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Wohlfühlzimmer gestalten

In der Seniorenbetreuung gewinnt die Gestaltung „Wohlfühlzimmer“ zunehmend an Bedeutung. Bereits heute werden in Deutschland Veränderungen der Altersstruktur absehbar: „2030 wird mehr als jeder Zehnte 75 Jahre oder älter sein“.
Damit wächst der Bedarf an altersgerechten Wohnräumen, die nicht nur funktional, sondern auch psychisch wohltuend gestaltet sind. Ein ansprechendes, komfortables Zimmer kann dazu beitragen, dass sich betreute Menschen wie zu Hause fühlen und physische sowie psychische Bedürfnisse erfüllt werden. Insbesondere in der Demenzbetreuung betont das milieutherapeutische Konzept, dass das räumliche Umfeld zum „prothetischen und kompensatorischen Milieu“ werden muss, in dem das subjektive Wohlbefinden des Menschen mit Demenz oberstes Ziel ist.
Damit bildet das Wohlfühlzimmer einen wesentlichen Teil der individuellen Betreuung, indem es Sicherheit, Geborgenheit und Anknüpfungspunkte an das eigene Leben bietet. (Hinweis: Das Lexikon - Inhaltsverzeichnis (Opens in a new window))

Zielsetzung des Wohlfühlzimmers

Das Wohlfühlzimmer verfolgt in der Seniorenbetreuung mehrere Ziele: Es soll die Lebensqualität erhöhen, Erinnerungsarbeit und Biografieorientierung unterstützen sowie Entspannung und soziale Teilhabe ermöglichen. Im Idealfall fungiert es als persönlicher Rückzugsraum, in dem sich Bewohner*innen je nach Bedarf entspannen, kommunizieren oder aktivieren lassen können. Bei Menschen mit Demenz wird mit solchen Angeboten häufig die Kommunikation und das Wohlbefinden gefördert: Zum Beispiel beschreibt das Snoezelen-Konzept, dass durch gezielte Sinnesreize Entspannung erleichtert und „die Kommunikation zwischen den Menschen mit Demenz und den Betreuenden gefördert“ wird. Aggressive Verhaltensweisen lassen nach, und Isolation wird entgegengewirkt, so dass letztlich das allgemeine Wohlbefinden steigt.

Darüber hinaus dienen Wohlfühlzimmer der biografieorientierten Aktivierung. Langzeitgedächtnisinhalte von Menschen mit Demenz sind oft länger zugänglich, und gezielte Angebote (z. B. Erinnerungsfotos oder vertraute Gegenstände) können Sicherheit vermitteln und Motivation wecken. Aktivierende Beschäftigung ist im Betreuungskontext daher zentral: Kurze, regelmäßige Angebote (wie die „10-Minuten-Aktivierung“) nutzen genau diese Prinzipien, um trotz Zeitknappheit Erinnerungen anzuregen. So wird das Wohlfühlzimmer zu einem Ort, der nicht nur für Ruhe sorgt, sondern aktivierend im Alltag eingesetzt werden kann.

Die Hauptziele eines Wohlfühlzimmers lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

  • Wohlbefinden fördern: Schaffung einer Atmosphäre, die Sicherheit, Geborgenheit und Positivität vermittelt.

  • Aktivierung und Sinnesstimulation: Einsatz von Sinnes- und Aktivierungselementen zur Förderung kognitiver und emotionaler Ressourcen.

  • Biografiearbeit ermöglichen: Einbindung persönlicher Erinnerungsstücke und Lebensgeschichte, um Identität zu stärken.

  • Selbstbestimmung und Normalität: Raum zur freien Verfügung, in dem gewohnte Tätigkeiten (z. B. Anziehen, Freizeitgestaltung) ausgeführt werden können, um Alltagsstruktur zu unterstützen.

Vorteile und mögliche Nachteile

Vorteile: Ein gut gestaltetes Wohlfühlzimmer bringt vielfältige positive Effekte für Senioren mit sich. Zahlreiche Studien und Praxisberichte belegen, dass aktive Beschäftigung und eine angepasste Umgebung Einsamkeit und Demenzsymptome mindern können. Ohne angemessene Beschäftigung droht sonst oft sozialer Rückzug und kognitive Verlangsamung, was zu Depressionen oder sogar Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einer Verschlechterung der Demenzerkrankung führen kann. Regelmäßige Aktivierungen im Wohlfühlzimmer unterstützen dagegen die geistige und körperliche Fitness, geben Tagesstruktur und vermitteln das Gefühl von Zugehörigkeit und Selbstwirksamkeit.

Ein Wohlfühlzimmer kann zudem die Zufriedenheit und das Verhalten von Bewohnern positiv beeinflussen. Studien aus der Demenzforschung zeigen, dass eine wohlwollende Umgebung herausforderndes Verhalten mildern kann. Bewohner fühlen sich eher angenommen und zeigen weniger Ängste oder Aggressionen. Auch Angehörige und Pflegende profitieren: Ein ansprechendes Umfeld verringert die emotionale Belastung des Pflegepersonals, weil sich Bewohner entspannen und Konflikte seltener auftreten. Insgesamt trägt ein individuell gestaltetes Wohlfühlzimmer zu einer stabileren Stimmung und höherem Engagement bei, was die Arbeit im Pflegealltag erleichtert.

Mögliche Nachteile: Die Einrichtung und Nutzung eines Wohlfühlzimmers bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. Ein Nachteil können Kosten und Ressourcenaufwand sein: Möbel, Dekoration, technische Hilfsmittel und Materialien für Aktivitäten müssen beschafft und gepflegt werden. Auch Personalschulungen für die sinnvolle Nutzung (z. B. im Snoezelen) erfordern Zeit. In kleineren Einrichtungen oder bei begrenztem Budget ist ein eigener „Wohlfühlraum“ möglicherweise nicht realisierbar.

Zudem besteht die Gefahr der Überstimulation, besonders bei Menschen mit Demenz. Zu viele oder stark kontrastreiche Reize (z. B. grelle Farben, flackerndes Licht) können Verwirrung auslösen. Deshalb muss das Wohlfühlzimmer immer differenziert eingesetzt werden, wobei Ruhephasen integriert und die Gestaltung harmonisch bleiben sollte. Schließlich können Erinnerungsgegenstände auch negative Gefühle wecken – etwa Traurigkeit über Verlust –, wenn sie nicht behutsam ausgewählt werden. Auch ist zu bedenken, dass ein Wohlfühlzimmer kein Ersatz für zwischenmenschliche Kontakte ist, sondern idealerweise als ergänzender Baustein zum individuellen Betreuungs- und Therapieplan dient.

Planung, Gestaltung und Ausstattung

Die sorgfältige Planung und Ausstattung eines Wohlfühlzimmers erfordern interdisziplinäre Zusammenarbeit (Pflegefachkräfte, Ergotherapeuten, Architekten). Zentrale Gestaltungsaspekte sind:

Möblierung und Raumnutzung: Raumaufteilung und Mobiliar sollen funktional sowie einladend sein. Genügend Bewegungsfläche ist wichtig, um sich frei mit Rollstuhl oder Rollator zu bewegen. Ergonomische, barrierefreie Möbel unterstützen Mobilität und Selbstständigkeit. Bequeme Sitzmöglichkeiten (sessel- oder Sesselgruppen) und ein gut erreichbares Pflegebett mit Sicht ins Freie fördern Entspannung. Offene Regale für persönlichen Besitz und Erinnerungsstücke tragen zur Atmosphäre bei. Achten Sie darauf, dass Möbel keine scharfen Kanten haben und stabil sind, um Sturzrisiken zu minimieren.

Farb- und Materialgestaltung: Farben beeinflussen Stimmung und Wahrnehmung. Für eine beruhigende Atmosphäre eignen sich warme Erdtöne oder Pastellfarben sowie natürliche Materialien wie Holz. Holzfußboden oder -tische vermitteln Wärme und Geborgenheit. Akzentuierungen in lebhafteren Farben können stimulierend wirken – z. B. Rottöne, die bei Menschen mit Demenz oft noch gut im Gedächtnis gespeichert sind. Die Farbgestaltung sollte aber stets auf die Bewohnergruppe abgestimmt sein. Unruhige Muster oder zu grelle Kontraste sollten vermieden werden, da sie Orientierungsstörungen auslösen können. Sanitärbereich und Bodenbeläge müssen rutschfest sein, um Sicherheit zu gewährleisten.

Beleuchtung: Natürliches Licht hat positiven Einfluss auf den Tag-Nacht-Rhythmus und das Wohlbefinden. Große Fenster mit lichtdurchlässigen Vorhängen lassen Tageslicht hinein. Zusätzlich empfehlen sich mehrere Lichtquellen: Helle Deckenbeleuchtung für Aktivitäten und dimmbare Lampen oder indirekte Leuchten für Ruhephasen. Leselampen am Sitzplatz ermöglichen das Lesen ohne Schattenwurf. Angenehm warmweißes Licht am Abend fördert die Melatoninbildung und bereitet auf die Nachtruhe vor, während tagsüber eine helle, etwas kühlere Lichtnote aktiviert. Bewegungsmelder an den Wegen erhöhen die Sicherheit bei Nacht.

