unterschiedlichen Texturen (glatt, rau). Bewohner können auf Steine treten oder sie mit den Händen ertasten und gleichzeitig in den Spiegel blicken. Die Reflexion verdoppelt den visuellen Reiz. Dieses Erlebnis schult Sehen (geometrische Formen im Spiegel) und Tasten (Steine unter den Händen/ Füßen). Auch leichte Bodenvibrationen durch Schritte sind fühlbar. Wiederholtes Benutzen verbindet physikalisches Gefühl („so hart ist Stein“) mit optischer Täuschung.
Praxisbeispiel: Ein Edelstahlspiegel wurde bodentief eingelassen und eingerahmt von Kieseln. Bewohner setzten sich auf eine Bank und legten die Hände auf die Steine, während sie ihr Spiegelbild betrachteten. Jemand zog dabei feuchte Finger durchs Moos. Durch dieses Zusammenspiel von Tasten und Sehen erzählten viele von Spaziergängen im Gebirge – das Feedback von Material inspirierte Erinnerungen.
Erde-Kräuter-Sandspiel
Materialliste: Große Kiste oder Rahmen (wasserdicht), gefüllt zur Hälfte mit Erde (befeuchtet), darüber eine Schicht feiner Sand; Kinderbaumaschinen (Schaufeln, Eimer, Harke); Duftöl (optional, zum Träufeln auf Erde).
Beschreibung: In dieser Sand- und Erdemischung können Bewohner graben, einen Pfad formen oder kleine Verstecke legen. Dabei spüren sie die kühle, feuchte Erde und den warmen Sand. Diese Aufgabe fordert Motorik (Graben, Harken) und spricht Fühlen (krümelige Erde, glatter Sand) an. Zugleich werden Geruchssinn (erdiger Duft) und Augen (Gestalt des formbaren Materials) mit einbezogen – eine echte multisensorische Aktivierung. Ein Zusatz: Einige Tropfen Lavendelöl in die Erde geben, um auch den Geruchsreiz zu intensivieren.
Praxisbeispiel: In einem Beet vor dem Wintergarten wurde eine Sand- und Erdkiste platziert. Bewohnern mit Greifschwäche halfen Pflegekräfte, die Schaufeln zu halten. Sie formten mit den Händen einen kleinen „Weg“ im Sand. Der feine Sand zwischen den Fingern gab beruhigende Sinneseindrücke, während die Erde den Duft des Waldbodens imitierte.
Spiralförmiger Duftgarten (Vertikale Pflanzenwand)
Materialliste: Mehrere Pfanzenteile in einem Gestell: empfindliche Kräuter (Lavendel, Minze, Zitronenmelisse) und essbare Blüten; entwässerungsfähiges Material; Dünger und Erde. Vertikales Rankgitter oder Pflanzsäule.
Beschreibung: Hier wachsen Pflanzen direkt an der Wand in Spiralform übereinander. Bewohner können in aufrechtem Stand die Blätter fühlen und riechen. Durch Anordnung in Spirale (nach unten in Gewindeform) wird die Fortbewegung neben der Wand zu einem kleinen Erlebnis (Folgen des Wuchs). Dieses Element verbindet sehen (Farben), riechen (Pflanzendüfte) und fühlen (Blätter, Kräuter). Besonders ältere Menschen mit Sehproblemen profitieren von kontrastreichem Grün gegen die Wand.
Praxisbeispiel: Eine Holzsäule mit Pflanzfächern wurde auf einer sonnigen Terrasse befestigt. Seniorinnen beugten sich vor und strichen über Lavendelzweige. Sofort nahmen sie den Duft wahr. Eine pflegebedürftige Bewohnerin erklärte stolz, dass sie „endlich wieder Lavendel riechen“ könne. Dieses vertikale Beet war als kleiner Duftgarten gedacht, der sogar mobil per Rollstuhl zugänglich war.
Tastbare Erlebnisplatte (Fühl-Tableau)
Materialliste: Große Platte oder Brett (ca. A2-Größe) mit aufgeklebten Materialien: Sandpapier, Bubblematte, weicher Stoff (Fell), Kork, Metallgitter, Pappe. Rahmen zur Wandmontage.
Beschreibung: Die Platte wird an einem Geländer oder einer Hauswand befestigt, sodass man sie leicht streifen kann. Unterschiedliche Materialien erzeugen vielfältige Empfindungen unter den Fingern. Bewohner können mit geschlossenen Augen versuchen zu erraten, was sie fühlen: Dies fördert Konzentration, Tastsinn und Gedächtnis (Vergleich mit bekannten Texturen). Oft lösen Gegenstände Gespräche über Berufe oder Hobbys aus (Bürsten aus der Körperpflege, Holz aus Schreinerei).
