Gute Erkenntnis-Laune, liebe Koapier-Community,
macht mir diese Folge, obwohl sie von Monstern und geschickten Gauner handelt.
Denn am Cover-Song, der diese Woche von Sebastian Hotz vorgeschlagen wird, lässt sich perfekt beschreiben, woher meine Begeisterung fürs Kopieren (als Erklärmuster für die Digitalisierung und ihre Folgen) kommt - und wie wir gegen die Macht der Konzerne aufbegehren könnten. elhotzo nimmt uns mit in die Zeit der Monster, in der das Digitale mit geschickten Gaunern und Räubern assoziiert wurde. Heute erleben wir eine ähnliche Abwertung - die Social-Media-Scham (Si apre in una nuova finestra) arbeitet aber jetzt vor allem mit dem Metaphern-Feld Sucht und Abhängigkeit.
Die Lösung, um mit beiden negativen Konnotationen umzugehen, liegt meiner Einschätzung nach übrigens darin, die Kopiermaschine Internet besser zu verstehen Kopieren kapieren heißt für mich mehr Digitalisierung, nicht weniger! diese Antwort möchte ich weiter unten in dieser kleinen Jubiläumsfolge mit euch teilen möchte. Denn 20% des gemeinsamen Koapierweges dieses Newsletters sind mit dieser Folge erreicht und es macht mir sehr viel Freude mit Euch!
Vielen Dank, ihr geschickten Gauner!
Dirk
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“Smooth Criminal” von Alient Ant Farm (Si apre in una nuova finestra) - vorgeschlagen von @elhotzo (Si apre in una nuova finestra), Sebastian Hotz, dessen neuer Roman Sidekick (Si apre in una nuova finestra) im April erscheint. In seiner Bio auf der Verlagswebsite steht: “seine gesellschaftskritischen und treffsicheren Postings werden täglich von Millionen Menschen gelesen. Sein Debütroman war ein Bestseller” - und spielt zum Teil in meiner Geburtstag Mülheim an der Ruhr. Den letzten Teil habe ich ergänzt, um Mindset (Si apre in una nuova finestra) zu empfehlen.
Als die alte Welt (CDs und Vinyl) im Sterben lag und die neue (problemlos überall streamen) noch nicht geboren wurde, gab es eine Zeit der Monster (Raubkopieren). Zu dieser Zeit der Monster war ich ein Teenager, der sein hart verdientes Konfirmationsgeld in ein brandneues Android-Smartphone investiert hat, von dem noch niemand so richtig wusste, was man damit anstellen kann.
Naiverweise habe ich damals die Worte “Free Music” in den Appstore getippt und habe - Äonen vor AI-Suchergebnissen und gesponserten Ergebnissen - auch genau das bekommen. Free Music. Nachdem ich mit dem Download aller Ärzte-Alben meine Grundbedürfnisse gedeckt hatte, stieß ich durch Zufall auf einen Song namens “Smooth Criminal” der Band Alien Ant Farm, von dem ich eine Zeit lang annahm, dass er der beste Song der Welt ist und von dem ich noch viel länger annahm, dass diese seltsame Nu Metal-Band mit dem lustigen Namen der originale Urheber dieses Songs wär. Dieser Song hatte alles, was ein pubertierender oberfränkischer Junge ohne echte Probleme haben will. Viel zu laut, viel zu schnell, das Musikvideo (Si apre in una nuova finestra) ist eine dieser typischen Hinterhof-Vorstadt-Gartenparties, die für das Ende der 90er und den Beginn der 2000er in punkrockigen/numetalligen Genres so typisch waren. Alles klingt und sieht aus, als wäre es für den Soundtrack eines Teenie-Sauf-Comedy-Films geschaffen worden, der erst noch gedreht werden muss.
Erst eine beschämend lange Zeit später, in der die Pubertät zumindest altersmäßig längst vorbei war, hörte ich im Radio den ECHTEN “Smooth Criminal” und es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Denn natürlich hat eine Band namens “Aliens Ant Farm”, die weder vor, noch nach diesem Cover jemals wieder einen vergleichbaren Hit hatte, nicht einen derart fantastischen Song geschrieben. Und natürlich ist Michael Jacksons “Smooth Criminal” um Meilen besser, als die mir so liebe Cover-Version mit den schnellen und viel zu harten Gitarrenriffs.
Aber es darf die Frage erlaubt sein, ob eine Welt, in der eine Band namens “Alien Ant Farm”, deren Songs ansonsten klingen, als wären sie für 14-Jährige mit zwei Dosen Monster Energy intus gemacht worden, versehentlich einen der größten Popsongs überhaupt schreibt, nicht schöner als unsere wäre?