Persönliche Gestaltung: Ein entscheidendes Merkmal des Wohlfühlzimmers ist die Möglichkeit zur Individualisierung. Bewohner sollten ihre eigenen Möbel (z. B. Lieblingssessel, Teppich) und Dekoration mitbringen dürfen. Alte Familienfotos, Postkarten oder handgemachte Bilder schaffen Vertrautheit. Gerade bei Demenzkranken erleichtern die vertrauten visuellen Reize das Erinnern: Das Betrachten von Fotos, die mit positiven Gefühlen verbunden sind, vermittelt Sicherheit. Ggf. können Wände oder Schränke mit aussagekräftigen Symbolen (Küche-Schild, Symbol für Toilette) versehen werden, um die Orientierung zu unterstützen. Zimmerpflanzen oder Blumen bringen Leben in den Raum und können von mobilitätseingeschränkten Personen bei Bedarf gepflegt werden.

Sensorische Elemente: Sinnesanregungen fördern Entspannung und Aktivität. Ein beruhigender Hintergrundsound (z. B. leise Naturgeräusche oder vertraute Musik) kann beruhigend wirken. Diffuser für angenehme Düfte (Lavendel, Zitrone) oder Duftlampen tragen zum Wohlgefühl bei. In einem speziell eingerichteten „Snoezelen“-Bereich können etwa Lichtersäulen, Projektoren und weiche Liegen zum Einsatz kommen. Solche Elemente sollten individuell, also passend zu den Bedürfnissen der Bewohner ausgewählt werden – immer mit der Vorgabe, Reizüberflutung zu vermeiden. Materialien für taktile Stimulation (Samt, Filz, Gummi) und Hilfsmittel wie Igelbälle, Tastspiele oder Kirschkernkissen bieten haptische Erlebnisse.

Sicherheit und Barrierefreiheit: Zentrale technische Ausstattung sind Rufsysteme und Notrufknöpfe in Reichweite. Der Boden muss eben und frei von Stolperfallen sein; Türschwellen sollten flach sein. Handläufe am Bett, an Wänden und in der Dusche unterstützen den sicheren Transfer. Alle Schalter, Steckdosen und Bedienelemente (z. B. Fenster, Vorhänge, Jalousien) müssen leicht erreichbar sein. Die Temperaturregulierung (Heizung, Klimaanlage) sollte individuell anpassbar sein, um ein angenehmes Raumklima zu gewährleisten. Elektronische Hilfen wie elektronische Schließsysteme oder automatische Lichtschalter können selbstständiges Handeln unterstützen und Stürzen vorbeugen.

Spezielle Bedürfnisse: Bei Bewohnern mit eingeschränkter Mobilität sollte besonders auf Bewegungsfreiheit und Hilfsmittel (bequemer Zugang zum Bett, Duschhocker) geachtet werden. Bei Palliativpatienten im Wohlfühlzimmer stehen Ruhe und Schmerzfreiheit im Vordergrund: Sanftes Bett, weiche Decken, Kissen, evtl. ein Fernseher oder sanfte Musik sorgen für Ablenkung. Schmerz- und Atemtherapiegeräte sollten dezent integrierbar sein. Bei Demenz gilt es, visuelle und akustische Reize überschaubar zu halten; gleichzeitig helfen farbliche Markierungen (z. B. kontrastreiches Bettlaken, gut sichtbare Toilettenschilder) bei der Orientierung. Abschließend sollte das Wohlfühlzimmer flexibel bleiben: Die Raumgestaltung kann und soll sich mit den sich ändernden Bedürfnissen der Bewohner anpassen.

Umsetzung in verschiedenen Settings

Stationäre Pflegeeinrichtungen: In einem Pflegeheim kann ein Wohlfühlzimmer als eigener Raum oder als gut gestaltetes Bewohnerzimmer realisiert werden. Viele Heime richten multidisziplinäre Bereich ein, z. B. einen Snoezelenraum oder einen kleinen Salon mit Couch, Bücherecke und Kaffeeecke. In einem solchen Raum können Kleingruppenveranstaltungen stattfinden (Aktivierungsrunden, Musiknachmittage), ohne den Privatbereich der einzelnen Bewohner zu stören. Auch das eigene Zimmer kann wohnlich umgestaltet werden: Pflegeheime sollten Bewohnern erlauben, persönliche Möbel und Dekoration mitzubringen. In Wohngruppenkonzepten wird oft eine eigene „Wohnküche“ oder „Gemeinschaftsküche“ geschaffen, die wie ein wohnliches Wohnzimmer gestaltet ist. Hier werden gemeinsame Aktivitäten (Kochen, Backen, Gesprächsrunden) angeboten. Therapeutische Angebote, wie Aromatherapie oder tiergestützte Interventionen, lassen sich gut in einem solchen Wohlfühlraum umsetzen. Wichtig ist, dass alle Pflegekräfte über die Funktion des Raumes informiert sind und seine Nutzung aktiv fördern (z. B. regelmäßige Planungsmeetings, Dienstpläne für Aktivitäten).

Tagespflege und Tageszentren: In teilstationären Einrichtungen wie Tagespflegen kann ein gezielter Ruhe- und Aktivitätsbereich eingerichtet werden. Oft handelt es sich um einen großen, offen gestalteten Raum mit verschiedenen Zonen: eine gemütliche Sitzecke mit Teppichen und Kissen, eine Kreativecke mit Bastelmaterialien und eine Leseecke. Auch mobile Elemente (rollbare Spielewagen, Aktivierungskisten) sind hier praktisch. Für Menschen mit Demenz empfiehlt sich ein fester Wochenplan mit tagesstrukturierenden Ritualen – etwa ein morgendliches Begrüßungslied im „Snoezel-Atmosphäre“ und Nachmittags Kaffee mit selbstgebackenem Kuchen. Die Dekoration kann jahreszeitlich angepasst werden (Herbstblätter, Weihnachtssterne) und einfache, verständliche Piktogramme (Tagesplan, Toilettensymbole) aufstellen. Der Vorteil der Tagespflege liegt in der sozialen Interaktion: Hier bringt das Wohlfühlzimmer Bewohner zusammen, stärkt Gemeinschaftsgefühl und verhindert Isolation durch Einsamkeit.

Ambulante Betreuung (zu Hause): Zuhause lässt sich oft nur ein Teil der Wohnung gestalten. Oft wird das Wohnzimmer oder Schlafzimmer zum Wohlfühlort, ergänzt durch vertraute Gegenstände. Pflegedienste können Angehörige anleiten, das Umfeld aktiv zu gestalten: Bewegungsfreie Flächen schaffen, Lieblingsdeko anbringen, Familienfotos aufhängen. Auch im häuslichen Umfeld können kleine Aktivierungsecken eingerichtet werden: Eine Schale mit getrockneten Kräutern zum Riechen, ein Fühlbuch oder ein Fotoalbum. Mobile Hilfsmittel, wie leicht zu öffnende Musikwiedergabegeräte oder Tablets mit Videoanrufen, fördern die Kommunikation. Pflegende Angehörige können tägliche Rituale integrieren (gemeinsames Zeitunglesen, Spaziergang im Garten, Rezept-Nachkochen mit dem Betreuer) und diese im vertrauten Zuhause durchführen. Bei ambulanter Palliativpflege steht vor allem Schmerzfreiheit und Ruhe im Raum im Vordergrund: Ein bequemer Sessel oder Fernseher im Schlafzimmer, weiche Bettwäsche und ggf. ein Aromadiffusor können Linderung verschaffen.

Betreutes Wohnen: Senioren-Wohnanlagen bieten oft eigene kleine Apartments und zusätzlich Gemeinschaftsräume. Hier kann jeder Bewohner sein eigenes Zimmer/Vollwohnung individuell einrichten. Zusätzlich können gemeinschaftlich genutzte „Wohlfühlbereiche“ geschaffen werden – z. B. ein begrünter Innenhof, ein ansprechend möblierter Gemeinschaftsraum oder ein Sinnesgarten. Die Einrichtung kann bei Bedarf externe Therapeuten (Ergotherapeuten) hinzuziehen, um für einzelne Bewohner individuelle Aktivierungs- oder Entspannungsangebote zu entwickeln. In Wohngemeinschaften für Demenzkranke (ambulanter Betreuungsgruppe) legt man Wert auf wohnliche Küche und Gemeinschaftsraum, in dem auch das Besprechen der Tagesplanung stattfindet. In jedem Fall liegt ein Schwerpunkt auf der Unterstützung der Bewohner, damit sie ihr Zimmer selbst gestalten können – zum Beispiel durch Anschaffung von seniorengerechten Möbeln oder durch Anpassung der Wohnung (Handläufe, Notrufknopf).

Praxis-Aktivierungen für das Wohlfühlzimmer

Im Folgenden werden konkrete Aktivierungen vorgestellt, die sich im Wohlfühlzimmer einsetzen lassen. Jede Aktivierung enthält eine Materialliste, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung sowie ein Beispiel zur Umsetzung. Die Auswahl der Materialien und die Anleitung sind auf Seniorinnen und Senioren (auch mit Demenz oder Mobilitätseinschränkungen) zugeschnitten. Die Angebote können individuell angepasst werden.