Praxisbeispiel: Im Leseraum befestigte ein Mitarbeiter ein Brett mit verschiedenen Stoffquadraten. Bewohner ertasten diesen „Schuhkarton voller Geheimnisse“. Sie berichten: „Das fühlt sich an wie die Wolfspelzdecke, die wir hatten“. Das erratene Material rief alte Geschichten hervor – ein schönes Beispiel, wie Fühlen und Erinnern zusammenwirken.
Wasser-Erde-Integration (Matsche-Tisch)
Materialliste: Großer wasserdichter Tisch auf Beinen (Rollstuhl-kompatibel), befüllbar mit etwas Wasser (5–10 cm) und Erde (damit die Konsistenz matschig ist); Wasserschläuche, Paddel, Hygiene-Tücher.
Beschreibung: Bewohner können freihändig den Boden des Tisches umgraben: Wasser und Erde vermischen sich zu Schlamm. Beim Umrühren spüren sie unterschiedliche Temperaturen, nasse Hände und das Gefühl von Erde unter Fingernägeln – eine intensive haptische Erfahrung. Das Mischen und Formen spricht Gleichgewichts- und Kraftgefühl an und weckt Erinnerungen an Gartenarbeit. Gleichzeitig fördert es grobmotorische Bewegung (rühren, schütten). Diese Übung sollte immer unter hygienischer Anleitung erfolgen (Schürzen etc.).
Praxisbeispiel: In einem Gartenhausbereich stand ein „Matschbecken“. Bewohner mit Demenz griffen – geschützt in Schürzen – nach kleinen Schaufeln, gruben in der Erde und tauchten Hände ins Wasser. Sie lachten über den klebrigen Schlamm, formten daraus Mini-Törtchen und gaben sich gegenseitig Löffel. Die simple Kombination von Wasser- und Erderfahrungen sorgte für intensive Sinnesstimulation und körperliches Vergnügen.
Geruchswerkstatt mit Blumentöpfen
Materialliste: Blumentöpfe (zum Öffnen) gefüllt mit Gewürzen/Kräutern oder ätherischen Ölen (Vanille, Zimt, Lavendel, Zitrusschalen, Kaffee), Abdeckungen zum Hochheben, Wattepads. Beschriftung mit Duftnamen (optional).
Beschreibung: Bewohner heben den Deckel eines Topfes, riechen am Inhalt und nennen es (oder raten). Dabei sprechen Geruch und oft gleichzeitig Vorstellungskraft an (Aroma von Zimt weckt Weihnachts-, Küche-Erinnerungen). Die interaktive Aktion (Öffnen, Riechen) verbindet Bewegung (Handarbeit) mit olfaktorischer Stimulation. Laut [23] bleiben Geruchseindrücke lange im Gedächtnis und wecken Emotionen. Hier wird also gezielt der Geruchssinn aktiviert.
Praxisbeispiel: Auf dem Tisch standen bemalte Tontöpfe – einer enthielt Zimtstangen, ein anderer Lavendel. Bewohner hoben die Deckel und stellten fest: „Das riecht nach Omas Weihnachtskuchen!“ Ein anderer erkannte Vanilleduft. Die Pflegekraft dokumentierte, wie verschiedene Düfte positive Stimmung erzeugten.
Tast-Grafiti-Wand
Materialliste: Große vertikale Schiefertafel oder magnetische Tafel, darauf befestigbare Objekte (magnetisch befestigte Stoffstücke, Moosplatten, Baumborke, Filz, Noppenschaum), Kreide zum Malen.
Beschreibung: Bewohner können an der Tafel mit der Hand herumforschen und verschiedene Elemente umordnen oder berühren. Beispielsweise klemmen sie Moosstücke oder Berührungsplatten wie Puzzleteile hin und her. Diese kreative Aktion verbindet Kunst mit Tastsinn: Die Teilnehmer malen zusätzlich mit Kreide auf der Tafel. So erleben sie Material und Farbe gemeinsam.
Praxisbeispiel: Eine bemalte Wand mit aufgeklebter Borke und Flauschstücken zog die Blicke an. Ein Bewohner stellte Borkenstück über Borkenstück nebeneinander und drückte den Filz. Die Pflegerin sprach dabei über das Aussehen und Gefühl: „Diese dicke Rinde sieht aus wie ein Weihnachtsbaum“. Beim Anschließend Malen mit Kreide verweilte die Hand länger auf dem Filz – das ertastete Material inspirierte die Zeichnung.