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(A2) Wer einem Grundschulkind eine Tüte Gummibärchen schenkt, wird sich moralisch berufen fühlen, dazu zu animieren, die Süsswaren mit den anderen zu teilen. Wer jedoch eine digitale Datei teilt, wird sich moralisch berufen fühlen, darauf hinzuweisen, diese nicht zu “rauben”.
Dieser moralische Widerspruch illustriert meiner Einschätzung nach am besten, weshalb die Rhetorik der Raubkopie wenig hilfeich ist. Ich habe in Folge 9 schon beschrieben, weshalb wir sie verlernen sollten (Si apre in una nuova finestra).
Hier möchte ich darauf hinweisen, woher sie kommt: aus dem tiefen Unverständnis der Kopie. Der Internet-Vordenker und Lebensratschlag-Geber Kevin Kelly (Si apre in una nuova finestra) spricht von der “Kopiermaschine Internet” ("Wird ein kopierbarer Gegenstand mit dem Internet in Berührung gebracht, dann wird er kopiert, und diese Kopien lassen sich nicht mehr aus der Welt schaffen"), die zu dem führt, was ich als historische Ungeheuerlichkeit bezeichne: die digitale Kopie verändert Geschäftsmodelle und fordert neue Perspektiven - und womöglich eine andere Rhetorik.
Für das Lob der Kopie (Si apre in una nuova finestra) habe ich dazu Urs Gasser interviewt, der 2008 das Buch “Generation Internet” veröffentlichte und heute an der TU in München lehrt. Wir sprachen über die Rhetorik der Gauner, Monster und Raubkopierer und Gasser sagte: “Ich bin nicht für die Abschaffung des Urheberrechts, aber diese Rhetorik hilft wenig bei der Lösung des Problems. Weil es eben in der Tat nicht dasselbe ist, ein Brot zu teilen oder aber digitale Informationen. Wir wissen aus der Wissensökonomie, dass das nicht rivalisierende Güter sind, die eher künstlich und relativ spät in der Kulturgeschichte über Monopolrechte gesichert wurden.”
Die Volkswirtschaftslehre nutzt den Begriff des Rivalisierungsgrads (Si apre in una nuova finestra), um zu beschreiben wie exklusiv bestimmte Güter sind (“Rivale Güter zeichnen sich dadurch aus, dass der Konsum eines Gutes durch einen Konsumenten den Konsum desselben Gutes durch einen anderen Konsumenten behindert oder sogar verhindert.”) Mit diesem Wissen lässt sich übrigens auch sehr gut beschreiben, worauf die Macht der großen Tech-Konzerne gründet: Sie haben uns durch ihre walled gardens eingeredet, digitale Dateien seien rivale und exklusive Güter. Das stimmt aber gar nicht. Daran zu erinnert, heißt: das Kopieren zu kapieren und einen Ausweg aus der Übermacht der Konzerne zu erkennen!

Wusstest du, dass “Girls Just Wanna Have Fun” von Cindy Lauper eine Cover-Version ist? Ich musste dran denken, als ich für die TheFallplaylist (Si apre in una nuova finestra) den Song vorgeschlagen habe (hier das Original (Si apre in una nuova finestra), das zurecht weniger bekannt ist).
Vergangene Woche war aber nicht nur Weltfrauen tag, es ging hier… um den relevantesten Musik-Wettbewerb in Italien (Si apre in una nuova finestra). Diese Woche möchte ich auf den ECC am 19.9. hinweisen - den Erkelenzer Cover-Contest (Si apre in una nuova finestra). Wie in Sanremo geht es auch in Erkelenz um Cover-Versionen - bis 30.4. können sich Cover-Bands bei der Stadt bewerben, las ich diese Woche in der Rheinischen Post (Si apre in una nuova finestra).
Ich erzähle das, weil mich das Thema Cover-Bands natürlich sehr beschäftigt. Da ich auf meinen Wegen durch die Stadt häufiger an Plakaten der Band Mytallica (Si apre in una nuova finestra) vorbeifahre, frage ich mich (und hiermit euch): Kennt Ihr Cover-Bands persönlich? Mich würde sehr interessieren, was die besondere Begeisterung ausmacht. Gerne würde ich das Thema hier im Newsletter behandeln. Wie schon bei der Frage zum Phonk-Phänomen (Si apre in una nuova finestra) also auch hier die Einladung: Wenn du dazu eine Idee hast, melde dich gerne bei mir!