Duftreise (Aromatherapie)

Material: Ätherische Öle oder getrocknete Kräuter (z. B. Lavendel, Zitrone, Pfefferminze), kleine Duftlampe oder Stoffbeutel.

Anleitung: Die Pflegekraft gibt der Bewohnerin bzw. dem Bewohner ein wohlriechendes Öl oder einen Kräuterduft in die Hand oder befüllt gemeinsam einen kleinen Stoffbeutel. Nun wird das Glas geöffnet: Beide riechen gemeinsam am Duft. Die Pflegekraft spricht über den Geruch (z. B. „Das ist Lavendel – er riecht beruhigend und blumig“). Sie kann anregen, an einen Ort zu denken, der mit diesem Geruch verbunden ist (z. B. an den eigenen Garten, an einen bekannten Wintertee). Anschließend verschließt man das Gefäß wieder und der Bewohner atmet einige Male tief ein und aus, um den Duft bewusst wahrzunehmen.

Beispiel: Eine Person im Rollstuhl mit Demenz sitzt entspannt am Tisch. Die Pflegekraft legt einen Lavendelduft vor der Nase der Person ab. Nach dem Riechen erinnert sich die Seniorin an ihre Kräuterschatzkiste daheim und erzählt vielleicht, dass sie als Mädchen im Garten Lavendel gepflanzt hat. Diese Erinnerung kann abgesichert werden, indem der Duft wieder hochgehalten und der Moment reflektiert wird. So fördert die Duftreise Ruhe und gute Gefühle.

Finger- und Handmassage

Material: Feucht-warme Kompressen oder ein kleiner warmes Wasserbad, Handcreme oder Massageöl, weiches Handtuch, Igelball (optional).

Anleitung: Die Pflegekraft nimmt die Hände der Seniorin oder des Seniors behutsam in die eigenen und massiert sanft Finger, Handrücken und Handinnenfläche. Zuvor kann ein warmes Tuch die Hände lockern, oder die Bewohnerin taucht die Hände kurz in ein Schälchen mit warmem Wasser. Die Massage geschieht in ruhigen Kreisbewegungen und wird ggf. mit Worten begleitet („Jetzt massieren wir den Daumen“). Anschließend kann ein weicher Baumwollstrumpf oder warme Einmalhandschuhe angezogen werden, um die Wärme zu halten. Wer mobil ist, kann Igelbälle in der Hand rollen, andere drücken eine Handmassagekugel. Diese Übung aktiviert die Durchblutung und vermittelt Entspannung.

Beispiel: Bei einer bettlägerigen Palliativpatientin in der eigenen „Wohlfühlliege“ massiert die Pflegende langsam ihre Hände. Währenddessen spricht sie leise beruhigende Worte. Die Patientin entspannt dabei sichtlich und fühlt sich geborgen, was Schmerzen und Unruhe mindern kann.

Großes Memory-Spiel

Material: Großformatige Bildkarten mit Paaren (Alltagsgegenstände, Obst, Tiere oder Fotos aus dem Leben der Bewohner). Eventuell beklebt man Kartons oder Plastikkarten mit passenden Bildern.

Anleitung: Die Karten werden verdeckt auf dem Tisch ausgelegt. Die Spielerin dreht eine Karte um und benennt das Motiv („Apfel“), dann versucht sie, das passende Gegenstück zu finden. Gibt es einen Partner, darf sie beide behalten, andernfalls werden sie wieder umgedreht. Die Gruppe oder Einzelperson wird bei jedem Zug angeleitet („Wo war die andere Banane?“). Auf diese Weise übt sie sich im Erinnern und Sprechen. Für Menschen mit Demenz kann man anfangs gleichfarbige Rückseiten oder wenige Paare wählen.

Beispiel: Eine kleine Gruppe Bewohner im Tagesheim spielt gemeinsam Memory. Der Pflegedienst setzt die Karten um und liest laut vor, was gezeigt wird. Herr M., der sonst oft ruhig ist, freut sich sichtbar, als er eine Katze mit seiner Kindheitserinnerung an ein eigenes Tier verbinden kann. Die Aktivität stärkt Sozialkontakte und kognitives Training.

Puzzlespaß mit großen Teilen

Material: Großer Puzzleteppich oder –unterlage, Puzzle mit groben Teilen (15–30 Teile, z. B. Landschaftsbilder oder bunte Motive).

Anleitung: Die Puzzle-Teile werden gut durchmischt auf dem Tisch verteilt. Die Seniorin sucht ein Randteil heraus oder ein besonders auffälliges Stück. Die Pflegekraft gibt ggf. Hinweise („Die blaue Ecke kommt in die obere rechte Ecke“). Nach und nach legen Teilnehmer die passenden Teilstücke zusammen und sehen das Bild entstehen. Dies fördert räumliches Vorstellungsvermögen und Feinmotorik. Bei stärker eingeschränkter Feinmotorik kann man stattdessen einfache Steckpuzzles aus Holz verwenden.

Beispiel: Ein demenzkranker Bewohner mit eingeschränkter Feinmotorik sortiert bunte Puzzleteile nach Farben. Seine Ergotherapeutin hilft beim Ankleben der letzten Stücke. Als das Bild (z. B. ein vertrauter Kirchturm) sich vervollständigt, lächelt er freudig und kann sich an die Kirche seiner Kindheit erinnern, was Sicherheit gibt.

Collage mit großen Fotos

Material: Leere Pappkartonbögen oder Fotokarton, Fotodrucke von bekannten Motiven (Blumen, Tiere, Erinnerungsbilder aus früheren Jahrzehnten), Farbstifte oder bunte Schnipsel, Bastelkleber.

Anleitung: Gemeinsam wählt man Fotos oder Bildausschnitte aus. Diese können altbekannte Objekte zeigen (z. B. einen Dampfer, ein Pferd, ein klassisches Auto). Die Bilder werden grob zurechtgeschnitten und auf dem Karton aufgeklebt. Wer mag, fügt kleine Dekorationen hinzu (bunte Papierstreifen, getrocknete Blätter). Die fertige Collage kann anschließend an die Wand gehängt werden. Die Pflegende regt dabei zu Gesprächen an: „Erinnern Sie sich an Bootsfahrten auf dem Rhein?“ Diese Aktivität fördert Kreativität und Erinnerungsarbeit.

Beispiel: Die Bewohnerin A. mit leichter Demenz sitzt am Tisch und klebt an ihrer Collage „Erste Liebe“ (Fotos alter Stoffmuster). Während sie sorgfältig arbeitet, erzählt sie von ihrem Hochzeitskleid. Die Pflegerin notiert Schlagworte, die später für Biografiearbeit genutzt werden können. Am Ende können beide gemeinsam die Bilder betrachten.

Musikalische Früherziehung (Instrumente ausprobieren)

Material: Einfache Rhythmusinstrumente (Trommel, Rasseln, Schellenring, Klanghölzer, Regenmacher).

Anleitung: Die Pflegekraft stellt verschiedene Instrumente vor. Gemeinsam probiert man aus, wie Trommeln, Rasseln oder glockenklare Schellen klingen. Man schlägt einfache Rhythmen, z. B. „Langsam, schnell, langsam“. Alternativ können bekannte Kinderlieder gespielt und gemeinsam gesungen werden, wobei die Seniorin das Tempo oder den Rhythmus mit dem Instrument mitgestaltet. Dies regt die Sinne an und weckt Kindheitserinnerungen. Instrumente mit starken Klängen (z. B. Trommeln) sollten in Maßen eingesetzt werden, um nicht zu überfordern.

Beispiel: Bei einem Musiknachmittag im Seniorenheim bekommt Frau L. eine Rassel in die Hand. Die Gruppenleiterin spielt ein bekanntes Volkslied auf der Gitarre und animiert alle, mit den Instrumenten mitzurocken. Frau L., die kaum noch spricht, macht mit und lächelt. Ihre Enkelin berichtet später, dass ihre Großmutter als Kind ein Tamburin besaß – ein Moment des Erinnerns.

Gefühlskarussell (Emotionsraten)

Material: Karten oder Ausdrucke mit Gesichtern, die verschiedene Gefühle zeigen (fröhlich, traurig, überrascht, wütend).

Anleitung: Die Karten werden einzeln aufgedeckt. Die Bewohnerin benennt das gezeigte Gesicht („Das ist ein lachendes Kind, also fröhlich“). Wer Hilfe braucht, kann Anhaltspunkte bekommen („Es lächelt und sieht glücklich aus“). Anschließend wird über eine eigene Situation gesprochen: „Was hat Sie heute fröhlich gemacht?“ So werden Emotionen sprachlich ausgedrückt und verarbeitet. Diese Aktivität eignet sich gut zur sozialen und emotionalen Aktivierung.

Beispiel: Ein Bewohner mit beginnender Demenz schaut auf eine Karte mit einem lächelnden Mund. Er tippt auf „glücklich“. Die Pflegende fragt: „Woran machen wir das fest?“ Er überlegt: „Die Augen lächeln mit.“ Dann lächelt er selbst breit, als er an seine Enkelkinder denkt.