Bewegter Steinkreis
Materialliste: Runde Sitzgelegenheit oder niedrige Bank, umgeben von verschiedenen Steinflächen (Sandstein, Granit, Marmor, Baumrinden-Stückelung), Bodenplatten mit unterschiedlicher Wärme (z. B. dunkler Stein vs. helle Steinfliese).
Beschreibung: Eine Sitzgruppe ist von einem Steinteppich umgeben, auf dem Bewohner mit nackten Füßen stehen können. Unterschiedliche Wärmeeindrücke und Härten kitzeln die Fußsohlen. Gleichzeitig können sie Steine aus nächster Nähe betrachten und Tasten (Schmalflächen). Dieser ruhige Wechsel zwischen Sitzen und Fühlen stärkt das Körperbewusstsein und das Temperatur- und Druckempfinden.
Praxisbeispiel: Ein runder Steinring unter Sitzbänken bildete einen kleinen Gartenkreis. Bewohner schoben Ihre Füße immer wieder in die kühleren oder wärmeren Abschnitte. Oft schlossen sie die Augen, als die Schultern eine Pause vom Kreislauf bekamen. Manche plädierten dafür, das Nacken-Kräuseln (Fußmassage) in den Alltag einzubauen.
Gerüche-Rätsel-Spiel
Materialliste: Geschlossene Duftdosen (opaque kleine Gefäße) mit alltagsvertraulichen Inhalten (Kaffee, Seife, Kräuter, Früchte, Weihnachtsgewürz) und passenden Karten mit Bildern der Inhalte.
Beschreibung: Bewohnern werden nacheinander Duftdosen gereicht – Nase dranhalten, schnuppern und raten, was in der Dose ist. Danach decken sie auf und vergleichen mit den Bildkarten. Dieses Spiel spricht den Geruchssinn und das Gedächtnis an. Es ist weniger eine „Wand“, aber die Dosen können an einer vertikalen Tafel oder Tafelmagnet gelehnt gezeigt werden. So wird Riechen zum Spiel. Dabei wird Motorik (Dose hochhalten) und Sprechen (Geräte benennen) gefördert.
Praxisbeispiel: Zum Sonntagsbrunch wurden Duftdosen auf einem Tablett vorgestellt. Die Bewohner errieten Mandarine, Pfefferminze, Kaffee. Ein Bewohner erzählte, dass der Kaffeeduft ihn an den Beruf seines Vaters erinnerte. Diese schnuppernden Aha-Erlebnisse waren freudig und gaben Gesprächsstoff.
Multisensorische Kombinationen
Blumenduft-Windsack
Materialliste: Großer bunter Stoffsack (Outdoor-Bannerstoff), gefüllt mit Trockensand, an dem mehrere kleine Duftbeutel (Lavendel, Rosenknospen, Zitrus) außen angenäht sind. Befestigung an Pfosten so, dass er leicht vom Wind bewegt wird.
Beschreibung: Der Sack bewegt sich im Wind; die Duftbeutel geben sanfte Aromen ab. Bewohner streicheln den Sack und riechen an den kleinen Kräutertütchen. So werden Bewegung (Wind, Antippen), Tastsinn (Stoff/ Sand) und Geruch gleichzeitig angesprochen. Dies kombiniert die Aktivierung mehrerer Sinne auf spielerische Weise: Durch das Berühren und Schaukeln erklingt kein Ton, aber der Wind bringt den Duft zum Tragen.
Praxisbeispiel: Ein im Kreis aufgehängter Stoffbeutel schwang an sonnigen Tagen sanft mit. Auf dem Hof spielten Kinder der Einrichtung mit, indem sie daran zogen. Senioren im Rollstuhl konnten sie ebenfalls betasten. Jeder Zug über die Lavendelapplikation löste ein Lächeln aus, denn der Duft war deutlich. Diese Aktion verband Wind und Duft – ein rundum fassbares Erlebnis.
Musik im Duftgarten
Materialliste: Eine kleine Outdoor-Musikanlage (wasserfestes Radio oder Box), platziert neben duftenden Pflanzen (z.B. Zitronenbaum, Lavendel). Eventuell eine Fernbedienung oder Bewegungsmelder zum Ein/Aus.