Textur- und Fühlbox

Material: Verschließbare Kiste, verschiedene Textilien und Materialien (Fell, Seide, Samt, Watte, Küchenutensilien mit unterschiedlicher Oberfläche).

Anleitung: Die Bewohnerin steckt ohne zu sehen die Hand in die Kiste und tastet ein Material. Anschließend wird erfragt bzw. geraten, um welchen Stoff oder Gegenstand es sich handelt. Sinn ist es, den Tastsinn anzuregen. Für stärker sehbehinderte oder blinde Menschen kann die Blinde Kuh-Variante gespielt werden: Augenbinde anlegen, ertasten und benennen.

Beispiel: Herr S., seit Kurzem blind, hält ein Stück weiches Fleece in der Hand. Er drückt und streicht darüber. Nachdem er „Fell“ gesagt hat, streicht die Pflegekraft seine Hände mit einem weichen Tuch aus. Das taktile Erlebnis beruhigt ihn und gibt ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit.

Lese- und Vorlesezeit

Material: Großdruckbücher oder Bilderbücher, gegebenenfalls Kopfhörer und Audiosystem.

Anleitung: Gedichtbände, kurze Geschichten oder auch Fotoalben werden den Senioren vorgelesen. Beim Zuhören können sie sich bequem hinsetzen oder liegen. Nach jedem Absatz fragt die Pflegekraft, was verstanden oder gefühlt wurde, und spricht eventuell Zitate nach. Wer noch lesen kann, wird zum Vorlesen ermuntert. Als Alternative zu gedruckten Büchern können Hörbücher abgespielt werden (z. B. beruhigende Naturklänge oder alte Schlagertexte zum Mitsingen).

Beispiel: In der Nachtpflege wird Frau M. beim Einschlafen leise aus ihrer Lieblingsnovelle vorgelesen. Die vertraute Stimme der Pflegenden und die ruhige Erzählweise bringen sie zur Ruhe. Bei einer anderen Aktivität hören mehrere Senioren gemeinsam einer Erzählung über Kindheitserlebnisse zu und teilen spontan eigene Erinnerungen.

Gedächtnistraining mit Quizfragen

Material: Karten mit einfachen Quizfragen oder Reimrätsel (z. B. „Was fährt auf Schienen und macht Kuckuck?“, Antwort: „Zug“).

Anleitung: Die Gruppe oder Einzelperson erhält Fragekarten, die auf das Lebensalter zugeschnitten sind. Die Pflegekraft liest die Frage vor, und die Senioren dürfen antworten. Bei richtiger Antwort folgt eine kleine Belohnung (Lob, Applaus oder ein Stück Schokolade). Themen können Biografie (z. B. „Wie hieß Ihr Schulfreund?“), Kultur (Volkslieder, Heimatorte) oder Alltagswissen (Wochentage, Verkehrsmittel) sein. So bleibt das Langzeitgedächtnis aktiv.

Beispiel: Herr B. bekommt die Karte „Welches Tier macht Miau?“ Er lächelt und ruft „Katze!“. Die Gruppe klatscht. Die Frage „Wer ist der Bundeskanzler?“ lässt er aus, doch „Was wächst auf Bäumen und ist grün? – Blätter!“ errät er mit Hilfe.

Fingerspiel – „Das ist gelb und rund…“

Material: Kein zusätzliches Material nötig oder frisches Obst (Apfel, Zitrone, Birne).

Anleitung: Die Pflegekraft führt einfache Reimrätsel auf Fingerspieleniveau vor („Das ist gelb und rund, fällt im Herbst auf den Boden – ein Apfel!“) und die Senioren dürfen Antworten geben. Wer mobil ist, kann dazu einen Bogen mit Äpfeln falten oder ein imaginäres Apfelfoto an die Wand halten. Die Pflegekraft ermuntert zum Buchstabieren („A-P-F-E-L“) oder Zählen. Dieses Aktivierungsspiel wirkt stimulierend bei leichter Demenz.

Beispiel: Im Sitzen wird gemeinsam gerätselt: „Was ist rot und süß – er wächst im Garten, ein Essen grüner Blätter schützt? – Erdbeere!“ Eine Dame errät schnell, da sie früher im Sommer gern Erdbeeren pflückte. Anschließend darf sie einen echten Erdbeer zum Probieren waschen (mit hilfe).

Musik hören und Mitsummen

Material: CD-Player oder Streaming, Musik ausgewählt nach Vorlieben (Schlager, Volkslieder, Operette). Kopfhörer oder Box.

Anleitung: Ein bekanntes Lied aus der Jugend der Seniorengruppe wird abgespielt. Die Pflegekraft singt oder summt leise mit, um den Rhythmus vorzugeben. Senioren können mitsingen oder einfach zuhören und nicken. Wer mobil ist, kann dazu leise händeklatschen oder im Takt wippen. Nach dem Lied folgt Austausch: „Hat das Lied Erinnerungen geweckt?“. Musik stärkt das Gemeinschaftsgefühl und appelliert oft ans Langzeitgedächtnis.

Beispiel: Ein kleines Kaffeekränzchen spielt alte Schlager wie „Lili Marleen“. Frau K. singt leise die bekannten Zeilen mit, beginnt zu lächeln und erzählt später, dass dieses Lied sie oft an ihren Mann im Krieg erinnert hat. Die Traurigkeit verfliegt, als wir gemeinsam eine kleine Tanzrunde im Sitz machen.

Singkreis mit Handlung

Material: Texte großer Kinder- oder Volkslieder mit eingebauten Bewegungen (z. B. „Der Kuckuck und der Esel“, „Alle Vögel sind schon da“). Evtl. Musikinstrument (Gitarre, Keyboard).

Anleitung: Die Gruppe sitzt im Kreis. Die Pflegekraft erklärt kurz die kleinen Bewegungen zum Lied (z. B. mit den Händen flatternde Vogelbewegungen). Dann wird gemeinsam gesungen: Jeder macht seine Vogelklänge und -bewegungen. So verbinden die Senioren Singen mit leichter Bewegung. Helfen kann, wenn Musik eingespielt wird. Singen und Bewegen zugleich fördert Koordination und Stimmung.

Beispiel: Beim Mitsingkreis summt Herr H. erst unsicher mit. Als er die Flügelbewegung sieht, stimmt er „Alle Vögel sind schon da“ laut mit ein. Seine Hüfte schwingt im Takt. Die Handbewegungen erinnern ihn an seine früheren Tage als Hobbytänzer.

Aussaat- und Pflanzprojekt

Material: Blumensamen (Fenchel, Kresse, Sonnenblume), Erde, kleine Blumentöpfe oder Aufzuchtschalen, Sprühflasche mit Wasser.

Anleitung: Die Bewohner säen gemeinsam Samen in kleine Töpfe oder Eierkartons mit Erde. Jeder bekommt einen Topf, säht ein paar Kresse- oder Sonnenblumenkerne. Dabei wird über die Pflanzensymbole gesprochen („Die Kresse wächst sehr schnell!“). Anschließend wird gemeinsam mit einer Sprühflasche Wasser über die Erde gegeben. Die Töpfe werden auf ein Fensterbrett gestellt. Täglich schauen die Senioren nach dem Wachstum. Diese Aktivität fördert Feinmotorik (Einarbeiten der Körner) und Verantwortungsgefühl.

Beispiel: Eine Dame mit leichter Mobilitätseinschränkung kann zwar nicht hinaus in den Garten, freut sich aber über ihr kleines Fensterbrett-Gärtchen. Mit Hilfe gießt sie ihre ausgesäte Kresse an. Eine Woche später erstaunt sie sich selbst und freut sich, dass die Keimlinge sprießen, was ihr das Gefühl gibt, gebraucht zu werden.

Erinnerungskiste öffnen

Material: Eine verschlossene Box mit Alltagsgegenständen (z. B. ein altes Fotoalbum, ein Taschentuch, alte Münzen, ein Küchenutensil von früher), Bilder von damals.

Anleitung: In der Gruppe oder allein wird die Kiste geöffnet. Jede Person darf einen Gegenstand herausnehmen und beschreiben („Das ist ein alter Fotoapparat“). Anschließend wird gefragt: „Woran erinnert Sie dieser Gegenstand?“. Die Pflegekraft leitet ein Gespräch über vergangene Zeiten. So werden Erinnerungen geweckt und persönliche Geschichten eingebracht. Dies kann biografieorientiertes Erzähltraining fördern.

Beispiel: Herr G. findet in der Kiste einen alten Holzlöffel. Er berichtet, dass seine Frau früher damit täglich gekocht hat und er stets die Suppe probieren durfte. Dieses Erlebnis gibt ihm ein warmes Gefühl und nährt den Wunsch, selbst wieder in der Küche mitzuhelfen.

Kleine Bewegungsübung: Stuhlgymnastik

Material: Stabile Stühle ohne Rollen, leichte Bälle oder Tücher.

Anleitung: Alle sitzen sicher auf Stühlen. Es werden einfache Bewegungsübungen durchgeführt, z. B. langsames Strecken der Arme zur Decke, Schultern kreisen, Drehung des Oberkörpers nach links/rechts (ohne den Stuhl zu verlassen). Dabei werden die Bewegungen vorgemacht und mit gezählten Wiederholungen ausgeführt („1–2–3“). Wer kann, wirft einen leichten Ball zur Bewegung von Füßen oder Händen hin und her. Die Pflegekraft ermutigt zur Teilnahme und passt die Bewegungen an Gehbehinderte an. Diese Gymnastik regt Kreislauf und Gelenke an.

Beispiel: Die Gruppe sitzt im Kreis. Beim Armheben lacht Frau N., da die Pflegende eine Clownsbewegung macht. Der Schlag des leichten Schaumstoffballs bringt alle zum Mitmachen, selbst wenn manche nur zuschauen. Herr T. bewegt sanft den Ball mit den Füßen, während er sitzt. Nach den Übungen fühlen sich alle etwas fitter.

„Brief aus der Vergangenheit“

Material: Ein Briefumschlag mit eingetipptem, personalisiertem Brief (z. B. imaginiert als Post von einem Jugendfreund oder dem Enkelkind), eventuell mit einem Foto.

Anleitung: Dem Bewohner wird der Umschlag übergeben. Er soll ihn selbstständig öffnen, falls möglich. Die Pflegekraft liest bei Bedarf gemeinsam den Inhalt vor: „Lieber Herr X, ich denke oft an Sie…“ Im Brief können Erinnerungen oder schöne Erlebnisse geschildert sein. Danach wird der Inhalt besprochen: Welche Gefühle weckt die Nachricht? Wer könnte geschrieben haben? Ein solches Rollenspiel fördert das Fühlen persönlicher Verbundenheit und löst oft tränenreiche (aber positive) Erinnerungen aus.

Beispiel: Eine demenzkranke Dame bekommt einen Brief „von ihrer Schwester aus Schweden“. Beim Vorlesen zeigt sie ein zufriedenes Lächeln. Sie antwortet mit Worten, indem sie davon erzählt, dass sie ihre Schwester vermisst. Die Pflegende notiert Schlüsselfragen, die in einem echten Briefwechsel verwendet werden können, um die emotionale Bindung zu unterstützen.

Zeitung aussortieren und besprechen

Material: Eine aktuelle Tageszeitung, Schere oder Klammern.

Anleitung: Gemeinsam wird eine Zeitung betrachtet. Die Senioren können Schlagzeilen und Bilder ansehen. Herausgepickt werden z. B. farbenfrohe Titelbilder (Blumen, Tiere), Rätselbilder („Finde den Unterschied“) oder vertraute Themen (Ortsnachrichten). Je nach Interesse können Beiträge vorgelesen oder einzelne Wörter gesucht werden. Eine Dame schneidet Fotos aus und klebt sie in ein Album. Alternativ werden alte (groß gedruckte) Zeitschriften mit Themen wie Handarbeiten oder Gartenarbeiten verwendet. Diese Aktivierung ist alltagsnah und fördert Lese- sowie feinmotorische Fähigkeiten.

Beispiel: Herr K. liest Zeitung mit Lupe. Beim Vorlesen einer Tiergeschichte lächelt er; er begann früher in der örtlichen Zeitung Artikel über Naturschutz zu schreiben. Die Pflegenden ergänzen zusätzliche Informationen (etwa an seinen Heimatort erinnernde Orte) und erleichtern so den Austausch.

Ohrenschmaus: Riechrätsel mit Gewürzdosen

Material: Kleine Döschen mit verschiedenen Gewürzen oder Kräutern (z. B. Zimt, Pfeffer, Kaffee). Namenskärtchen (verdeckt).

Anleitung: Die Seniorinnen riechen jeweils an einem Döschen und versuchen, den Gewürzduft zu benennen. Die Pflegekraft kann Auswahlhilfen geben: „Es wird in Kuchen verwendet“ (Zimt) oder „Es steht auf jedem Tisch, oft schwarz“ (Pfeffer). Danach öffnet sie das Döschen und zeigt das Gewürz. Anschließend kann über Lieblingsrezepte oder Backsitten gesprochen werden. Diese Aktivierung regt die Sinne an und führt zu Gesprächen über vertraute Themen.

Beispiel: Frau B. erkennt Pfefferminztee an seinem Duft und erzählt, dass sie früher jeden Samstag Nachmittag mit ihrer Tochter Teestunden hielt. Die nostalgische Stimmung führt zu vielen weiteren Geschichten über Familienrituale.

Bilderlotto

Material: Lottospiel mit großen Bildplättchen (z. B. Tiere, Obst oder Alltagsgegenstände), Spielkarten mit den gleichen Bildern (2 Spielkarten pro Spieler, Plättchen verdeckt in der Tischmitte).

Anleitung: Jeder Teilnehmer erhält zwei Karten. Ein Bildplättchen wird nacheinander aufgedeckt. Wer dieses Bild auf seiner Karte hat, darf es abdecken. Das Spiel geht solange, bis jemand beide Karten voll hat und „Lotto!“ ruft. Die Pflegekraft liest währenddessen die Bildnamen vor („Katze, Buch, Baum“) und regt mit Nachfragen an: „Wer hat eine Katze gesehen?“. Das einfache Regelwerk und bekannte Bilder machen das Spiel auch bei Demenz geeignet.

Beispiel: Zwei Bewohner spielen zusammen mit einer Betreuungskraft. Frau D. ruft erfreut „Lotto!“, als sie beide Bilder auf der Karte gefunden hat. Anschließend wird gemeinsam ein Plättchen (Apfel) als Lesezeichen aufgehoben. Die Gruppe gratuliert ihr, was das Gemeinschaftsgefühl stärkt.

Tanz im Sitzen

Material: Musikbox mit Walzer- oder langsamer Tanzmusik.

Anleitung: Zwei Personen nehmen sich (im Sitzen) an den Händen oder schwingen die Arme im Takt, während andere rhythmisch wippen. Die Pflegenden unterstützen, indem sie höfische Tanzgesten vormachen (z. B. „Wir drehen uns wie im Ballsaal“). Nach jeder Musikrunde wird kurz gesprochen („Wie hat Ihnen der Tanz gefallen?“). So erlebt man Bewegung und Eleganz ohne Aufstehen.

Beispiel: Ein Ehepaar im Rollstuhl hält sich lachend an den Händen, während die Pflegerin einen leisen Walzer spielt. Sie bewegen ihre Oberkörper sanft und schunkeln im Takt. Beide fühlen sich sichtlich wohler, die Frau hat Tränen in den Augen vor Freude.

Geschichtenwürfel (erfundenes Geschichtenerzählen)

Material: Symbolwürfel (Bilderwürfel mit verschiedenen Bildern auf den Seiten) oder ein Würfel mit Ziffern und einer Geschichte, die dazu existiert.

Anleitung: Ein Würfel wird geworfen. Die Gruppe oder Einzelperson erfindet spontan eine Geschichte zu dem aufgedeckten Bild (z. B. ein Schiff, ein Apfelbaum). Die Pflegekraft unterstützt: „Stellen Sie sich vor, warum das Schiff unterwegs ist.“ Die Geschichte darf einfach sein und kann mit jedem Wurf weitergehen (Abenteuer, Natur, Fabelwesen). Diese spielerische Aktivierung fördert Kreativität und Sprache und kann persönliche Anekdoten auslösen.

Beispiel: Der Würfel zeigt ein Haus mit Garten. Frau E. erinnert sich an ihr Elternhaus im Grünen und beginnt zu erzählen, wie sie dort als Kind Pommes mit ihrer Mutter zubereitete. Die Gruppe hört gebannt zu, der Würfelwurf diente als Einstieg in ihre biografische Erzählung.

Basteln mit Naturmaterialien

Material: Gesammelte Herbstblätter, Kastanien, Tannenzapfen, Eicheln, feste Kleber und Tonpapier.

Anleitung: Gemeinsam mit der Pflegekraft werden Naturmaterialien sortiert und miteinander kombiniert: Ein Eichelskelett wird auf das Tonpapier geklebt und erhält gemalte Augen, so entsteht ein kleines Tier. Die Bastelmaterialien werden behutsam angeschaut und erklärt. Der kreative Prozess kann bei eingeschränkter Feinmotorik vom Personal modifiziert werden (z. B. Kleben statt Nähen). Mit einfachen Schablonen werden Formen aus Tonpapier ausgeschnitten und verziert. Am Ende erhält jeder ein selbstgestaltetes Bild oder Deko-Element.

Beispiel: Herr Z., der früher viel im Garten arbeitete, klebt Blätter auf eine Karte und malt daran ein Haus. Dabei erzählt er von seinen Wildkräutern. Am Schluss überreicht er stolz sein Blattbild einer Mitbewohnerin.

Telefonspiel

Material: Zwei alte Telefone mit Wählscheiben oder Handmikrofonen/Sprecher (evtl. Spielzeugtelefone).

Anleitung: Zwei Bewohner sitzen gegenüber. Jeder bekommt eines der Telefone. Nun sollen sich die beiden Teilnehmer gegenseitig „anrufen“ und ein kurzes Gespräch führen – etwa „Wie geht es Ihnen heute?“ und der andere antwortet. Die Pflegekraft kann Beispielphrasen vorgeben. Anschließend kann gewechselt werden oder ein Hörbuch-Telefonat gespielt werden, bei dem einer Vorsingen/ Erzählen am Hörer und der andere zuhört. Dieses Rollenspiel aktiviert Sprachvermögen und Nachahmung.