Beschreibung: Wenn Bewohner an der Duftinsel entlanggehen, wird leise klassische Musik oder Naturklänge eingespielt (etwa Vogelgezwitscher). Sie erleben so Geruch und Ton gleichzeitig. Das Zusammenspiel verstärkt Entspannung: Der Duft spricht das limbische System an, die Musik das Gehör. Diese Kombination kann gezielt zur Ruhe anregen oder belebend wirken, je nach Auswahl (z.B. Vogelgezwitscher und Bachplätschern für Ruhe, leichte Klassik für Aktivierung).
Praxisbeispiel: Auf einer Ecke des Sinnesgartens wurden duftende Jasmin- und Lavendelsträucher gepflanzt. Ein verborgenes Radio spielte Vogelrufe. Eine Bewohnerin setzte sich und roch den Jasmin, während sie dem Vogelgesang lauschte. „Wie in Südfrankreich“, sagte sie. Diese simultane Aktivierung entführte sie kurz aus dem Alltag.
Tast- und Klangbüschel
Materialliste: An einer Pergola hängend mehrere Bündel aus natürlichen Materialien – Tannenzweige, Gräser, Bänder, Klanghölzer – mit Glockenspiel-Effekten. Alle Materialien sind an einem Ring aufgehängt.
Beschreibung: Bewohner fassen das Bündel, schütteln oder drehen es, um mehrere Reize zu erleben: Die Glocken klingen (Hören), das Moos oder die Bänder rascheln (Tasten) und das bunte Bündel spricht das Sehen an. Jede Bewegung erzeugt eine kleine Symphonie natürlicher Klänge. Durch das Schütteln (aktive Bewegung) werden Wasserfontänen aus getrockneten Gräsern verstärkt, was Augen und Haut (leicht spritzend) stimuliert. Diese Station vereint natürliche Geräusche, haptische Reize und Bewegung.
Praxisbeispiel: Ein Senior wählte im Garten ein Bündel aus Moos, Bändern und einer Holzglocke, schüttelte es rhythmisch. Dabei hörte er ein sanftes „kling-klong“. Er fuhr mit den Fingern über die unterschiedlichen Materialien – ein einzigartiger Alltags-Klangmix entstand.
Duft-Klang-Medaillons
Materialliste: Mehrere kleine Keramik-Medaillons oder Holzplättchen, auf denen ätherische Öle aufgeträufelt sind; an Schnüren aufgehängt mit kleiner Glocke oder ratterndem Holz. Schnüre in verschiedenen Höhen.
Beschreibung: Bewohner reißen vorsichtig an einem Band: Das Medaillon rotiert (Geruchsstoffe entfalten sich stärker) und löst gleichzeitig einen Klang (eine klingende Holzscheibe oder Metallglocke). Dieses Mini-Gerät kombiniert Duft und Klang – durch das Ziehen aktiv angestoßen, um den Duft wahrzunehmen. Es bindet somit Bewegung, Riechen und Hören in einem. Der Effekt: Jede Betätigung führt zu einem kurzen multisensorischen Erlebnis.
Praxisbeispiel: Über einer Tür leuchteten kleine Farbplättchen mit Rosenduft. Bewohner zogen eine Schnur – im selben Moment erklang ein sanftes Glöckchen und sie rochen den Rosenduft. Sie erzählten, wie sie sich fühlten („Wie ein Rosenkranz“) und steckten die Hände nach.
Farb-Formen-Tast-Puzzle
Materialliste: Magnetische Formen (gepolsterte Matten oder weiche Plättchen) in verschiedenen Farben und Oberflächen (z.B. Samt, Glanz, Struktur), an einer magnetischen Tafel. Flächen aus verschiedenen Materialien (Filz, Plastik, Holz) als Untergrund.
Beschreibung: Bewohner setzen die weichen Formen auf die Tafel. Dabei ertasten sie jeden Gegenstand, sehen die leuchtenden Farben und fühlen die Oberfläche. Ein Muster legen oder freie Komposition ergibt ein taktiles Puzzle. Diese Aktion spricht mehrere Sinne an: Sehsinn (Farbunterschiede, Formen), Tastsinn (Material, Kantenglätte) und das Kombinationsdenken (welches Stück passt wohin). Multisensorisch entsteht so ein Bild, das sowohl anfassbar ist als auch visuell wirkt.
Praxisbeispiel: Auf einem Metallkasten legten zwei Senioren große Filzquadrate und -dreiecke zusammen. Sie fühlten die unterschiedlichen Stoffe und lachten, als sie ein Filzdreieck auf einen glatten Untergrund setzten („Das kippelt!“). Die farbigen Formen luden sie zu einem bunten Muster ein. Durch die Kombination von Fühlen, Sehen und kreativer Bewegung engagierte sich die gesamte Gruppe.