Beispiel: Zwei Damen im Gemeinschaftsraum sitzen sich gegenüber mit Telefonhörern in der Hand. Frau H. „ruft“ Frau I. an: „Hallo, ich bin es, Maria!“ – Frau I. lacht und antwortet: „Ach, schön, dich zu hören!“ Die freundliche Unterhaltung lässt beide aufblühen.

Klanggeschichte: Regen machen

Material: Regenmacher (Trommel mit Perlen, Rassel) oder ein Glas mit Reis.

Anleitung: Die Pflegekraft liest oder erzählt eine Geschichte mit Wetterthema (z. B. „Der kleine Frosch im Teich“) vor. Immer wenn es um Regen geht, schütteln die Senioren mit ihren Regenmachern ein paar Sekunden mit, um das Geräusch zu imitieren. Danach legen alle die Instrumente ab. So wird Zuhören mit einfachem Rhythmusinstrument kombiniert, das gleichzeitig sensorisch anregt. Zum Abschluss können alle gemeinsam im Sitzen ein Gebet oder ein Danklied singen („Regen“ im Text).

Beispiel: Im Kreis sitzt Frau J., die heute etwas niedergeschlagen wirkt. Als die Gruppe eine „Regen-Geschichte“ liest und alle sanft mit den Regenmachern schütteln, entspannt sie sich sichtbar. Als es dann im Kreis ein „Regenlied“ gibt, summt sie leise mit. Die beruhigende Klangwirkung hebt ihre Stimmung.

Wort- oder Reime-Raten

Material: Eine Liste mit Reimen, deren Schlüsselwort fehlt (z. B. „Die Katze sitzt ... auf der Matte.“ Antwort: „Sitze“).

Anleitung: Die Pflegekraft liest jeweils den kurzen Satz vor, in dem das letzte Wort weggelassen wird. Die Gruppe oder Einzelperson muss das fehlende Wort oder Reim finden. Kommt die richtige Antwort, wird der volle Satz zusammen aufgesagt. Dieses Spiel trainiert Sprachverständnis und Gedächtnis. Ältere Erwachsene schätzen oft Wörter, bei denen Klang und Metrum bekannt sind. Die Aufgabe kann auch in einem Team mit Hinweisen und Silbenzählung gelöst werden.

Beispiel: „Ei, ei, ei, ein Vogel...Vogel allein, das ist nicht fein, drum setzt er sich…“ Frau L. sagt „ins Nest hinein“. Die Gruppe klatscht. Sie hat den Rhythmus und das bekannte Kinderlied erkannt.

Kreuzworträtsel mit Bildern

Material: Arbeitsblatt mit einfachem Kreuzworträtsel oder Gitterwort (Symbole statt Wörtern), Stifte oder Filzstifte.

Anleitung: Große, gut lesbare Kreuzworträtsel wird gemeinsam gelöst. Die Pflegende gibt Hinweise für die Begriffe (z. B. „Ein Tier, das muht“ für Kuh). Bei Demenzkranken kann man Bild-Kreuzworträtsel nutzen: Ein Kästchen im Gitter enthält ein Foto, das in einem Begriff ergänzt wird. Durch Abhaken oder Ausmalen kann man Fortschritt anzeigen. Die Aktivierung fördert Wortschatz und Logik.

Beispiel: Herr R., der früher Lehrer war, löst mit Begeisterung ein Tier-Kreuzworträtsel. Ein Bild zeigt eine Ente. Er weiß sofort „Ente – W-A-N-N-G“. Beim zweiten Wort „Sie spricht nicht, nur schreit“ überlegt er kurz und sagt „Schweigen“ (statt „Qualm“) – allerdings lobt die Pflegekraft die Freude am Mitmachen.

Gemeinsames Backen oder Kochen (kleine Aufgabe)

Material: Zutaten für ein einfaches Rezept (z. B. Waffeln, Obstsalat, belegte Brote), Küchengeräte (großer Löffel, Schneidebrett, Plastikteller).

Anleitung: Mit Anleitung der Betreuung wird zusammen in der Küche ein Rezept zubereitet. Die Senioren übernehmen passive oder aktive Teilaufgaben je nach Fähigkeit: Teig umrühren, Eier aufschlagen (mit Unterstützung), Kekse ausstechen oder Obst schälen. Sicherheitsmaßnahmen (Handschuhe, rutschfeste Fußmatten) sind wichtig. Während dem Kochen werden Schrittfolgen erklärt („Erst Mehl, dann Zucker“). Gemeinsam servieren und kosten fördert das Erfolgserlebnis und die Geschmackssinn.

Beispiel: In einem Pflegeheim backt eine Gruppe Waffeln. Der 85-jährige Herr P., der Parkinson hat, hält stabil am Löffel, während eine Pflegerin das Mischen lenkt. Der Duft erinnert an Ferien in Holland und löst Gespräche über Backtraditionen aus. Später erfreuen sich alle beim gemütlichen Café am Ergebnis.

Sinnestafeln ertasten

Material: Brett oder Karton mit unterschiedlichen strukturierten Materialien (Sandpapier, Folie, Stoff, Kork, Raufasertapete).

Anleitung: Eine Person mit geschlossenen Augen fährt langsam mit der Hand über die verschiedenen Oberflächen. Dann benennt sie jeweils das Erfühlte („rau“, „weich“). Die Pflegenden fragen: „Woran erinnert Sie dieses Gefühl?“ oder „Was könnte das sein?“ Dadurch wird der Tastsinn geschärft. Vor allem demenzkranke Menschen können so konzentriert bleibt. Jüngere Senioren finden die Aktivität interessant für Feinmotorik.

Beispiel: Frau M. mit beeinträchtigtem Tastsinn fühlt über ein Gittermuster. Sie sagt zuerst „Käfig“, beim nächsten Brett „Samt“ und lächelt: Sie erinnert sich an ihren Hund in seinem neuen Körbchen.

Fingerspiele mit Alltagshandlungen

Material: Verschiedene Textilien oder Spielzeugobjekte (kleine Kleidungsteile, Bürste, Handtuch)

Anleitung: Die Pflegende führt ein typisches Fingerspiel vor, etwa das „An- und Ausziehen“: Mit Fingern symbolisch Schuhe, Jacke oder Brille anlegen und abnehmen, während ein passender Reim gesprochen wird. Die Senioren können die Fingerbewegungen nachmachen oder mit den mitgebrachten Teilen (ein Schuh, kleiner Besen) üben. Anschließend wird besprochen, wann sie diese Handlungen früher selbst durchführten. So werden Motorik und Sprache verbunden.

Beispiel: Bei dem Reim „Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen…“ benutzt Frau S. ihre eigenen Hände. Die Erinnerung kommt: „Meine Kinder liebten im Herbst Pflaumen aus Omas Garten!“ Die Pflegende fragt nach, wo sie früher einkaufte.

Achtsamkeitsübung: Vogelstimmen lauschen

Material: Aufnahmegerät mit beruhigenden Naturgeräuschen (Vogelzwitschern, Windrauschen).

Anleitung: Im Dunkel eines abgedunkelten Zimmers oder im Garten setzt sich die Person gemütlich hin. Nun werden leise Vogelstimmen abgespielt. Die Seniorin soll ganz still sitzen und zuhören, Bilder vor Augen entstehen lassen. Anschließend wird besprochen, welche Vögel sie erkannt hat oder an welcher Landschaft sie denkt. Dieses sinnliche Erleben in Ruhe bewirkt Entspannung.

Beispiel: Herr G. mit fortgeschrittener Demenz hört die Vögel und beginnt automatisch mit dem Kopf zu nicken. Er sagt leise „Meise… Spatzen… hab am Fenster ein Futterhaus“. Die Betreuerin stellt eine echte Meisenknödel auf – seine Augen leuchten vor Wiedererkennen.

Stapelspiel (Motorikübung)

Material: Stapelbecher oder Plastikbecher in mehreren Größen.

Anleitung: Die Stapelbecher werden gestapelt oder ineinander geschachtelt. Zuerst zeigt die Pflegekraft, wie man sie richtig ordnet. Dann darf die Bewohnerin selbst versuchen. Die Tätigkeit fördert Feinmotorik und Auge-Hand-Koordination, ist aber nicht überfordernd. Zum Schluss wird abgebaut: Jeder Becher einzeln in die Hand nehmen, umdrehen und wegstellen.

Beispiel: Eine Bewohnerin mit leichten Bewegungseinschränkungen stapelt langsam die Becher nach Größe. Sie ist stolz, als sie den letzten kleinen Becher in den großen setzt. Die Pflegende fragt: „Erinnert Sie das an Ihr Spielzeug als Kind?“ Sie antwortet lächelnd, dass sie früher Spielwürfel für ihr Kind gestapelt hat.

Riechen und Schmecken: Teestunde

Material: Unterschiedliche Teesorten (z. B. Fenchel, Früchtetee, Kamille), Tassen, Zucker, Honig.

Anleitung: Bei einer gemeinsamen Teestunde riechen und probieren die Senioren verschiedene Teesorten. Zunächst wird jedem Tee Duftprobe angeboten. Danach werden kleine Schlucke abgekühlt auf der Zunge gehalten, um den Geschmack zu erkennen. Über ihre Vorlieben wird gesprochen („Welchen Tee haben Sie als Kind am liebsten getrunken?“). Das bewusste Schmecken regt die Sinne an und löst Erinnerungen aus.

Beispiel: Frau L. liebt den Geruch von Pfefferminztee. Sie berichtet, wie ihre Mutter ihr abends immer eine Tasse reichte, wenn sie Bauchweh hatte. Der Geschmack versetzt sie in frühere Zeiten zurück und beruhigt sie.

Quizrunde: Lieder raten

Material: Smartphone oder Tablet mit Lautsprecher, Vorspieler oder Vorsänger.

Anleitung: Die Pflegekraft summt oder spielt die ersten Takte eines bekannten Volks- oder Schlagers vor. Die Bewohner versuchen, den Titel zu erraten und mitzusingen. Wer möchte, kann mitsummen oder mit klatschen. Musik rufen meist wohlige Erinnerungen wach. Anschließend wird kurz über den Sänger oder das Genre gesprochen.

Beispiel: Es ertönen die ersten Takte von „Im weiße Röss'l am Wolfgangsee“. Herr F. ruft spontan „Sissi-Film!“ und die Gruppe lächelt. Mit viel Elan summen sie ein paar Zeilen mit.

Ball im Rollenspiel

Material: Einen weichen (Schaumstoff-)Ball oder aufblasbaren Volleyball.

Anleitung: Zwei oder mehr Personen sitzen in einem Kreis. Vorsichtig wird der Ball reihum geworfen oder weitergereicht. Jeder ruft dabei laut den Namen des Gegenübers. Für Demenzkranke können leicht verständliche Begriffe verwendet werden („wirf zu Anna“) oder mit bunten Klebepunkten markierte Bälle, die übergeben werden. Dieses Spiel fördert Auge-Hand-Koordination sowie soziale Interaktion und ist auch im Rollstuhl möglich.

Beispiel: Herr K. wirft den Ball mit Unterstützung zu seiner Nachbarin. Sie fängt ihn und lacht: Bei ihr wecken die Ballwürfe Erinnerungen an Gartenfeste mit Kindern. Alle erleben Spaß an der Bewegung und am gemeinsamen Spiel.

Tastdosenmemory

Material: Mehrere verschließbare Kunststoffdosen (z. B. Pralinenbehälter) mit Paaren identischer Inhalt (zwei Dosen mit Reis gefüllt, zwei mit Steinchen, etc.), Karteikarten.

Anleitung: Die Dosen werden mischte abgestellt. Die Seniorin öffnet nacheinander jeweils zwei Dosen und tastet blind hinein, um den Inhalt zu identifizieren („in dieser Dose sind Bohnen“). Findet sie einen identischen Inhalt (zwei gleiche Füllungen), darf sie die Dosen behalten. Ziel ist, Paare zu finden. Die Pflegekraft notiert die gefundenen Paare. Diese Aktivität trainiert Tastsinn, Merkfähigkeit und Konzentration.

Beispiel: Eine Dame mit Seheinschränkung ertastet Gemüsekerne aus einer Dose. Nach ihrem erfolgreichen Nennen von „Erdnüsse“ ertönt Applaus. Die Übung festigt ihr Selbstvertrauen, weil sie trotz Sehbehinderung eine Kleinigkeit gemeistert hat.

Nostalgie-Kinobesuch (Bildprojektor)

Material: Diaprojektor oder Tablet mit Bilder- bzw. Filmersatz (Urlaubsfotos, Frühere Ereignisse), Beamer und Leinwand (optional).

Anleitung: Eine ruhige Diashow wird vorbereitet, die Fotos aus früheren Zeiten zeigt (Familienfotos, alte Autos, historische Gebäude). Die Gruppe sitzt dunkel im „Heimkino“. Zu jedem Bild erzählt die Pflegekraft etwas oder stellt Fragen („Wo könnte das sein?“). Die Bewohner werden eingeladen, eigene Anekdoten einzubringen. Diese visuelle Reise regt gemeinsam an, Erinnerungen auszutauschen.

Beispiel: Gemeinsam sehen sich Bewohner in der Tagespflege Bilder einer alten Dorffestraede vergangener Jahre an. Frau Q. erkennt ihr altes Schulgebäude und berichtet spontan von ihrem ersten Tag in der Schule. Die haptische Projektion lässt ihre Erinnerung ganz lebendig werden.

Basteln mit Strickliesel oder Webrahmen

Material: Strickliesel, dicke Wolle oder ein einfacher kleiner Webrahmen mit festen Wolle.

Anleitung: Bewohner mit feinmotorischer Fähigkeit können mit der Strickliesel einfache Kordeln herstellen. Die Pflegekraft zeigt wie: Ein Wollfaden wird durch die Stricklisellöcher gezogen und mit dem Hakendorf gedreht. Am Ende entsteht eine Schlaufe. Diese Technik kann modifiziert werden (z.B. bunte Kordeln). Alternativ wird auf einem kleinen Rahmen Wolle gewebt („fädeln“ und „abziehen“). Diese repetitiven Tätigkeiten fördern Feinmotorik und Geduld.

Beispiel: Ein älterer Herr, der früher viel gestrickt hat, ist begeistert, als er wieder etwas stricken kann. Seine Finger bewegen sich flink, während die Pflegende ihn ermuntert. Am Ende verbindet man mehrere gestrickte Kordeln zu einem bunten Schlüsselband, das er stolz zeigt.

Gegenstände entdecken (Erinnerungskiste mobil)

Material: Eine geschlossene Tasche oder ein Behälter mit persönlichen Gegenständen eines Bewohners (z. B. Lieblingsbuch, Taschentuch, Erinnerungsfotos) und Gebrauchsgegenständen (Brille, Uhr).

Anleitung: Die Pflegende präsentiert einzeln einen Gegenstand und fragt, ob er vertraut ist. Gemeinsam wird über den Nutzungszweck gesprochen („Ihre Uhr haben Sie doch täglich getragen“), was Erinnerungen auslöst. Sofern die Person das Objekt selbst greifen kann, soll sie es beschreiben (Gefühl, Aussehen). Die Pflegekraft notiert Themen, die aufkommen. Ziel ist es, vertraute Alltagsgegenstände als Trigger für Gespräche zu nutzen.

Beispiel: In Frau R.s Tasche findet sich ein altes Stück Seife: Sie hält es in der Hand, riecht daran und sagt: „Das war im Urlaub.“ Sie beginnt, vom Seifenduft eines Badesees im Schwarzwald zu erzählen. Die Pflegerin nimmt die Erinnerung auf und lässt den Duft immer wieder riechen.

Balanceübungen im Sitzen

Material: Einen Gymnastikball oder ein großes Luftkissen (nur bei sehr guter Kernstabilität!).

Anleitung: Auf einem Stuhl sitzend wird ein kleiner Softball (z. B. Therapieluftballon) vorsichtig mit dem Bauch oder den Schenkeln balanciert. Die Pflegende zeigt, wie man den Ball zentriert. Wenn vorhanden, kann ein leicht aufgepumpter Gymnastikball mit den Händen in der Mitte gehalten werden. Die langsamen Bewegungen fördern Körperspannung und Gleichgewicht. Alle Teilnehmer halten sich an der Rückenlehne fest.

Beispiel: Herr M., der in jüngeren Jahren gern Sport trieb, lächelt, als er merkt, dass er den kleinen Luftball mit dem Bauch stabilisieren kann. Nach der Übung fühlt er sich zufrieden und berichtet, dass er früher täglich Steh-Übungen machte, um fit zu bleiben.

Gemeinsames Stricken oder Häkeln

Material: Dicke Wolle und Stricknadeln oder Häkelnadeln (optional in extra-dick).

Anleitung: Bei entsprechender Feinmotorik können erfahrene Bewohner wieder zum Stricken oder Häkeln animiert werden. Einfach gehaltene Muster (z. B. Schlauchschal) werden gemeinsam gearbeitet. Jemand mit guten Händen hilft der Betroffenen, Faden zu halten und Maschen zu bilden. Die Pflegekraft ermutigt zu Wiederholungen („Wie war der erste Schritt?“). Während des Strickens wird über Gegenwart und Vergangenheit geplaudert. Diese Aktivität pflegt eine lange gewohnte Fertigkeit.

Beispiel: Die frühere Hausfrau B. strickt trotz zitternder Hände still eine Mütze weiter. Ihre Nachbarin liest ihr alte Dichterverse dazu vor. Sie fühlt sich durch das Tun bestätigt, auch noch etwas schaffen zu können.

Stillleben malen (Fingerpainting)

Material: Papier, ungiftige Fingerfarben in kleinen Schalen, Wassergläser.