Tanzende Lichter und Spiegelkugeln
Materialliste: Outdoor-feste Spiegelkugeln oder Diskokugeln an einer Pergola hängend, kleine solarbetriebene LED-Lichter (wechselnde Farben), Windmotor oder einfacher Drehmechanismus.
Beschreibung: Die Bewohner sehen bunte Lichtreflexe an Wänden und Boden tanzen, wenn die Kugeln sich drehen. Dieses Setting kombiniert Licht (Sehsinn), Bewegung (Wind dreht Kugel) und Gemeinschaft (alle können folgen). Sie können selbst durch Winken oder Gehen die Lichter beeinflussen. Zusätzlich wird eine ruhige, beschwingte Musik eingespielt (Sprach- und Gehörsinn), wenn genug Bewegung erkannt wird. So entsteht ein ganzheitliches Erlebnis: Die Bewohner bewegen sich zum Rhythmus, sehen bunte Lichtpunkte und hören Musik – ein echtes Sinne–Mix-Erlebnis.
Praxisbeispiel: In der Abenddämmerung schaltete das Pflegepersonal LEDs ein, die an schwenkenden Spiegelscheiben bunte Lichtpunkte warfen. Seniorinnen wie Seniorinnen begannen, leicht im Takt zu wippen. Die Kombination aus warmen Farben und leiser Musik (live aus einer alten Jukebox) ließ die Gesichter leuchten. Dieses Ambiente aktivierte Augen, Ohren und Füße gleichermaßen.
Geräusche-Literatur-Ecke
Materialliste: Bilderbücher oder Fühlbilder (großformatig) mit natürlichen Motiven (Tierbilder, Landschaften) an einer Leine zum Anfassen; zusätzlich angeschlossene Geräusch-Konsole (Tasten mit Lautsprechern), die typische Geräusche abspielt (Vogel, Wind, Wasser, Tierlaute).
Beschreibung: Diese Station lädt zum Lesen und Hören ein. Bewohner blättern in den Büchern und beim Zeigen einer Abbildung etwa eines Hundes drücken sie die Klangtaste. So hören sie ein Bellen. Die Kombination aus Bild (Sehen), Berühren (Fühlen, Umblättern) und Klang spricht mehrere Sinne an. Es entsteht eine kleine Geschichte, die sie gemeinsam erleben. Dies fördert die Kognition (Erkennen von Bild und Ton) und regt zur Kommunikation an.
Praxisbeispiel: Ein Betreuer zeigte auf eine Bildseite mit Kuh und Drückknopf „Muuu“. Das Umdrehen der Seite führt zu Pferdebild mit Schrittgeräusch. Die Bewohner stimmten ein Tiergeräusche-Ratespiel an: Einiger sagten laut „Pferd!“, andere atmeten ein. Solche kombinierten Audio-Visuellen Reize verbinden Gedächtnis und Sinne spielerisch.
Licht-, Klang- und Duft-Rätselrunde
Materialliste: Kleiner Mobilbauwagen (Transportwagen) mit integriertem Lichtwürfel (Farblicht), kleinen Musikwürfeln (verschiedene Melodien auf Knopfdruck) und Duftspender (Teesieb mit getrockneten Kräutern).
Beschreibung: In dieser Spaziergruppe begleitet ein großer Würfel (rollbar) die Bewohner. Jeder Würfel kann eine Farbe leuchten lassen, ein Liedchen spielen oder Duft abgeben. Die Bewohner steuern abwechselnd: Sie drücken Tasten, die den Sehsinn (Farbspiel), Hörsinn (Musik) und Geruchssinn (Duft) ansprechen. Anschließend sprechen sie gemeinsam über ihre Eindrücke („Das Gelb fühlt sich warm an“; „Die Pfefferminze riecht frisch wie im Wald“). Eine solche Aktivität kombiniert alle Sinne in einem Objekt.
Praxisbeispiel: Beim wöchentlichen Gartenrundgang stellten Betreuerinnen einen Würfel vor. Die erste Bewohnerin drückte rot: Sofort klang ein Vogelgezwitscher, aus einer kleinen Öffnung roch es nach Lavendel. Eine zweite drückte blau: leises Wellenrauschen und Zitronenduft tauchten auf. Dies brachte alle zum Lachen: Es wirkte wie eine „Zauberbox“ für die Sinne.