Anleitung: In einer Schale wird wenig Farbe bereitgestellt. Die Seniorin benutzt ihre Finger, um ein einfaches Stillleben nachzumalen (z. B. eine Vase mit Blumen, die als Vorlage liegt). Die Pflegekraft mischt die Farben oder hilft beim Vorzeichnen. Danach wird zusammen betrachtet: Was sehen wir? Auch ohne viel Malerfahrung ist dies eine sensorische Aktivierung (Farbmixen mit Fingern). Bei festeren Händen kann mit Pinsel gemalt werden.

Beispiel: Herr O. malt mit dem Zeigefinger drei große blaue Kreise auf ein Blatt. Die Pflegende erklärt, es sei eine Himmel und ein See. Er nickt. Später baut die Gruppe das Thema aus: „Welche Blumen blühen wohl im Sommer?“ und alle pinseln gemeinsame Ergänzungen auf.

Fototapete mit Erinnerungen

Material: Eine große Tafel oder Papierrolle, auf der gemeinsam Erinnerungsbilder und -texte aufgeklebt werden (z. B. Bilder von Kindheit, Hochzeiten, Lieblingsorten).

Anleitung: Die Pflegekräfte bringen an die Wand eine beschreibbare Fläche an. Zusammen mit den Bewohnern wird diese als „Erinnerungswand“ genutzt. Jeder kann seine eigenen Fotos mitbringen und sie dort platzieren. Beschriftungen (Untertitel, Namen) werden hinzugefügt. Durch das Anschauen und Platzieren entsteht Gesprächsstoff. Später kann die Wand bei Bedarf umgesetzt oder fotografiert werden.

Beispiel: Eine Gruppe Bewohner gestaltet eine Wand mit alten Stadtansichten ihrer Heimatstädte. Plötzlich erkennt Frau K. das Rathaus ihres Heimatdorfes und erzählt stolz, wie sie dort als Kind Briefmarkensammlungen organisiert hat. Die Auseinandersetzung mit eigenen Lebensfotos fördert Stolz und Identität.

Gedächtnisdrama (Rollenspiel)

Material: Requisiten für eine kurze Szene (alte Telefon-Rolle, Holzhocker als Barhocker o.ä.). Skriptabschnitt oder improvisierte Handlung.

Anleitung: Zwei Bewohner spielen unter Anleitung eine einfache Alltagsszene nach (z. B. Telefongespräch mit der Enkelin). Die Rollen werden klein gehalten (Name sagen, Bitten äußern). Die Pflegende gibt die Stichworte („Du klingelst an ihrer Haustür“). Das Rollenspiel übt soziale Kommunikation. Alle anderen schauen zu und applaudieren nach der Szene, was die Darsteller motiviert.

Beispiel: Herr P. mimt unter Anleitung einen Friseurbesuch: „Darf ich bitte 5 Schnitte?“ Die Gruppe hilft ihm mit Hinweisen („3 cm vielleicht?“). Alle lachen, wenn der Frisörhut verrutscht. Der Humor lockert auf und lässt ihn engagiert mitmachen.

Wollspulenbahn (Kreativspiel)

Material: Stoffrest zum Aufwickeln (eine lange Schnur, dekorative Wolle), Muffinförmchen oder leere Dosen als Stützen.

Anleitung: Zusammen baut man aus Muffinförmchen/ leeren Konservendosen eine Art Mini-Parcours, auf dem Faden rollen kann. Anschließend halten die Senioren das lose Ende einer Wollschnur fest und eine*r kurbelt die Schnur auf; die Spule wird vor sich auf der Bahn bewegt. Beim langsamen Abrollen ertönt ein entspannendes Wickelgeräusch. Diese Aktivierung fördert Geduld und feinmotorisches Verständnis.

Beispiel: Eine sitzende Gruppe beobachtet, wie die bunte Wollschnur die Rampen hinabrollt und wieder aufrollt. Diese leichte Beschäftigung wirkt beruhigend. Eine Bewohnerin meint plötzlich: „Sieht aus wie die Leine des Lottospiels.“ Alle finden diesen Vergleich süß.

Gemeinsames Gießen der Zimmerpflanzen

Material: Große Zimmerpflanzen in einigem Abstand, Gießkanne oder kleine Töpfe mit Wasser.

Anleitung: Jeder nimmt abwechselnd die Gießkanne und gießt behutsam eine Zimmerpflanze (oder verteilt Wasser). Die Pflegenden erklären, wie viel Wasser die Pflanze braucht. Nach dem Gießen streicheln alle gemeinsam das Laub (Staub und leichte Krümel abzuspülen). Diese Aktivierung vermittelt Verantwortung, gibt körperliche Betätigung und baut Sensorik (Kühlen Wasser, weiche Blätter) ein.

Beispiel: Frau U., früher Hobbygärtnerin, gießt voller Vorsicht eine großblättrige Zimmerpflanze. Sie murmelt: „Sonne braucht sie.“ Danach streicht sie sanft mit der Hand über das Blatt, als habe sie damit ihre eigene Gartenarbeit fortgesetzt.

Ballon-Schützenspiel

Material: Ein Luftballon (unaufgepumpt oder leicht aufgepumpt) und zwei große Pappteller oder Softpingpong-Schläger.

Anleitung: Zwei Bewohner sitzen sich gegenüber. Eine Schützer hält den Ballon über einen Teller und „schlägt“ ihn sanft hoch. Der*die andere versucht mit dem eigenen Teller den Ballon zurückzuschlagen, ohne aufzustehen. Der Abstand wird je nach Fähigkeit angepasst. Dieses Spiel aktiviert Reaktion, Armbewegungen und macht Spaß.

Beispiel: Herr S., der Rollstuhlpatient, fährt nahe an den Tisch heran und hält das Pappbrett schützend. Die Krankenschwester schlägt den Ballon. Er lacht und schlägt zurück. Es entwickelt sich ein kleines freundliches Ping-Pong. Seine Fäuste werden warm vom Anfeuern der Mitspieler.

Fotos einfärben (Maltherapie)

Material: Kopien alter Schwarz-Weiß-Fotografien, bunte Filzstifte oder Aquarellfarben.

Anleitung: Die Bewohnern erhalten ausgedruckte Kopien alter Fotos (z. B. von einem Fest). Dazu bekommen sie Stifte, um das Bild „nachzuzeichnen“ und mit Farbe zu versehen („Malen Sie dem Kleid eine rote Farbe“). Ziel ist nicht realistisches Ausmalen, sondern Ausdruck. Während des Malens erinnern sie sich an die Szene. Anschließend werden die Bilder ausgestellt.

Beispiel: Frau V. malt ihr Hochzeitsfoto in leuchtenden Farben an. Sie strahlt, als sie den fertigen Jungen in ihrer Hand sieht. Das gemeinsame Betrachten weckt sofort Geschichten um das Datum. Sie erzählt, dass sie ihr Kleid selbst gemalt hat, und beginnt ein Lachen – ein wunderbarer, emotionaler Moment.

Klangreise mit Klangschale

Material: Eine Klangschale oder eine große handtellergroße Glocke, optional mit einem weichen Schlägel.

Anleitung: Die Pflegekraft schlägt einmal leise gegen die Klangschale, um einen langklingenden Ton zu erzeugen. Die Seniorin schließt die Augen und lauscht bewusst, wie der Ton verklingt. Danach tauschen die Rollen: Die Bewohnerin darf den Schlägel benutzen. Anschließend wird besprochen, wie der Ton empfunden wurde. Diese achtsame Übung fördert Entspannung und Wahrnehmung von Schallwellen.

Beispiel: Frau O. hält überrascht inne, als der Klang lange nachschwingt. Sie sagt: „So ein schönes Klingen…“ Die Atmosphäre wird ruhig. Nach einigen Wiederholungen ist sie spürbar entspannter, ihre Atmung ist ruhiger.

Leserolle (Buchrolle basteln)

Material: Großer Papierstreifen (aufgerolltes Plakatpapier), Stifte, vorgedruckte Fragen oder Zeichenvorlagen.

Anleitung: Ein langes Papier wird ausgelegt und die Bewohner notieren oder malen etwas darauf. Es können Fragen zum Lebensweg eingetragen werden („Unser gemeinsamer erster Tag – was hast du gedacht?“) oder man malt Symbole (Haus, Blume, Auto). Die Papierrolle wird danach aufgerollt. Beim nächsten Mal wird sie entfaltet und daran angeknüpft (Rollenspiel: „Wir lesen die lange Lebensgeschichte unseres Wohnbereichs“). Dies verbindet Schreiben/Malen mit Gesprächen.

Beispiel: Zusammen schreiben drei Senioren auf die Rolle: „Heute backen wir Plätzchen!“ Danach wird sie eingerollt. Zwei Tage später wird die Rolle zum Aufrollen und Vorlesen benutzt – jedes Familienmitglied der Gruppe fügt seinem Beitrag auf. Die dynamische Aktivität regt die Vorfreude auf gemeinschaftliche Projekte an.

Jede dieser Aktivierungen kann flexibel an das Tempo und die Fähigkeiten der Beteiligten angepasst werden. Durch Wiederholung („regelmäßig und kurz”) und Variation bleibt das Wohlfühlzimmer ein lebendiger Ort des Austauschs. Dabei gilt stets: Die Auswahl der Aktivitäten soll am Menschen orientiert sein, Freude bereiten und kleine Erfolgserlebnisse ermöglichen.

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